Vitalian                                           Gegen-Kaiser von Byzanz 514/15
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     520 ermordet
     Konstantinopel
 

Sohn des N.N. (Thraker)
 

Thiele, Andreas: Tafel 490
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ANASTASIOS I.
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* um 431,  518

512 kam es zu neuen Bürger- und Thronkriegen. Zuerst erhob sich der Gegen-Kaiser Ariovindus, Urenkel Aspars, dann 514/15 der Magister militum Vitalian.



Thiele, Andreas: Tafel 491
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

JUSTIN I.
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* um 450, 527

Er kämpfte gegen Persien mit, bekämpfte 514/15 erfolgreich den Gegen-Kaiser Vitalian, wurde Patricius und Reichsfeldherr und nach des Anastasios ' I. Tode durch die von ihm reich beschenkten Truppen am 10.7.518 zum Kaiser ausgerufen.



Norwich John Julius: Band I Seite 219
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Am gefährlichsten aber war der Aufstand, den ein militärischer Abenteurer gotischer Abstammung namens Vitalian anführte. Dieser genoß beim Volk breite Unterstützung, weil er sich zum Verteidiger der Orthodoxie gegen einen monophysitischen Kaiser hochstilisierte. Dreimal drang er mit seinem Heer bis zu den Mauern Konstantinopels vor. Doch keine dieser Bedrohungen hatte längerfristige Auswirkungen.
Zweitens war Justin in der Armee beliebt und geachtet, und man konnte darauf vertrauen, dass er gegen erneute Aufstandsversuche seitens Vitalians, der sich in Thrakien immer noch in Freiheit befand, hart durchgreifen würde. Sein größter Pluspunkt war aber sein Neffe, die treibende Kraft hinter dem Thron, eine graue Eminenz, die ihn unfehlbarer lenkte als alle Sekretäre, die ihm die unsichere Hand die hölzerne Schablone entlangführten.
Dieser Neffe hatte höchstwahrscheinlich schon Justins Inthronisation in die Wege geleitet; er war es, der mit Vitalian nach typisch byzantinischer Manier verfuhr, ihn nach Konstantinopel einlud, seinen Argwohn zerstreute, indem er ihm das Konsulat und den Rang des Magister militum verlieh, um ihn dann ohne Aufsehen ermorden zu lassen.

Bridge Anthony: Seite 95
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"Theodora. Aufstieg und Herrschaft einer byzantinischen Kaiserin."

Andere riefen: "Du wirst dein Versprechen ebenso halten, wie du es gegenüber Vitalian gehalten hast", und die Menge stimmte grölend zu. Vitalian war ein aufrührerischer General gewesen, der in den Palast gelockt und dort ermordet worden war; dem Gerücht nach war Justinian der Anstifter der Verbrechens gewesen, obwohl seine Mitwirkung nie bewiesen worden war.

Browning Robert: Seite 21
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"Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz."

Doch jenseits der Stadtmauern nahmen andere bereitwillig den Kampf auf. General Vitalian, ein Kommandeur gotischer und bulgarischer Truppen in der Provinz Scythia (Dobrudscha), von Herkunft wahrscheinlich ein romanisierter Thraker, war eifriger Katholik und ein Mann voller Ehrgeiz. Der hochbetagte Kaiser hatte niemanden zum Nachfolger designiert. Orthodoxer Glaube und eigenes Interesse wiesen den Weg, und Vitalian beeilte sich, diesem Ruf zu folgen. Von den führenden Prälaten im Exil wurde er offen unterstützt, heimlich wahrscheinlich vom Heiligen Stuhl; die Beziehungen zum ostgotischen König in Italien, Theoderich, waren gut. Im Jahre 513 setzte er sich an die Spitze eiiner Rebellion: Unzufriedene Bauern eilten in Scharen zu seinen Fahnen, und innerhalb weniger Monate stand er mit 50.000 Mann vor den Toren Konstantinopels. Die Stadtmauern waren unüberwindbar, wenn sie verteidigt wurden. Die kaiserliche Flotte garantierte dauernden Nachschub für die Stadt, da sie das Meer beherrschte. Anastasius beeilte sich, den asiatischen Provinzen Steuererleichterungen zu gewähren, um sie nicht auch noch dem Vitalian in die Arme zu treiben; die wichtigsten Offiziere Vitalians bestach er mit Geschenken. Wahrscheinlich rechnete Vitalian mit einem Aufstand in der Stadt. Aber die geschickte Verknüpfung von Konzessionen und Drohungen und nicht zuletzt eine tüchtige Polizei vereitelten Verrat. Vitalian zog sich zurück, marschierte nach Norden entlang der Schwarzmeerküste, kam bei einigen unentschiedenen Scharmützeln mit der kaiserlichen Armee in Berührung und griff dann ihr Lager bei Varna überraschend an. Er vernichtete drei Viertel des kaiserlichen Heeres und nahm den Oberbefehlshaber Hypatius, einen Neffen des Kaisers, gefangen.
Innerhalb der Mauern Konstantinopels wurde es lebendig: im Hippodrom gab es Unruhen, und der Polizeichef wurde ermordet. Es gelang Anastasius, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Als jedoch Vitalian erneut die Küste entlang nach Süden marschierte, geradewegs auf Konstantinopel zu, nun auch durch die Flotte aus den Schwarzmeerhäfen unterstützt, wurde die Lage für den Kaiser kritisch. Anastasius aber war nicht der Mann,, der in einer Notlage den Kopf verlor. Er konnte militärisch keinen ernsthaften Widerstand leisten und war sich bewußt, daß er die Stadt gegen einen Feind, der Unterstützung von See her hatte, nicht unbegrenzt halten konnte. Vitalian aber konnte sich weder eine verlorene Schlacht noch eine längere Belagerung leisten. Die Situation war reif für Verhandlungen. Anastasius bot 3.900 Pfund Gold und das Kommando über die thrakischen Armeen, daneben versprach er, im nächsten Sommer ein allgemeines Konzil unter Leitung des Papstes einzuberufen, um die Religionseinheit wiederherzustellen. Vitalian zog bereitwillig zur Donaugrenze ab. Das Konzil fand niemals statt: Weder Anastasius noch Papst Hormisdas waren bereit, dem anderen auch nur einen Fußbreit entgegenzukommen, und bald gelangte man an einen toten Punkt. Enttäuscht nahm Vitalian den Kampf im Herbst des Jahres 515 erneut auf und marschierte erzürnt nach Konstantinopel. Diesmal aber war der Kaiser vorbereitet. Vitalians Flotte wurde, vor Anker liegend, durch Brandstiftung zerstört, seine Armee überlistet und vernichtend geschlagen, allerdings gelang es dem Rebellen selbst, mit einer ansehnlichen Truppenmacht nach Anchialos in der Nähe von Bourgaz zu entkommen, wo er bei der Bevölkerung Unterstützung fand. Dort nährte er seinen Groll und wartet seine Zeit ab.
 
 
 
 

Literatur:
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Bridge Anthony: Theodora. Aufstieg und Herrschaft einer byzantinischen Kaiserin. Heinrich Hugendubel Verlag Kreuzlingen/München 1999 Seite 95 - Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 21,61,66,150 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 219,277,280 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 490,491 -