Alketas                                           Makedonischer Feldherr
----------
um 365/60 v.u.Z. 319 v.u.Z.
 

Sohn des makedonischen Adligen Orontes, Bruder vom Reichsverweser Perdikkas
 

Thiele, Andreas: Tafel 237
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALKETAS
---------------
    † 319 v.u.Z.
 

Alketas erhielt von König Alexander hohe Kommandos, ermordete im Auftrage seines Bruders Perdikkas Alexanders Halbschwester Kynane, stand in Kleinasien mit Eumenes gegen Krateros und Antigonos und wurde 321 v.u.Z. zum Tod verurteilt. Er floh mit seinem Schwager Attalos nach Pisidien, wurde dort in der Schlacht bei Kretopolis besiegt und beging Selbstmord.



Droysen Johann Gustav: Band I Seite 62,32,42, 60-61,68,91,93,94,103-105
********************
"Geschichte des Hellenismus."

Mehrere dieser Geschlechter, wie schon bemerkt, waren fürstlichen Ursprungs; so das BAKCHIADEN-Geschlecht von Lynkestis; so das Geschlecht des Polyperchon, fürstlich im tymphäischen Lande; so das des Orontes, dem die Landschaft Orestis gehört zu haben scheint; des Orontes älterer Sohn Perdikkas erhielt die Führung der Phalanx von Orestis, derselben, wie es scheint, welche demnächst, als er selbst Hipparch wurde, an seinen Bruder Alketas überging.
Vor Massaga (328) gelang es der Phalanx Alketas‘, der es der König geboten hatte, kaum, die Sterbenden vor der Wut der Feinde zu sichern und sie ins Lager zurückzubringen. Gemeinsam mit Polyperchon war Alketas‘ Phalanx mit am Hydaspes.
Perdikkas sandte Truppen unter Alketas gegen Kynane mit dem Befehl, sie, wo er sie fände, anzugreifen, sie lebend oder tot einzubringen. Aber die Makedonen, der kühnen Fürstin, der Tochter Philipps gegenüber, weigerten den Kampf, forderten Vereinigung beider Heere, die Vermählung der jungen Fürstin mit ihrem König. Es war die höchste Zeit, dass sich Alketas seiner blutigen Vollmacht bediente; vergebens, dass Kynane kühn und beredt von ihrem königlichen Blut, von dem schnöden Undank des Alketas und Perdikkas, von dem Verrat, mit dem man sie umgarnt, sprach; Alketas ließ sie, wie es sein Bruder Perdikkas forderte, ermorden. Der laute Unwille des Heeres, der zu offener Empörung gegen den Reichsverweser auszubrechen drohte, wurde mit Mühe und nur dadurch beschwichtigt, dass Eurydike mit Philipp Arrhidaios verlobt wurde.
Der Reichsverweser stellte, bevor er gegen Ptolemaios aufbrach, seinen Bruder Alketas, den Satrapen von Armenien Neoptolemos, den Satrapen von Kilikien, Philotas, dessen Satrapie Philoxenos erhielt, unter Eumenes‘ Befehl.
In den südlichen Landschaften Kleinasiens stand noch Alketas, des Perdikkas Bruder; er hatte sich namentlich die Pisidier so zu gewinnen gewußt, dass er sich auf die Treue dieses wilden und kriegsgewohnten Bergvolkes vollkommen verlassen konnte. Bald hatte er eine bedeutende Streitmacht um sich versammelt. Es war natürlich, dass sich alles, was Perdikkas noch anhing, nach Kleinasien zog. Jetzt, da Einigkeit am notwendigsten gewesen wäre, zeigte sich weder Attalos noch Alketas geneigt, sich dem Kardianer Eumenes, gegen den sie schon zu Perdikkas‘ Lebzeiten ihre Eifersucht nicht verhehlt hatten, zu fügen. Attalos wandte sich mit seiner Flotte nach dem karischen Lande.
Im Jahre 321 weigerten sich Attalos und Alketas erneut, unter dem Befehl des Eumenes zu kämpfen.
Antigonos hatte, als er noch in Kappadikien in den Winterquartieren stand, Nachrichten von den Bewegungen des Alketas und Attalos erhalten, welche ihn bewogen, schnell aufzubrechen. Beim ersten Angriff wankten die Phalangen des Alketas; umsonst versuchte Attalos, Polemon, Dokimos das Gefecht zu halten; bald war die Flucht allgemein, sie selbst und viele Hauptleute wurden gefangen. Das Gemetzel war nicht bedeutend, die meisten Makedonen des geschlagenen Heeres warfen die Waffen weg und ergaben sich Antigonos. Alketas war mit seinen eigenen Hypaspisten, den Pagen und den treuen Pisidiern, die in seinem Heer gewesen waren, südwärts geflohen; er warf sich in die Stadt Termessos, welche, etwa vier Tagesmärsche südwärts und jenseits des Gebirges gelegen, die Pässe beherrscht, die aus dem Tal des Kataraktes nach der Alpenlandschaft Milyas hinaufführten. Etwa 6.000 Pisidier waren mit ihm, Leute von ausgezeichneter Tapferkeit und Anhänglichkeit; sie wiederholten ihm feierlichst das Versprechen, dass sie ihn nimmer verlassen würden, er möge den Mut nicht sinken lassen. Indes rückte Antigonos mit seiner gesamten Macht heran; er forderte Alketas auf, sich zu ergeben. Die Alten in der Stadt schickten zu Antigonos, um mit ihm abzusprechen, wie sie Alketas ausliefern könnten. Antigonos ging auf den Antrag ein; sowie die junge Mannschaft hinaus war, schickten die Alten einige starke und zuverlässige Männer, Alketas zu fangen. Darauf war der Feldherr nicht gefaßt; sobald er sah, dass keine Rettung sei, stürzte er sich in sein Schwert. Dann wurde der Leichnam auf eine Bank gelegt, mit einem alten Laken überdeckt vor das Tor gebracht, wo AntigonosLeute ihn Empfang nahmen. Antigonos aber, nachdem er den Leichnam des Alketas drei Tage ang dem öffentlichen Hohne preisgegeben, ließ ihn endlich, da er schon zu verwesen begann, unbeerdigt hinwerfen. Mitleidige Pisidier haben ihn, so ehrenvoll sie vermochten, begraben.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 62,32,42, 60-61,68,91,93,94,103-105 - Geyer, Fritz: Alexander der Große und die Diadochen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1925 Seite 124 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 237 -