BAUX


Lexikon des Mittelalters:
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Baux
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provenzalisches Adelsgeschlecht.
Als Stammvater dieser Kastellanenfamilie aus dem Land um Arles gilt Pons »der Jüngere« (973-1028), Vater von Joufré (Godefredus) von Rians (Begründer eines eigenen Hauses), und von Hugo (Uc) des Baux, dieser als erster nach Les Baux benannt. Doch kann man noch über Pons hinaus zurückgehen: Um 960 hatte ein Isnard den Ort Les Saintes-Maries de la Mer (mit seiner silva) und die Vallis Felauria von der Kirche von Arles zu Lehen; hierbei handelt es sich um das Tal, in welchem kurz vor 1000 die Felsenburg Les Baux entstehen sollte. In diesen Besitzungen lassen sich erste Fiskalgüter der Familie nachweisen; man ersieht die Ursprünge der Stellung des Hauses in der familiaritas des rücksichtslosen Erzbischofs Manasses, unter dessen Einfluß Graf Hugo von Arles, König von Italien, stand. Neben den Fiskalgütern erscheint der Allodialbesitz der Familie als recht unbedeutend (unter anderem Marignane, das sich die BAUX mit den Familien FREJUS und FOSs teilten; weiter im Osten Rians und Esparron). Das Streben nach Fiskalgut ist ein charakteristischer Zug der BAUX. Sie hatten aus den Plünderungen von Kirchengut am Anfang des 10. Jh. Nutzen gezogen, verstanden es aber, ebenso von der großen Gegenbewegung, dem Gottesfrieden, zu profitieren, der in den Jahren um 1040 den Ausgangspunkt für die gregorianischen Reform in Süd-Frankreich bildete. Deren Vorkämpfer, Raimbaldus, Erzbischof von Arles, ein Freund Odilos von Cluny, befehdete die Gegner der Reform; Hugo (Uc) des Baux unterstützte ihn dabei und empfing als Belohnung für seine Dienste den Zehnten von Le Vernègue und mehrere Abgaben von Arles.
Der letzte der BAUX, der dieser vorteilhaften Politik folgte, war Raimundus (Raimon), der Enkel von Hugo. Es gelang Raimundus während der Erbfolgestreitigkeiten in der Provence am Beginn des 12. Jh., Tefania zu ehelichen, die jüngere Tochter der Dulcia (Douce), Erbin von Teilen der Provence und Gemahlin von Raimund Berengar von Barcelona. Kurz vor 1112 bot er seinem mächtigen Schwager seine Hilfe bei der Wiedergewinnung der Macht an. Dadurch erlangte Raimundus zahlreiche Güter im pagus Aquensis (auf Kosten der Familie BRUSSANS-PALLIOLS, die wegen Verrats ausgeschaltet wurde); hierbei handelt es sich offenbar um den Ursprung der Herrschaft der BAUX über Berre. 1121 wechselte Raimundus aus der fidelitas des Grafen von Barcelona in die des Grafen von St-Gilles und Toulouse über, des Beherrschers des Venaissin; es gelang ihm, seinen Sohn Bertran mit Tiburge, der Erbin eines Teils des Fürstentums Orange, zu verheiraten. Damit war ein Ausgangspunkt für neue Expansionen geschaffen. Eine weitere vorteilhafte Heirat, am Ende des 12. Jh., ermöglichte es den BAUX, auch in Marseille Fuß zu fassen. Weit davon entfernt, daß die BAUX nie Vasallen waren (wie es im 19. Jh. der Dichter Frédéric Mistral in romantischer Verklärung des provenzalischen Adelsgeschlechts behauptete), führte die Vasallität vielmehr zum Aufstieg der BAUX und zum Aufbau ihrer weiträumigen Herrschaft. Doch hatten Grafen und Erzbischfe um die Mitte des 12. Jh. ihren senioralen Vasallen nur mehr wenig zu bieten; die Zeit der Erringung politischer Vorteile im Dienst weltlicher und geistlicher Großer ging zu Ende. So änderten die Mitglieder der Familie ihre Politik und beschritten den nicht ungefährlichen Weg offener Rebellion. Verheerende Kriege und Fehden, ausgelöst durch die BAUX, folgten einander (1143-45,1150,1160-62). Die Frucht dieser Aufstände war die Erringung bedeutender Herrschaftsrechte in und um Arles; die BAUX kontrollierten in Bourg-Neuf und Trinquetaille die Schiffe und Salzbarken auf der Rhône sowie die Märkte und den Weinhandel und nahmen Zölle und Abgaben ein. Hinzu kam, daß sie mit mächtigen Familien (Marseille, Rians, Orange, Lambesc) verwandt waren und über Dutzende von Burgen in der westlichen Provence verfügten. Um zu gleichem Rang wie ihre Lehnsherren, die Grafen von Barcelona, aufzusteigen, beanspruchten die BAUX das Erbe der Tefania. Der Kaiser verlieh ihnen ein Privileg (1145,1162 bestätigt), das sie - in allerdings doppeldeutigen Formulierungen - zu nahezu gräflichen Rang erhob. - Trotz dieses glanzvollen Auftretens zeichnete sich der allmähliche Niedergang des Hauses ab. Bei ihren Revolten mußte sich die Familie, belagert vom katalanischen Heeresaufgebot, in ihre erste und letzte Bastion, die »roque des Baux«, flüchten und letztlich kapitulieren. Der letzte Rebell der BAUX war der berühmte Barral des Baux (1217-68), Seneschall des Grafen von Toulouse für die Provence und populärer »Diktator« in den drei Hauptstädten des Landes, Arles, Marseille und Avignon. Er mußte sich vor Karl von Anjou, dem mächtigen Nachfolger der barcelonesischen Macht, beugen und beendete sein Leben als Podestà von Mailand. - Doch soll bei der Erinnerung an so viele Machtkämpfe und kriegerische Wirren auch von Azalaïs des Baux, die von dem Troubadour Peire Vidal verehrt wurde, die Rede sein, ebenso von der schönen Tefania, Nonne im Kloster St-Pons de Gémenos, deren Los von den »sires-troubadours«, Blacas d'Aups, Borgonhon de Trets und Joufré »Reforsat« de Marseille bitter beklagt wurde.
Im 14. Jh. sahen die BAUX endgültig ihren Stern sinken. Die verschiedenen Zweige der Hauptlinien Baux-Marseille, Berre-Marignane und Orange-Courthézon erloschen am Ende des 14. oder Anfang des 15. Jh. Der letzte des Namens war ein in Italien geborene Bastard, Bernardin des Baux († 1527), Johanniter und Befehlshaber von Galeeren im Dienste Ludwigs XII. und Franz' I. - Vgl. Del Balzo.

J.-P. Poly