Tochter des Grafen
Arnulf I. der Große von Flandern aus seiner 1. Ehe
Brandenburg Erich: Tafel 5 Seite 10
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"Die Nachkommen Karls des Großen"
VII. ? 42 a. HILDEGARD
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Gemahl: Dietrich II., Graf von Westfriesland und Gent
962
+ nach 988
Anmerkungen: Seite 123
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VII. 42? Hildegard
Die Vermutung, daß Hildegard, Gemahlin Dietrichs II. von Westfriesland (Holland), über deren Abkunft keine Quellenzeugnisse vorliegen, eine Tochter Arnulfs I. gewesen sei, hat Vanderkindere I, 74 f. aufgestellt und neben den nachweisbaren engen Beziehungen zwischen Arnulf und Dietrich hauptsächlich damit begründet, daß ihre beiden Söhne die Namen Arnold und Ekbert führen, also des mutmaßlichen Großvaters und Oheims. Die Vermutung hat manches für sich, ist aber nicht als gesichert zu betrachten; die Nachkommen sind daher im Teil II aufgeführt [VIIa 53]
Ergänzung: (Wolf): Kinder siehe Teil 2, VIII 68-70
(Seite 42)
VII. Generation
53
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Der Annahme von Vanderkindere 1, 74f., derzufolge Hildegard,
die Gattin des Grafen Theoderich II. von W-Friesland, eine Tochter
Arnulfs
I. von Flandern war, steht Brandenburg insoweit zurückhaltend
gegenüber, als er die Nachkommen aus dieser Ehe im 2. Teil seiner
Tafel (wahrscheinliche Deszendenz KARLS DES GROSSEN)
bringt. In der jüngeren Literatur wird die Historizität dieser
Filiation allgemein angenommen, vgl. etwa F-L. Ganshof, La Flandre sous
les premiers comtes 125 (die Grafen von Holland stammen über eine
Tochter Arnulfs des Großen von den Grafen von Flandern ab)
und Uhlirz, Jbb. Ottos III. 455 (wo versehentlich von Arnulf II.
statt dem I., gesprochen wird), die die Abkunft der Hiltigard
(ebd. Anm. 22: Sie erscheint 971/72 in zwei Schenkungsurkunden
Theoderichs
für
Blandigny bei Gent - dieses Datum ist zu Brandenburg nachzutragen) vom
Grafen von Flandern für "sehr wahrscheinlich" hält und 450f.
betont, wie Theoderich II. seit 941 VII 8 in Urkunden
Arnulfs
I. und seines Nachfolgers durch mehrer Jahrzehnte hindurch begegne,
"und zwar stewts als erster unmittelbar nach dem Markgrafen selbst". Ein
zwingendes Argument für die Filiation sehen wir in dem bisher schon
stets betonten Umstand, daß die beiden Söhne der Hildegard,
Arnulf und Ekbert, der spätere Erzbischof von Trier, Name des flandrischen
Grafenhauses tragen: Arnulf
den Namen des anzunehmenden Vaters
der Hildegard, der ihn durch seine karolingische
Großmutter
Judith
zugebracht erhielt, Ekbert den Namen eines Sohnes Arnulfs I., also
Bruders der Hildegard. Daß
Hildegard nicht eine Tochter
Arnulfs von der Heribert-Tochter
Adela sei, also nicht aus einer
erst 934 geschlossenen Ehe stamme, sondern aus einer früheren Verbindung
Arnulfs, hat Vanderkindere wohl zu Recht angenommen, denn es ist
wenig wahrscheinlich, daß Ekbert, der jüngere der Söhne
Hildegards, der schon 976 I Kanzler
OTTOS
II. war (DD O II ed. Sickel, nr. 125, 126) und 977 Erzbischof
von Trier wurde, Sohn einer Mutter war, die frühestens 936 geboren
sein könnte, wenn sie Tochter Adelas
wäre (da das erste
Kind aus Adelas Ehe Liutgard
war). Es kommt hinzu, daß
Arnulf I. zur Zeit seiner Ehe mit
Adela
schon in recht fortgeschrittenem Alter war, eine vorübergehende Verbindung
auch darum wahrscheinlich ist. Auch Ganshof 27 hält Arnulfs
Verbindung mit Adela für seine 2. Ehe. Ich nehme also sowohl
Hildegard
als auch ihre Kinder in die Tafel auf. - Zu den Lebensdaten ist ergänzend
zu Brandenburg zu bemerken:
Hildegard * v 934, + n 971/72 (siehe oben). Den
Tod Theoderichs II. datiert Brandenburg "nach 988". Uhlirz 455f.
geht von einem Brief Gerberts (Lettres de Gerbert, ed. Havet nr. 114) aus,
der von 988 IV Ende/V Anfang datiere, und in dem der Tod des Grafen vorausgesetzt
wird, denn es geht schon um die Belehnung seiner Nachfolger. Während
dem Sohne Arnulfs, dem Bruder Erzbischof Ekberts, an den das Schreiben
gerichtet ist, die deutschen Lehen, als einem treuen Anhänger der
OTTONEN,
sicher sind, hat eben darum
König Hugo von
Frankreich die französischen Lehen nicht diesem, sondern
dem Enkel Theoderichs II., Theoderich III., verliehen. Wenn allerdings
Uhlirz darum Theoderich II. "Anfang 988" sterben läßt, angesichts
der Beschwerde Gerberts, Ekbert habe tum sero von
den Sorgen seiner Familie berichtet, richtig schließt, es müsse
der Tod von Ekberts Vater "geraume Zeit früher" eingetreten sein und
ihn auf "Jänner oder Februar 988" ansetzt, so übersieht sie die
Urkunde von 988 IV 1 (Lot, Derniers Carolingiens 219, Anmerkung 2); in
der erstmals die flandrische
Gräfin
Rozala als Susanna regina auftritt,
in der aber, auch hier unmittelbar hinter dem Grafen und seiner Mutter,
letztmals
Theoderich II., vor seinem Sohne Arnulf, auftritt: S.
Theoderici comitis, S. Arnulfi comitis. Theoderich starb
also nach dem 1. April 988, und zwar wohl sehr bald daanch, und es muß
umgekehrt jener Brief "geraume Zeit" nach diesem Datum geschrieben worden
sein, also etwa Ende Mai bzw. im Juni 988. Wir geben das Todesdatum Theoderichs
II. mit 988 nach IV 1 an. Die Regierungszeit des Grafen bietet Brandenburg
endlich als "Graf von W-Friesland und Gent 962". Demgegenüber ist
festzuhalten, daß Dietrich/Theoderich II. etwa 940, jedenfalls
vor 941 VII 8 (siehe oben) seinem Vater, Theoderich I., in W-Friesland
gefolgt war, daß er andererseits seine Stellung als "comes Gandavi
portus", wie Uhlirz 454 sie umschreiben möchte, eine reizvolle Zwittersituation
an der Grenze von Imperium und regnum Francorum, nach 964 II 22 antrat
(Datum einer Urkunde König Lothars,
in der noch sein Vorgänger, Wichmann, ein anderer Schwiegersohn des
Grafen von Flandern - siehe folgende Anmerkung - erscheint), und vor 969
IV 13 (Datum einer anderen Urkunde des gleichen Königs, in der Theoderich
II. als Herr des mit dem portus Gent verbundenen Lehenkomplexes
auftritt, Uhlirz 454 und 455). Die Beziehung "Graf von Gent" wird hier
nur der Kürze halber und mit allen Vorbehalten beibehalten (vgl. Uhlirz
449ff.). Daß endlich die Ehe Theoderichs II. mit Hildegard
kaum
nach c 940/45 liegen kann, ergibt sich aus dem oben erwähnten Umstand,
daß 988 schon der Enkel, Theoderich III. vom französischen König
mit den Lehen seines Großvaters belehnt werden konnte.
Kinder:
Arnulf
955-18.9.993
Egbert Erzbischof von Trier (977-993)
955-8./9.12.993
Herlinde Äbtissin von Egmont
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Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 5 Seite 10 - Werner
Karl Ferdinand: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000
(1.-8. Generation) Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große
Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 469 -