Balduin IV.                                      König von Jerusalem (1174-1185)
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116016.3.1185

Begraben: Jerusalem, Grabeskirche
 

Einziger Sohn des Königs Amalrich I. von Jerusalem aus dem Hause ANJOU aus seiner 1. Ehe mit Agnes de Courtenay, Tochter von Graf Joscelin II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1367
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Balduin IV., König von Jerusalem seit 1174
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* 1160, 1185

Begraben: Jerusalem, Grabeskirche

Sohn Amalrichs I. und dessen 1. Gemahlin Agnes von Courtenay

Von Wilhelm von Tyrus erzogen, bestieg er mit 13 Jahren den Thron. Trotz seiner Erkrankung an Aussatz, den periodischen Regentschaften und den Rivalitäten, die zwischen seinen Ratgebern auftraten, gelang es Balduin, tatkräftig alle muslimischen Angriffe abzuwehren. Der aussätzige König bewies dabei trotz seiner körperlichen Schwäche große Fähigkeiten als Feldherr. 1177 fügte er Saladin die schwerste Niederlage bei, die dieser je erlitt. Doch wurde Balduin später in der Schlacht von Baniyas geschlagen, ebenso in einer weiteren Schlacht unweit von Sidon und Saladin zerstörte die neue Burg der Templer, Le Chastellet am oberen Jordan. 1182 griff der AYYUBIDE die Burg Montreal an, ebenso Galiläa, dessen Verlust Balduin durch seinen Sieg bei Nazareth jedoch verhindern konnte. Im Oktober 1182 eroberte Balduin unter Ausnutzung eines Feldzuges, den Saladin gegen Mesopotamien führte, die Burg Habis Jaldak im Sawad. Als 1183 seine Krankheit ihm zunehmend der Sehkraft und Gehfähigkeit beraubte, ernannte Balduin Guido von Lusignan zum Regenten des Königreiches. Er entzog ihm die Regentschaft jedoch im November 1183 und nahm erneut die Regierung in die Hand. Doch mußte er Anfang 1185 diese an Raimund III. von Tripolis abgeben. Unterdessen bot eine Gesandtschaft in den Westen die Oberherrschaft über das Königreich den Königen von Frankreich und England an. Im März 1185 verstarb Balduin. - Die Regierung dieses aussätzigen, durch Tapferkeit und Tatkraft ausgezeichneten König wurde beeinträchtigt durch Konflikte zwischen der Hofpartei (ihre wichtigsten Anhänger waren: die Schwester des Königs, Sybilla, ihr zweiter GatteGuido von Lusignan, die Königin-Mutter, Agnes, ihr Bruder Joscelin und Rainald von Chatillon) und einer baronialen Gruppe, geführt von Raimund III. von Tripolis. Die Rolle der Magnaten im Königreich wurde im Zuge dieser Auseinandersetzung bedeutend gestärkt.


Bertelsmann: Seite 81
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Lexikon Geschichte

BALDUIN II., König 1174-1185
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* 1160, 16.3.1185

Siegte über Saladin, konnte aber dessen Übermacht nicht brechen; ernannte 1183 seinen fünfjährigen Neffen Balduin V. zum Mit-König ( 1186).


Brandenburg Erich: Tafel 7 Seite 15
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 58 a. BALDUIN, König von Jerusalem 1174
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* 1161, 1185 vor 16.V.


Thiele, Andreas: Tafel 171
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

BALDUIN IV. "DER AUSSÄTZIGE"
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* 1161, 1185

Balduin IV. der Aussätzige folgte unter seinem Großonkel, dem Grafen Raimund von Tripolis und siegte 1177 überraschend über Saladin bei Ramla, womit die Eroberung Jerusalems hinausgezögert wurde. Seine Zeit war geprägt von zerstörerischen Querelen und Nachfolgefragen. Balduin IV. verzichtete 1183 an seinen Neffen Balduin V.


Der lepröse Balduin IV., der noch als Kind den Thron bestieg, war nicht in der Lage, die rivalisierenden Feudalparteien in Schach zu halten und dem Machtverfall entgegen zu wirken. Er besiegte am 25.11.1177 den Sultan Saladin bei Ramla, konnte aber dessen Übermacht nicht brechen, ernannte 1183 seinen Neffen Balduin V. zum Mitkönig. Den Grafen Raimund II. von Tripolis setzte er zum Regenten für den Neffen ein.

Pernoud Regine: Seite 118
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Drei Tage nach dem Tod von König Amalrich († 11. Juli 1174) wurde sein 13-jähriger Sohn in der Grabeskirche als König Balduin IV. bestätigt und gesalbt. Schon als Kind war er "sehr schön, lebhaft und offen und ritt vorzüglich, besser als sein Vater... Er hatte ein sehr gutes Gedächtnis, war recht belesen, merkte sich die Ereignisse der Geschichte und gab sie sehr gern wieder". Wilhelm von Tyrus, der Erzieher dieses begabten jungen Mannes, äußert sich sehr lobend über ihn, berichtet jedoch auch, mit welch tiefer Bestürzung er feststellte, als Balduin noch ein Kind war, dass dieser von der Mistelsucht (dem Aussatz) befallen war. Er hatte beobachtet, dass Balduin keinerlei Schmerz in Armen und Händen empfand, wenn er sich beim Spielen mit anderen Kindern verletzte. Nachdem er genauer darauf geachtet hatte, bemerkte er an seinen Händen und Armen die schuppigen Flecken, mit denen sich die Krankheit ankündigt. Nichts konnte das Fortschreiten des schrecklichen Leidens aufhalten, so dass man Balduins Regierungszeit letzten Endes nur als eine jahrelange Agonie bezeichnen kann."
Dieser junge Mann, der schon mit 24 Jahren starb, konnte allerdings für das Königreich Jerusalem noch einmal ganz erstaunliche Siege erringen, und das über einen Gegner wie Saladin. Einen seiner Erfolge erzielte er bei Montgisard (Tell Dschazar), wo am 25. November 1177 300 Ritter die türkischen Streitkräfte trotz deren haushoher zahlenmäßiger Überlegenheit in die Flucht schlugen und vernichteten, einschließlich der 1.000 Mameluken, die für Saladin kämpften. Der König war damals 17 Jahre alt. Über diesen denkwürdigen Tag berichten die begeisterten Worten, allen voran Michael der Syrer, Patriarch der jakobitischen Kirche und Augenzeuge des Geschehens:
"Alle hatten die Hoffnung aufgegeben, denn das Übel des Aussatzes machte sich allmählich an den jungen König Balduin bemerkbar, der immer schwächer wurde, und jeder fürchtete sich deshalb. Aber Gott, der seine Stärke in den Schwachen kundtut, gab dem kranken König Mut. Der Rest seiner Truppen versammelte sich um ihn; er stieg vom Pferd, warf sich vor dem Kreuz mit dem Gesicht auf die Erde und betete unter Tränen. Dieser Anblick rührte allen Soldaten ans Herz. Sie streckten die Hand nach dem Kreuz aus und schworen, nicht zu fliehen und bei einer Niederlage jeden, der anstatt zu sterben die Flucht ergreifen würde, als Verräter und Abtrünnigen zu betrachten. Sie bestiegen ihre Pferde und rückten gegen die Türken vor, die im Bewußtsein ihrer Überlegenheit frohlockten. Als die Franken der Türken ansichtig wurden, deren Streitkräfte einem Meer glichen, schlossen sie untereinander Frieden und baten einander um Verzeihung. Dann eröffneten sie die Schlacht. In diesem Augenblick ließ der Herr einen gewaltigen Sturm anheben, so dass auf seiten der Franken der Staub aufgewirbelt und den Türken ins Gesicht geweht wurde. Da begriffen  die Franken, dass der Herr ihre Reue angenommen hatte, und schöpften Mut, während die Türken kehrtmachten und die Flucht ergriffen. Die Franken verfolgten sie den ganzen Tag und töteten und vernichteten sie." Der Kommentar des Chronisten Ernoul dazu lautet: "Roland und Olivier haben in Roncevaux bei weitem nicht solche Heldentaten vollbracht... wie an jedem Tag Gott und der Heilige Georg, der mit uns kämpfte."

Schlacht bei Mont Gisard (in der Nähe von Ramla) 25.11.1177

  500 Ritter
   80 Templer    gegen 30.000 Moslems
3.000 Kämpfer
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 56,73 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 7 Seite 15 - Großer Bildatlas der Kreuzzüge. Sechs Jahrhunderte abendländischer Kultur- und Glaubensgeschichte. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 57 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 148,155,158,194 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 256,264 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge. Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 108,116-122 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 187 - Payne Robert: Die Kreuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 189-206 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 118 - Prutz Hans: Die Ritterorden. Mönche als Kämpfer, Helden, Abenteurer Bechtermünz Verlag Berlin 1908 Seite 91,422 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 602,695,706-709, 712-713,716-726,730-735, 739-744,746,802 - Sippel Hartwig: Die Templer. Geschichte und Geheimnis. Amalthea Verlag 1996 Seite 110,111 -Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 171 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 144 -