Mathilde von Reinhausen                           Gräfin von Formbach
--------------------------------
    -
 

Tochter und Erbin des Grafen Elli II. von Reinhausen; Schwester des Bischofs Udo von Hildesheim
 

Fenske Lutz: Seite 162 A. 344,173 A. 391
***********
"Adelsopposition"

Im Anschluß an die Forschungsergebnisse von Patze wird man Graf Hermann, der seit dem Herrschaftsantritt HEINRICHS V. in den Quellen sichtbar wird und sich später nach der Winzenburg südöstlich von Alfeld benannte, als Bruder des Bischof Udos von Hildesheim ansprechen müssen. Die umstrittenen Probleme der Genealogie der Grafen von Reinhausen-Winzenburg sollen hier nicht erörtert werden. Zuletzt hat Patze a.a.O. S. 582ff. die hiermit zusammenhängenden Fragen sowohl was die Quellen als auch die bisherige Forschungsdiskussion angeht, einer kritischen Prüfung unterzogen. Auf Grund seiner Ergebnisse muß Hermann von Reinhausen-Winzenburg, der Hauptstifter des Klosters Reinhausen, von seiner Generationsstellung her als Sohn des Grafen Elli und Bruder Bischof Udos angesehen werden. Er ist deswegen auch der Vater des 1152 ermordeten Hermann II. von Winzenburg. Trotz dieser klaren Aussage hält die Verwirrung über die Genealogie dieses Grafengeschlechts in neueren Arbeiten weiter an. So hat Heinemann a.a.O. S. 56,59,324, obwohl er sich auf die Ergebnisse Patzes ausdrücklich bezieht, vgl. Heinemann a.a.O. S.24 Anm. 88, Hermann I. von Winzenburg als Neffen Bischof Udos bezeichnet. Zu differierenden Ergebnissen kommt auch Eckhardt a.a.O. S. 136f. Neuerdings hat R. Wenskus, Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel 1976, S. 401f mit Anm. 3498 diesen Grafen als "Sohn Mathildes, der Schwester der 4 Reinhäuser Brüder", das heißt also als Neffen Bischof Udos, angesprochen. Begründet wird diese Auffassung mit Hilfe einer von Wenskus vorgenommenen Zuordnung, durch die er Elli, den Vater der vier Brüder, mit einem Alvericus identifiziert, der innerhalb eines zu 1030 in der Vita Meinwerci, hg. F. Tenckhoff c. 204 S. 119 überlieferten Urkundenauszuges unter gräflichen Zeugen aufgeführt wird. Im Sinne einer Personengleichsetzung folgerichtig schließt Wenskus, dass der Sohn eines zu 1030 als Graf genannten Adligen schon aus chronologischen Gründen nicht mit dem 1122 gestorbenen Grafen Hermann I. identisch sein könne. Bei diesem zunächst überzeugend wirkenden Einwand übersieht Wenskus meines Erachtens jedoch, dass sein scheinbar logisch begründetes Argument gegen die Generationsstellung des Grafen Hermann dann auch auf den nur 8 Jahre früher am 19. Oktober 1114 gestorbenen Bischof Udo (Todesjahr überliefern Ann. Corbeienses - wie oben S. 29 Anm. 64 - S. 42; Ann. Patherbr. S. 128) angewandt werden müßte, der unter diesen Voraussetzungen ebenfalls nicht als Sohn Ellis gelten dürfte, so dass die genealogische Überlieferung in der Fundatio des Klosters Reinhausen völlig entwertet würde. Dazu aber besteht kein Anlaß, denn die Schlußfolgerung Wenskus' hinsichtlich der Generationsstellung des 1122 gestorbenen Grafen Hermann beruht auf einer hypothetisch vorgenommenen Personenidentifizierung von Alvericus mit Elli, die ohne Absicherung durch zusätzliche Argumente zweifelhaft bleibt. - Graf Hermann, der als Anhänger des jungen Königs in Erscheinung tritt, war Mitglied beider Gesandtschaften, die im Oktober 1106 nach Guastalla, beziehungsweise im Frühjahr 1107 nach Chalons-sur-Marne zu Verhandlungen mit Papst Paschalis reisten. Zwar werden dabei die geistlichen Fürsten die eigentlichen Verhandlungsführer gewesen sein, jedoch darf die Zugehörigkeit Hermanns zur deutschen Delegation als Zeichen seines persönlichen Verhältnisses zum Hof HEINRICHS V. gewertet werden.
Vor 1079 hatten die 3 Brüder Bischof Udos von Hildesheim, Konrad, Heinrich, Hermann, und ihre Schwester Mathilde in Reinhausen südsüdöstlich von Göttingen ein kleines Chorherrenstift gegründet. Als der Ort später im Erbgang an den Grafen Hermann fiel, wandelte er dieses in ein Kloster um. Frühestens kann dies, da Bischof Reinhard von Halberstadt die Weihe vollzog, 1107 erfolgt sein.

Patze Hans: Seite 582-191
**********
"Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen"

Bedeutungsvoller als diese drei Geschwister wurden Mathilde und Hermann III. Doch bevor wir uns ihnen zuwenden, ist zu bemerken, dass Konrad, Heinrich I., Hermann III. und Mathilde vor 1079 ein Kanonikat zu Ehren Marias und Christophorus' gründeten und mit 4 Chorherren besetzten. Der Ort Reinhausen fiel vollständig an Hermann, der mit Zustimmung seiner Miterben in Reinhausen ein Kloster gründete und diesem alles, was er in der Flur dieses Dorfes besaß, schenkte und obendrein den Zehnt der ganzen Dorfflur um 4 Hufen ertauschte und der Kirche vermachte.
Abt Reinhard berichtet nämlich von Hermanns III. Schwester Mathilde, sie habe einen "bayrischen Fürsten" geheiratet und "Hermann von Winzenburg geboren, eben den Mann, der nach von Uslar-Gleichens Meinung 1130 als Landgraf von Thüringen von LOTHAR abgesetzt wurde. Die naheliegende Frage, wen Mathilde geheiratet habe, stellen wir zunächst zurück und mustern den Amtsbericht, den wir dem Inhalt nach kennen, seiner Struktur nach, um damit eventuell weitere Aufschlüsse zu gewinnen.
Der Bericht ist sehr klar aufgebaut und läßt keinen Zweifel, wer gemeint ist. MathildesSohn tritt nicht stärker hervor als die Kinder ihrer Geschwister. Stifter des Klosters kann nur Mathildes Bruder sein. Hermann, der Bruder Mathildes, hatte die Söhne Hermann und Heinrich.
Wer war nun 1. der Gemahl Mathildes und 2. wie das Schicksal von MathildesSohn Hermann?
Zu 1.: Wenck hat die von Abt Reinhard nach Bayern gewiesene Spur auf die Grafen von Formbach geleitet und den Grafen Meginhard IV. als Gemahl Mathildes angesehen. Dagegen sagte von Uslar-Gleichen, Meginhard könne nicht der Gemahl Mathildessein, da er schon 1066 gestorben, Hermann von Winzenburg aber ca. 1083 geboren sein. Trotter ist wieder auf die Ansicht Wencks, die er allerdings nicht kennt, zurückgekommen.
Richtig ist, dass ein Graf Meginhard, den man wohl als Formbacher ansprechen darf, 1066 getötet worden ist. Trotter unterliegt allerdings einer Täuschung, wenn er vorgibt, sicher zu wissen, dass die Gemahlin Meginhards von Formbach Mathilde, Tochter des Grafen Elli von Reinhausen, gewesen sei. Da Trotter anschließend an diese Feststellung auf Leibnitz, SS. rer. brunsw. I, 703 verweist, ist anzunehmen, dass diese Stelle das Eheverhältnis Meginhards zu Mathildebelegen soll. Das ist jedoch gar nicht der Fall. Bei Leibnitz findet sich nichts als der Ausdruck des Berichtes Abt Reinhards, der bekanntlich den Mann Mathildes eben nicht namentlich nennt.
Einen Beleg dafür, dass Mathilde mit Meginhard von Formbach verheiratet war, gibt es nicht. Trotter schließt das nur daraus, dass sich unter den Söhnen Meginhards Ulrich III. von Windberg und Radelnberg und Hermann befinden, den er für den Hermann von Winzenburg hält. In einer ca. 1075 ausgestellten Urkunde verschrieb Ulrich III. von Radelnberg, Sohn Meginhards (+ 1066), seiner Gemahlin Mathilde alles, was er in Bayern oder anderswo von seinem Bruder Hermann in der Erbteilung erhalten oder sonst noch zu erwarten hatte. 1071 waren Hermann und Ulrich Zeugen bei Erzbischof Udo von Trier. In das folgende Jahr ist eine gefälschte Urkunde über einen Gütertausch zwischen dem Bischof Altmann von Passau und Adalbert von Würzburg datiert, in der wieder die Brüder Ulrich und Hermann genannt werden. Diese beiden als Söhne Meginhards IV. bezeichneten Brüder teilten zwischen 1090 und 1094 den Wasserzoll zu Schärding mit ihren Verwandten. Ulrich starb vor 1097. Eine Schenkung Ulrichs an die Abtei Formbach bestätigten seine Witwe und ihr Schwager Hermann. Graf Hermann I. starb 1122 als Vogt des Klosters Formbach. Seine Stellung und sein Todesjahr werden ausdrücklich in einer Tauschurkunde zwischen dem Stift Passau und dem Abt von Formbach vermerkt. Graf Hermann ist also wiederholt in Bayern bezeugt.
 
 
 
 

  oo Meginhard V. Graf von Formbach
               -27.2.1066 oder 1073
 
 
 
 

Kinder:

  Ulrich V. Graf von Windberg und Radelnberg
        -   1097

  Hermann I. Graf von Winzenburg
  um 1050-   1122

  Konrad
         -   1084
        Basel

  Dietrich I.
        -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 162 A. 344,173 A. 391 -
 
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de