Sohn des Grafen
Heden I. der Ältere aus seiner 1. Ehe mit einer namentlich
unbekannten Gemahlin; Enkel eines Herzogs
Hruodi (Crodebertus)
Ewig Eugen: Seite 194
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„Die Merowinger und das Frankenreich“
Wie alle Großen der austrasischen Reichsaristokratie des späten 7. Jahrhunderts, waren auch die main-thüringischen Herzöge Christen. Das schloß gelegentliche Konflikte mit Glaubensboten, die einer strengeren Eheauffassung Geltung verschaffen wollten, nicht aus. Auf Veranlassung von Hedens II. Vater Gozbert wurde Kilian, der "Apostel der Mainlande", um 689 mit seinen Gefährten Colman und Totnan erschlagen, weil er die Ehe Gozberts mit der Witwe seines Bruders als unkanonisch erlaubte Verwandtenehe angegriffen hatte.
Werner Matthias: Seite 149
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"Adelsfamilien"
Eine zweite wichtige Quelle zur Familie Hedens ist
die vor der Mitte des 9. Jahrhunderts entstandene Passio minor sancti Kiliani.
Sie nennt als Eltern Hedens einen dux Gozbert
und eine Geila
und teilt zu letzterer mit, sie sei zuvor mit einem Bruder Gozbertsverheiratet
gewesen .
Als Anhaltspunkt für eine zeitliche Einordnung der
Generationenfolge findet sich der Hinweis, das Martyrium des heiligen Kilian,
der 688/89 mit seinen Gefährten in Würzburg erschlagen worden
war, habe zur Zeit des dux Gozbert
stattgefunden.
Störmer Wilhelm: Seite 11
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"Zu Herkunft und Wirkungskreis der merowingerzeitlichen
'mainfränkischen'Herzöge"
Allein die Pssio minor sancti Kiliani bietet die Rekonstruktionsmöglichkeit
der mainfränkischen Herzogsreihe. Der Quelle zufolge waren die Eltern
des letzten Herzogs Heden II. ein dux Gozbert
und seine Gemahlin
Geilana (die vorher mit einem nicht
namentlich bekannten Bruder
Gozberts
verheiratet gewesen sein soll). Dux Gozbert wiederum
wird als Sohn
Hetanis
senioris, qui fuit filius Hruodis
bezeichnet. Obgleich nicht ausdrücklich betont, darf doch mit Sicherheit
angenommen werden, daß die beiden genannten PersonenHeden
der Ältere und
Hruodi
bereits Herzöge des mainfränkischen Raumes waren. Für Würzburg
und Mainfranken gilt also laut Passio I die Herzogsreihe
Hruodi
- Heden I.-
Gozbert
- Heden II.
[So verstand es auch die Passio. Auch wenn es sich um eine Passio, das
heißt Legende im Sinne Lotters (F. Lotter, Severinus von Noricum.
Legende und historische Wirksamkeit 1976 Seite 1-20), handelt, legt sie
Wert auf die Rahmengegebenheiten. Für den Schreiber des 8. und 9.
Jahrhunderts waren diese Herzogsnamen bekannt. Wären die Vorfahren
Gozberts
noch keine Herzöge gewesen, hätte er sicherlich dazu eine Bemerkung
geacht.]
Der irische Missionar Kilian wirkte in Würzburg
unter dem dux Gozbert und seiner Gemahlin
Geilana.
Nach allgemeiner Auffassung wurde Kilian mit seinen Gefährten um 689
enthauptet; er wird wohl erst wenige Jahre vorher nach Würzburg gekommen
sein. Das ergibt einen ersten Datierungsfixpunkt für den dux
Gozbert. Wenn die Passio weiterhin - zeitraffend - berichtet,
daß die Strafe Gottes alle Schuldigen ereilt habe, den Mörder,
die Herzogs-Gemahlin Geilana, ferner
Herzog
Gozbert, den seine Knechte mit dem Schwert getötet haben
sollen, schließlich seinen Sohn
Heden II., den das Volk der Ostfranken
aus dem Reiche vertrieben habe, so bedarf es noch genauer Datierungsmöglichkeiten.
704 stellt der
dux Heden II. eine Urkunde aus, die seine Gemahlin Theodrada
und sein Sohn Thuringus (filius Hedeni)
mitunterzeichnen. Das heißt, daß zu dieser Zeit Heden nicht
nur selbständig handelnder Herzog, also damit auch volljährig
war, sondern auch bereits vermählt war und Nachkommen hatte. Man muß
annehmen, daß Heden damals mindestens 20 Jahre alt war. Im
Hinblick auf seine Aktivitäten in Thüringen ist dieses jugendliche
Alter aber recht unwahrscheinlich.
Seine Geburt müßte ohnehin spätestens
in den Zeitraum um Kilians Tod (um 689) fallen, zumal die Herzogin Geilana
der Passio zufolge dann wahnsinnig wurde. Wie lange Herzog
Gozbert nach 689 noch regierte, entzieht sich freilich unserer
Kenntnis. Aber auch bezüglich Gozbertwird
man sagen müssen, daß er um 689 sicherlich bereits 20 Jahre
alt war (wenn nicht wesentlich älter). Sollte er gleich nach seiner
Volljährigkeit den Dukat erhalten haben, wäre dies spätestens
um 685 gewesen.
Die Angabe, daß dux Gozbert
die Gemahlin seines ungenannten verstorbenen Bruders geheiratet habe, läßt
darauf schließen, daß auch dieser Bruder für eine gewisse
Zeit das mainfränkische Herzogsamt innehatte. Für diesen Sachverhalt
haben wir eine Reihe von Parallelbeispielen aus anderen Regionen. Es dürfte
keine Frage sein, daß die Ehe mit Geilana eine wichtige Garantie
für Gozberts Herrschaft war.
oo 2. Geilana
-
Kinder:
Heden II.
- nach 717
Literatur:
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Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 194 - Störmer
Wilhelm: Zu Herkunft und Wirkungskreis der merowingerzeitlichen 'mainfränkischen'
Herzöge in Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag.
Verlag Michael Lassleben Kallmünz Opf. 1993 Seite 11-21 - Werner
Matthias: Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1982 Seite 149 -