Thraker einfacher Herkunft
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 760
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Tiberios I., byzantinischer Kaiser
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* wohl gegen Ende der 1. Hälfte des 6. Jh., †
14. August 582
Wurde am 7. Dezember 574 als comes excubitorum
von Justin II. (dessen Geisteskrankheit
sich abzuzeichnen begann) zum Cäsar proklamiert und übernahm
damit praktisch die Führung des Reiches, bis er am 26. September 578,
noch zu Lebzeiten Justins, zum Kaiser
ausgerufen wurde. Durch seine Quasi-Regenschaft war er mit den Hauptproblemen
des Reiches bestens vertraut (Avaren- und Perserkriege), konnte aber in
seiner kurzen Regierungszeit (Kontakte zu den MEROWINGERN
und Westgoten nachweisbar) an keiner Front das Reich dem Frieden näher
bringen, was erst seinem Schwiegersohn Maurikios
möglich war.
ANASTASIA
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†
594
oo TIBERIUS II. KONSTANTINUS DER SCHÖNE
† 582
Thraker einfacher Herkunft
Tiberius hatte sich
während der Regierung Justins II.
als Feldherr ausgezeichnet und wurde von diesem am 7.9.574 zum
Caesar ernannt und mit dem Krieg gegen die Perser betraut, die er 576
bei Melitene am Euphrat besiegte. Er wurde Befehlshaber der kaiserlichen
Leibgarde und nach dem Tode des Justin
bestieg er am 6.10.578 den Thron. Er setzte den Abwehrkampf gegen Perser
und Awaren energisch fort. Unter ihm kam es zu einem ersten Höhepunkt
der Bedrohung von Byzanz durch die Slawen und Awaren auf den Balkan. Er
zahlte an letztere sogar Tribute und siedelte Slawen in Kleinasien an.
Er verbündete sich mit den Franken gegen die Langobarden in Italien
und erreichte trotzdem nichts. Er bestand die Angriffe durch Prinz
Justinian und die Schwiegermutter
und söhnte sich mit ihm aus. Er versuchte die Armee zu stärken,
war aber finanziell sehr großzügig und nachlässig, was
zu einem weiteren Reichsniedergang führte. Seinen Feldherrn Maurikios
ernannte er zum Nachfoger.
Im Jahre 568 fielen die Awaren in wilder Wut in Dalmatien
ein. Diesmal reagierte Kaiser
Justin sofort und entsandte unter der Führung von
Tiberios, seinem Comes Excubitorum, ein so zahlreiches
Heer, wie er nur einziehen konnte. Nach drei Jahren Krieg war der erschöpfte
Feldherr am Ende und sah sich gezwungen, einen Waffenstillstand auszuhandeln.
Da die Bürde der Alleinherrschaft zu sehr auf Kaiserin
Sophia lastete, ergriff sie während einer kurzen Phase
der Klarsicht bei ihrem Mann die Gelegenheit, ihn dazu zu bringen, dass
er Tiberios in den Rang eines
Cäsaren erhob. Dessen Niederlage gegen die Awaren hatte seinem
Ansehen offenbar nicht geschadet. Sophia und
Tiberios regierten von nun an gemeinsam.
Als Justin am 4. Oktober 578 starb,
stand sein ehemaliger
Comes Excubitorum als sein unbestrittener
Nachfolger da.
Für Tiberios war
die Zeit der Regentschaft nicht leicht gewesen. Wütend über den
Frieden mit den SASSANIDEN, der ohne
ihr Wissen geschlossen worden war und den sie als Verrat ansahen, hatten
die Türken die Allianz für ungültig erklärt und eine
byzantinische Festung auf der Krim erobert. 577 war eine riesige Anzahl
Slawen in Thrakien und Illyrien eingefallen und hatte sich dort häuslich
niedergelassen; nach vorsichtigen Schätzungen belief sich ihre Zahl
auf 100.000, und die wenigen unbedeutenden Reichsgarnisionen waren nicht
in der Lage gewesen, sie aufzuhalten. Ein dringenderes Problem stellte
sich ihm hingegen in Gestalt von Sophia.
Nicht umsonst war sie Theodoras Nichte.
Sie hatte zwar Tiberios' Beförderung
gesichert, aber danach nahm ihre Neigung, die Macht mit ihm zu teilen,
rasch und sichtlich ab. Dies vor allem in finanziellen Belangen, hielt
sie ihn doch für höchst unnötig verschwenderisch. Solange
ihr Mann lebte, bestand sie darauf, die Schlüssel zu den kaiserlichen
Schatzkammern zu behalten, und gewährte dem unglücklichen Cäsar
lediglich ein höchst knauseriges Taschengeld, mit dem er auch den
Unterhalt seiner Familie bestreiten mußte. Auch war sie dagegen,
dass seine Frau Ino
oder ihre beiden Töchter den Palast betraten. Erst nach Justins
Tod wagte Tiberios die offene Auseinandersetzung.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen, ihn abzusetzen, fand
Sophia sich unvermittelt ihrerseits des Hofes beraubt und einer
strengen Überwachung unterstellt, und sie blieb es für den Rest
ihres Lebens. Ino ließ sich in
Anastasia
umtaufen
und gelangte nun endlich in den Genuß der Vorrechte, die ihr so lange
versagt geblieben waren.
Der neue Kaiser, der bei seiner Thronbesteigung den Beinamen
Konstantinos
annahm, war im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern beim Volk äußerst
beliebt. Er war Pragmatiker und setzte während seiner kurzen Herrschaft
alles daran, dem stetigen Niedergang von Byzanz entgegenzuwirken. Die Verfolgung
der Monophysiten wurde sofort eingestellt. Da Tiberios
selbst aus Thrakien stammte, war ihm intuitiv klar, dass er angesichts
des überall zunehmenden griechischen Einflusses vor allem dafür
sorgen mußte, dass die griechichsprechenden Provinzen Asiens loyal
und zufrieden blieben. Wenn dies zugleich bedeutete, den Westen gegen sich
aufzubringen, so mußte er das wohl oder übel in Kauf nehmen.
Als bewußte Antwort auf den überheblichen aristokratischen Stil,
den Justinian und Justin
gepflegt
hatten, versuchte er auch, seiner Herrschaft auf eine breitere Grundlage
zu stellen, indem er die Machtbefugnisse des zuvor serbelnden Senats und
der Demen vergrößerte. Am meisten Aufmerksamkeit widmete er
jedoch der Armee. Kaum hatte er die Kontrolle über die Staatskasse
erlangt, begann er seine Truppen mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln
aufzurüsten. Im Jahre 581 baute er eine neues Elitekorps von 15.000
Foederati aus nichtrömischen Soldaten auf, aus dem Jahrhunderte später
die bekannten Waräger hervorgingen.
Angesichts all seiner hervorragenden Absichten und unermüdlichen
Anstrengungen hätte Tiberios Konstantinos
ein großartiger Kaiser werden können. Die Tatsache, dass er
versagte, muß in großem Maße der fatalen Schwäche
zugeschrieben werden, die Sophia schon
früh erkannt hatte: seiner ungezügelten Verschwendungssucht.
Er begnügte sich nicht damit, kurz nach seiner Inthronisierung ein
Viertel aller im Reich erhobenen Steuern zurückzuzahlen, sondern spendete
während seiner Herrschaft mehrmals riesige Summen für die verschiedensten
Zwecke. Allein im ersten Jahr verschenkte er nicht weniger als 7.200 Pfund
Gold - davon allein 800 an das Heer in Asien -, ganz zu schweigen vom Silber,
von der Seide und allen anderen Luxusgütern, in unsinnigen Mengen.
In den drei Jahren darauf war er ähnlich großzügig, und
es war bestimmt nicht zum Schaden der kaiserlichen Schatzkammern, dass
er am Ende des vierten tot war: vergiftet, munkelte man, mit einem Teller
früher, besonders saftiger Maulbeeren.
Tiberios Konstantinos
starb am 13. August des Jahres 582 im Hebdomonpalast. Eine
Woche zuvor hatte er Maurikios, einen
jungen Kappadokier, zu seinem Nachfolger bestimmt und ihm gleichzeitig
seine zweite Tochter Constantina
zur Frau gegeben.
oo Anastasia (ursprünglich Ino), Tochter des
Kaisers Justin II.
um 560 †
594
Kinder:
Constantia
†
605 ermordet
13.8.582
oo Maurikios
539-23.11.602
Charito
†
605 ermordet
582
oo Germanus
550/51 †
605
Literatur:
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Gregor von Tours: Fränbkische Geschichte.
Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band I Seite 319,321,325 - Thiele, Andreas:
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte
Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 492 - Thiess
Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag
Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 41-359 -