Sohn des makedonischen Feldhern Parmenion
Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 317
*****************************
Philotas
-----------
* etwa 360 v. Chr. †
330 v. Chr.
Sohn Parmenions
Beim Alexander-Zug gegen Persien war Philotas Kommandant der Leibwache und zeichnete sich auch als Reiterkommandant aus. Es kam jedoch zum Zerwürfnis mit dem König, dessen Gründe unklar sind; vielleicht war Philotas ein Gegner von Alexanders Politik gegenüber den unterworfenen Völkern. Als Alexander entdeckte, dass Philotas ihn vor einer geplanten Verschwörung nicht gewarnt hatte, klagte er ihn vor der Armee (nach der Folter) an. Philotas wurde verurteilt und hingerichtet. Alexander sandte dann auch Männer aus, um Philotas‘ Vater ohne Prozeß zu ermorden.
Literatur:
-----------
Berve, Das Alexanderreich 2, 393ff.
Als Führer der makedonischen Reiterei machte
Philotas
sich durch oppositionelle Äußerungen zur Politik
Alexanders,
die zunehmend orientalische Züge annahm, seit 331 verdächtig;
beschuldigt, eine Verschwörung nicht gemeldet zu haben; deshalb hingerichtet.
Philotas war der Anführer der Hetairenreiterei Alexandersund einer der Offiziere, die sein besonderes Vertrauen besaßen. Während des Orientfeldzuges erfuhr der König von einem Komplott, das gegen ihn geschmiedet wurde. Er ließ Philotas, seinen getreuen Waffengefährten, sowie dessen Vater Parmenion im Herbst 330 v.u.Z. gefangennehmen und hinrichten, mit der Begründung, er hätte ihn warnen und die Verschwörer anzeigen müssen. Die Nachwelt hält beide für unschuldig.
Fox Robin Lane: Seite 200-202
**************
"Die Suche nach Alexander."
Ptolemaios hat die
Verschwörung sicherlich beschrieben. Eine Kurzfassung seines Berichtes
findet sich etwa 400 Jahre später bei Arrian. Danach wurde
Philotas,
der Sohn des Parmenion, vor Alexander
gebracht, der ihn "heftig" beschuldigte. Er verteidigte sich mit einer
Rede. Informanten erklärten ihn für schuldig, in "vielen anderen
klaren Anklagepunkten und vor allem, weil er es versäumt hatte, die
Verschwörung aufzudecken, obwohl er das Zelt des Königs zweimal
am Tag aufsuchte".
Nach übereinstimmenden Überlieferungen wurden
aus den Quellen des Timagenes die folgenden Einzelheiten bekannt.
Sie sagen, dass ein gewisser Dimnos und seine Gefährten im
Mittelpunkt der Verschwörung standen. Philotas wurde verhört
und gefoltert. Alexander, der Prinz von Lynkestis, wurde
aus seinem Arrest geholt, unter dem er seit drei oder vier Jahren stand,
und umgebracht. Irgendwo muß ein Augenzeuge die Namen der Informanten
und Radelsführer genannt haben, die in der Version des Römers
Curtius soviel Raum einnehmen. Die einzelnen Details passen gut zum
Geschehen, und sie können deshalb dabei helfen, die Kurzfassung des
Ptolemaios-Berichtes
bei Arrian zu ergänzen, da sie zu diesem hinzukommen und ihn
nicht korrigieren.
Anscheinend wurde unter Makedonen, von denen wir nichts
wissen, eine Verschwörung angezettelt. Einer der Verschwörer
sprach davon zu seinem Bruder und bat ihn dringend, das Geheimnis zu wahren.
Dieser Bruder berichtete Philotas von der Verschwörung. Philotas
sagte niemandem etwas davon, obwohl er Alexander
zweimal am Tage sah. Daraufhin ging der besagte Bruder direkt zu Alexander,
vermutlich mit einer Namensliste der Verschwörer. Sein ursprünglicher
Informant soll Selbstmord begangen haben, bevor er weitere Einzelheiten
mitteilen konnte. Philotas wurde verhört, angeklagt und vielleicht
öffentlich hingerichtet. Entweder wurde er von Speeren durchbohrt
oder gesteinigt. Sein zweitägiges Schweigen wurde als Verbrechen angesehen.
Die Geschichte des Ptolemaios
läßt Arrian vermuten, dass der hauptsächliche Vorwurf
gegen Philotas ganz einfach darin bestand, dass er sich weigerte,
eine Verschwörung aufzudecken. Andere Berichte können keine bessere
Erklärung geben. Philotas soll danach bereits in Ägypten
einmal unter Verdacht gestanden haben. Es wird behauptet, dass ihn Krateros
über
seine Mätresse beobachten ließ. Dabei kam jedoch nicht viel
heraus. Der Anklagepunkt bestand hauptsächlich darin, dass er zögerte,
von der Verschwörung Mitteilung zu machen. Jedoch nicht jedem Verdacht
wurde rücksichtslos nachgegangen. Erst später wurde er auf einen
der vier Leibwächter ausgedehnt. Vielleicht war dieser ebenfalls schuldig
gewesen. Es besteht nur Sicherheit darüber, dass Alexander
im September 330 v.u.Z. nicht in der Lage war, auf weitere Tatsachen warten
zu können, was er selbst in aller Klarheit deutlich machte. Als er
Farah verließ, gab er dem Ort einen neuen Namen: Prophtasia, das
griechische Wort für "Zuvorkommen". Er war der Meinung, er habe zugeschlagen,
bevor dies andere Makedonen tun konnten.
Zweifellos gab es Informanten, die ihre Chance nutzten.
Dies taten auch die Feinde des Philotas unter Alexanders
Freunden und Höflingen. Krateros und Perdikkas waren
ebenso wie der loyale Hepaistion nur zu gern bereit, ihre Unschuld
zu demonstrieren. Aber es hat mit Sicherheit auch eine Verschwörung
bei den niederen Dienstgraden gegeben, deren Ursache nicht allzu schwer
zu vermuten ist. Drei Monat zuvor hatte sich Alexander
in Kleinigkeiten dem persischen Hofstil angepaßt. Er hatte einen
Eunuchen und persische Freunde übernommen. Diese und andere Satrapen
erhielten den Befehl über die ehemaligen Provinzen des Dareios.
Einer von ihnen, nämlich Satibarzanes, hatte Alexander
verraten. So hatten die Soldaten unter einem Gunstbeweis gelitten, der
sich als Fehler erwiesen hatte. Obwohl keiner der Soldaten darauf aus war,
in die Heimat zurückzukehren, könnten sich einige sehr wohl einen
wirklichen makedonischen König gewünscht haben: ohne Türsteher,
ohne Diademe, ohne einen Bagoas und ohne weitere Fehlgriffe. Eine
solche Verschwörung hätte einen anderen König gefordert.
Es mag so keine bloße Vorsichtsmaßnahme gewesen sein, dass
Alexander
von Lynkestis, der Schwiegersohn des Antipatros und ein Mann
aus königlichem Hause, nach Jahren des Arrestes ebenfalls hingerichtet
wurde. Als Mann aus den Hochlandgebieten war er mit dem Vize-König
in Griechenland verbunden. Vielleicht hätte er so regiert, wie es
ein Makedone tun sollte.
Nur Offiziere wurden der Verschwörung verdächtigt.
Es war verständlich und vielleicht sogar korrekt, den Vorwurf auch
auf Philotas auszudehnen. Er hatte bei einem Unfall in Ägypten
seinen Bruder verloren, wobei bereits damals der Verdacht der Untreue auf
ihn gefallen war. Ein weiterer Bruder, der Führer der Schildträger,
war vor kurzem gestorben, und Philotas mußte zurückbleiben
und das Begräbnis ausrichten. In Susa soll er Alexander
dazu
aufgefordert haben, den Tisch des Dareios
als Schemel zu mißbrauchen. Die Geschichte gibt zu denken. Als er
nach dem Tod seines Bruders wieder zur Armee stieß, gab es neue und
eindeutige Zeichen für die Bevorzugung von Persern. Die Truppen waren
unterdessen geteilt worden. Im Falle des Satibarzanes war soeben
ein Fehler gemacht worden. Parmenion war 70 oder 80 Jahre alt, und
so dürfte sich Vater und Sohn so bald keine Chance dieser Art mehr
bieten. Eine Einzelheit, welche die späteren römischen Redner
berichteten, könnte ebenfalls bezeichnend gewesen sein. Alexander
soll danach Philotas aufgefordert haben, zu den Truppen im makedonisch-griechischen
Dialekt zu sprechen. Als sich Philotas weigerte, verspottete er
ihn in gewöhnlichem Griechisch. Wenn Alexander
wegen seiner Abweichung von den makedonischen Sitten angefeindet wurde,
war dies eine brillante Antwort darauf.
Als Philotas tot war, mußte auch Parmenion
getötet werden. Die Bande zwischen Vater und Sohn hatten immer noch
Bedeutung. Andere Bande erwiesen sich hingegen als bedeutungslos, was über
die Entwicklung am Hof viel aussagt. Einer der Gefährten des Philotas
im Kommando über die Kavallerie beschuldigte ihn heftig. Koinos,
der mit der Schwester des Philotas verheiratet war, suchte sich
selbst durch heftige Vorwürfe von jeder Mitschuld zu befreien.
Literatur:
-----------
Bengtson Hermann: Die Diadochen. Die Nachfolger
Alexanders des Großen. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
München 1987 Seite 19 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander
der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs
Verlag München 1997 Seite 168,188,192, 194,198,236,243 - Droysen
Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen. Akademische Verlagsgesellschaft
Athenaion Kettwig 1990 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus.
Primus Verlag 1998 Band I Seite 63,68,82,86,112,135,140,162,229,260,270/Band
III Seite 480 - FISCHER WELTGESCHICHTE. Band 6 Der Hellenismus und
der Aufstieg Roms. Die Mittelmeerwelt im Altertum II. Fischer Bücherei
KG, Frankfurt am Main 1965 Seite 30 - Fox Robin Lane: Die Suche
nach Alexander. Georg Westermann Verlag GmbH Braunschweig 1990 Seite 162,
200,201,202 - Geyer, Fritz: Alexander der Große und die Diadochen.
Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1925 Seite 64 - Herm Gerhard:
Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft.
C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 26,42 - Lauffer
Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH
& Co. KG München 1993 Seite 44,52,96,119,120, 123,130 -