Tochter des Königs
Boso von Nieder-Burgund aus seiner 1. Ehe
Hlawitschka, Eduard: Seite 37
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"Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem hochburgundischen
und dem niederburgundischen Königshaus. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte
Burgunds in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts"
Hingegen ist diese Verbindung für Boso
möglich, und zwar - da der Name Willa,
wie festgestellt, bei den älteren BOSONIDEN
nicht vorkommt - auch nur dann, wenn Willa eine
Tochter aus einer früheren Eheverbindung Bosos
(vor seiner Ehe mit der KAROLINGER-Prinzessin
Ermengard)
gewesen ist. Es wird also die Annahme einer früheren Ehe Bosos
notwendig. Und in der Tat ist uns ausdrücklich bezeugt, daß
Boso
bevor er im Frühjahr 876, wenn nicht gar erst nach dem März 877,
Ermengard
aus Italien entführte und heiratete, schon einmal verheiratet war.
Nachden Fuldaer Annalen soll er seine frühere Gemahlin mit Gift beseitigt
haben. Auch wird in den Annales Bertiniani bereits zum Jahre 878, also
für eine nur recht knappe Spanne nach seiner Verheiratung mit Ermengard,
die Verlobung einer filia
Bosonis
mit König Ludwigs des Stammlers Sohn
Karlmann
berichtet. Hierbei wiederum kann es sich schon deshalb nicht um eine Verlobung
des damals etwa 12-13-jährigen
Karlmann
mit einer (wenn auch eben erst geborenen) Tochter Bosos und Ermengards
gehandelt haben, weil beide, sowohl eine Tochter Ermengards
als auch der Sohn Ludwigs des Stammlers,
karolinger-blütig
und für eine spätere Ehe zu eng miteiander verwandt waren (3:
4). So ist also eine frühere Ehe Bosos - vor derjenigen
mit Ermengard - und Nachkommenschaft aus dieser früheren Ehe,verbindung
völlig gesichert.
Beachtet man dies und sieht man als Bosos Tochter
aus dieser seiner früheren Ehe jene Willa,
die spätere Gemahlin König Rudolf I.
von Hoch-Burgund, an, so lösen sich die Probleme.
In der soeben entwickelten Sicht der Zusammenhänge
läßt sich der Name Ludwig bei Willas
und
König Rudolfs I. Sohn Ludwig
erklären - und zwar als vom Stiefbruder Willas
entlehnt, wobei die Möglichkeit, das eigene Geschlecht dabei bewußtseins-
und namensmäßig an das karolingische
anzusippen, auch eine bedeutende Rolle gespielt haben wird.
Schneidmüller Bernd: Seite 81
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."
Rudolf I. starb vermutlich
am 25. Oktober 912. Die neuere Personenforschung hat ihm eine ansehnliche
Familie zugewiesen. Unklar sind Name und Herkunft seiner Gattin, angeblich
eine Dame namens Willa, vielleicht
eine Tochter König Bosos von der Provence?
Mehr wissen wir über zwei Söhne (Rudolf,
Ludwig) und zwei Töchter,
Judith und Waldrada, die
Gattin des Markgrafen Bonifaz von Spoleto.
1. oo Rudolf I. König von Hoch-Burgund
-25.10.912
912
2. oo 1. Hugo König von Italien
x
880-10.4.947
Kinder:
1. Ehe
Judith
-
Rudolf II. König von Hoch-Burgund
-11.7.937
Adelheid
-
18.1.914
oo 2. LUDWIG III. König von Nieder-Burgund
um 880-5.6.928
Willa
-
oo Boso von Arles, Markgraf von Tuszien
-
Waldrada
-
oo Bonifaz Markgraf von Spoleto
- 954
Ludwig Graf im Thurgau 922-928
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Literatur:
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Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln
der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands.
Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1987, Seite 47 - Schneidmüller Bernd: Die
Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin
Köln 2000 Seite 81 -