Sohn des Grafen
Heinrich III. von Babenberg; Bruder des Erzbischofs
Heinrich I. von Trier
Glocker Winfrid: Seite 2,351
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der
Politik"
Bischof Poppo I. war, wie Othloh in seiner Vita des heiligen Wolfgang bezeugt, ein (älterer) Bruder Heinrichs, des späteren Trierer Erzbischofs. Da dieser aber bei Flodoard als "propinquus" OTTOS DES GROSSEN bezeichnet ist, liegt es nahe, auch für Bischof Poppo I. Verwandtschaft mit den OTTONEN zu vermuten, Wendehorst, Würzburg Band 1, äußert jedoch Bedenken gegen die eben aufgezeigte verwandtschaftliche Beziehung der POPPONEN zu den OTTONEN.
Finckenstein Finck von: Seite 96,148
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"Bischof und Reich"
Schon bald nach dem 939 erfolgten Tod des gegen OTTO
I. rebellierenden KONRADINERS
Eberhard von Franken hat der König 941 den BABENBERGER
Poppo I., mit dem er, wie schon erwähnt, verwandt war,
in Würzburg erheben lassen. Etwa gleichzeitig mit Poppo
I. wurde sein Bruder Heinrich zum Erzbischof von Trier erhoben.
Nach dem Tode Poppos I. bestieg sein
Neffe Poppo II.
den Würzburger Bischofsthron, wieder ein BABENBERGER,
dessen Nachfolger Hugo, der sehr später Überlieferung zufolge
ein "Blutsfreund" Poppos II. gewesen sein soll, von F.J.
Schmale auch noch in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den BABENBERGERN
gesehen wird. Trotz aller Lückenhaftigkeit in unserer Kenntnis
über die genealogischen Verhältnisse der Würzburger Bischöfe
unserer Zeit wird schon an diesen wenigen nachweisbar miteinander versippten
Bischöfe sichtbar, welche Bedeutung die Stellung der in Franken indigenen
BABENBERGER
für das Königtum besaß, indem Mitglieder dieser der Dynastie
nahestehenden Sippe dem Königtum einen wichtigen Bischofssitz sicherten,
zugleich aber auch als Sippe ein Gegengewicht zu anderen mächtigen
indigenen Familien, wie hier zu den KONRADINERN,
bilden konnten.
Als Nachfolger Burchards,
der am 24. März 941 gestorben war, ernannte OTTO
I. seinen Kanzler Poppo
zum Bischof von Würzburg. Poppo (941-961),
der vielleicht schon Mitglied des Würzburger Domklerus gewesen war,
ist seit 931 als Kanzler HEINRICHS I.
nachweisbar. Fleckenstein sieht in der Ernennung Poppos
zum Kanzler den Abschluss des Aufbaues einer eigenen Hofkapelle durch HEINRICH
I., woraus sich eine besondere Vertrauensstellung Poppos
zum
König folgern lässt. Des Bischofs Abstammung von den popponischen
Grabfeldgaugrafen in Ostfranken, denen auch die sogenannten
älteren BABENBERGER angehören,
wird heute, obwohl nicht sicher ableitbar, allgemein angenommen. Der Vita
Bischof Wolfgangs von Regensburg zufolge war Poppo
ein Bruder Erzbischof Heinrichs von Trier und stammte damit wie dieser
aus einer eximia Francorum prosapia. Die von dem Zeitgenossen Flodoard
gegebene Nachricht, der Erzbischof Heinrich sei propinquus OTTOS
I. gewesen, die dann auch auf Poppo
zu übertragen ist, ist von Hlawitschka durch die Ehe Ottos des Erlauchten
mit der BABENBERGERIN Hadwig erklärt
worden. Diese Deutung findet auch dadurch eine Stütze, dass Poppos
I. Nachfolger und proximus
Poppo II. von
OTTO
II. als nepos bezeichnet wird. Die Erhebung dieses dem König
durch Verwandtschaft und Hofdienst eng verbundenen indigenen Bischofs erweist
klar die Bedeutung des Würzburger Bischofsstuhles für die OTTONEN.
Aber noch ein anderer Aspekt macht diese Erhebung bemerkenswert. Sie erfolgte
zwei Jahre nach dem Tode des KONRADINERS
Eberhard von Franken, der im Kampf mit OTTO I.
gefallen war. Sollte vielleicht mit Poppos Promotion,
mit der OTTO I. die erste Gelegenheit
nach Eberhards Tod in Würzburg nutzte, auch die Stellung der BABENBERGER
in Franken gegenüber ihrem alten Rivalen, den
KONRADINERN, gestützt werden? Auch die Ernennung von Poppos
Verwandten zu seinem Nachfolger könnte in diesem Zusammenhang stehen.
Noch im Jahr seiner Ernennung erhielt Bischof
Poppo I. neben einigen Güterschenkungen und Güterbestätigungen
für das Bistum das Recht der freien Bischofswahl, eine sicherlich
wichtige Erwerbung für sein Bistum. Von gleicher Bedeutung für
sein Bistum, in geistiger Hinsicht aber auch darüber hinaus, war der
Förderung der Domschule durch die wohl von Poppo
veranlasste
Berufung Stephans von Novara zum Scholaster (vor 956-976), die Poppos
Bruder
Heinrich
und dessen Freund Wolfgang, den späteren Bischof von Regensburg veranlassten,
die Reichenauer Schule mit der Würzburger zu vertauschen. Zu erwägen
wäre hier, ob Stephans Berufung im Zusammenhang mit OTTOS
I. Italienzug 950/51 stand und dann einen Hinweis auf eine Teilnahme
Poppos
an diesem bieten könnte, die sonst nicht nachweisbar, aber chronologisch
möglich ist. Würzburg wurde jedenfalls durch Stephan zu einem
Mittelpunkt der intellektuellen Verbindung Deutschlands mit Italien, deren
Voraussetzung die besondere Königsnähe seines Bischofssitzes
war.
Es wird mit der Quellenüberlieferung zusammenhängen,
wenn wir Poppo, den der etwas jüngere
Zeitgenosse Adalbert in seiner Fortsetzung Reginos regi percarus nennt,
in 20 Amtsjahren nur sechsmal außerhalb Würzburgs in der Umgebung
OTTOS
I. antreffen: auf den Hoftagen in Frankfurt (947) und Regensburg
(960), den Synoden zu Ingelheim (948) und Augsburg (952) und je einmal
in Worms und in Salz. Nur zwei Interventionen des Bischofs sind überliefert,
beide aus dem letzten Amtsjahr. Die erste für den fidelis regis Thiatgoz
in Worms, der vom König Besitzungen am Mittelrhein erhielt, und wenige
Tage vor seinem Tode dann noch einmal in Regensburg für die Herzogin
Judith von Bayern, die Schwägerin des Königs, die Besitzungen
im Gebiet seiner Diözese erhielt. Schetter erklärt beide Interventionen
mit der Verwandtschaft
Poppos zum König,
ebenso dürften sie aus dem persönlichen Verhältnis Poppos
zu OTTO I. erklärbar sein. Der
Bischof starb am 14. oder 15. Februar 961 in Regensburg, wahrscheinlich
während der König dort weilte.