Sohn des Philotas
Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 304
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PARMENION
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Vater von Philotas; Parmenion war der bedeutendste Feldherr Philipps II. Gemeinsam mit Antipatros war Parmenion 346 v. Chr. für den Philokrates-Frieden verantwortlich. 337 kommandierte Parmenion die asiatische Vorhut bei der Vorbereitung zum großen Perserfeldzug. Unter Alexander führte Parmenion ein selbständiges Kommando, und in den Schlachten, kommandierte er als 2. Befehlshaber den linken Flügel, während Alexander den rechten befehligte (Issos, Gaugamela). Parmenion war der wichtigste Vertreter der "alten Garde" - jener Makedonen, die sich gegen Alexanders Ansichten über die Reichsverwaltung und die Beziehungen zu den Unterworfenen wandten. Beim Vormarsch im östlichjen Iran war Parmenion für die Verbindung mit Europa verantwortlich; sein Hauptquartier war Ekbatana. Tatsächlich war aber Parmenion damit entmachtet worden. Nach der Hinrichtung von Parmenions Sohn Philotas ließ Alexander Parmenion ermorden (330 v. Chr.).
Berve, Das Alexanderreich 2, 298 ff.
Berater und Feldherr Philipps II. von Makedonien und Alexanders des Großen
Parmenion schloß zusammen mit Antipater
346
v. Chr. den Frieden des Philokrates in Athen: in dem von
Philipp II. von Makedonien propagierten Rachefeldzug gegen das
Perser-Reich befehligte Parmenion zusammen mit Attalos die
makedonische Vorhut 336 v. Chr.; in den unter Alexander
dem Großen unternommenen Schlachten gegen die Perser leitete
er eigene Unternehmungen und kommandierte in den Entscheidungsschlachten
den linken, meist defensiven Flügel. 330 v. Chr. wurde Parmenion
zum Schutz des Reichsschatzes in Ekbatana zurückgelassen; wegen seiner
wachsenden Opposition gegen die Pläne Alexanders
ließ
ihn dieser nach der Verurteilung seines Sohnes Philotas beseitigen.
Parmenion bekleidete neben dem König die höchste militärische Würde in Makedonien und kommandierte in den Schlachten umsichtig den linken Flügel des Heeres. Nach dem Feldzug gegen Griechenland führte er die Verhandlungen über die Kapitulation Athens. Im Jahre 336 v.u.Z. beauftragte ihn Alexander mit den Vorbereitungen für den Anatolienfeldzug und betraute ihn mit dem Oberbefehl über die Vorausabteilungen. Er eroberte Damaskus und Syrien und wurde daraufhin 331 v.u.Z. zum Statthalter von Medien ernannt. Als sein Sohn wegen einer angeblichen Verschwörung gegen Alexander zum Tode verurteilt wurde, wurde auch Parmenion in seiner Residenz Ekbatana aus Furcht vor Rache hingerichtet.
Bengtson Hermann: Seite 191-194
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"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer
der hellenistischen Welt."
Wie Antipater so war auch Parmenion ein
Repräsentant
der altmakedonischen Tradition. Sein Leben fällt in die Zeit zwischen
400 v.u.Z. und 330 v.u.Z. Er gehörte zu den treuesten Freunden und
Mitkämpfern Philipps II., und
zusammen mit Antipater hat er Alexander
die
Nachfolge seines Vaters gesichert. Seine Leistungen als Feldherr sind ganz
unbestritten. Wenn ihn jedoch Beloch über
Alexander
gestellt hat, so ist dies eine Übertreibung. Aber man muß sich
doch wohl fragen, was Alexander
ohne
diesen bedeutenden General gewesen wäre. Der König hat ihm in
der Regel undankbare und wenig spektakuläre Aufgaben übertragen,
die Alexander selbst nicht übernehmen
wollte. Alexander führte in den
Schlachten die Hetairenkavallerie, Parmenion den linken Flügel,
der zunächst nicht zum Angriff, sondern zur Verteidigung bestimmt
war. Die Bedeutung Parmenions aber reicht weit über das Militärische
im engeren Sinn hinaus. Selbst aus der sehr lückenhaften Überlieferung
ergibt sich, dass Parmenion in mehreren entscheidenden Situationen
den König beraten hat, wenn er sich auch nicht immer durchsetzen konnte.
Auch sein Ratschlag, der junge Alexander möge
sich vor dem Antritt des Asienfeldzuges vermählen, um einen Sohn und
Erben zu gewinnen, war wohlüberlegt. Hätte Alexander
den
Rat Parmenions befolgt, so wären dem makedonischen Volk die
vernichtenden Kämpfe um die Thronfolge erspart geblieben, welche die
Zeit nach Alexanders Tod ausgefüllt
haben. Etwas anders steht es mit Parmenions Rat nach dem zweiten
Friedensangebot des Darius, das den
Makedonen-König in Marathos in Syrien erreichte. Er würde sich,
soll Parmenion gesagt haben, mit dem persischen Angebot, den Makedonen
Kleinasien und dazu die Gebiete westlich des Euphrats zu überlassen,
begnügen, worauf Alexander ironisch
gesagt haben soll: "Auch ich, wenn ich Parmenion wäre." Man
wird diese Wort wohl als historisch hinnehmen, denn es entspricht ganz
dem Charakter Alexanders und seiner
Einstellung zu Parmenion.
Auch in Fragen der Strategie hat Parmenion mehrfach
eine dem König entgegengesetzte Ansicht vertreten. Bei der Belagerung
Milets hat er beispielsweise empfohlen, es auf eine Seeschlacht ankommen
zu lassen. Dies aber hat Alexander abgelehnt,
weil, wie er sagte, das Risiko zu groß sei. Auch Parmenions Ratschlag,
er möge bei Gaugamela die Perser des Nachts angreifen, um das Überraschungsmoment
auszunutzen, ist von Alexander verworfen
worden. In der Tat konnte man in dem einen oder anderen Fall anderer Meinung
sein als der junge König, aber das Kriegsglück, das dem Alexander
in seltener Weise zur Seite stand, hat die Ratschläge Parmenions
in
der Regel als unzutreffend erwiesen. Namhafte Historiker, unter ihnen Helmut
Berve, neigen zu der Annahme, in Alexander
habe
sich auf dem Asienfeldzug eine steigende Animosität gegen den greisen
Feldherrn gebildet, und dies habe zu einer Entfremdung geführt. Daran
ist soviel richtig, dass Alexander
seine alten bewährten Generäle zwar in mancher Hinsicht ausgezeichnet
hat, dass der König aber immer mehr seinen eigenen Willen betont und
auch durchgesetzt hat. Die Intentionen Parmenions imponierten ihm
nicht, er hat sich vielfach darüber hinweggesetzt. Dies aber konnte
auf die Dauer zu nichts Gutem führen, ein Zusammenstoß war unausweichlich
geworden. Und diese Gelegenheit bot sich Alexander
bei der Verschwörung gegen das Leben des Königs, die Philotas,
Parmenions
Sohn, dem König trotz mehrfacher Aufforderung nicht gemeldet hatte.
Ganz zweifellos ist die Verhaftung und Hinrichtung des
Philotas
eine ziemlich schlimme Sache, die den König schwer belastet. Und noch
schlimmer ist die Haltung der makedonischen Heeresversammlung, die sich
dem König für den Justizmord zur Verfügung gestellt hat.
Parmenions
Tod ist auf die blasse Furcht des Königs zurückzuführen,
der mit Recht annahm, dass sich Parmenion mit dem Tod seines Sohnes
nicht abfinden würde. Alexanders
Verhalten kann man nicht anders als ausgesprochen niederträchtig bezeichnen;
ein Ende durch Mörderhand hatte Parmenion nicht verdient. War
es die Nemesis, die den greisen General ereilt hat? Hatte nicht Parmenion
bei
Beginn des Perserkrieges seine Hand zur Beseitigung seines eigenen Schwiegersohnes
Attalos geboten, weil Alexander
dies
so gewollt hatte? Wenn Parmenion hier das Interesse des Königs
über das seiner eigenen Familie gestellt hat, so ist ihm dies übel
gelohnt worden.
Worin bestehen nun die Verdienste Parmenions um
Alexander?
Soweit wir wissen, hat sich
Parmenion immer strikt an die Befehle
des Königs gehalten. So hat Parmenion in der Schlacht bei Issos
den Befehl Alexanders, sich auf keinen
Fall von Meer abdrängen zu lassen, genau beachtet.
Parmenion
führte hier, wie auch sonst, den linken Flügel des Heeres, der
für defensive Aufgaben zurückgehalten wurde. Doch nicht immer
war Parmenion vom Glück begünstigt. In der Schlacht bei
Gaugamela wurde der linke Flügel von den Persern durchbrochen, doch
gelang es Parmenion mit eigenen Kräften die Lage wiederherzustellen.
Dass er aber an den König einen Hilferuf gerichtet hatte, konnte Alexander
ihm nicht verzeihen, denn er war dadurch an der Verfolgung des Gegners
gehindert worden. Es ist kein Zufall, wenn der greise Feldherr von nun
an vorzugsweise mit Aufgaben von sekundärer Bedeutung bedacht wurde.
Aus dem Frontdienst schied Parmenion aus, er wurde schließlich
als "Etappenkommandeur" in Ekbatana verwandt. Allerdings war dieser
Ort sehr wichtig, denn über Ekbatana lief der gesamte Nachschub für
das Feldheer Alexanders. Zwischen Parmenion
und
Alexander
war eine Entfremdung eingetreten, denn inzwischen hatten jüngere Offiziere,
vor allem Krateros, das Herz und das Ohr Alexanders
gewonnen. Dazu kam noch, dass sich Alexander nach
dem Tod des Großkönigs Darius III.als
Nachfolger der ACHÄMENIDEN fühlte.
Und hierfür hätte Parmenion sicher kein Verständnis
gehabt.
Auf Befehl des Königs wurde Parmenion auf
einem Spaziergang in Ekbatana von makedonischen Offizieren ermordet,
den Grund seines Todes hat er nie erfahren. Alexander
aber hat, soviel wir wissen, nicht den geringsten Anflug von Reue gezeigt.
Mit Parmenion aber starb der hervorragendste Repräsentant der
philippischen Tradition, der König hatte ihm seine Verdienste um die
Dynastie
der ARGEADEN schlecht gelohnt.
Fox Robin Lane: Seite 69,103,200,201,202
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"Die Suche nach Alexander."
Es blieben damit noch die Führer der Voraustruppe,
Attalos
und der geachtete Parmenion, Philipps
bevorzugter General. Parmenions Tochter war die Frau des Attalos,
und einer seiner Söhne war mit "König" Amyntas
befreundet.
Seine männlichen Verwandten waren alle in Makedonien,
Alexander
auf
Gnade und Ungnade ausgeliefert. Nicht lange nach dem Mord an Philipp
traf ein vertrauenswürdiger Bote ein, der den Befehl zur Ermordung
des Attalos überbrachte. Kleopatra
hatte zweifellos schon das Schicksal des Karanos geteilt. Da entschied
sich Parmenion für die Seite des Siegers und wandte sich nicht
gegen die Exekution. Er und seine Söhne sollten in den ersten Jahren
der neuen Regierung die höchsten Armeeposten besetzen, obwohl die
erwähnten Verbindungen zu der unerfreulichen Vergangenheit bestanden.
Vielleicht war Parmenions Preis hoch.
Bei Sestos (334 v.u.Z.) wollte Alexander
mit
dem älteren Parmenion über die Meerenge setzen. Vermutlich
hatte Philipps Voraustruppe während
der vorangegangenen zwei Jahre einen Brückenkopf auf dem asiatischen
Kontinent gehalten, und es ist möglich, dass sich
Alexander
und
Parmenion
in der Zwischenzeit nicht gesehen hatten. Während sich Parmenion
um die Hauptmacht kümmerte, schlug
Alexander
mit 60 Schiffen einen eigenen Weg ein.
Nach der Hinrichtung von Philotas mußten
auch andere den Tod finden. Vor allem beim Vater des Philotas gab
es keine andere Wahl. Der betagte Parmenion hatte in Hamadan immer
noch den Zugriff auf etwa 25.000 Soldaten, und die Gebiete zwischen Farah
und Hamadan waren keineswegs sicher. Bessos und Satibarzanes
könnten
zurückkehren und einen Zwist zwischen den Makedonen ausnutzen. Man
kann zudem trotz der Schilderung des Arrain annehmen, dass die 6.000 Veteranen
der makedonischen Infanterie Alexanders
Lager noch nicht erreicht hatten. Sie hatten den Befehl, unter Kleitos
den Schatz aus Persepolis nach Hamadan zu begleiten. Als Philotas
angeklagt wurde, wußte Alexander,
dass sich irgendwo zwischen ihm und dem Vater des Philotas die Hälfte
der Elitetruppen seiner Armee auf dem Marsch befand. Es bestand die ernste
Gefahr, dass Parmenion sich dieser Truppen bemächtigte und
einen Bürgerkrieg begann. Dann hätte der Vater des Philotas
neben seiner größeren Streitmacht noch die Veteranen auf seiner
Seite gehabt. Aus diesem Grund wurden Boten auf Rennkamelen durch die Einöde
der Wüste Lut gesandt. Getarnt mit der landesüblichen Kleidung
hatten sie Briefe und einen Freund des Parmenion bei sich. Sie erreichten
Hamadan, bevor Parmenion die Neuigkeiten erfahren hatte, und stachen
diesen sofort nieder. Freunde kümmerten sich darum, dass die Truppe
in Hamadan nicht rebellierten. Die "Verschwörung" des Philotas
wurde weitgehend geglaubt. Daneben bleibt Raum für weitgehende Vermutungen.
Alexander hatte keine Anklage konstruiert, um sich des Parmenion
und seiner Familie zu entledigen. Es gab geeignetere und stillere Wege,
um alte Männer und Armeeführer auf dem Marsch zu töten.
Als Philotas tot war, mußte auch Parmenion
getötet werden. Die Bande zwischen Vater und Sohn hatten immer noch
Bedeutung.
oo N.N.
†
Kinder:
Philotas
um 360 v.u.Z. † 330
v.u.Z.
Nikanor
†
Hektor
†
Tochter
†
336 v.u.Z.
oo Arratos
†
Literatur:
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Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches
Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 20,27,116,149,162,180,182,184,192,228
- Bengtson Hermann: Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des
Großen. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1987
Seite 35 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große.
Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag München
1997 Seite 9-264 - Droysen Johann Gustav: Geschichte Alexanders
des Großen. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Kettwig 1990
- Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag
1998 Band I Seite 32-300/Band III Seite 478,480 - Errington
Malcolm: Geschichte Makedoniens. C.H. Beck Verlag München 1986 Seite
46,59,99,103 - Fox Robin Lane: Die Suche nach Alexander. Georg Westermann
Verlag GmbH Braunschweig 1990 Seite 69,103,200,201,202 - Geyer,
Fritz: Alexander der Große und die Diadochen. Verlag von Quelle &
Meyer in Leipzig 1925 Seite 14,16,20,32,35,37,39,43,45,47,49,56,60,64,69,72,88,90,112
- Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen
um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite
26,292 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Otto Harrossowitz Verlag
Wiesbanden 1993 Seite 47,50,270 - Kreißig Heinz: Geschichte
des Hellenismus. Akademie-Verlag Berlin 1982 Seite 45,49,53-55 - Lauffer
Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH
& Co. KG München 1993 Seite 19,21,34,50,54,58,60,63,68,70,73,74,75,
77,80,84,93,96,103,106,111,119,131,199,202,211 -