Sohn des Herzogs Robert III.
Kurzhose von der Normandie und der
Sibylle di Conversano
durch seine Großmutter Mathilde
war Wilhelm ein Urenkel Balduins
V. Insulanus
Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 145
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Wilhelm Clito, Graf von Flandern
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* 25. Oktober 1102, + 27./28. August 1128 gefallen
Sohn von Robert Courteheuse (+ 1134), des 1106 von seinem Bruder Heinrich I. abgesetzten und gefangengehaltenen Herzogs von der Normandie
Jan. 1123
1. oo Sibylle von Anjou (Ehe aufgelöst 1124)
2.1.1127
2. oo Johanna von Montferrat
Als Neffe König Heinrichs
I. war Wilhelm Clito lebenslang
in den Streit der Erben Wilhelms des Eroberersum
den Besitz des Herzogtums Normandie verstrickt. 1117-1119 mühte sich
eine Koalition aus Franzosen, Angevinen, Flamen sowie von Heinrich
I. abgefallenen Normannen vergeblich, das Herzogtum für
Wilhelm
Clito zu gewinnen. Nach dem Tode
des einzigen ehelichen Sohnes von Heinrich I.,
Wilhelms
des AEtheling (November 1120), galt Wilhelm
Clitobei vielen (selbst in England) als der am besten geeignete
Thronfolger. Ein erneuter Aufstand in der Normandie (1123-1124)
zugunsten
Wilhelms scheiterte jedoch.
Der vornehmste Verbündete Wilhelm Clitos,
Graf Fulco V. von Anjou, gab ihm seine
Tochter Sibylle
(mit der Grafschaft Maine als Mitgift) zur Gemahlin; im Gegenzug
setzte
Heinrich I. allerdings die kirchliche
Annullierung dieser für ihn gefährlichen Ehe durch. Beistand
fand Wilhelm Clito bei
König
Ludwig VI. von Frankreich, der ihm die Halbschwester seiner
Gemahlin anverlobte und ihm die an die Normandie angrenzende Grafschaft
Vexin als Brautgabe übertrug, vor allem ihn aber im Kampf um das
Erbe des ermordeten Grafen von Flandern,
Karls
des Guten, auf unschätzbare Weise unterstützte: Als Lehnsherr
der Grafschaft Fladern ließ Ludwig VI.am
23. März 1127 Wilhelm Clito, den
Enkel Wilhelms des Eroberers und der
Mathilde von Flandern, durch die Landesbewohner
zum Grafen von Flandern wählen und belehnte ihn mit der Grafschaft.
Der König begleitete seinen Schützling durch Flandern bis zur
Huldigung Wilhelms in Brügge.
Am 14. April 1127 verlieh Wilhelm Clito
der Stadt St-Omer eine Küre. Da Wilhelm Clito
die Erwerbung Flanderns als Sprungbrett für seine Ansprüche
auf Normandie und England nutzen wollte, unterstützte
Heinrich
I. finanziell die Gegner und trug damit zur Entfesselung eines
Aufstands bei; die flämischen Städte konnten sich mit einem englandfeindlichen
Grafen schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht abfinden. Unter dem
Vorwurf des Vertragsbruchs gegenüber seinen Untertanen erhoben sich
im Februar 1128 zunächst St-Omer und Gent gegen Wilhelm
Clito. Als Gegenkandidat trat Dietrich von Elsaß auf.
Ludwig
VI. waren durch einen Angriff
Heinrichs
I. die Hände gebunden. Nach militärischen Anfangserfolgen
(Akspoele, 21. Juni 1128) erlag
Wilhelm Clito
einer
Verwundung, die er vor Aalst, dem Bollwerk der Anhänger Dietrichs
von Elsaß, erlitten hatte. Er starb kinderlos.
XII. 157 b. WILHELM CLITO, Graf von Flandern 1127 7.
IV.
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* 1101, + 1128 wohl 27. VII..
Gemahlin: 1127 I. Johanna, Tochter des Markgrafen Rainer
von Montferrat (siehe XII. 142)
+ 1127
Anmerkungen: Seite 143
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XII. 157. Wilhelm Clito
Vanderkindere I, 305.
Nach Vanderkindere und Banks 4, 298 hatte er keine Kinder,
während manche englische Genealogen (zum Beispiel Turton 76) ihm eine
Tochter Mathilde geben, die mit Hugo Mortimer (+ 1188) vermählt und
Ahnfrau des berühmten Hauses MORTIMER gewesen sein soll. Da ich keine
Belege dafür kenne, lasse ich sie und ihre angeblichen Nachkommen
fort.
Ehlers Joachim: Seite 100,102,109
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"Die Kapetinger"
Hauptverbündeter im Norden blieb Graf
Robert II. von Flandern, der das Ziel seiner Vorgänger nach
Trennung der Normandie von England weiterhin verfolgte. Weil Teile des
normannischen Adels Heinrich I. die
Anerkennung verweigert und die einen Roberts
Sohn Wilhelm mit dem keltischen Beinamen
Clito
(Prinz) gehuldigt hatten, die anderen aber
Heinrichs I. Sohn Wilhelm Aetheling,
schien sich die alter Divergenz mindestens in starken Ansätzen zu
wiederholen.
Am 25. November 1120 ertrank Wilhelm
Aetheling, als sein Schiff bei der Ausfahrt aus dem Seinehafen
Barfleur unterging. Die Folgen der Erschütterung eines nicht auf Institutionen
ruhenden, sondern mühsam auf den Ausgleich zwischen Personen und Personenverbänden
gebauten Reichsfrieden zeigten sich sogleich, als Wilhelm
Clito seinen normannischen Anhang wieder zu sammeln suchte und
Fulko
von Anjou nicht nur seine
Tochter zurückforderte, sondern dem Eherecht entsprechend auch die
Grafschaft Maine. Fulko wechselte sogar
die Fronten und verheiratete seine zweite Tochter Sibyllemit
Wilhelm
Clito, dem er Maine zu Lehen gab.
Zum ersten Mal zeigte sich das im Jahre 1127, als Graf
Karl der Gute am 2. März in der Donatuskirche zu Brügge
von Angehörigen einer mächtigen Dienstleutefamilie ermordet wurde
und Ludwig VI. als Oberlehnsherr die
Regelung der Nachfolge an sich ziehen wollte. Gelegenheit dazu war insofern
gegeben, als Karl der Gute keine Nachkommen
hatte. Ludwig
zog nach Flandern, versammelten
den Adel in Arras und erreichte die Wahl Wilhelm
Clitos, der von seinem Bruder [Richtig: Onkel] Heinrich
I. aus dem Herzogtum Normandie verdrängt und damit als
Gegner des englischen Königs festgelegt war. Weil er durch Mathilde,
seine Großmutter väterlicherseits und Gemahlin
Wilhelms des Eroberers, ein Urenkel Graf Balduins V. von Flandern
war, sollte er die Grafschaft in der Auseinandersetzung des französischen
Königs mit der anglonormannischen Monarchie an dessen Seite halten.
Die flandrischen Kaufleute dachten jedoch nicht daran, dieser Entscheidung
bedingungslos zu folgen, denn als Importeure englischer Wolle fürchteten
sie Repressalien Heinrichs I. und waren
selbstbewußt genug, Mitsprache an der Regierung des Landes zu fordern.
Die Städte verschworen sich, nur gemeinsam zu handeln und setzten
Eide sowohl des Königs als auch des neuen Garfen durch, die ihnen
Selbstverwaltung, eigenes Gericht und Beschränkung der Steuerpflicht
versprachen: Arras, Ypern, Brügge, Gent und St-Omer waren seither
Stadtkommunen, die bald als Repräsentanten Flanderns auftreten sollten.
Wilhelm Clito verkannte
diese Lage völlig, wollte die Grafschaft als ihr Herr regieren und
beschworene Freiheiten zurücknehmen, so daß im nächsten
Jahr ein von Gent und Brügge geführter Aufstand losbrach, bei
dem Wilhelm am 27. Juli 1128
in Alost getötet wurde. Ludwig VI. hatte
ihm nicht helfen können und mußte vor Ende des Jahres den neuen
Grafen, Dietrich von Elsaß, zur Huldigung annehmen und mit der Grafschaft
belehnen.
Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 147,172,174,176,177
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"Die Anglonormannen"
Zu den unmittelbaren Folgen der Schlacht von Tinchebray
(27.9.1106) gehörte, daß Heinrich I.
seinen Neffen Wilhelm Clito der Vormundschaft
des herzoglichen Schwiegersohens Elias von Saint-Saens überließ.
Die Gegner Heinrichs I. vermochten
sogar für die Normandie einen Prätendenten zu präsentieren,
nämlich Heinrichs I. Neffen Wilhelm
Clito, den Sohn des Robert Kurzhose
und
der Sibylle von Conversano. Heinrich I.
hatte es nicht gewagt, das Kind wie seinen Vater lebenslanger Haft zu überantworten;
als der König sich dann doch des Jungen bemächtigen wollte, brachte
dessen Vormund Elias von Saint-Saens ihn in Sicherheit, und ausgerechnet
Balduin
VII. von Flandern schlug
Wilhelm Clito
in seinem 14. Lebensjahr zum Ritter. Zwar hat Wilhelm
Clito ein mehr als 20-jähriges Wanderleben geführt,
so daß er mit Ordericus Vitalis besser als "der Exilierte" zu bezeichnen
wäre; aber da ihm große persönliche Anziehungskraft nachgesagt
wurde, genoß er bis zu seinem Tode 1128 immer eine gewisse
Unterstützung in der Normandie - auf jeden Fall konnten ihn die äußeren
Feinde
Heinrichs I. politisch nutzbringend
vorschieben.
Nach bewährtem Muster wurden auch die inneren Gegner
aktiviert, in dem die kapetingische
Partei und einige normannische Barone 1118 Wilhelm
Clito als Herzog der Normandie anerkannten.
Nach dem Tode Wilhelm Aethelings
(25.11.1120) setzte sich Amalrich von Montfort für Wilhelm
Clito als Normannen-Herzog ein und zog sogar König
Heinrichs bisherigen Günstling Graf Waleran von Meulan
in die Verschwörung mit hinein. Fulko der
Jüngere verheiratete seine zweite Tochter Sibylle
mit Wilhelm Clito und belehnte diesen
mit Maine.
Darüberhinaus ließ Heinrich
I. durch einen pästlichen Legaten die Ehe zwischen Wilhelm
Clito und Sibylle von Anjou
wegen Blutsverwandtschaft annullieren, obwohl die Partner als Vettern fünften
Grades nicht enger miteinander verwandt waren als seinerseits Wilhelm
Aetheling und Mathilde oder später Kaiserin
Mathilde und Gottfried von Anjou.
Ludwig der Dicke blieb
weder diplomatisch noch militärisch untätig: Bereits auf seinem
Weihnachtshoftag von 1126 hatte er seine Großen zur Unterstützung
für Wilhelm Clito als Herzog
der Normandie aufgerufen. Auf die Nachricht vom Erbschaftseid der englischen
Großen reagierte er mit der Vermittlung einer Ehe zwischen Wilhelm
Clito und Johanna von Maurienne, und belehnte ihn mit
dem Vexin und seinen Burgen. Wilhelm Clito
trat denn auch bald mit Waffengewalt an der Grenze bei Gisors auf, wurde
aber von der Nachricht überrascht, daß der kinderlsoe Graf
Karl der Gute von Flandern am 2. März 1127 während
des Betens in der Kirche ermordet worden war. Unter Verweis auf die seinerzeitige
Ehe mit Graf Balduins V. Tochter Mathilde
mit Wilhelm dem Eroberer konnten auch
dessen Nachkommen Erbansprüche anmelden, und dabei repräsentierte
Wilhelm
Clito sogar den ältesten Mannesstamm. Militärisches
Auftreten Ludwigs des Dicken in Flandern
selbst ebnete dem Wilhelm Clito im
März und April 1127 den Weg zu weitgehender Anerkennung bei Großen
und Städten. Trotz dieser vielversprechenden Zeremonie konnte sich
Wilhelm
Clito seiner Herrschaft nicht sicher sein. Als Ludwig
der Dicke im Mai 1127 Flandern verließ, hatte er von den
weiteren Prätendenten - zu ihnen gehörte zunächst übrigens
auch König Heinrich I. - in der
Person Wilhelms
von Ypern nur einen Enkel Roberts
des Friesen dingfest machen und seinem Schwager auch nicht den
flandrischen Grafenschatz sichern können. König
Heinrich I. unterstützte zusammen mit seinem Schwiegervater
Gottfried V. von Nieder-Lothringen andere Kandidaten, und auch Stephan
von Blois blieb als Graf von Boulogne militärisch präsent.
Im Mai 1128 war Ludwig der Dicke erneut
zu persönlicher Intervention gezwungen; im nächsten Monat drang
Heinrich
I. in den kapetingischen
Bereich
ein. Die Entscheidung fiel zugunsten der anti-kapetingischen
Partrei, als Wilhelm Clito an einer
Verwundung
starb, die er sich bei der Belagerung von Aalst-Alost zugezogen hatte.
Januar 1127
oo Johanna von Maurienne, Tochter des Grafen Humbert
II. von Savoyen
-
Schwester der Königin Adelheid von Frankreich
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 20 Seite 40 -
Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 100,102,109 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/
Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 127,136
- Jäschke Kurt-Ulrich: Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln Mainz 1981 Seite 147,172,174, 176,177 - Leo
Heinrich: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard
Anton Verlag Halle 1832 Seite 42,46 -