Für Kaiser OTTO DEN GROSSEN war es eines der wichtigsten Lebensziele in seinen letzten Regierungsjahren, mit dem anderen Herrscher der damals bekannten Welt, der noch Anspruch auf die Kaiserwürde erhob, also mit Byzanz, zu einem Ausgleich zu kommen: der oströmische Kaiser sollte zur Anerkennung der westlichen Kaiserwürde OTTOS DES GROSSEN in irgendeiner Form bewegt werden. Demselben Zweck dienten die Heiratspläne für den Sohn OTTOS DES GROSSEN, den jungen König OTTO II., der nun auch zum Kaiser gekrönt wurde und die Nachfolge seines Vaters im Reich und in der Kaiserwürde antreten sollte. Doch erst ein Jahr vor dem Tod OTTOS DES GROSSEN konnte die Hochzeit zwischen OTTO II. und der Byzantinerin Theophanu in Rom feierlich begangen werden. Eine besondere Aufgabe wartete auf die Kaiserin Theophanu, als ihr Gemahl, OTTO II., überraschend verstarb und den gemeinsamen Sohn, OTTO III., als bereits gekrönten Nachfolger im Alter von drei Jahren hinterließ. Für den kleinen König bewahrte und führte Theophanu bis zu ihrem Tode die Regentschaft.
1. Zur Herkunft der Kaiserin Theophanu
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Bei der Lektüre der Literatur zu Theophanu
stößt man immer wieder auf die intensive Diskussion in der Forschung
um die Abstammung der Byzantinerin, die die Frage, wer eigentlich die Eltern
Theophanus
waren,
zu beantworten suchte. Die widerstreitenden Meinungen lassen sich grob
in zwei Gruppen zusammenfassen: die eine Gruppe von Forschern vertritt
die kaiserliche Abstammung der Gemahlin
OTTOS
II., die andere leugnet deren Purpurgeburt mit derselben Inbrunst
der Argumentation. Dabei tritt eine jede Arbeit mit dem Anspruch auf, nun
endlich das Problem gelöst und alle älteren Thesen widerlegt
zu haben. Es ist hier nicht der Ort, um alle Autoren und ihre verschiedenen
Überlegungen vorzustellen, und schon gar nicht soll hier eine neue
These vorgestellt werden, die durch einen zusammenfassenden Bericht leicht
zugänglich sind.
Das einzig gesicherte Ergebnis von 100 Jahren emsiger
Forschung zum Problem der Abstammung Theophanus
ist daher recht dünn: Theophanu war
eine Nichte des zur Zeit der Eheschließung regierenden
Kaisers Johannes
Tzimiskes, und sie kam "de palatio". Doch war sie sicher
nicht diejenige Prinzessin, um die Kaiser
OTTO DER GROSSE im Jahr 967 durch Bischof Liutprand von Cremona
hatte werben lassen, denn es war in der Zwischenzeit ein gewaltsamer Regierungswechsel
erfolgt. Aber damit haben wir dem Verlauf der Ereignisse vorgegriffen.
2. Die Süditalienpolitik Kaiser Ottos des Großen
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Mit der Italienpolitik in der Zeit nach 960 war auch
das byzantinische Reich in das politische Blickfeld des nunmehrigen Kaisers
des Westens gerückt. Hatte in der Kaiserkrönung diese Italienpolitik
ihre nach außen hin eindringliche Dokumentation gefunden, so war
hiermit ebenso der Konflikt mit Byzanz auf der ideologischen Ebene vorprogrammiert,
da Byzanz sich ja als Rom des Ostens verstand und die Kaiserwürde
allein beanspruchte. Neben dieser Rivalität um die imperiale Würde
entwickelte sich in den Jahren nach der Kaiserkrönung OTTOS
DES GROSSEN zusätzlich noch der Kampf um den jeweiligen
Einflußbereich im Süden der italienischen Halbinsel, da dort
von den Zeiten Kaiser Justinians
her Gebiete zum Besitz des Byzantinischen Reiches gehörten, die vom
Kirchenstaat durch einen Gürtel von langobardischen Staaten getrennt
waren; diese jedoch zerfielen ihrerseits in einen byzantinischen
und einen westlichen Einflußbereich.
Bei den ersten Kontakten zwischen dem Reich König
OTTOS I. und Byzanz in den 40-er Jahren des zehnten Jahrhunderts
mag die gemeinsame Feindschaft gegen die Ungarn eine Rolle gespielt haben:
die Reiterhorden bedrohten nicht nur die Ostgrenze des ostfränkischen
Reiches, sondern auch die Nordgrenze des Reiches von Byzanz. In den Zusammenhang
dieser diplomatischen Fühlungsnahme zwischen dem König
OTTO I. und dem byzantinischen Kaiser gehört möglicherweise
auch der Heiratsplan, über den uns Ekkehard IV. in seinen St.
Gallener Klostergeschichten berichtet. Nach Ekkehard sollte Hadwig,
die Tochter Herzog Heinrichs
von Bayern (und somit Nichte
König OTTOS I.) mit dem byzantinischen
Kaiser verlobt werden. Da wir diesen Heiratsplan auf das Jahr 949 datieren
können und zugleich noch wissen, dass sich
König
OTTO I. zwei Jahre später auf seinem ersten Italienzug
um die Kaiserwürde bemüht hat, können wir mit guten Gründen
annehmen, daß bei den diplomatischen Kontakten anläßlich
des Besuches der griechischen Gesandtschaften 949 auch die Frage eines
westlichen Kaisertums erörtert worden sein dürfte. Die Verlobung
der jungen Hadwig mit dem byzantinischen
Kaiser zerschlug sich offenbar später, da Hadwig
den Nachfolger des aufständischen Königs-Sohnes
Liudolf im Herzogtum Schwaben, Herzog Burkhard II., heiratete;
sie war zur Vorbereitung auf ihr künftiges Leben in Bayern bereits
in der griechischen Sprache unterrichtet worden.
Die Kaiserkrönung OTTOS
DES GROSSEN am 2. Februar 962 hatten die Byzantiner noch ohne
Protest hingenommen, weil das sich durch die Zweikaiserproblem in vorherigen
Verhandlungen zwischen OTTO I. und
Byzanz abgeklärt worden war: OTTO
holte 960 die Zustimmung Ostroms zu seiner Kaiserkrönung ein. Es ist
nur folgerichtig, wenn sich der neugekrönte Kaiser nun darum bemühte,
die Anerkennung durch Byzanz als zweiter, gleichberechtigter Imperator
auch nach außen hin deutlich zu dokumentieren, indem er danach trachtete,
für seinen Sohn OTTO II.
eine byzantinische Kaiser-Tochter als Gemahlin zu werben.
Im April 967 traf Kaiser
OTTO DER GROSSE mit einer Gesandtschaft aus Byzanz in Ravenna
zusammen. Es war wahrscheinlich die Aufgabe dieser Gesandtschaft, das künftige
Verhältnis zwischen den beiden Kaiserreichen auf friedlichem Wege
zu regeln. Denn im Jahr zuvor war ein neuer Konfliktherd für die Beziehungen
zwischen dem Rom des Westens und dem Rom des Ostens aufgebrochen: OTTO
DER GROSSE hatte sich 966 in Capua von den langobardischen Fürsten
Pandulf von Capua und Landulf von Benevent huldigen lassen.
Die Oberhoheit über diese Fürsten beanspruchte aber auch der
Kaiser von Byzanz.
Nikephoros Phokas,
der damalige byzantinische Basileus, zeigte Entgegenkommen, indem
er OTTO DEM GROSSEN in Ravenna ein
Verhandlungsangebot unterbreitete, das in erster Linie auf einen gemeinsamen
Kampf gegen die Sarazenen abzielte, aber zugleich auch die Forderung nach
einem Verzicht OTTOS DES GROSSEN auf
Capua und Benevent beinhaltete. Kaiser
OTTO DER GROSSE ging sogleich auf
diesen diplomatischen Vorstoß ein und schlug zudem vor, das Bündnis
in der üblichen Weise mit einer Hochzeit zwischen Ost und West zu
besiegeln; wahrscheinlich glaubte er, die Schwiegertochter aus Ostrom könnte
die byzantinischen Ansprüche auf Capua und Benevent als eine Art Mitgift
in die Ehe mit seinem Sohn einbringen. Kaiser
OTTO DER GROSSE muß die Verhandlungsaussichten recht günstig
beurteilt haben, denn er sandte sofort den Venezianer Dominicus
nach Byzanz, um auf die Vorschläge des byzantinischen
Kaisers Nikephoros Phokas zu antworten.
Dominicus traf diesen in Makedonien an, wo er bereits für den Krieg
in Unteritalien Vorbereitungen traf. Um einem drohenden byzantinischen
Angriff vorzubeugen, versprach Dominicus dem Basileus eidlich und
urkundlich, OTTO DER GROSSE werde niemals
das oströmische Kaiserreich irgendwie schädigen. Des weiteren
traf Dominicus eine Heiratsverabredung, bei dem die eine Partei
die andere mißverstanden haben muß. Nach byzantinischem Staatsgepflogenheiten
kann Kaiser Nikephoros
Phokas nur eine Nicht-Porphyrogenita als Braut für
OTTO
II. zur Verfügung gestellt haben, während Dominicus
und damit auch
OTTO DER GROSSE geglaubt
haben müssen, eine purpurgeborene Kaisertochter werde in den Westen
reisen. OTTO DER GROSSE und der Papst
- Johannes XIII. war anscheinend der Hauptantreiber für das
Streben
OTTOS DES GROSSEN, für
seinen Sohn nur eine Porphyrogenita als Braut zu akzeptieren - waren über
das Ergebnis der Mission des Dominicus hocherfreut und sehr zufrieden:
OTTO II. wurde an Weihnachten 967 zum
Mit-Kaiser gekrönt, um eine einer Kaisertochter entsprechende Würde
zu tragen. OTTO II. hat übrigens
seine Kaiserwürde an dem gleichen hohen Festtag des Christentums empfangen
wie seinerseits KARL DER GROSSE!
Als zu Beginn des folgenden Jahres 968 griechische Gesandte
klarstellten, es sei nur an eine Nicht-Porphyrogenita als Braut gedacht
gewesen, war
OTTO DER GROSSE enttäuscht.
Der Kaiser sandte einen Brief nach Sachsen, mit dem er die Grafen Hermann
und Dietrich über den Stand der Dinge unterrichtete und ihnen
seine feste Absicht darlegte, die byzantinischen Provinzen Apulien und
Kalabrien notfalls mit militärischer Gewalt einzunehmen, falls Byzanz
sich nicht zu einer friedlichen Abtretung bereit finden sollte. OTTO
begann seinen Feldzug in Süd-Italien, der schon bald vor
Bari zum Stillstand kam. Daraufhin scheint sich Bischof Liutprand von
Cremona erboten zu haben, erneut in Byzanz zu verhandeln.
Liutprands Mission war jedoch schon vor ihrem
Beginn zum Scheitern verurteilt, da OTTO DER GROSSE
- zumindest in den Augen des Kaisers von Konstantinopel - den Krieg begonnen
hatte. Der Bischof von Cremona versuchte, das byzantinische Kaisertum als
völlig dekadent zu erweisen: das Kaisertum OTTOS
DES GROSSEN sei das eigentlich römische Kaisertum, und
dies müsse auch im Imperatortitel seinen Ausdruck finden. Liutprand
machte in Byzanz das Vorgebot, OTTO DER GROSSE
werde gegen das Zugeständnis, OTTO II. mit
einer Porphyrogenita zu verheiraten, auf Apulien und Kalabrien verzichten.
Doch Liutprand konnte mit seinen Reden den ostfränkischen Kaiser
nicht im geringsten beeindrucken, der zudem auf seinem Anspruch auf Capua
und Benevent beharrte, deren Fürsten bereits OTTO
DEM GROSSEN gehuldigt hatten, und natürlich auf den Vertrag
des Dominicus verwies, den OTTO
gebrochen hatte: entgegen den Beteuerungen des Dominicus sei
byzantinisches Gebiet mit militärische Macht angegriffen worden. Kaiser
Nikephoros Phokas machte Liutprand nur ein für diesen
völlig unannehmbares Gegenangebot, und so ging man unter gegenseitigen
Beschimpfungen auseinander.
Nun trat man wieder in die militärische Konfliktlösung
ein, bei der beide Seiten mit wechselndem Erfolg kämpften. Die Auseinandersetzungen
hätten wohl noch jahrelang angedauert, wäre nicht in Byzanz ein
Ereignis eingetreten, das für OTTO DEN GROSSEN
günstig war und schließlich zu einer Lösung des Konfliktes
führen sollte.
3. Theophanu, die Braut für Otto II.
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Gegen Ende des Jahres 969 war der
byzantinische Kaiser Nikephoros
Phokas, der große Gegenspieler OTTOS
DES GROSSEN, ermordet worden. Den oströmischen Kaiserthron
bestieg sein Mörder, Johannes Tzimiskes.
Diese innenpolitischen Wirren in Konstantinopel benutzte Kaiser
OTTO DER GROSSE zu einem neuerlichen
Vorstoß in Süd-Italien. Der neue Basileus saß noch nicht
so fest im Sattel, und war deshalb zu einem Einlenken bereit. Herzog
Pandulf von Benevent, der zu dieser Zeit in byzantinischer Gefangenschaft
saß, wurde von Johannes Tzimiskes
freigelassen und als Unterhändler in den Westen gesandt, um OTTO
DEN GROSSEN zum Friedensschluß zu bewegen.
Aus dem Inhalt des nicht überlieferten Vertrages,
der zwischen
OTTO DEM GROSSEN und Pandulf
ausgehandelt wurde, können wir mit Sicherheit erschließen,
daß der byzantinische Kaiser auf Capua und Benevent verzichtet haben
muß, denn sonst hätte
OTTO DER GROSSE
nicht Pandulf wieder als Herzog einsetzen können. Auch
hätte OTTO den Vertrag wohl nicht
abgeschlossen, wäre er von
Johannes Tzimiskes
nicht als "Kaiser der Franken" anerkannt worden. Im Gegenzug dürfte
OTTO DER GROSSE auf eine Porphyrogenita
als einzig in Frage kommende Braut für OTTO
II. verzichtet haben, zumal ja, wie oben schon erwähnt,
nach dem Staatsusus von Konstantinopel eine purpurgeborene Kaisertochter
ohnehin nicht außer Landes heiraten durfte.
Um die Jahreswende 971/72 kam eine große Gesandtschaft
Kaiser
OTTOS DES GROSSEN nach Byzanz, die unter der Führung des
Erzbischofs von Köln, Gero, die Braut Theophanu
in
Empfang nahm und mit in den Westen brachte.
In der feierlichen Urkunde über die Ausstattung
der Gattin OTTOS II. wird Theophanu
als
Nichte des Kaisers Johannes
Tzimiskes bezeichnet: die Stellung der Braut wurde also allein
durch den Rang ihres Onkels, des byzantinischen Kaisers, bestimmt. Sie
war somit nicht diejenige Kaisertochter, um die OTTO
DER GROSSE in den Jahren 967 und 968 durch seine Gesandten
Dominicus und Liutprand von Cremona hatte werben lassen.
Manche Ratgeber vertraten daher die Meinung, es sei besser, die junge Frau
zurückzuschicken. Diese Gegner der Hochzeit zwischen OTTO
II. und
Theophanu müssen
nicht unbedingt auf einer Porphyrogenita als der einzig akzeptablen Gemahlin
des künftigen Kaisers des Westens bestanden haben, sondern es ist
eher denkbar, daß man von der Versippung mit einer durch Mord auf
den Thron gekommenen Dynastie abgeraten hat.
Die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den
OTTONEN
und Byzanz sollte den Mahnern durchaus recht geben. Als
Johannes
Tzimiskes starb, fiel das oströmische Kaisertum an die
alte Dynastie der
MAKEDONEN zurück.
Mit dem neuen Kaiser aus dem traditionellen Herrscherhaus kehrte auch die
alte Rivalität zurück. Dies zeigt nicht nur der Zug Kaiser
OTTOS II. nach Süd-Italien
gegen Ende des Jahres 981, sondern auch der erweiterte Kaisertitel ganz
deutlich: seit dem März 982 verwendet die Kanzlei OTTOS
II. statt dem einfachen "Imperator" den Titel "Imperator
Romanorum". Die Niederlage von Cotrone entschied den Konflikt vorläufig
zu Gunsten von Byzanz; und der plötzliche Tod OTTOS
II. verhinderte auch eine künftige Klärung des Verhältnisses
zwischen den beiden Reichen im Osten und im Westen, die Anspruch auf die
römische Kaiserwürde erhoben.
Letztendlich kann man in der Heirat OTTOS
II. mit der Byzantinerin Theophanu
einen Kompromiß sehen, der den Interessen beider Seiten Rechnung
getragen hat. Johannes Tzimiskes mußte
mit dieser Heirat die Italienpolitik, wie sie sehr intensiv von seinem
Vorgänger betrieben worden war, aufgeben. Allerdings war auf der anderen
Seite die Anerkennung seiner Herrschaft, die ja durch einen Mord begründet
worden war, ein wichtiger außenpolitischer Erfolg. Kaiser
OTTO DER GROSSE begnügte sich mit einer Braut für
seinen Sohn, die keine Porphyrogenita war, obwohl er eine solche Frau jahrelang
gefordert hatte, die aber wohl auf Grund der dynastischen Gepflogenheiten
in Byzanz auch nicht zu erlangen war. Doch war für OTTO
nun die Anerkennung seines Kaisertums nach jahrelangem Aufenthalt
und Kampf in Italien erreicht. Damit löste sich auch die Bindung an
den Süden: der Kaiser konnte nach Sachsen zurückkehren.
4. Theophanu als Gattin Ottos II.
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Wenn der Historiker die Frage bestellt bekommt, ob und
welchen Einfluß die Gemahlinnen der Könige und Kaiser des Mittelalters
auf die Politik ausgeübt haben, kann er nur resignierend mit den Schultern
zucken: die Quellen unterrichten ihn hierüber nur sehr wenig, ja eigentlich
fast gar nicht. Die Forschung nimmt nun für den speziellen Fall der
Kaiserin
Theophanu in den Jahren, in denen Kaiser
OTTO II. im Kampf gegen seinen
Vetter, Herzog Heinrich
II. von Bayern, besser bekannt als "der
Zänker", stand, einen mehr und mehr steigenden Einfluß
der Kaiserin auf die Entscheidungen OTTOS II.
an, wohingegen der Einfluß der Ratgeber der ersten Regierungsjahre
des jungen Kaisers, als die die Kaiser-Mutter
Adelheid
und eben der Herzog
Heinrich II. von Bayern gelten,
zurückgegangen sei. Stützen läßt sich eine so formulierte
These durch die Beobachtung der Interventionen der betreffenden Personen
in den Kaiserurkunden, die für die Kaiserin
Theophanu eine steigende, für Adelheid
und
Heinrich eine fallende
Tendenz in ihrer Häufigkeit zeigen. Kaiser
OTTO II. und Theophanu
hatten zusammen fünf Kinder, von denen als letztes
der Thronfolger, OTTO III.,
im Jahr 980 geboren wurde.
Bei seinen Studien über das Mit-Kaisertum in der
Zeit der OTTONEN konnte Werner Ohnsorge
zeigen, dass Theophanu aus ihrer griechischen
Heimat ganz eindringliche Vorstellungen über die Beteiligung der Gemahlin
des Kaisers an der Herrschaft mitgebracht haben muß. Diese Vorstellungswelt
fand in der neuen Titulierung für die Kaiserin als "coimperatrix"
in den Kaiserurkunden ihren Niederschlag:
Theophanu
ist die einzige unter den Kaiserinnen des Reiches, die diesen Titel geführt
hat.
Aus einer Akklimation, die Otto von Freising in
seiner "Chronica sive historia de duabus civitatibus" für OTTO
II. überliefert - OTTO
soll "Pallida mors Sarracenorum" genannt worden sein - leitet Ohnsorge
in einer weiteren Studie neue Hypothesen zur Rolle der Kaiserin
Theophanu in der Politik während der letzten Lebensjahre
ihres Gatten ab: diese Zeit war bekanntlich dem Kampf gegen die Sarazenen
in Italien gewidmet. Nachdem OTTO II. seine
Herrschaft in deutschen Gebieten stabilisiert hatte, wandte sich der Kaiser
wie sein Vater dem Süden zu. Doch der zweite OTTONEN-Kaiser
ging über die Ziele OTTOS DES GROSSEN
noch weit hinaus und strebte nun auch die Eingliederung ganz Süd-Italiens
in seinen Herrschaftsbereich an. Damit hatte der Herrschaftsplan nicht
nur die Vertreibung der Sarazenen zum Ziel, sondern auch die Beseitigung
der byzantinischen Gebiete im Süden der Apenninenhalbinsel. Die Basis
für dieses gegenüber dem Wollen
OTTOS
DES GROSSEN erweiterte Denken, wie die Forschung schon seit
langem erkannt hat, mußte die Idee des Römischen Reiches sein,
die sich in dem seit 982 verwendeten Kaisertitel "Imperator Romanorum
Augustus" dokumentierte und gegenüber dem oströmischen Kaiser
in Byzanz den Anspruch erhob, nicht dieser, der Basilius, sondern OTTO
II. sei der legitime Nachfolger der Caesaren.
Für das allmähliche Reifen dieser Idee des
Römischen Reiches bei OTTO II.
vermutete die Forschung immer schon einen gewichtigen Einfluß der
Ideenwelt, die die Kaiserin Theophanu aus
ihrer Heimat in den Westen gebracht hatte und jetzt bei OTTO
II. zu der Ausweitung des fränkischen Kaisergedankens des
Vaters zu einem römischen Kaisertum geführt habe. Derartige,
von der früheren Forschung angestellte Überlegungen konnte Ohnsorge
in der bereits angesprochenen Untersuchung zum Kaisertitel "Pallida
mora Sarracenorum" verdichten. Dem zu erwartenden Einwand, der fragliche
Kaisertitel sei ja erst bei einem Zeitgenossen und Verwandten Kaiser
FRIEDRICH BARBAROSSAS, also in einem zeitlichen Abstand von
über 180 Jahren, für Kaiser
OTTO II., der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts
gelebt hat, nachzuweisen, versucht Ohnsorge durch einen neu entdeckten
Beleg für den gleichen Titel bei Liutprand von Cremona, bekanntlich
einer der wichtigsten Historiographen der OTTONEN-Zeit,
zu entkräften. Der Cremoneser Bischof verwendet den angesprochenen
Kaisertitel für den byzantinischen Basileus
Nikephoros Phokas, den wir als Gegenspieler OTTOS
DES GROSSEN in dessen Werben um
eine Porphyrogenita bereits kennen. Mit dieser Verwendung des "Bleichen
Todes des Sarazenen" in einem historiographischen Werk des 10. Jahrhunderts
hebe man, so argumentiert Ohnsorge weiter, gute Gründe, in dem Gebrauch
des fraglichen Titels durch Otto von Freising ein letztes Wissen
um eine zeitgenössisch für OTTO II.
verwendete Formel zu sehen, die dann nur durch die Kaiserin
Theophanu aus ihrer ursprünglichen Heimat Konstantinopel
mit in den Westen gebracht und auf diese Weise vermittelt worden sein kann.
Aus den eben skizzierten Überlegungen zur Rolle
der Theophanu zieht Ohnsorge noch weitere
Schlüsse, die sich in der Quintessenz zusammenfassen lassen, Theophanu
müsse die eigentlich treibende Kraft in der Süditalien-Politik
Kaiser
OTTOS II. gewesen sein.
Werner Ohnsorge scheint mir die recht späte Quellenbezeugung
des Kaisertitels "Pallida mors Sarracenorum" in seiner Entdeckerfreude
überzubewerten. Letztendlich sollte man über das Wissen, das
wir aus den zeitgenössischen Quellen zur Verfügung gestellt bekommen,
nicht allzuweit hinausgehen, auch wenn man das Zeugnis eines Historiographen
vom Range eines Otto von Freising nicht gering schätzen darf.
Vorsichtig wollen wir festhalten, daß wir den Einfluß der Theophanu
für das politische Denken und Handeln ihres Gatten, Kaiser
OTTOS II., insbesondere bei der
Idee des römischen Kaisertums annehmen dürfen, ohne freilich
auf Grund der Quellenlage im Stande zu sein, die Intensität der Beteiligung
der Kaiserin abzuschätzen.
5. Die vormundschaftliche Regierung der Kaiserin Theophanu
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Als Kaiser OTTO
II. gegen Ende des Jahres 983 an Malaria erkrankte und verstarb,
weilte die
Kaiserin Theophanu
an seiner Seite. Allein schon die räumliche Trennung band ihr die
Hände, um zugunsten ihres Sohnes, OTTOS
III., eingreifen zu können, der am Weihnachtstag 983 ohne
Wissen der Fürsten um den bereits eingetretenen Tod seines Vaters
zum König gekrönt worden war. Theophanu
reiste nach dem Tode ihres Gemahls nach Pavia zu ihrer Schwiegermutter,
der Kaiserin Adelheid.
Nach der alten langobardischen Königsstadt wandten sich im April 984
die Gegner Herzog Heinrichs
des Zänkers, der bereits Anstalten getroffen hatte, für
sich die Kaiserkrone zu erwerben. Nur in den beiden Kaiserinnen sahen die
Gegner des Zänkers, die von Erzbischof
Willigis von Mainz angeführt wurden, die Trägerinnen der
hinreichenden Legitimation, um der Errichtung einer Königsherrschaft
durch den Zänker und dessen Anhänger
mit Erfolg entgegentreten zu können.
Aus verschiedenen Hinweisen in den Quellen wissen wir,
daß die Jahre der Ehe Kaiser
OTTOS II. mit
Theophanu
nicht ausgereicht hatten, um die Erinnerung an ihre Herkunft verblassen
zu lassen:
Theophanu wird mehrfach
als "Griechin" apostrophiert und hatte auch weiterhin mit gewissen
Ressentiments zu kämpfen. Hierfür ist besonders kennzeichnend,
daß zu Beginn der vormundschaftlichen Regierung für OTTO
III. die beiden Kaiserinnen gemeinsam handelnd auftreten, bis
die Fragen der Vormundschaft und des Arrangements mit Heinrich
dem Zänker geklärt waren. Nach dem Ausgleich mit dem
Zänker auf dem Reichstag zu Frankfurt tritt Theophanu
immer mehr als die eigentliche Regentin hervor, beraten durch die
beiden Kirchenfürsten Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof
Hildebald von Worms. Diese Beobachtung, die auf die in ihrer Zahl zunehmenden
Petitionen der Adelheid gestützt
ist, wird ergänzt durch eine Nachricht in der Lebensbeschreibung der
heiligen Adelheid: Odilo berichtet
hier, die Kaiserin Adelheid
habe sich bald aus der vormundschaftlichen Regierung zurückgezogen;
freilich wird Odilo sich bei dieser Nachricht von den Notwendigkeiten
des Heiligenvitaschemas haben leiten lassen und daher seiner Protagonistin
die Gelegenheit zur Bewährung in von Gott gesandten Prüfungen
gegeben haben.
Im Rahmen unserer Fragestellung nach den Verwandten der
OTTONEN
soll die Politik der Theophanu
nicht im Einzelnen untersucht werden, da in der Zeit der vormundschaftlichen
Regierung ihre Herkunft und ihre Stellung als Gemahlin des verstorbenen
Kaisers
OTTO II. nicht mehr so stark thematisiert werden. Die Herrschaft
der Kaiserin floß aus der fiktiven Macht des kleinen Königs
OTTO III., der als der eigentlich
Herrschende galt. Wie stark man das Charisma des jungen, noch unmündigen
Herrschers einschätzen muß, zeigt die Episode, die Thietmar
im Zusammenhang mit den Kämpfen um die Burg Brandenburg berichtet;
diese Ereignisse sind allerdings nicht mehr der Vormundschaft der Theophanu
sondern der der Kaiserin
Adelheid zuzuordnen. Wir haben die Episode schon oben in dem
Kapitel über Adelheid angesprochen,
doch weil die Geschichte für das Charisma des unmündigen Herrschers
typisch ist, sei nochmals kurz darauf hingewiesen, daß allein die
Person des noch unmündigen OTTO III.gegen
die Slawen einen Erfolg ermöglichte, der zuvor den Heerführern
des Königs versagt geblieben war.
Der Kaiserin
Theophanu gelang es während der Jahre ihrer Vormundschaft
für OTTO III., zusammen mit
Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Hildebald von Worms
als den wichtigsten Beratern, für ihren Sohn die Herrschaft weitgehend
in ihrem alten Rang und Umfang zu bewahren. Freilich konnten die Verluste
im Osten zu Beginn der Vormundschaft nicht wieder wett gemacht werden:
auch der Einfluß im westfränkisch-französischen Reich ging
verloren, wiewohl doch Lothringen für das Reich gesichert werden konnte.
Auch in Italien, wo man sich zunächst nicht um das
Königtum
OTTOS III. kümmerte,
hat Theophanu die Herrschaft ihres
Sohnes wieder zur Geltung gebracht. Für das Herrschaftsbewußtsein
der Kaiserin sind ihre beiden Urkunden, die des "Theophanius
gratia divinae imperator augustus", kennzeichnend; diese
zwei Diplome sind vermutlich auch nicht mit dem Siegel OTTOS
III., sondern entweder mit demjenigen ihres verstorbenen Gemahls
oder sogar mit ihrem eigenen besiegelt worden: für diese Annahme,
die sich nach dem Verlust der Originalsiegel nicht durch die Urkunde selbst
verifizieren läßt, spricht die Zählung der Regierungsjahre
im Eschatokoll. Theophanu
zählt
nämlich nicht nach Regierungsjahren ihres Sohnes,
OTTO
III., oder nach der Zeit ihrer alleinigen vormundschaftlichen
Regierung, sondern nach den 18 Jahren, die seit der Heirat mit dem verstorbenen
Gemahl und Kaiser vergangen sind. Wir können somit ganz deutlich sehen,
dass das Denken der späten OTTONEN-Zeit
das "consortium regni" der Theophanu
mit OTTO II. noch nicht als durch den
Tod des Kaisers für erloschen ansah. Es ist denkbar, dass Theophanu
möglicherweise
allein zur Wahrnehmung der kaiserlichen Rechte in Rom befugt war, weil
nur sie die "coimperatrix" war. OTTO III.
ist bekanntlich in dieser Zeit nur "rex" gewesen und blieb somit
folgerichtig in Deutschland zurück.
Am 15. Juni 991 starb die Kaiserin
Theophanu im Alter von etwa 35 Jahren in Nimwegen. Dieser Tod
bedeutete für das Reich einen schweren Verlust, der in den Worten
des Quedlinburger Annalisten spürbar ist: "Ibi [in Nimwegen]
ergo, dum quadam quasi compede totum sua ditione colligasset imperium,
Theophanu imperatrix
consummato in bonis vitae suae cursu, pro dolor! quod est miserabile
dictu, immatura dissolvitur morte, 17. Kal. Julii; indeque lugubri imperatoris,
filii scilicet sui, caeterorumque suorum fidelium comatatu evecta, ad urbem
dafertur Agrippinam, inque ecclesia sancti Pantaleonis martyris, ut ipsa
decreverat, stipante episcoporum, monachorum virginumque coetu, astante
etiam omni clero et populo, ultimo flebiliter tumulatur honore."
6. Zusammenfassende Würdigung der Kaiserin Theophanu
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Wir konnten bei der Verfolgung der Ereignisse, die sich
um den Plan eines Ehebündnisses zwischen dem Kaiser von Byzanz und
dem Kaiser des Westens abgespielt haben, deutlich die friedens- und bündnisstiftende
Funktion von neu durch eine Heirat geschaffener Verwandtschaft studieren.
Kaiser
OTTO DER GROSSE verfolgte mit großer
Hartnäckigkeit seine Absicht, durch die Vermählung seines Sohnes
und Thronfolgers mit einer byzantinischen Prinzessin seinem Kaisertum die
erwünschte Anerkennung durch den Kaiser von Konstantinopel zu verschaffen
und dabei nach Möglichkeit auch noch seine Herrschaft im "regnum Italiae"
durch die Oberhoheit über die süditalienischen Fürstentümer
abrunden.
Theophanu, die dann
die Gemahlin
OTTOS II. wurde,
brachte aus ihrer Heimat neues Gedankengut in das politische Denken der
OTTONEN
mit. Das Konzept eines römischen
Kaisertums in Erweiterung des fränkischen Kaisertums
OTTOS
DES GROSSEN ist wohl ebenso auf den Einfluß der Kaiserin
Theophanu zurückzuführen wie auch die Renovatio-Politik
in der eigenständigen Regierungszeit OTTOS
III., des Sohnes der Theophanu,
durch den byzantinischen Kulturkreis vermittelt worden sein muß.