Begraben: Kathedrale von Lucca
Sohn des Markgrafen
Adalbert I. von Tuszien aus seiner 2. Ehe mit der Rothilde
von Spoleto; Neffe von Kaiser WIDO I.
von Spoleto
Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 96
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Adalbert II., Markgraf von Tuszien
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+ 19. September 915
Begraben: Kathedrale von Lucca
Sohn des Markgrafen Adalbert I. aus seiner 2. Ehe mit der Rothilde
Markgraf seit 884
spätestens 895/98
oo Bertha, Tochter König
Lothars II. von Lothringen und Mutter König
Hugos von Italien
Durch das väterliche Erbe und vielleicht auch durch eigene wirtschaftliche Unternehmungen war Adalbert sehr reich (Beiname "dives"), was sich unter anderem in einer aufwendigen Hofhaltung äußerte, die in Italien nicht ihresgleichen hatte. Seine Politik, mitgetragen von seiner ehrgeizigen Frau, die sich 906 in einem Brief an den Kalifen von Bagdad als "Königin aller Franken" bezeichnete, ist gekennzeichnet durch ein geschicktes Lavieren zwischen den einzelnen Anwärtern auf die Königs- und Kaiserkrone, die er um des eigenen Vorteils willen gegeneinander ausspielte, stets darauf bedacht, dass die Autonomie seiner Markgrafschaft und seine königsgleiche Stellung in den Wirren der Zeit keinen Schaden litt. Im August 898 empörte er sich zusammen mit Graf Hildebrand, möglicherweise im Einvernehmen mit BERENGAR VON IVREA und offenbar getragen von einer Aufstandsbewegung mit breiterer Basis, für die neben rein politischen Motiven auch pseudo-religiöse (Formosus-Streit) eine Rolle spielten. Beim Marsch auf Pavia wurde Adalbert jedoch von Kaiser LAMBERT überrascht und gefangengenommen. Nur dessen plötzlicher Tod und BERENGARS schnelle Einnahme von Pavia retteten Adalbert das Leben. Zwar scheint er sich zunächst mit BERENGAR arrangiert zu haben, doch gehörte er nach dessen Niederlage gegen die Ungarn als führendes Mitglied zu der Gruppe, die König LUDWIG VON DER PROVENCE, den Enkel Kaiser LUDWIGS II., ermunterte, seine Ansprüche in Italien geltend zu machen (900). Nachdem BERENGAR, möglicherweise wiederum nach einem Parteiwechsel Adalberts, "der immer mehr zum Schiedsrichter über das italienische Königtum wurde" (Hartmann, 181), LUDWIG zum Verzicht auf seine Rechte gezwungen hatte (902), verhielt er sich bei dessen erneutem kurzzeitigen Eingreifen in Italien (905) offenbar neutral, wechselte aber nach BERENGARS endgültigem Sieg auf dessen Seite über, ohne dass sich damit faktisch etwas anAdalberts autonomer Herrschaft geändert hätte. So wußte er denn auch BERENGARS Streben nach der Kaiserkrone zu seinen Lebzeiten zu verhindern. Maßgeblich war Adalbert an der Erhebung Papst Sergius' III. (904) beteiligt.
Literatur:
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DBI I, 218-221 - A. Hofmeister, Mgf.en und Mgft.en im
italienischen Kgr., MIÖG Ergbd 7,1907,333ff, 386ff. - Hartmann, Gesch.
Italiens III, 2, 1911 [Neudr. 1969] - R. Hiestand, Byzanz und das Regnum
Italicum im 10. Jh., 1964 - H. Schwarzmeier, Lucca und das Reich bis zum
Ende des 11. Jh., 1972 - Ders., Der Adel Luccas im 10. und 11. Jh., QFIAB
52, 1972, 68-89
V. 8 b. Bertha
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* wohl ca. 863, + 925 8.III.
Gemahl: a) vor 881 (wohl ca.
879) Theotbald, Graf von Arles
+ nach 887 VI, vor 898
b) vor 898 (ca. 895) Adalbert, Markgraf von Tuszien
+ 915 17. VIII.
Anmerkungen: Seite 114
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V. 8. Bertha,
Geburtsdatum ungefähr zu erschließen
aus dem Datum der ersten Vermählung ud der Geburtszeit des ältesten
Sohnes. Sonst Liudpr. 1, 39. Parisot, Roy de Lorr. 444 n. 7.
1. Gemahl: Graf Theotbald
er wird Ann. Bert. 881, S. S.1,518,
bereits als
Hugos
Schwager bezeichnet, kommt zuletzt 887 VI. vor, Chartes de Cluny n. 30,
und war 898 tot, da sie damals bereits wiedervermählt war.
2. Gemahl: Markgraf Adalbert,
oo vor 898 Liudpr. 1, 39. Todeszeit:
Dümmler, Gesta Bereng. 39, Anm. 2; Hofmeister, M.I.Ö. Ergb. 7,400.
[Va 15]
Dümmler Ernst: Band II Seite 364,377,425,431,533
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"Geschichte des Ostfränkischen Reiches"
BERENGAR erhielt ansehnlichen
Zuzug aus Deutschland, woselbst er von seinem Vater mehrere Besitzungen
ererbt,
WIDO wurde wie früher
von seiner Sippschft in W-Franken unterstützt, die Hauptmacht beider
bestand jedoch aus Italienern, wiewohl viele von den italienischen Großen
nach dem Vorbilde des Markgrafen Adalbert von
Tuszien, des Neffen WIDOS
aus kluger Vorsicht oder Eigennutz sich von aller Teilnahme an dem Bürgerkriege
fernhielten und den Ausgang abwarteten [Adalbert
erkannte, wie schon Fiorentini (Memorie di Matilda p. 26) bemerkt, bis
zum Jahre 891 weder BERENGAR noch WIDO
an, daher sind Urkunden aus Lukka datiert: In nomine dei nostri Iesu Christi
dei eterni anno ab incarnatione eius 889 post obito vero Karoli ... ann
secundo und anno tertio (Memorie e docum. all' ist. di Lucca V, 595-601),
es folgt dann eine Urkunde vom 10. Juli 891: regnante domno nostro WIDO
gratia dei imperatore augusto anno imperii eius primo (p. 602), doch machte
WIDO
dem Hochstift Fiesole 26. Mai 890 (oder 889) eine Schenkung auf Bitte des
Adalbertus
dilectus nepos noster et marchio (Ughelli III, 274, B 1269), dgl. bestätigte
er 24. November 891 seinem Getreuuen Thiethelm eine Schenkung KARLS
III. im Gau von Florenz auf Bitte des Adalbertus
dilectus nepos noster et marchio (de Dionysiis de Aldone et Nothingo
Veronens. episc. p. 92-94).].
ARNOLF selbst setzte
seinen Marsch nach Pavia fort (894), einer glänzenden und volkreichen
Stadt, in der man damals nicht weniger als 44 Kirchen zählen wollte.
Dort erschienen die mächtigsten der italienischen Großen vor
ihm, um ihm ihre Huldigung darzubringen: der Markgraf
Adalbert von Tuscien, der Gemahl von Lothars
II. Tochter, der klugen Berta,
der in Lucca einen mehr königlichen als markgräflichen Hofhalt
führte, sein Bruder Bonifacius und die mächtigen Grafen
Gerhard und Hildebrand [Ann. Fuld. 894: primores itaque marchenses, qui
fuerunt Italici regni, doch darf auf diesen Ausdruck hier nicht zu viel
Gewicht gelegt werden, da wir nur für Adalberteine
Mark nachweisen können vgl. über seinen prächtigen Hofhalt
Liudprand I. II c. 38,39; sein Bruder Bonifacius findet sich unter
der Stiftungsurkunde von S. Caprasso (Muratori entichita Estensi U, 210).
Bei Liudprand (I. I c. 39) wird Ildeprandus praepotens comes als Genosse
Adalberts erwähnt, wahrscheinlich der Sohn des früheren
Grafen Hildebrand von Lukka, oben Seite 22.]. Da sie jedoch allzu anmaßend
auftraten und übermäßige Lehen forderten, ließ der
König sie sämtlich verhaften und übergab sie einzelnen Fürsten
zue Bewachung. Nicht lange blieben sie in Gewahrsam, denn bald schenkte
ARNOLF von Mitleid bewogen ihnen die Freiheit wieder, nachdem
sie ihm durch einen Eidschwur Treue gelobt hatten. Adalbert
und sein Bruder brachen diese Treue sogleich, indem sie sich heimlich
aus der Umgebung des Königs entfernten.
Anfang des Jahres 897 hielt Ageltruda
mit ihrem Sohn LAMBERT und in Begleitung
des Markgrafen Wido ihren Einzug in Rom, das ihr von neuem Gehorsam und
Unterwerfung zollte. Um so vollständiger schien LAMBERTS
Autorität in der Tiberstadt jetzt begründet, als auch der zweideutige
Markgraf
Adalbert von Tuscien, sein Vetter, ihm damals als seinem Oberherrn
gehuldigt hatte [Dies ergibt sich aus der Datierung der Urkunde von Lukka
aus dem Jahre 897, sowie aus einer Gerichtssitzung, die LAMBERTS
Pfalzgraf Amedeus am 4. März 897 mit Adalbert
zusammen in Florenz abhielt.].
Die Hoffnung, daß durch den jungen tapferen Kaiser
im Verein mit dem Papst wenigstens die ärgsten Mißbräuche
beseitigt und dem zerrissenen Land einige Ruhe und Sicherheit zurückgegeben
werden würde, sollte jedoch schnell vollständig scheitern. Nachdem
LAMBERT
gerade im Jahr 898 einen Empörungsversuch der tuscischen Grafen
Adalbert und Hildebrand durch einen Überfall bei Borgo
S. Donino und die Gefangennehmung derselben rasch gedämpft [Liudprand.
antap. I. c. 39-41, vgl. über den Zeitpunkt Köpke a.a.O. p. 81.
Wüstenfeld will es durch die Erhebung Adalberts
erklären, daß in einer Urkunde des Bischofs Eberhard von Piacenza
vom August 898 das zehnte Jahr BERENGARS
gezäht wird. Sehr auffallend ist eine von BERENGAR
am
15. Februar 898 zu Mailand auf Bitte des Erzbischofs Landulf ausgestellte
Urkunde, die ein offenbarer Eingriff in die Rechte LAMBERTS
zu sein scheint. Sollte sie mit Adalberts
Plänen im Zusammenhang stehen? Daß das Verhältnis der beiden
Könige zueinander gestört wurde, deutet der Panegyrist an.],
ereilte ihn selbst in der Blüte seiner Jahre, auf der Höhe seiner
Macht ein klägliches Ende.
In Pavia wurde LUDWIG VON DER
PROVENCE auf einer zahlreichen Versammlung der italienischen
Fürsten, darunter des Markgrafen Adalbert von Tuscien am 12. Oktober
zum König gewählt.
Da selbst Verona, der eigentliche Sitz der Macht seines
Gegners sich ihm ergeben hatte und dieser sich vollständig zurückziehen
mußte, so überließ sich LUDWIG
dort sorglos einer erträumten Sicherheit und verabschiedete den gröten
Teil seiner Truppen. Diesen Augenblick benutzte BERENGAR,
um unterstützt von dem Markgrafen Adalbert
von Tuscien mit Mannschaften, die er namentlich aus Bayern an
sich gezogen, den Kaiser in Verona zu überfallen.
Hlawitschka, Eduard: Seite 63,80,122,265-267
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)"
Die Beziehungen dieser Familie erhellen sich aber auch
noch daraus, daß der Sohn Adelberts
und
Rotildes,
Adalbert
der Reiche von Tuszien, sich in
Berta,
einer Tochter Lothars II. und Witwe
des Grafen Thiebald von Arles, seine Frau aus der Provence holte (E. Brandenburg,
Nachkommen Karls des Großen Seite 3 und Seite 87). Mit Graf Berard
war dazu ein weiteres Mitglied dieser Familie in der Provence tätig.
Nachdem Kaiser LAMBERT
am 15. Oktober 898 bei der Jagd in den Wäldern von Marengo tödlich
verunglückt war und König BERENGAR
nun endlich die Macht in ganz Ober- und Mittelitalien zufiel, da konnten
sich die ehemaligen Anhänger WIDOS
und LAMBERTS, wie es scheint, doch
nicht so schnell mit der Herrschaft ihres bisherigen Gegners BERENGAR
abfinden.
Die wichtigsten ehemaligen Helfer WIDOS
und LAMBERTS wie Graf Sigefred von
Piacenza, Markgraf Adalbert von Ivrea (Sohn Anskars I.) und Markgraf
Adalbert von Tuszien, dessen Mutter ja eine WIDONIN
war, suchten nun, da ihre Macht bei einer eigenen Aktion derjenigen BERENGARS
im Moment nicht gleich sein konnte, Anlehnung bei König
LUDWIG VON DER PROVENCE. Führten diese Beziehungen der
Großen somit zur Einladung König LUDWIGS
VON DER PROVENCE, so daß dieser im Oktober 900 von einigen
Grafen begleitet nach Italien ziehen und im Februar 901 in Rom sogar die
Kaiserkrone erringen konnte, so waeren es aber bald darauf dieselben Großen
Italiens, die LUDWIG verließen
und BERENGAR erneut ein Übergewicht
verschafften, das zur Vertreibung LUDWIGS
(902) ausreichte. Als jedoch 905 dem Markgrafen
Adalbert von Tuszien, der Berta,
die Tochter König Lothars II. von Lothringen
und Witwe des Grafen Thiebald von Vienne, zur Frau genommen hatte und dadurch
besonders enge Beziehungen nach der Provence haben mußte, die Herrschaft
BERENGARS
erneut lästig fiel, da geschah es wiederum, ut consulto eodem Adelberto
marchione ceteri Italienses principes propter eundem Hulodoivum,
ut adveniret, transmitterent. Und LUDWIG
erschien noch einmal in Italien. Wie aber die rebellischen Grafen Hilfe
in den alten Stammländern jenseits der Alpen suchten, so bediente
sich auch BERENGAR
diesmal wieder dieses
Mittels. Er begab sich nach Bayern und brachte von der Verstärkung
mit. A PERENGARIO et Bauguaoriis wurde
danach LUDWIG in Verona gefangengenommen
und geblendet.
Im März 897 war Pfalzgraf Amadeus als missus Kaiser
LAMBERTS auf einer Inspektionsreise in Florenz und saß
dort mit dem Markgrafen Adalbert von Tuszien
zu Gericht.
Bald darauf aber, als König
LUDWIG von der Provence in Italien erschien, war Sigifred von
Piacenza neben dem Markgrafen Adalbert von Tuszien
und dem Markgrafen Adalbert von Ivrea einer der ersten und eifrigsten von
dessen Helfern. Bereits am 12. Oktober 900 war Sigefred bei LUDWIG
in Pavia und intervenierte dort mit Adalbert von
Tuszien und dem Grafen Adelelm von Valence für eine Bestätigung
des Besitzes der Kirche von Arezzo.
Riche Pierre: Seite 262,264,281
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."
Weiter im Süden verfügte eine Familie bayerischer
Herkunft über die Markgrafschaft Tuszien: Adalbert
I., Sohn des Grafen Bonifaz II. von Lucca, hatte eine Schwester
des Markgrafen Lambert von Spoleto geheiratet; sein Sohn Adalbert
II. mit dem Beinamen dives wurde Nachfolger.
Der mächtigste Fürst Italiens war damals der
Markgraf von Tuscien, Adalbert II. dives,
der mit
Lothars II. und Waldradas
Tochter
Bertha verheiratet war und sich deshalb als Verwandter der KAROLINGER
fühlte. Er rief im Jahr 905 LUDWIG erneut
nach Italien.
Zusammen mit Alberich von Spoleto und Adalbert
von Tuscien, aber auch mit Unterstützung der Byzantiner
gelang es Johannes X., die Sarazenen aus ihrem Schlupfweinkel am Garigliano
zu vertreiben (915).
895/98
oo 2. Berta, illegitime Tochter des Königs
Lothar II.
863-8.3.925
Kinder:
2. Ehe
Lambert Herzog von Lucca
897- 958
Wido Markgraf von Tuszien
896- 928/29
Ermengard
901-29.2.931
915
oo Adalbert I. Markgraf von Ivrea
- 923
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Seite 3,87 - Dümmler
Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und
Humblot Berlin 1865 Band II Seite 364,377,415,425,431,533 - Hlawitschka,
Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962),
in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard
Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 63,80,100,103,105,122,128,148,166-168,247,
265-267 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa.
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite
262,264,281 -