Glocker Winfrid: Seite 154-167
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

Für Kaiser OTTO DEN GROSSEN war es eines der wichtigsten Lebensziele in seinen letzten Regierungsjahren, mit dem anderen Herrscher der damals bekannten Welt, der noch Anspruch auf die Kaiserwürde erhob, also mit Byzanz, zu einem Ausgleich zu kommen: der oströmische Kaiser sollte zur Anerkennung der westlichen Kaiserwürde OTTOS DES GROSSEN in irgendeiner Form bewegt werden. Demselben Zweck dienten die Heiratspläne für den Sohn OTTOS DES GROSSEN, den jungen König OTTO II., der nun auch zum Kaiser gekrönt wurde und die Nachfolge seines Vaters im Reich und in der Kaiserwürde antreten sollte. Doch erst ein Jahr vor dem Tod OTTOS DES GROSSEN konnte die Hochzeit zwischen OTTO II. und der Byzantinerin Theophanu in Rom feierlich begangen werden. Eine besondere Aufgabe wartete auf die Kaiserin Theophanu, als ihr Gemahl, OTTO II., überraschend verstarb und den gemeinsamen Sohn, OTTO III., als bereits gekrönten Nachfolger im Alter von drei Jahren hinterließ. Für den kleinen König bewahrte und führte Theophanu bis zu ihrem Tode die Regentschaft.

1. Zur Herkunft der Kaiserin Theophanu
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Bei der Lektüre der Literatur zu Theophanu stößt man immer wieder auf die intensive Diskussion in der Forschung um die Abstammung der Byzantinerin, die die Frage, wer eigentlich die Eltern Theophanus waren, zu beantworten suchte. Die widerstreitenden Meinungen lassen sich grob in zwei Gruppen zusammenfassen: die eine Gruppe von Forschern vertritt die kaiserliche Abstammung der Gemahlin OTTOS II., die andere leugnet deren Purpurgeburt mit derselben Inbrunst der Argumentation. Dabei tritt eine jede Arbeit mit dem Anspruch auf, nun endlich das Problem gelöst und alle älteren Thesen widerlegt zu haben. Es ist hier nicht der Ort, um alle Autoren und ihre verschiedenen Überlegungen vorzustellen, und schon gar nicht soll hier eine neue These vorgestellt werden, die durch einen zusammenfassenden Bericht leicht zugänglich sind.
Das einzig gesicherte Ergebnis von 100 Jahren emsiger Forschung zum Problem der Abstammung Theophanus ist daher recht dünn: Theophanu war eine Nichte des zur Zeit der Eheschließung regierenden Kaisers Johannes Tzimiskes, und sie kam "de palatio". Doch war sie sicher nicht diejenige Prinzessin, um die Kaiser OTTO DER GROSSE im Jahr 967 durch Bischof Liutprand von Cremona hatte werben lassen, denn es war in der Zwischenzeit ein gewaltsamer Regierungswechsel erfolgt. Aber damit haben wir dem Verlauf der Ereignisse vorgegriffen.

2. Die Süditalienpolitik Kaiser Ottos des Großen
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Mit der Italienpolitik in der Zeit nach 960 war auch das byzantinische Reich in das politische Blickfeld des nunmehrigen Kaisers des Westens gerückt. Hatte in der Kaiserkrönung diese Italienpolitik ihre nach außen hin eindringliche Dokumentation gefunden, so war hiermit ebenso der Konflikt mit Byzanz auf der ideologischen Ebene vorprogrammiert, da Byzanz sich ja als Rom des Ostens verstand und die Kaiserwürde allein beanspruchte. Neben dieser Rivalität um die imperiale Würde entwickelte sich in den Jahren nach der Kaiserkrönung OTTOS DES GROSSEN zusätzlich noch der Kampf um den jeweiligen Einflußbereich im Süden der italienischen Halbinsel, da dort von den Zeiten Kaiser Justinians her Gebiete zum Besitz des Byzantinischen Reiches gehörten, die vom Kirchenstaat durch einen Gürtel von langobardischen Staaten getrennt waren; diese jedoch zerfielen ihrerseits in einen  byzantinischen und einen westlichen Einflußbereich.
Bei den ersten Kontakten zwischen dem Reich König OTTOS I. und Byzanz in den 40-er Jahren des zehnten Jahrhunderts mag die gemeinsame Feindschaft gegen die Ungarn eine Rolle gespielt haben: die Reiterhorden bedrohten nicht nur die Ostgrenze des ostfränkischen Reiches, sondern auch die Nordgrenze des Reiches von Byzanz. In den Zusammenhang dieser diplomatischen Fühlungsnahme zwischen dem König OTTO I. und dem byzantinischen Kaiser gehört möglicherweise auch der Heiratsplan, über den uns Ekkehard IV. in seinen St. Gallener Klostergeschichten berichtet. Nach Ekkehard sollte Hadwig, die Tochter Herzog Heinrichs von Bayern (und somit Nichte König OTTOS I.) mit dem byzantinischen Kaiser verlobt werden. Da wir diesen Heiratsplan auf das Jahr 949 datieren können und zugleich noch wissen, dass sich König OTTO I. zwei Jahre später auf seinem ersten Italienzug um die Kaiserwürde bemüht hat, können wir mit guten Gründen annehmen, daß bei den diplomatischen Kontakten anläßlich des Besuches der griechischen Gesandtschaften 949 auch die Frage eines westlichen Kaisertums erörtert worden sein dürfte. Die Verlobung der jungen Hadwig mit dem byzantinischen Kaiser zerschlug sich offenbar später, da Hadwig den Nachfolger des aufständischen Königs-Sohnes Liudolf im Herzogtum Schwaben, Herzog Burkhard II., heiratete; sie war zur Vorbereitung auf ihr künftiges Leben in Bayern bereits in der griechischen Sprache unterrichtet worden.
Die Kaiserkrönung OTTOS DES GROSSEN am 2. Februar 962 hatten die Byzantiner noch ohne Protest hingenommen, weil das sich durch die Zweikaiserproblem in vorherigen Verhandlungen zwischen OTTO I. und Byzanz abgeklärt worden war: OTTO holte 960 die Zustimmung Ostroms zu seiner Kaiserkrönung ein. Es ist nur folgerichtig, wenn sich der neugekrönte Kaiser nun darum bemühte, die Anerkennung durch Byzanz als zweiter, gleichberechtigter Imperator auch nach außen hin deutlich zu dokumentieren, indem er danach trachtete, für seinen Sohn OTTO II. eine byzantinische Kaiser-Tochter als Gemahlin zu werben.
Im April 967 traf Kaiser OTTO DER GROSSE mit einer Gesandtschaft aus Byzanz in Ravenna zusammen. Es war wahrscheinlich die Aufgabe dieser Gesandtschaft, das künftige Verhältnis zwischen den beiden Kaiserreichen auf friedlichem Wege zu regeln. Denn im Jahr zuvor war ein neuer Konfliktherd für die Beziehungen zwischen dem Rom des Westens und dem Rom des Ostens aufgebrochen: OTTO DER GROSSE hatte sich 966 in Capua von den langobardischen Fürsten Pandulf von Capua und Landulf von Benevent huldigen lassen. Die Oberhoheit über diese Fürsten beanspruchte aber auch der Kaiser von Byzanz.
Nikephoros Phokas, der damalige byzantinische Basileus, zeigte Entgegenkommen, indem er OTTO DEM GROSSEN in Ravenna ein Verhandlungsangebot unterbreitete, das in erster Linie auf einen gemeinsamen Kampf gegen die Sarazenen abzielte, aber zugleich auch die Forderung nach einem Verzicht OTTOS DES GROSSEN auf Capua und Benevent beinhaltete. Kaiser OTTO DER GROSSE ging sogleich auf diesen diplomatischen Vorstoß ein und schlug zudem vor, das Bündnis in der üblichen Weise mit einer Hochzeit zwischen Ost und West zu besiegeln; wahrscheinlich glaubte er, die Schwiegertochter aus Ostrom könnte die byzantinischen Ansprüche auf Capua und Benevent als eine Art Mitgift in die Ehe mit seinem Sohn einbringen. Kaiser OTTO DER GROSSE muß die Verhandlungsaussichten recht günstig beurteilt haben, denn er sandte sofort den Venezianer Dominicus nach Byzanz, um auf die Vorschläge des byzantinischen Kaisers Nikephoros Phokas zu antworten. Dominicus traf diesen in Makedonien an, wo er bereits für den Krieg in Unteritalien Vorbereitungen traf. Um einem drohenden byzantinischen Angriff vorzubeugen, versprach Dominicus dem Basileus eidlich und urkundlich, OTTO DER GROSSE werde niemals das oströmische Kaiserreich irgendwie schädigen. Des weiteren traf Dominicus eine Heiratsverabredung, bei dem die eine Partei die andere mißverstanden haben muß. Nach byzantinischem Staatsgepflogenheiten kann Kaiser Nikephoros Phokas nur eine Nicht-Porphyrogenita als Braut für OTTO II. zur Verfügung gestellt haben, während Dominicus und damit auch OTTO DER GROSSE geglaubt haben müssen, eine purpurgeborene Kaisertochter werde in den Westen reisen. OTTO DER GROSSE und der Papst - Johannes XIII. war anscheinend der Hauptantreiber für das Streben OTTOS DES GROSSEN, für seinen Sohn nur eine Porphyrogenita als Braut zu akzeptieren - waren über das Ergebnis der Mission des Dominicus hocherfreut und sehr zufrieden: OTTO II. wurde an Weihnachten 967 zum Mit-Kaiser gekrönt, um eine einer Kaisertochter entsprechende Würde zu tragen. OTTO II. hat übrigens seine Kaiserwürde an dem gleichen hohen Festtag des Christentums empfangen wie seinerseits KARL DER GROSSE!
Als zu Beginn des folgenden Jahres 968 griechische Gesandte klarstellten, es sei nur an eine Nicht-Porphyrogenita als Braut gedacht gewesen, war OTTO DER GROSSE enttäuscht. Der Kaiser sandte einen Brief nach Sachsen, mit dem er die Grafen Hermann und Dietrich über den Stand der Dinge unterrichtete und ihnen seine feste Absicht darlegte, die byzantinischen Provinzen Apulien und Kalabrien notfalls mit militärischer Gewalt einzunehmen, falls Byzanz sich nicht zu einer friedlichen Abtretung bereit finden sollte. OTTO begann seinen Feldzug in Süd-Italien, der schon bald vor Bari zum Stillstand kam. Daraufhin scheint sich Bischof Liutprand von Cremona erboten zu haben, erneut in Byzanz zu verhandeln.
Liutprands Mission war jedoch schon vor ihrem Beginn zum Scheitern verurteilt, da OTTO DER GROSSE - zumindest in den Augen des Kaisers von Konstantinopel - den Krieg begonnen hatte. Der Bischof von Cremona versuchte, das byzantinische Kaisertum als völlig dekadent zu erweisen: das Kaisertum OTTOS DES GROSSEN sei das eigentlich römische Kaisertum, und dies müsse auch im Imperatortitel seinen Ausdruck finden. Liutprand machte in Byzanz das Vorgebot, OTTO DER GROSSE werde gegen das Zugeständnis, OTTO II. mit einer Porphyrogenita zu verheiraten, auf Apulien und Kalabrien verzichten. Doch Liutprand konnte mit seinen Reden den ostfränkischen Kaiser nicht im geringsten beeindrucken, der zudem auf seinem Anspruch auf Capua und Benevent beharrte, deren Fürsten bereits OTTO DEM GROSSEN gehuldigt hatten, und natürlich auf den Vertrag des Dominicus verwies, den OTTO gebrochen hatte: entgegen den Beteuerungen des Dominicus sei byzantinisches Gebiet mit militärische Macht angegriffen worden. Kaiser Nikephoros Phokas machte Liutprand nur ein für diesen völlig unannehmbares Gegenangebot, und so ging man unter gegenseitigen Beschimpfungen auseinander.
Nun trat man wieder in die militärische Konfliktlösung ein, bei der beide Seiten mit wechselndem Erfolg kämpften. Die Auseinandersetzungen hätten wohl noch jahrelang angedauert, wäre nicht in Byzanz ein Ereignis eingetreten, das für OTTO DEN GROSSEN günstig war und schließlich zu einer Lösung des Konfliktes führen sollte.

3. Theophanu, die Braut für Otto II.
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Gegen Ende des Jahres 969 war der byzantinische Kaiser Nikephoros Phokas, der große Gegenspieler OTTOS DES GROSSEN, ermordet worden. Den oströmischen Kaiserthron bestieg sein Mörder, Johannes Tzimiskes. Diese innenpolitischen Wirren in Konstantinopel benutzte Kaiser OTTO DER GROSSE zu einem neuerlichen Vorstoß in Süd-Italien. Der neue Basileus saß noch nicht so fest im Sattel, und war deshalb zu einem Einlenken bereit. Herzog Pandulf von Benevent, der zu dieser Zeit in byzantinischer Gefangenschaft saß, wurde von Johannes Tzimiskes freigelassen und als Unterhändler in den Westen gesandt, um OTTO DEN GROSSEN zum Friedensschluß zu bewegen.
Aus dem Inhalt des nicht überlieferten Vertrages, der zwischen OTTO DEM GROSSEN und Pandulf ausgehandelt wurde, können wir mit Sicherheit erschließen, daß der byzantinische Kaiser auf Capua und Benevent verzichtet haben muß, denn sonst hätte OTTO DER GROSSE nicht Pandulf wieder als Herzog einsetzen können. Auch hätte OTTO den Vertrag wohl nicht abgeschlossen, wäre er von Johannes Tzimiskes nicht als "Kaiser der Franken" anerkannt worden. Im Gegenzug dürfte OTTO DER GROSSE auf eine Porphyrogenita als einzig in Frage kommende Braut für OTTO II. verzichtet haben, zumal ja, wie oben schon erwähnt, nach dem Staatsusus von Konstantinopel eine purpurgeborene Kaisertochter ohnehin nicht außer Landes heiraten durfte.
Um die Jahreswende 971/72 kam eine große Gesandtschaft Kaiser OTTOS DES GROSSEN nach Byzanz, die unter der Führung des Erzbischofs von Köln, Gero, die Braut Theophanu in Empfang nahm und mit in den Westen brachte.
In der feierlichen Urkunde über die Ausstattung der Gattin OTTOS II. wird Theophanu als Nichte des Kaisers Johannes Tzimiskes bezeichnet: die Stellung der Braut wurde also allein durch den Rang ihres Onkels, des byzantinischen Kaisers, bestimmt. Sie war somit nicht diejenige Kaisertochter, um die OTTO DER GROSSE in den Jahren 967 und 968 durch seine Gesandten Dominicus und Liutprand von Cremona hatte werben lassen. Manche Ratgeber vertraten daher die Meinung, es sei besser, die junge Frau zurückzuschicken. Diese Gegner der Hochzeit zwischen OTTO II. und Theophanu müssen nicht unbedingt auf einer Porphyrogenita als der einzig akzeptablen Gemahlin des künftigen Kaisers des Westens bestanden haben, sondern es ist eher denkbar, daß man von der Versippung mit einer durch Mord auf den Thron gekommenen Dynastie abgeraten hat.
Die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den OTTONEN und Byzanz sollte den Mahnern durchaus recht geben. Als Johannes Tzimiskes starb, fiel das oströmische Kaisertum an die alte Dynastie der MAKEDONEN zurück. Mit dem neuen Kaiser aus dem traditionellen Herrscherhaus kehrte auch die alte Rivalität zurück. Dies zeigt nicht nur der Zug Kaiser OTTOS II. nach Süd-Italien gegen Ende des Jahres 981, sondern auch der erweiterte Kaisertitel ganz deutlich: seit dem März 982 verwendet die Kanzlei OTTOS II. statt dem einfachen "Imperator" den Titel "Imperator Romanorum". Die Niederlage von Cotrone entschied den Konflikt vorläufig zu Gunsten von Byzanz; und der plötzliche Tod OTTOS II. verhinderte auch eine künftige Klärung des Verhältnisses zwischen den beiden Reichen im Osten und im Westen, die Anspruch auf die römische Kaiserwürde erhoben.
Letztendlich kann man in der Heirat OTTOS II. mit der Byzantinerin Theophanu einen Kompromiß sehen, der den Interessen beider Seiten Rechnung getragen hat. Johannes Tzimiskes mußte mit dieser Heirat die Italienpolitik, wie sie sehr intensiv von seinem Vorgänger betrieben worden war, aufgeben. Allerdings war auf der anderen Seite die Anerkennung seiner Herrschaft, die ja durch einen Mord begründet worden war, ein wichtiger außenpolitischer Erfolg. Kaiser OTTO DER GROSSE begnügte sich mit einer Braut für seinen Sohn, die keine Porphyrogenita war, obwohl er eine solche Frau jahrelang gefordert hatte, die aber wohl auf Grund der dynastischen Gepflogenheiten in Byzanz auch nicht zu erlangen war. Doch war für OTTO nun die Anerkennung seines Kaisertums nach jahrelangem Aufenthalt und Kampf in Italien erreicht. Damit löste sich auch die Bindung an den Süden: der Kaiser konnte nach Sachsen zurückkehren.

4. Theophanu als Gattin Ottos II.
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Wenn der Historiker die Frage bestellt bekommt, ob und welchen Einfluß die Gemahlinnen der Könige und Kaiser des Mittelalters auf die Politik ausgeübt haben, kann er nur resignierend mit den Schultern zucken: die Quellen unterrichten ihn hierüber nur sehr wenig, ja eigentlich fast gar nicht. Die Forschung nimmt nun für den speziellen Fall der Kaiserin Theophanu in den Jahren, in denen Kaiser OTTO II. im Kampf gegen seinen Vetter, Herzog Heinrich II. von Bayern, besser bekannt als "der Zänker", stand, einen mehr und mehr steigenden Einfluß der Kaiserin auf die Entscheidungen OTTOS II. an, wohingegen der Einfluß der Ratgeber der ersten Regierungsjahre des jungen Kaisers, als die die Kaiser-Mutter Adelheid und eben der Herzog Heinrich II. von Bayern gelten, zurückgegangen sei. Stützen läßt sich eine so formulierte These durch die Beobachtung der Interventionen der betreffenden Personen in den Kaiserurkunden, die für die Kaiserin Theophanu eine steigende, für Adelheid und Heinrich eine fallende Tendenz in ihrer Häufigkeit zeigen. Kaiser OTTO II. und Theophanu hatten zusammen fünf Kinder, von denen als letztes der Thronfolger, OTTO III., im Jahr 980 geboren wurde.
Bei seinen Studien über das Mit-Kaisertum in der Zeit der OTTONEN konnte Werner Ohnsorge zeigen, dass Theophanu aus ihrer griechischen Heimat ganz eindringliche Vorstellungen über die Beteiligung der Gemahlin des Kaisers an der Herrschaft mitgebracht haben muß. Diese Vorstellungswelt fand in der neuen Titulierung für die Kaiserin als "coimperatrix" in den Kaiserurkunden ihren Niederschlag: Theophanu ist die einzige unter den Kaiserinnen des Reiches, die diesen Titel geführt hat.
Aus einer Akklimation, die Otto von Freising in seiner "Chronica sive historia de duabus civitatibus" für OTTO II. überliefert - OTTO soll "Pallida mors Sarracenorum" genannt worden sein - leitet Ohnsorge in einer weiteren Studie neue Hypothesen zur Rolle der Kaiserin Theophanu in der Politik während der letzten Lebensjahre ihres Gatten ab: diese Zeit war bekanntlich dem Kampf gegen die Sarazenen in Italien gewidmet. Nachdem OTTO II. seine Herrschaft in deutschen Gebieten stabilisiert hatte, wandte sich der Kaiser wie sein Vater dem Süden zu. Doch der zweite OTTONEN-Kaiser ging über die Ziele OTTOS DES GROSSEN noch weit hinaus und strebte nun auch die Eingliederung ganz Süd-Italiens in seinen Herrschaftsbereich an. Damit hatte der Herrschaftsplan nicht nur die Vertreibung der Sarazenen zum Ziel, sondern auch die Beseitigung der byzantinischen Gebiete im Süden der Apenninenhalbinsel. Die Basis für dieses gegenüber dem Wollen OTTOS DES GROSSEN erweiterte Denken, wie die Forschung schon seit langem erkannt hat, mußte die Idee des Römischen Reiches sein, die sich in dem seit 982 verwendeten Kaisertitel "Imperator Romanorum Augustus" dokumentierte und gegenüber dem oströmischen Kaiser in Byzanz den Anspruch erhob, nicht dieser, der Basilius, sondern OTTO II. sei der legitime Nachfolger der Caesaren.
Für das allmähliche Reifen dieser Idee des Römischen Reiches bei OTTO II. vermutete die Forschung immer schon einen gewichtigen Einfluß der Ideenwelt, die die Kaiserin Theophanu aus ihrer Heimat in den Westen gebracht hatte und jetzt bei OTTO II. zu der Ausweitung des fränkischen Kaisergedankens des Vaters zu einem römischen Kaisertum geführt habe. Derartige, von der früheren Forschung angestellte Überlegungen konnte Ohnsorge in der bereits angesprochenen Untersuchung zum Kaisertitel "Pallida mora Sarracenorum" verdichten. Dem zu erwartenden Einwand, der fragliche Kaisertitel sei ja erst bei einem Zeitgenossen und Verwandten Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSAS, also in einem zeitlichen Abstand von über 180 Jahren, für Kaiser OTTO II., der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gelebt hat, nachzuweisen, versucht Ohnsorge durch einen neu entdeckten Beleg für den gleichen Titel bei Liutprand von Cremona, bekanntlich einer der wichtigsten Historiographen der OTTONEN-Zeit, zu entkräften. Der Cremoneser Bischof verwendet den angesprochenen Kaisertitel für den byzantinischen Basileus Nikephoros Phokas, den wir als Gegenspieler OTTOS DES GROSSEN in dessen Werben um eine Porphyrogenita bereits kennen. Mit dieser Verwendung des "Bleichen Todes des Sarazenen" in einem historiographischen Werk des 10. Jahrhunderts hebe man, so argumentiert Ohnsorge weiter, gute Gründe, in dem Gebrauch des fraglichen Titels durch Otto von Freising ein letztes Wissen um eine zeitgenössisch für OTTO II.
verwendete Formel zu sehen, die dann nur durch die Kaiserin Theophanu aus ihrer ursprünglichen Heimat Konstantinopel mit in den Westen gebracht und auf diese Weise vermittelt worden sein kann.
Aus den eben skizzierten Überlegungen zur Rolle der Theophanu zieht Ohnsorge noch weitere Schlüsse, die sich in der Quintessenz zusammenfassen lassen, Theophanu müsse die eigentlich treibende Kraft in der Süditalien-Politik Kaiser OTTOS II. gewesen sein.
Werner Ohnsorge scheint mir die recht späte Quellenbezeugung des Kaisertitels "Pallida mors Sarracenorum" in seiner Entdeckerfreude überzubewerten. Letztendlich sollte man über das Wissen, das wir aus den zeitgenössischen Quellen zur Verfügung gestellt bekommen, nicht allzuweit hinausgehen, auch wenn man das Zeugnis eines Historiographen vom Range eines Otto von Freising nicht gering schätzen darf. Vorsichtig wollen wir festhalten, daß wir den Einfluß der Theophanu für das politische Denken und Handeln ihres Gatten, Kaiser OTTOS II., insbesondere bei der Idee des römischen Kaisertums annehmen dürfen, ohne freilich auf Grund der Quellenlage im Stande zu sein, die Intensität der Beteiligung der Kaiserin abzuschätzen.

5. Die vormundschaftliche Regierung der Kaiserin Theophanu
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Als Kaiser OTTO II. gegen Ende des Jahres 983 an Malaria erkrankte und verstarb, weilte die Kaiserin Theophanu an seiner Seite. Allein schon die räumliche Trennung band ihr die Hände, um zugunsten ihres Sohnes, OTTOS III., eingreifen zu können, der am Weihnachtstag 983 ohne Wissen der Fürsten um den bereits eingetretenen Tod seines Vaters zum König gekrönt worden war. Theophanu reiste nach dem Tode ihres Gemahls nach Pavia zu ihrer Schwiegermutter, der Kaiserin Adelheid. Nach der alten langobardischen Königsstadt wandten sich im April 984 die Gegner Herzog Heinrichs des Zänkers, der bereits Anstalten getroffen hatte, für sich die Kaiserkrone zu erwerben. Nur in den beiden Kaiserinnen sahen die Gegner des Zänkers, die von Erzbischof Willigis von Mainz angeführt wurden, die Trägerinnen der hinreichenden Legitimation, um der Errichtung einer Königsherrschaft durch den Zänker und dessen Anhänger mit Erfolg entgegentreten zu können.
Aus verschiedenen Hinweisen in den Quellen wissen wir, daß die Jahre der Ehe Kaiser OTTOS II. mit Theophanu nicht ausgereicht hatten, um die Erinnerung an ihre Herkunft verblassen zu lassen: Theophanu wird mehrfach als "Griechin" apostrophiert und hatte auch weiterhin mit gewissen Ressentiments zu kämpfen. Hierfür ist besonders kennzeichnend, daß zu Beginn der vormundschaftlichen Regierung für OTTO III. die beiden Kaiserinnen gemeinsam handelnd auftreten, bis die Fragen der Vormundschaft und des Arrangements mit Heinrich dem Zänker geklärt waren. Nach dem Ausgleich mit dem Zänker auf dem Reichstag zu Frankfurt tritt Theophanu immer mehr als die eigentliche Regentin hervor, beraten durch die beiden Kirchenfürsten Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Hildebald von Worms. Diese Beobachtung, die auf die in ihrer Zahl zunehmenden Petitionen der Adelheid gestützt ist, wird ergänzt durch eine Nachricht in der Lebensbeschreibung der heiligen Adelheid: Odilo berichtet hier, die Kaiserin Adelheid habe sich bald aus der vormundschaftlichen Regierung zurückgezogen; freilich wird Odilo sich bei dieser Nachricht von den Notwendigkeiten des Heiligenvitaschemas haben leiten lassen und daher seiner Protagonistin die Gelegenheit zur Bewährung in von Gott gesandten Prüfungen gegeben haben.
Im Rahmen unserer Fragestellung nach den Verwandten der OTTONEN soll die Politik der Theophanu nicht im Einzelnen untersucht werden, da in der Zeit der vormundschaftlichen Regierung ihre Herkunft und ihre Stellung als Gemahlin des verstorbenen Kaisers OTTO II. nicht mehr so stark thematisiert werden. Die Herrschaft der Kaiserin floß aus der fiktiven Macht des kleinen Königs OTTO III., der als der eigentlich Herrschende galt. Wie stark man das Charisma des jungen, noch unmündigen Herrschers einschätzen muß, zeigt die Episode, die Thietmar im Zusammenhang mit den Kämpfen um die Burg Brandenburg berichtet; diese Ereignisse sind allerdings nicht mehr der Vormundschaft der Theophanu sondern der der Kaiserin Adelheid zuzuordnen. Wir haben die Episode schon oben in dem Kapitel über Adelheid angesprochen, doch weil die Geschichte für das Charisma des unmündigen Herrschers typisch ist, sei nochmals kurz darauf hingewiesen, daß allein die Person des noch unmündigen OTTO III.gegen die Slawen einen Erfolg ermöglichte, der zuvor den Heerführern des Königs versagt geblieben war.
Der Kaiserin Theophanu gelang es während der Jahre ihrer Vormundschaft für OTTO III., zusammen mit Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Hildebald von Worms als den wichtigsten Beratern, für ihren Sohn die Herrschaft weitgehend in ihrem alten Rang und Umfang zu bewahren. Freilich konnten die Verluste im Osten zu Beginn der Vormundschaft nicht wieder wett gemacht werden: auch der Einfluß im westfränkisch-französischen Reich ging verloren, wiewohl doch Lothringen für das Reich gesichert werden konnte.
Auch in Italien, wo man sich zunächst nicht um das Königtum OTTOS III. kümmerte, hat Theophanu die Herrschaft ihres Sohnes wieder zur Geltung gebracht. Für das Herrschaftsbewußtsein der Kaiserin sind ihre beiden Urkunden, die des "Theophanius gratia divinae imperator augustus", kennzeichnend; diese zwei Diplome sind vermutlich auch nicht mit dem Siegel OTTOS III., sondern entweder mit demjenigen ihres verstorbenen Gemahls oder sogar mit ihrem eigenen besiegelt worden: für diese Annahme, die sich nach dem Verlust der Originalsiegel nicht durch die Urkunde selbst verifizieren läßt, spricht die Zählung der Regierungsjahre im Eschatokoll. Theophanu zählt nämlich nicht nach Regierungsjahren ihres Sohnes, OTTO III., oder nach der Zeit ihrer alleinigen vormundschaftlichen Regierung, sondern nach den 18 Jahren, die seit der Heirat mit dem verstorbenen Gemahl und Kaiser vergangen sind. Wir können somit ganz deutlich sehen, dass das Denken der späten OTTONEN-Zeit das "consortium regni" der Theophanu mit OTTO II. noch nicht als durch den Tod des Kaisers für erloschen ansah. Es ist denkbar, dass Theophanu möglicherweise allein zur Wahrnehmung der kaiserlichen Rechte in Rom befugt war, weil nur sie die "coimperatrix" war. OTTO III. ist bekanntlich in dieser Zeit nur "rex" gewesen und blieb somit folgerichtig in Deutschland zurück.
Am 15. Juni 991 starb die Kaiserin Theophanu im Alter von etwa 35 Jahren in Nimwegen. Dieser Tod bedeutete für das Reich einen schweren Verlust, der in den Worten des Quedlinburger Annalisten spürbar ist: "Ibi [in Nimwegen] ergo, dum quadam quasi compede totum sua ditione colligasset imperium, Theophanu imperatrix consummato in bonis vitae suae cursu, pro dolor! quod est miserabile dictu, immatura dissolvitur morte, 17. Kal. Julii; indeque lugubri imperatoris, filii scilicet sui, caeterorumque suorum fidelium comatatu evecta, ad urbem dafertur Agrippinam, inque ecclesia sancti Pantaleonis martyris, ut ipsa decreverat, stipante episcoporum, monachorum virginumque coetu, astante etiam omni clero et populo, ultimo flebiliter tumulatur honore."

6. Zusammenfassende Würdigung der Kaiserin Theophanu
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Wir konnten bei der Verfolgung der Ereignisse, die sich um den Plan eines Ehebündnisses zwischen dem Kaiser von Byzanz und dem Kaiser des Westens abgespielt haben, deutlich die friedens- und bündnisstiftende Funktion von neu durch eine Heirat geschaffener Verwandtschaft studieren. Kaiser OTTO DER GROSSE verfolgte mit großer Hartnäckigkeit seine Absicht, durch die Vermählung seines Sohnes und Thronfolgers mit einer byzantinischen Prinzessin seinem Kaisertum die erwünschte Anerkennung durch den Kaiser von Konstantinopel zu verschaffen und dabei nach Möglichkeit auch noch seine Herrschaft im "regnum Italiae" durch die Oberhoheit über die süditalienischen Fürstentümer abrunden.
Theophanu, die dann die Gemahlin OTTOS II. wurde, brachte aus ihrer Heimat neues Gedankengut in das politische Denken der OTTONEN mit. Das Konzept eines römischen Kaisertums in Erweiterung des fränkischen Kaisertums OTTOS DES GROSSEN ist wohl ebenso auf den Einfluß der Kaiserin Theophanu zurückzuführen wie auch die Renovatio-Politik in der eigenständigen Regierungszeit OTTOS III., des Sohnes der Theophanu, durch den byzantinischen Kulturkreis vermittelt worden sein muß.