Illegitime Tochter des Königs
Hugo von Italien aus seiner Verbindung mit der Rotruda
Brandenburg Erich: Tafel 4 Seite 8
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"Die Nachkommen Karls des Großen"
VII. 22 h. Rotlinde
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Gemahl: a) vor 945 29. III. Graf
Elisiard
+ vor 948 IX.
b) Bernhard Graf von Pavia
VII. Generation
30-32
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Die Lebensdaten der Rotlinda
lassen sich präzisieren. Ihre Mutter Rotrud/Roza, "Tochter
des angesehenen Königsrichters Walpert aus Pavia" (Hlawitschka 188),
war zunächst Gattin des Pfalzgrafen Giselbert (Hlawitschkla 186-188),
der nach 927 V 14, vor 929 XI 19 starb (ebd. 188). Wir dürfen annehmen,
daß König Hugo die illegitime
Verbindung mit der Frau seines Pfalzgrafen einging, als diese etwa 928
Witwe geworden war, womit etwa 929/30 die Geburtszeit der
Rotlinda
wäre, was sehr gut zu ihrer ersten Nennung als Gattin des Grafen
Elisiardus 945 III 29 (Hlawitschka 174f.) paßt: 14-16 ist das
damals bei weitestem häufigste Lebensalter der Frauen bei der Eheschließung.
Rotlindas Mutter, Rotruda comtissa,
que Roza vocatur, erscheint in der gleichen Urkunde, ebenso Lanfranc (Hlawitschka
217), legitimer Sohn Rotruds und Stiefbruder der Rotlinda.
Über Nachkommen aus Rotlindas
erster, kurzer Ehe ist nichts bekannt. In zweiter Ehe hat die Tochter König
Hugos den Grafen Bernhard von Pavia geheiratet, Sohn
des Grafen Maginfred von Parma, also einen bedeutenden italienischen Grßen;
vgl. Hlawitschka 175, Anmerkung 3 zu Elisiardus, und die dort genannten
Urkunden. Von ihnen ist bemerkenswert das D O II 130 von 976 VI 30, in
dem Bernhard mehrere (Königs-)Höfe, die ihm durch seine
Frau zugekommen waren und die man ihm wegen Hochverrats konfisziert hatte,
restituiert erhielt. Die beiden Gatten werden zweimal Bernardus
et Rotlinda comites genannt!
Daraus und aus dem Umfang des ihnen in voller Verfügung restituierten
Besitzes geht das Ansehen hervor, daß die Hugo-Tochter
unter
Kaiser OTTO II. offenbar besaß.
Der Besitz wird ausdrücklich auch ihren Erben vorbehalten, so daß
mit dem Vorhandensein von Kindern aus dieser Ehe zum Zeitpunkt der Urkunde
gerechnet werden darf. Eines dieser Kinder lernen wir jedenfalls kennen:
Es ist der Ubertus diacconus (er trägt den alten Leitnamen der Familie
König
Hugos, Hucbert/Hubert), der zusammen mit seiner Mutter,
Rolend
cometissa filia bone memorie domni Ugoni
regis 1001 X 14 zu Pavia den Rechtsstreit gegen den Kaiser und
das Reich um die Abtei S. Salvatore e S. Felice zu Pavia vor dem kaiserlichen
Gericht verliert, D O III 411. Ubertus/Hubert ist Diakon der Kirche von
Pavia, und sein Vater wird, im Unterschied zur Mutter, als schon verstorben
genannt (bome memorie Bernardi comiti [sic]. Andere filiis filiabus
ipsius Rolend ohne Namensnennung erwähnt.
Diese Kinder, die Brandenburg nicht kennt, sind der achten Generation der
Nachkommen KARLS DES GROSSEN zuzurechnen.
Rotlinda
hat also ein Alter von über 70 Jahren erreicht. Liudprand, Antapodosis
IV, 14, ed. Becker 112 hat zwar die besondere Schönheit der Rotlinda
hervorgehoben (quae [sc. Roza] ei [sc. Hugoni] mirae pulcritudinis peperit
natam), aber auch ihre Abkunft vom König angezweifelt: Et quoniam
non rex solus his (sc. Pezola, Roza; Stephania) abutebatur, earum nati
ex incertis patribus originem ducunt. Abgesehen davon, daß Fragen
dieser Natur in keiner Genealogie zwingend geklärt werden können
und in unserem Fall von der Anerkennung der Kinder Hugos
als solche durch den König selbst ausgegangen werden kann, ist zu
bemerken, daß die Verbindung
Hugos mit
Roza, wie wir zeigten, um 930 datiert, während Liudprand summarisch
die Konkubinen angreift, die Hugo der
legitimen Gemahlin Bertha
(die Hugo erst Ende 937 heiratete) vorgezogen habe.
Auch die Verbindung mit Pezola muß wesentlich früher,
nach 926 zwar, aber vor etwa 930 liegen, wenn aus ihr hervorgehend Boso
um 940 Bischof wird und Bertha
944 nach Byzanz verheiratet wird.
Wandelmoda endlich, mulier nobilissima (Liudprand, Antap.
III, 20) hatte Hugo den Sohn Hubert,
der Ende 936/37 schon Markgraf in Tuszien wurde, geboren, ehe Hugo
Hilda/Alda ex Francorum
genero Teutonicorum (ebd.) heiratete, also vor etwa 924; Wandelmoda gehört
also der provenzalischen Periode Hugos
an. Hildas gleichnamige Tochter muß
ihrerseits 925 spätestens geboren sein, wenn sie 936 den römischen
patricius und princeps Alberich ehelichte und ihm etwa 939 den Sohn Octavian
schenkte. Gegenüber Brandenburg, der diese Fakten teils übersah,
teils auf die Zeitstellung der Konkubinen kaum achtete, ergeben sich danach
erhebliche Umdatierungen und Umstellungen in der Reihenfolge der Frauen
und Konkubinen Hugos.
Von der Mutter des Mailänder
Archidiakons Theobald, der Römerin Stephania, können wir
chronologisch Näheres nicht ermitteln. 958-962 schrieb Liudprand in
der Antapodosis (vgl. ed. Becker, Einleitung IX), in deren viertem Buch
(von den sechs Büchern) er feststellt,
König
Hugo (also vor 948) habe den Theobald zum Archidiakon in Mailand
gemacht in der Hoffnung, ihn später den Erzstuhl besetzen zu sehen.
Theobald war also etwa 961 Archidiakon, Erzbischof ist er nicht geworden.
Sohn einer Mutter, deren Namen wir nicht kennen, ist
endlich Gotifred, Abt von Nonantula, Brandenburg gibt zu ihm kein Datum.
Man fragt sich, ob er nicht identisch ist mit den Bischöfen gleichen
Namens, die zu seiner Zeitstellung gut passen: Erzbischof Gottfried von
Mailand, 975 etwa VII bis 980 IX 19 (Gams 796), oder Bischof Gotifred von
Brescia, 970-976, der 976 Bischof von Luna (Luni) wird, wo er bis
etwa 998 lebt (Gans 779 und 817).
Im März 945 intervenierte Aledram in Pavia bei Hugo
und Lothar für die Schenkung einiger
in der Grafschaft Tortona gelegener Besitzungen an den Grafen Elisiard
und dessen Gemahlin Rotlind mit ihrer
Mutter Rotrud.
Mit einer Urkunde vom 29. März schenken Hugo
und Lothar der
Rotruda comitissa,
que Roza vocatur, et Elisiardo comiti atque Rotlinde,
uxori sue et filie nostre, Besitzungen aus Königsgut in Garbangigo,
Petra Nigra und Besemuntio in comitatu Terdonensi sowie drei Mühlen
bei Pavia. Elisiard hatte also die illegitime Tochter
König Hugos mit Rotruda (der Tochter des Königsrichters
Walpert und Witwe des Pfalzgrafen Giselbert I.) zur Frau genommen.
29.3.945
1. oo Elisiardus Graf
-948
950
2.oo Bernhard Graf von Pavia
-30.6.976
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 4 Seite 8 - Hlawitschka,
Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962),
in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard
Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 118,127,175,217,232 - Werner
Karl Ferdinand: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000
(1.-8. Generation) Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große
Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 465 -