Baibars I. al-Malik al-Zahir
4. Sultan der
Bahri-Mamelucken (1260-1277)
---------------------------------
1210/1233 † 1.7.1277
Damaskus
Ehemaliger kiptschakischer Sklave
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1351
*********************
Baibars, mamlukischer Sultan von Ägypten 1260-1277
-----------
* um 1229, †
1277
Türkischer Herkunft, wurde
als Mamluke
von dem ayyubidischen
Sultan as-Salih gekauft.
Er brachte es unter den Bahriyya-Mamluken zu
großen Ruhm, nahm an der Belagerung von Damiette (1249-1250) teil
und war, wie es heißt, nach dem Tode as-Salihs in
die Ermordung
seines Sohnes und Nachfolgers Turan Sah verstrickt. In
der folgenden
Periode vollzog sich die Errichtung der Mamlukenherrschaft in
Ägypten und die Expansion der Mongolen nach Syrien. Die Bahriyya
waren zwar für einige Zeit von den Machtkämpfen in
Ägypten ausgeschaltet, doch gelang es Baibars, nach
seiner
Mitwirkung beim Sieg über die Mongolen bei Ain Galut, den Platz
des siegreichen Sultans Qutuz, an dessen Erordung
er sich beteiligt
hatte, teilzunehmen.
Ägypten, das nach dem Fall des Irak Menschen, Geld und Handel
anzog, bot dem Herrscher eine ausgezeichnete Operationsbasis. Er
leitete Maßnahmen der Wirtschaftsförderung ein, benutzte das
System der erblichen Lehen, um sich eine loyale Anhängerschaft zu
schaffen und sicherte seine Position in Syrien, indem er die letzten
Überbleibsel
ayyubidischer Macht zerschlug. Zu religiösen Sanktionen
trat die Erneuerung des abbasidischen
Kalifates. Seine Schwäche lag im Fehlen einer asabiyya, die hinter
ihm stand. Ebenso war am Beginn seiner Herrschaft unklar, ob er ein
dynastischer Herrscher oder lediglich ein primus inter pares gegenüber
seinen Emiren war. Infolgedessen regierte er defensiv, autokratisch und
hielt seine Entscheidungen geheim. Seine Außenpolitik war durch
einen vorsichtigen Expansionismus gekennzeichnet. Innere Konflikte bei
den Mongolen kamen ihm bei dieser Politik zustatten, er wagte jedoch
keinen offenen Angriff gegen sie. Die Kreuzfahrerstaaten vermochte er
ernsthaft zu schwächen, indem er ihren Verteidigungsgürtel
zerstörte und 1268 Antiochia sowie eine Reihe von
Küstenstädten eroberte. Er vernichtete die Macht der
syrischen Assassinen und plünderte das armenische Kilikien
(Armenien II); doch hütete er sich aus Furcht, von zwei
feindlichen Gruppen eingeschlossen zu werden, davor, bei seiner
Expansionspolitik zu weit vorzustoßen. Die kriegerischen Erfolge
wurden durch Maßnahmen des Wiederaufbaues und der Organisierung
des Post- und Kurierwesens konsolidiert; außerdem
veranlaßte der Sultan Baibars die Errichtung
bedeutender Sakralbauten (Moschee und Madrasa in Kairo). Seine starke
Persönlichkeit, unbestrittene militärische Erfolge und eine
strenge Verwaltung trugen entscheidend zur Ausbildung der
Mamlukenherrschaft bei; Baibars
selbst wurde später in dem Ritterroman »Sirat al-Malik
az-Zahir« als ägyptischer Volksheld gefeiert.
M. C. Lyons
Baibars hatte
wesentlichen Anteil am Sieg bei Ain Dschalut (3.9.1260)
über die Mongolen. Auf der Rückkehr vom Feldzug ließ
der enttäuschte Baibars Sultan Qutuz ermorden und wurde selbst zum
Sultan gewählt. Um die Legitimität seiner Herrschaft
zu
demonstrieren und schiitischen Umtrieben zu begegnen, setzte Baibars
1261 einen Verwandten des letzten ABBASIDEN-Kalifen
zum "Schein-Kalif"
ein. Unter seiner Regierung wurden aus strategischen Erwägungen
zahlreiche Straßen erweitert und befestigt und die
ägyptische Flotte verstärkt ausgebaut. Die Errichtung
bedeutender öffentlicher Bauten, der Wiederaufbau zerstörter
Dämme und Bewässerungsanlagen, der Ausbau der
ägyptischen Häfen kennzeichnen seine Regierungsperiode ebenso
wie beispielsweise die Errichtung eines hervorragenden
Staatspostdienstes, bei dem in verstärktem Maße wieder
Brieftauben verwendet wurden. Besondere Fürsorge ließ
Baibars
auch den Handel und den Fernhändlern Ägyptens
angedeihen. Bei der Abwehr neuer Mongoleneinfälle aus dem
Ilchan-Reich gewann das Bündnis Baibars mit
dem zum Islam
übergetretenen Khan der Goldenen
Horde, dessen Tochter er
heiratete, besondere Bedeutung. Besondere Popularität
genießt Baibars
noch heute in der arabischen Welt durch die
Führung zahlreicher Attacken gegen die letzten Besitzungen der
Kreuzfahrer an der Küste des Mittelmeeres, die den Grundstein
für deren endgültiges Verdrängen legten. Im Jahre 1263
nahmen seine Truppen Nazareth, 1266 Saffah, 1268 Jaffa und Antiochia,
1271 die berühmte Burg des Hospitaliterordens, Hisn-al-akrad (Krak
des Chevaliers). Daneben bezwang er endgültig die syrischen
Assassinen und schlug im Jahre 1277 in Kleinasien erneut die
turkomongolischen Verbände des Ilchan-Reiches, ohne dass er diese
kleinasiatischen Besitzungen auf die Dauer halten konnte. Seine
Generale besiegten den christlichen König von Nubien und zwangen
diesen zur Tributzahlung, etliche Beduinenstämme in Libyen wurden
zur Anerkennung der mameluckischen Oberherrschaft gezwungen.
Mayer, Hans Eberhard: Seite
231,237,245-249
*******************
"Geschichte der
Kreuzzüge"
Unter dem Befehl von Rukn ad-Din Baibars
Bunduqdari wurden die
französischen Kreuzfahrer 1250 bei Mansura von der bereits
reorganisierten ägyptischen Armee vernichtend geschlagen, so dass
König Ludwig der Heilige am 6.
April die Kapitulation anbieten
mußte.
General Baibars hatte
großen Anteil am Sieg der Mamluken bei Ain
Dschalut über die Mongolen. Sultan
Qotuz war bald nach der
Schlacht von Ain Dschlut ermordet worden (1260), und aus der Gruppe der
Verschwörer war Rukn ad-Din Baibars Bunduqdari (1260-1277)
zum
Sultan aufgestiegen. Baibars war
die bedeutendste Persönlichkeit,
die das Bahriyya-Regiment je hervorbrachte; man kann ihn mit Saladin
vergleichen. Freilich hing seinem Aufstieg das Blut zweier Morde an,
der Sultan Turan Schah (1250) und der von Qotuz, aber
das änderte
nichts daran, dass er ein äußerst
fähiger und begabter
Herrscher war. Wenn es ihm im Gegensatz zu Saladin an
einer moralischen
Idee fehlte, die er hätte verfolgen und die ihn hätte
emportragen können, so machte er diesen Mangel wett durch ein
überlegenes strategisches Talent. Er war der einzige Mamluk, der
den Aufbau einer ägyptischen Kriegsflotte versuchte, aber selbst
er konnte seine Herkunft aus einem Reitervolk nicht verleugnen, denn es
wurde ihm nie klar, dass die Franken überhaupt nur deshalb so
lange gegen die Mamluken aushalten konnten, weil die Italiener das
östliche Mittelmeer völlig beherrschten. Die allen
Seemächten eigene Stärke gegenüber reinen
Kontinentalmächten erkannte er nicht, und als 1270 seine ganze
Flotte bei einem Landungsversuch in Zypern verloren ging, klang in
seinem Brief an den König von Zypern der ganze Stolz des
nomadischen Reiters durch: "Eure Pferde sind Schiffe, aber unsere
Schiffe sind Pferde". Seine Seeleute bezeichnete er verächtlich
als "Bauern und Proleten". Den Franken vergab er nie, dass der syrische
Norden sich mit den Mongolen verbündet hatte, deren Gesetzgebung
er übrigens bewunderte und imitierte. Er war entschlossen, auch
den neutralen Süden büßen zu lassen, und es war sein
erklärtes Ziel, die Franken ein für allemal ins Meer zu
drängen, auch um den syrischen Handel in die ägyptischen
Häfen umzuleiten. Er bereitete seinen großen Schlag
sorgfältig vor, indem er zunächst das syrische Hinterland,
vor allem Aleppo und Transjordanien, fest unter seine Kontrolle
brachte. Überall ließ er die Burgen aufs sorgfältigste
ausbessern und instandsetzen. Besonderen Wert legte er auf eine
schnelle Nachrichtenübermittlung, die ihm seine unerwartet raschen
Reaktionen gestattete. Er machte in bisher nicht gekanntem Maße
von der Taubenpost Gebrauch und bestand darauf, von allen
Einläufen sofort unterrichtet zu werden, selbst wenn er gerade
unbekleidet war.
Schon während er noch die restlichen AIYUBIDEN
unterwarf, bedrohte
er Antiochia, vernichtete 1263 Nazareth und seine berühmte
Marienkirche und erschien unvermutet vor Akkon, angeblich von den
Genuesen als Alliierter im Krieg von St. Sabas gerufen. Im Januar 1265
holte er dann zu einer großangelegten Offensive aus, die erst
1271 enden sollte. Zuerst eroberte er Caesarea und trennte damit Jaffa
vom restlichen Königreich ab, dann besetzte er weiter
nördlich Haifa, Toron und Arsuf; Akkon konnte nur durch das rasche
Eingreifen des Bailli Hugo
gerettet werden. Schon bei dieser Kampagne
wendete Baibars
eine Politik der verbrannten Erde an, der auch seine
Nachfolger treu blieben: die Hafenstädte wurden vollkommen
zerstört, um den Franken nicht als Kristallisationspunkt für
neue Operationen oder gar Landungen zu dienen. Im Jahre 1266 griff
Baibars gleichzeitig an allen Fronten an. Vor allem nahm er Rache an
den Armeniern, deren Schutzherr Hülagü
1265 gestorben war und
deren Hauptstadt Baibars nun
verwüstete. Auch die syrischen
Assassinen, ein Unruhezentrum besonderer Art, fielen 1270 der
Vernichtung anheim. Im Süden richtete sich Baibars' Kampagne vor
allem gegen Safad, nach dessen Fall (1266) ihm ganz Galilaea zufiel.
Zwei Jahre später kapitulierte Jaffa nach einer nur
eintägigen Belagerung, wenige Wochen später zerbrach auch die
neue Verteidigungslinie, die die Franken nach dem Fall Safads am
Fluß Litani und bei der Festung Beaufort aufgebaut hatten, und
wiederum kurze Zeit später stand der Sultan plötzlich vor
Antiochia, das sich bald ergab. Die Franken mußten ihre Allianz
mit den Mongolen jetzt mit einem gräßlichen Blutbad
sühnen und räumten kampflos den Rest Nord-Syriens. Antiochia
war als erste Stadt Syriens 1098 in die Hände der Christen
gefallen, und diese hatten sich dort ununterbrochen 170 Jahre lang
gehalten. Der Fall der Stadt war ein Menetekel.
Der Waffenstillstand mit den Franken hatte es ihm erlaubt, in seinen
letzten Jahren hauptsächlich gegen die Mongolen, die Armenier
(1275), die Nubier und die anatolischen Seldschuken zu kämpfen. In
den 17 Jahren seiner Regierung hatte er 38 Feldzüge
durchgeführt, war etwa 40.000 Kilometer weit gereist und hatte in
15 Schlachten selbst gefochten. Die doppelte Bedrohung des
vorderasiatischen Islam durch Franken und Mongolen war gebannt. Neunmal
hatte er die Mongolen bekämpft, fünfmal die Armenier, dreimal
die
syrischen Assassinen; die Franken aber waren ihm 21 Mal unterlegen. Sie
hatten alle festen Punkte im Landesinneren verloren und hielten nur
noch die unmittelbare Küstenlinie vom Pilgerschloß
südlich von Haifa bis nach Latakia als nördlichsten Punkt
besetzt.
Brandes
Jörg-Dieter: Seite 67-69,71-102
*****************
"Die Mameluken. Aufstieg und Fall einer
Sklavendespotie."
Einer der mächtigsten mamelukischen Heerführer war Beybars,
jener Bahri-Mameluk, der in Mansurah den Kreuzrittern zum
Verhängnis geworden war, der danach neben Aktai an der Spitze der
Streitkräfte gestanden hatte und nun im kühnen Angriff die
Mongolen aus Gaza vertrieben hatte. Beybars war
ein Kiptschak-Turkmene
und stammte aus der Gegend zwischen Ural und dem Kaspischen Meer. Er
war ein großer, stattlicher Mann, jedoch auf einem Auge blind,
weswegen er auf dem Sklavenmarkt nur einen
verhältnismäßig geringen Preis erbracht hatte. Sein
erster Herr war einer der mächtigsten Emire gewesen, Aydekin el
Bundukdar, der ihn jedoch bald an Sultan Salih
abtrat. Unter Salih
wurde Beybars
einer der führenden Bahri-Mameluken. Er war im Lager
vor Damiette, als die Ägypter mit dem König von Frankreich
über dessen Freilassung verhandelten und als Turanschah
ermordet
wurde. Möglicherweise war er selbst einer der Mörder gewesen.
Unter Aybek
und Kutuz hatte er
sich während der Feldzüge
gegen die syrischen Aiyubiden und die ägyptischen Beduinen
ausgezeichnet, und er hatte maßgeblich zum Sieg über die
Mongolen in Ain Dscha'lud beigetragen. Nun forderte er den Lohn
für seine Verdienste. Er beanspruchte die Herrschaft über
Aleppo, die ehemals aiyubidische
Herrschaft, die den Mongolen entrissen
worden war. Kutuz
weigerte sich jedoch, seinen Heerführer zum
mächtigsten Vasallen zu machen. Damit machte er sich den beliebten
Emir zum Todfeind, der am 24. Oktober 1260 eine Jagd zur Ermordung des
Sultans nutzte. Sofort, noch auf dem Platz der Mordtat, ließ sich
Beybars
von seinen Mitverschworenen zum neuen
Sultan wählen und
übernahm die Macht. Der Coup war gut vorbereitet gewesen - keiner
erhob die Hand gegen den mächtigen und
furchteinflößenden Königsmörder. Dem Machtwechsel
folgte kein Blutvergießen. Nun setzte eine neue Geschichtsperiode
in der Region ein, denn erst Beybars gab
dem Mameluken-Reich seine feste
Kontur. Seine beiden Vorgänger hatten sich kurz und ständig
um die Macht kämpfend behaupten können. Beybars
dagegen
schaltete sofort und rigoros jeden Widerstand aus und konsolidierte
dadurch im Laufe seiner Herrschaft die Macht des ägyptischen
Thrones.
Zunächst mußte Ägypten selbst abgesichert werden, und
Beybars
begann, die Städte des Nildeltas zu befestigen. Er
errichtete Kastelle an den Nilmündungen und verbesserte die
Verteidigungsanlagen von Kairo. Auch die insgesamt 12.000 Mann
zählenden Mameluken-Regimenter mußten neu gegliedert werden;
ferner gab
Beybars den Bau einer Flotte von 40 Galeeren in Auftrag.
Bei
alledem hatte er zwei Ziele vor Augen:
die endgültige Vernichtung
der persischen Mongolen und die Zerschlagung der Kreuzritterstaaten,
denen er die Unterstützung, die sie den Mongolen gewährt
hatten, nicht verzeihen konnte.
Beybars
verbrachte die ersten Monate
seiner Herrschaft damit, die inneren Verhältnisse in Ägypten
und Syrien neu zu ordnen. Nach der Beseitigung des in Damaskus
residierenden Vizekönigs schritt Beybars zur
Neuordnung des
Reiches. Als erstes mußten die Verwaltungsbezirke eingeteilt und
neue Statthalter eingesetzt werden. Strategisch wichtige Punkte des
ägyptisch-syrischen Reiches wurden neu befestigt und starke
Garnisionen nach Damaskus und in andere große Städte
verlegt. Diese Garnisionen wurden durch ein enges Straßennetz
miteinander verbunden. Der Sultan begründete auch das Postwesen
neu und schuf zügige Kurierverbindungen. Zur gleichen Zeit betrieb
Beybars
eine rege Vertragspolitik, um die Kreuzritterstaaten
vorläufig in Sicherheit zu wiegen, und er traf weitere
Vorbereitungen, um die Kalifatsfrage zu lösen. Der Sultan lud 1260
einen dem Bagdader Blutbad entronnenen ABBASIDEN-Prinzen nach
Kairo
ein, um das Kalifat wiederherzustellen. In einer prunkvollen Feier
setzte der Sultan den ABBASIDEN
zum Kalifen ein, der ihn
anschließend als den rechtmäßigen und vom Kalifen
anerkannten weltlichen Herrscher des Kalifen-Reiches einsetzte.
Beybars
nahm zu Baraka,
dem Khan der "Goldenen Horde" 1261/62
Verbindung auf und nahm eine Tochter
des Khans zur Frau. Auch zu
Byzanz, Venedig, Aragon und Sizilien unterhielt der Sultan Beziehungen.
In den Jahren 1261 bis 1271 kam es zu zahlreichen Feldzügen gegen
die Kreuzfahrer-Staaten, die weiterhin mit den Mongolen verbündet
waren. In all den Feldzügen blieb er stets Erster unter Gleichen
und hob sich damit erheblich von der Unnahbarkeit der Angehörigen
islamischer Dynastien, aber auch von dem Byzantinismus späterer
Mameluken-Sultane ab. Beybars war
ein echter Soldaten-König;
auch
im Kampf stand er in vorderster Reihe. Er scheute keine noch so
große Gefahr, und als Zuchtmeister seiner Armee kümmerte er
sich persönlich um die Ausbildung seiner Truppen. Auch im sozialen
Bereich war der Herrscher, der es seinen Feinden gegenüber nicht
an Grausamkeiten fehlen ließ, vorbildlich. Er kümmerte sich
um die Verwundeten und Kranken, sorgte sich um die Bereitstellung von
Krankenbetten und beaufsichtigte die Arbeit von Ärzten und
Krankenpflegern. Besonderes Augenmerk widmete er indessen der Erhaltung
von Ordnung und Disziplin. Er verhängte schwere Strafen gegen
Soldaten, die muslimisches Eigentum geplündert hatten, und verbot
den Alkoholgenuß im Feldlager.
Niemals fühlte er sich vor Mordanschlägen sicher. Seine
Speisen ließ er, bevor er sie anrührte, von Vorkostern
probieren, seinen Schlaf von Eunuchen, die sich gegenseitig
kontrollierten, überwachen. Ungezählte Agenten und Spitzel
überwachten das Land. Des Sultans Mißtrauen ging sogar
soweit, dass er auch die Spitzel sich gegenseitig überwachen
ließ.
Überhaupt schätzte es der Sultan, sich unerkannt von allen,
auch von seiner nächsten Umgebung und seinem Gefolge, über
alle wichtigen Dinge ein persönliches Bild zu machen. Hierfür
scheute er keine Mühe und keine persönliche Gefahr.
Beybars war
grausam, hinterhältig und wortbrüchig;
aber er
war auch mutig und großzügig und er war durch und durch
Soldat. Er liebte, wie die meisten Mameluken seiner Zeit, Pferderennen
und war im ritterlichen Turnier, das man von den Kreuzrittern
übernommen hatte, unschlagbar. Alle diese Eigenschaften, vor allem
aber seine Verdienste um den Aufbau des Mamelukenstaates, machten
Beybars in der ägyptisch-syrischen Überlieferung zu
einem
Volkshelden, um den sich zahlreiche Legenden und Märchen ranken,
die man sich noch heute in den Teestuben und Kaffeehäusern von
Kairo und Damaskus erzählt.
1277 starb Beybars bei
der Rückkehr von einem erneuten Kriegszug
nach Kleinasien, möglicherweise
an Gift.
Über seinen Tod gibt
es zwei Versionen.
Die erste: Beybars, der
seinen Untertanen den
Genuß von Alkohol verboten hatte, liebte selbst leidenschaftlich
Kumys, einen aus saurer
Stutenmilch gewonnenen Schnaps, den man heute
noch in bestimmten Gegenden Asiens trinkt. In Damaskus nahm er davon
während des
Feldzugs so viel zu sich, dass er Fieber bekam. Zur
Linderung wurde ihm in Anwesenheit seines Arztes ein Mittel,
möglicherweise aber ein Gift,
gegeben, an dem er kurz darauf
starb.
Die zweite Version besagt, dass Beybars zu
einem Trinkgelage
einen AIYUBIDEN-Prinzen
eingeladen hatte, den er vergiften wollte. Aus
Versehen trank er jedoch den Giftbecher selbst und starb
drei Tage
später.
Während seiner 17-jährigen Herrschaft hat Beybars
für
Ägypten für Ägypten, Palästina und Syrien den
Übergang vom traditionellen Legalismus zur Oligarchie einer
exklusiven Kriegerkaste vollzogen und an die Stelle des
arabisch-islamischen Nationalstaates das Fundament einer bis in die
Neuzeit reichenden Fremdherrschaft gesetzt. Wie kein anderer Herrscher
vor ihm hat er den eher trägen Bewohnern Ägyptens mit einer
zentralistischen, etatistischen Verwaltung ein stählernes Korsett
geschmiedet und dem Land erstmals zu einer modernen Infrastruktur
verholfen. Sein größtes Verdienst bestand jedoch in der
Erhaltung der äußeren für sein Reich, die er als
weitblickender Stratege und charismatischer Feldherr
gewährleistete, ebenso aber auch als kluger und vorsichtiger
Diplomat.
Kinder:
al-Said Baraka Khan 5. Sultan (1277-1279)
1258 †
1280
al-Adil Salamis 6. Sultan (1279)
1272 †
Sa'id Sultan
†
Literatur:
-----------
Brandes
Jörg-Dieter: Die Mameluken. Aufstieg und Fall einer
Sklavendespotie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996 Seite
67-69,71-102 -
Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der
Kreuzzüge,
Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 231,237,245-249 - Runciman, Steven: Geschichte
der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1
Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite
1005,1044,1050,1059,
1088-1090,1093-1094,1095-1102,
1103-1106,1109-1117,1122-1123,1127,1128,1161,1166,1172,1191-1192
-