DEL BALZO
Lexikon des Mittelalters:
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Del Balzo
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Mächtige provenzalische und italienische Feudalherrenfamilie, die
bei ihrer ersten Machtentfaltung ihr Zentrum in der Provence hatte, das
sich zu einem glänzenden Hof entwickelte; aus der ursprünglichen Namensform de Baucio entwickelte
sich die französische Form DE B(E)AUX
und die italienische DEL BALZO.
Lehensträger der Grafen von Provence, folgten die DEL BALZO in der 2. Hälfte des
13. Jh. Karl
I. von Anjou nach Italien, wo sie für ihre Ergebenheit dem
neuen König von Sizilien gegenüber reich belohnt wurden. Karl
wußte sie geschickt bei der Bildung der neuen
Führungsschicht des Regnum seinen Wünschen entsprechend
einzusetzen. Besondere Bedeutung hat in dieser Hinsicht Barale del Balzo (Barral des Baux), der als primus magister iustitiarius zu den
sechs großen Amtsträgern des Regnum gehörte; er kann
deshalb als 'longa manus' von Karls effektiver
Herrschaft bezeichnet werden, in einer Phase, in der die Ablösung
der alten
STAUFER-Herrschaft durch das neue ANJOU-Regime
noch nicht eindeutig feststand, wie sich bei Konradins
Italienzug zeigte. Nach dem Tode Barales
Anfang Aug. 1268 gewann sein
Sohn Bertrando del Balzo (Bertrand
des Baux) Bedeutung, der als Vetter
des Königs bezeichnet wird und von diesem 1272 mit der Grafschaft Avellino investiert
wurde (Begründung der Mitte des 15. Jh. im Mannesstamm erloschenen
Linie der DEL BALZO, Grafen von Avellino). Damit belohnte
der König Bertrandos
Treue bei der Führung der Campagna-Truppen gegen Konradin und
seine kluge Amtsführung als königlicher Vikar in Rom 1271.
Eine derart hohe Stellung behielt er bis zum Ende des 13. Jh. bei. Noch
größeren Einfluß errang sein Neffe Bertrando II. († 1351), der sich mit einer Tochter Karls II. v. Anjou, Beatrice,
vermählte, die ihm die Stadt
Andria als Mitgift in die Ehe brachte. Er genoß das
Vertrauen Roberts
von Anjou, der ihn 1323 zu seinem Vikar in Rom und später
(nach der Schlacht von Altopascio 1325 und der Krise des angevinischen
Einflusses auf die Region) zum Generalkapitän
der Toskana ernannte. Als magnus
magister iustitiarius mußte er sich mit den
äußerst undurchsichtigen Hintergründen der Ermordung Andreas' von
Ungarn befassen, fungierte dabei als Vertrauensmann des
Papstes und setzte alles daran, trotz zahlreicher Intrigen, die
Mörder der Gerechtigkeit zu übergeben. Deshalb bei der
königlichen Familie in Ungnade gefallen, wurde er anscheinend vergiftet (1351). Er ist der Stammvater eines der bedeutendsten Zweige
der Familie: der DEL BALZO,
Herzöge von Andria, der
bis zum Ende des 15. Jh. bestand; das Verhältnis dieser Linie zu
den Herrschern gestaltete sich schwierig, so daß es zu einem
ständigen Hin und Her zwischen der sicheren Zuflucht der
Güter in der Provence und den Besitzungen in Süd-Italien kam.
Unter den Herzögen von Andria ragt Jacopo (Giacomo) del Balzo († 1384) hervor, der mit Agnes von Anjou,
der Tochter jenes Karl von
Anjou-Durazzo, der auf Befehl Ludwigs I. des
Großen von Ungarn enthauptet worden war, vermählt
war und mütterlicherseits die Titel
Kaiser von Konstantinopel, Fürst von Achaia, Herr von Albanien und Despot von Romania ererbt hatte. Er
stand im Gegensatz zu Johanna I.,
konnte jedoch einen Teil seines Vermögens durch die
Versöhnung mit Karl III.
wiedergewinnen. Die Bedeutung der Familie
DEL BALZO endete nicht mit der ANJOU-Dynastie, sondern
setzte sich auch unter den Aragonesen fort, da Francesco II. während des
Kampfes zwischen
ANGEVINEN und Aragonesen für Alfons V. Partei
genommen hatte. 1464 erhielt er den Titel
eines »Gran-conestabile«
und zusätzliche Lehen. Sein Sohn
Pirro wurde jedoch 1486 in die Verschwörung der Barone
verwickelt und nahm ein schlimmes Ende. Weitere Zweige der Familie
traten an der Wende vom 14. zum 15. Jh. in vielen Teilen Europas
hervor. Der franösische Zweig starb bereits im 16. Jh. aus, einige
italienische Linien endeten im 17. und 18. Jh., die beiden Linien von Caprigliano und Presenzano sind jedoch noch heute in
Italien bedeutend.
R. Manselli