Runciman, Steven: Seite
1005,1044,1050,1088-1090,1093-1094
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1244
Während die Choresmier Jerusalem
brandschatzten, hatten sich die
Ritter von Outremer außerhalb Akkons versammelt. Dort
stießen die Heere von Homs und Damaskus unter dem Befehl
el-Mansur
Ibrahims von Homs zu ihnen; und an-Nasir
führte das Heer
von Kerak heran. Am 4. Oktober 1244 setzten sich die verbündeten
Streitkräfte südwärts längs der
Küstenstraße in Marsch. An-Nasir und
seine Beduinen hielten
sich zwar abseits, aber zwischen den Franken und el-Mansur Ibrahim
und
seinen Leuten herrschte ungetrübte Kameradschaft. Das christliche
Heer war das größte, welches Outremer seit dem Tag von
Hattin ins Feldg gestellt hatte. Es umfaßte 600 weltliche
Berittene unter Führung Philipps
von Montfort, des Herrn von
Toron
und Tyros, und des Grafen von
Jaffa, Walter von Brienne.
Die
Tempelritter und Hospitaliter stellten jeweils über 300 ihrer
Ordensritter unter den beiden
Großmeistern Armand von Perigord
und Wilhelm von Chateauneuf.
Eine Abteilung Truppen des Deutschen
Ordens war zur Stelle. Bohemund von
Antiochia schickte seine
Vettern
Johann und Wilhelm von Botrun
und den Konnetabel von Tripolis, Johann
von Ham. Die Truppen unter el-Mansur Ibrahims Befehl
waren vermutlich
zahlreicher, aber leichter bewaffnet. An-Nasir
scheint beduinische
Reiterei gestellt zu haben. Das ägyptische Heer lag vor Gaza; sein
Befehlshaber war ein junger mameluckischer Emir Rukn ed-Din Baibars.
Es
bestand aus 5.000 besonders ausgewählten ägyptischen Soldaten
und der choresmischen Horde. Die gegnerischen Heere kamen am 17.
Oktober bei dem Dorf Herbiya oder La Forbie miteinander in
Berührung. Während die ägyptischen Truppen dem Angriff
standhielten, kamen die Choresmier im Sturm herab und rannten gegen die
Verbündeten der Franken. El-Mansur Ibrahim und
seine Leute aus
Homs wichen nicht, aber die damaszenischen Truppen vermochten den
Anprall nicht standzuhalten. Sie machten kehrt und ergriffen die
Flucht, und mit ihnen flohen an-Nasir und
sein Heer. Indes
el-Mansur
Ibrahim sich herauskämpfte, schwenkten die Choresmier
herum,
stürzten sich auf die Flanke der Christen und trieben sie auf die
ägyptischen Regimenter zu. Die Franken schlugen sich tapfer, aber
vergeblich. Binnen weniger Stunden war ihr ganzes Heer vernichtet.
1250
Robert von
Artois war jetzt Herr des ägyptischen Lagers. Abermals
drang der Großmeister der Tempelritter in ihn, er solle warten,
bis der König und das Hauptheer durch die Furt gezogen seien und
sich ihm angeschlossen hätten, und auch Wilhelm von
Salisbury riet
zur Vorsicht. Aber Robert war
entschlossen Mansurah zu erobern und mit
dem ägyptischen Heer aufzuräumen. Er höhnte die
Tempelritter und Engländer, sie seien Feiglinge, rief seine Leute
zusammen und setzte neuerlich im Stiurm hinter den fliehenden
Ägyptern her; und abermals fühlten die Tempelritter und
Wilhelm
sich verpflichtete, ihm zu folgen. Obwohl Fakhr ed-Din tot war,
gelang es den mameluckischen
Befehlshabern, Zucht und Ordnung unter
ihren Truppen wieder herzustellen. Der
fähigste von ihnen, Rukn
ed-Din Baibars, übernahm den Befehl. Er stellte seine Leute
an
entscheidenden Punkten innerhalb der Stadt selbst auf und ließ
sodann die fränkische Reiterei durch das offene Stadttor
hereinstürmen. Als die französischen Ritter, dicht gefolgt
von den Tempelrittern, bereits bis zu den Mauern der Zitadelle
hinaufgelangt waren, stürzten die Mamelucken plötzlich aus
den Seitenstraßen heraus und fielen über sie her. Die
fränkischen Pferde konnten in den engen Gassen nicht ohne weiteres
wenden und gerieten unverzüglich in wildes Durcheinander. Einige
wenige Ritter entkamen zu Fuß zum Ufer des Nils, in dessen Wasser
sie ertranken. Einigen wenigen anderen gelang es, sich aus der Stadt
herauszuschlagen. Die Tempelritter fielen kämpfend in den
Straßen; von ihren 290 Rittern kamen nur fünf mit dem Leben
davon. Robert
von Artois verbarrikadierte sich mit seiner Leibwache in
einem Haus, aber die Ägypter drangen alsbald ein und brachten sie
samt und sonders um. Unter den Rittern, die in der Schlacht fielen,
befanden sich der Graf von Salisbury und nahezu alle seine englischen
Gefolgsleute und die Grafen von Coucy und Brienne. Peter von Bretagne hatte
sich mit ihnen bei der Vorhut befunden und hatte eine schwere Kofwunde
erliten. Aber es gelang ihm, durch die Stadt zurück und hinaus zu
reiten und eilends den König zu verständigen.
Ludwig schlug
sein Lager an der nämlichen Stelle auf, wo der Feind in der Nacht
zuvor gelagert hatte. Erst jetzt vernahm er vom stellvertretenden
Großmeister der Hospitaliter, daß sein Bruder gefallen war.
Als Turanschah
am 2. Mai sich erhob, um das
Gastmahl zu verlassen, drangen Soldaten des mameluckischen
Bahriden-Regimentes, geführt von Baibars
Bundukdari, plötzlich ein und hieben, Baibars voran,
auf den Sultan mit ihren Schwertern ein. Turanschah
entfloh verwundet in einen hölzernen Festungsturm nahe beim
Fluß. Als die Soldaten ihm nachsetzten und den Turm in Brand
steckten, sprang er in den Nil, bat im Wasser stehend um Gnade und
erbot sich abzudanken und nach Gezira zurückzukehren. Niemans
beantwortete seinen Ruf. Nachdem ein Hagel von Pfeilen nicht vermocht
hatte, ihn zu töten, sprang Baibars selbst
das Flußufer hinab und brachte
ihn mit dem Säbel um. Der verstümmelte Leichnam lag
drei Tage lang unbeerdigt. Schließlich erhielt der Botschafter
des Kalifen von Bagdad Erlaubnis, ihn in einem einfachen Grab zu
bestatten. Die triumphierenden Verschwörer ernannten den rangältesten mameluckischen
Befehlshaber Izz ed-Din Aibek
zum Oberbefehlshaber und Regenten, und er heiratete die
verwitwete
Sultana Schadschar
ed-Durr, die die rechtmäßige
Erbfolge verkörperte. Späterhin wurde ein noch im Kindesalter
befindlicher Vetter des verstorbenen
Sultans namens el-Aschraf Musa hervorgeholt und zum Mit-Sultan ausgerufen, aber bereits
vier Jahre darauf wieder abgesetzt. Sein endgültiges Schicksal ist
unbekannt.
1260
Zu Beginn des Jahres 1260 schickte Hulagu einen
Gesandten nach Ägypten, um die Unterwerfung des Sultans zu
verlangen.
Qutuz ließ den Botschafter umbringen und traf
Anstalten, den Mongolen in Syrien entgegenzutreten. Zu diesem Zeitpunkt
nötigte die Kunde von Möngkes
Tod und dem Bürgerkrieg in
der Mongolei
Hulagu dazu den größten Teil seines Heeres nach
dem Osten abzuziehen. Die Truppen welche Kitbukha verblieben, waren
jenen, welche
Qutuz jetzt zusammenzog, an Zahl beträchtlich
unterlegen. Außer den Ägyptern selbst
verfügte der Sultan über die Überreste der choresmischen
Streitkräfte und die Truppen des AYUBITEN-Fürsten
von Kerak. Am 26. Juli 1260 überschritt das ägyptische
Heeer
mit Baibars
als Befehlshaber der Vorhut die
Grenze gegen Gaza. In Gaza befand sich
eine kleine mongolische Truppe unter dem Heerführer Baidar. Er
schickte Boten zu Kitbukha, um
ihn von dem Einfall zu
verständigen, aber noch ehe Hilfe eintreffen konnte, wurden seine
Leute von den Ägyptern überwältigt.
Während Qutuz
sich in
Akkon befand, brachte er in Erfahrung, daß Kitbukha den Jordan überquert
hatte und ins östliche Galiläa eingedrungen war. Er
führte sein Heer unverzüglich über Nazareth nach
Südosten und erreichte am 2. September 1260 Ain Dschalud, die
Goliaths-Tümpel. Am nächsten Morgen kam das mongolische Heer
herauf. Die mongolische Reiterei war von georgischen und armenischen
Truppenteilen begleitet; aber Kitbukha
hatte keine Späher und
Kundschafter ausgesandt. Er wußte nicht, daß sich das
gesamte Mameluken-Heer in nächster Nähe befand. Qutuz
hingegen wußte sehr wohl, daß er selbst
zahlenmäßig überlegen war. Er verbarg folglich seine
Hauptstreitkräfte im nahegelegenen Hügelland und gab nur die
von Baibars geführte
Vorhut dem Blick frei. Kitbukha
ging in die Falle. Er
stürmte an der Spitze aller seiner Leute gegen den Feind an, den
er vor sich sah. Baibars zog
sich Hals über Kopf ins Bergland zurück, die Verfolger
setzten ihm hitzig nach, und plötzlich sah sich das ganze
mongolische Heer umzingelt. Kitbukha
lieferte einen prachtvollen Kampf.
Die Ägypter begannen zu schwanken, und Qutuz
stürzte sich
selbst in Schlacht, um sie wieder zusammenzureißen. Aber nach
wenigen Stunden tat die überlegene Anzahl der Muselmanen ihre
Wirkung.
Der Sultan zog fünf Tage nach seinem Sieg in
Damaskus ein. Der AYUBITE el-Aschraf,
der den Mongolen abtrünnig
geworden war, wurde in Homs wieder eingesetzt. Der ayubitische
Emir von
Hama, der sich nach Ägyptern geflüchtet hatte, kehrte in sein
Emirat zurück, und Aleppo wurde binnen Monatsfrist
zurückgewonnen.
Sultan Qutuz machte sich
ruhmbedeckt auf die Rückreise nach
Ägypten. Aber wenn auch Kitbukhas
Racheprophezeiung sich nie
völlig erfüllte, erwies sich sein Spott über die
Treulosigkeit der Mamelucken doch sehr bald als berechtigt. Qutuz hatte
begonnen, gegenüber seinem
tatkräftigsten Unterführer
Baibars Argwohn zu
hegen; und als Baibars
verlangte, zum Statthalter
von Aleppo ernannt zu werden, wurde sein Ersuchen brüsk
zurückgewiesen. Baibars
wartete nicht lange, bis er zur Tat
schritt. Am 23. Oktober 1260,
als das siegreiche Heer den Rand des
Deltas erreichte, nahm Qutuz einen
Tag Urlaub, um sich auf die
Hasenjagd zu begeben. Er zog mit mehreren seiner Emire, darunter auch
Baibars,
und einigen Freunden aus. Sobald sie sich ein gutes Stück
Wegs vom Feldlager entfernt befanden, trat einer von ihnen herzu, als
habe er ein Ansuchen an den Sultan, und während er ihn fest bei
der Hand hielt, gleich als sei er im Begriff, sie zu küssen,
stürmte Baibars
von rückwärts heran und rannte seinem
Herrn das Schwert in den Rücken. Die Verschwörer galoppierten
sodann zum Feldlager zurück und taten den Mord kund. Der
Stabschef des Sultans, Aqtai, befand sich im
königlichen Zelt,
als sie eintrafen, und fragte sofort, welcher von ihnen die Mordtat
begangen hatte. Als Baibars
zugab, er sei es gewesen, forderte Aqtai
ihn auf, sich auf des Sultans Thron zu setzen, und erwies ihm als
erster seine Huldigung; und sämtliche Befehlshaber des Heeres
folgten seinem Beispiel. Baibars
kehrte als Sultan nach Kairo
zurück.