Sohn des Fürsten
Privina und einer bayerischen Adligen
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1244
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Kocel, Fürst in Pannonien
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+ um 875
Herrschte nach seinem Vater Privina
(+ um 860) in der Hauptburg Mosapurg (Zalavar) am Plattensee.
Sein Name (in den lateinischen Quellen Chozilo,
Chezilo), der nicht slavischen Ursprungs ist, geht wohl auf
fränkisch-bayerischen Einfluß zurück. Unter dem Eindruck
des Wirkens der aus Mähren nach Rom reisenden Salvenlehrer Konstantin
und Method an seinen Hof (ca. 867) entschloß sich Kocel
zur Förderung der slavischen Liturgie. Gegen Ansprüche
des Erzbistums Salzburg, wie sie in der Conversio Bagoariorum et Carantanorum
dargestellt sind, rechnete er sein Herrschaftsgebiet nun zeitweise zur
Diözese des von Papst Hadrian II. zum Erzbischof ernannten Method.
Nach Kocels
Tod ging das pannonische
Fürstentum in der fränkischen Markenorganisation auf.
Infolge einer Mißhelligkeit, die nachmals zwischen
dem mährischen Häuptling Pribina
und dem Markgrafen Ratbod ausbrach, verließ er diesen und begab sich
zu mit seinm Sohn Kozel ins Land der
Bulgaren.
Seinen Sohn Kozel
finden wir im März 861 in Regensburg, wo er der Freisinger Kirche
eine Schenkung machte, vielleicht als Flüchtling und der deutschen
Hilfe gegen Mähren begehrend. Das frühere Gebiet Pribinas
am linken Donauufer bei Neitra erscheint später in mährischem
Besitz, während in dem Land um den Plattensee, welches Ludwig ihm
geschenkt, Kozel seinem Vater nachfolgte.
Die Erwähnung von Fünfkirchen und von Pettau
unter den von
Pribina beherrschten
Orten läßt sich schließen, daß ihm ganz Unterpannonien
nördlich von der Drau untergeben war, wie auch sein Sohn Kozel,
der schon bei seinen Lebzeiten ein eigenes Gebiet verwaltete, nachmals
als Herrscher des gesamten Pannoniens bezeichnet wird.
Ihr Weg führte sie durch Pannonien, woselbst sie
einige Zeit bei dem frommen Fürsten Kozel
verweilten, der von ihnen in der slowenischen Schrift unterrichtet, großes
Wohlgefallen daran fand und ohne Rücksicht auf seine bisherige Verbindung
mit Salzburg ihnen eine große Anzahl von Schülern überwies,
um diese ebenfalls mit der Schrift vertraut zu machen. Die dargebotenen
Geschenke lehnte Konstantin bei ihm wie bei Rastislav
ab und begnügte sich statt dessen für 900 Kriegsgefangene die
Freiheit zu erbitten.
Zur Wiederaufnahme seiner durch die römische Reise
unterbrochenen Wirksamkeit gab zunächst, während Mähren
durch die deutschen Heerscharen schwer heimgesucht wurde, der
pannonische Fürst Kozel den Anstoß. Jener kurze Aufenthalt
der beiden Missionare in seinem Lande hatte ihn ein lebhaftes Verlangen
hinterlassen, den Gottesdienst in der Muttersprache zu hören und zu
feiern: so schickte er denn jetzt, etwa 869, Boten nach Rom und bat sich
vom Papst Methodius als Lehrer für sein Volk aus. Kozel
empfing den aus Rom mit seinem Gefährten zurückkehrenden Methodius
zwar mit allen Ehren, doch war er wenig damit zufrieden, daß derselbe
nur die einfache Priesterweihe erhalten hatte. Er schickte ihn daher in
Begleitung von 20 Männern nach Rom zurück und erwirkte, daß
ihn der Papst im Jahre 870 oder 871 zum Erzbischof für Mähren
und Pannonien ernannt wurde.
Nicht lange nach Mathodius Rückkehr starb der Fürst
vom Plattensee, ohne einen Nachfolger aus seinem Geschlecht zu hinterlassen.
Dies kleine slavische Fürstentum wurde demnach jetzt eingezogen
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 35,466,617,627,
701,814,817-820 -