Sohn des Kaisers
Konstantin
III. von Byzanz und der Gregoria
Norwich John Julius: Band I Seite 383
****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Noch mehr aber lastete man ihn an, dass er 660 skrupellos die Ermordung seines Bruders Theodosios angeordnet hatte, nachdem er ihn gezwungen hatte, Priester zu werden. Der wahre Grund lag nicht, wie er vorgab, in der Verschwörung Theodosios' gegen ihn, sondern darin, dass Konstanz ihn eigentlich hätte zum Mit-Kaiser ernennen müssen, den Gedanken an eine Teilung seiner Macht aber nicht ertragen konnte.
Thiess Frank: Seite 540,589,598,619
***********
"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Konstantin hatte
zwei Söhne,
Herakleios
und
Theodosios,
und Philagrius überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr
bestünde, die beiden Kinder könnten nach dem Tode einem Anschlag
der bösen Stiefmutter zum Opfer fallen.
Da er trotz seiner Eigenliebe merkte, daß er sich
nach und nach um das Vertrauen in seine Fähigkeiten brachte, entwickelte
sich in ihm neben Anwandlungen von zorniger Entschlußkraft eine bösartige
Mißgunst gegen seinen Bruder Theodosios,
dessen Beliebtheit wuchs, während die seine absank.
Der Kaiser wurde nur durch die selbstaufopfernde Treue
eines Sohnes des Stabstrompeters gerettet und konnte als Matrose verkleidet
zusamemn mit seinem Bruder Theodosios
nach Konstantinopel fliehen. Es geschah nun etwa sehr Auffälliges:
während die Bevölkerung über die Ankunft des Kaisers nicht
triumphierte, empfing sie seinen geretteten Bruder Theodosios
mit Freude. Vielleicht würde Konstans sich
damit abgefunden haben, hätten nicht die an der Schlacht beteiligten
Soldaten ganz offen zu verstehen gegeben, daß der junge Theodosios
sich an der Spitze seiner Schiffseinheit tapfer geschlagen hatte,
während man Gleiches vom Kaiser nicht zu berichten wußte.
Diesmal scheint der Patriarch Petrus die Rolle
des Mephistopheles gespielt zu haben und dem Kaiser gesagt haben, wie er
sich auf gute Art des unbequemen Bruders entledigen könne. Da nämlich
Konstans ihn üblicherweise zum
Mitregenten hätte ernennen müssen, diese Ehrung aber schon 654
seinem ältesten Sohn Konstantin
hatte zuteil werden lassen, war das einfachste Mittel zu seiner Entfernung
die Priesterweihe. Theodosios wurde
vom Patriarchen feierlich unter die Diakone aufgenommen. Dergleichen
fromme Beförderungen waren, sofern man sie an einem Mitgliede des
kaiserlichen Hauses vornahm, stets verdächtig, und Theodosios,
der für sein Amt nicht die geringste Eignung mitbrachte, wird verstanden
haben, worauf sein Bruder hinauswollte.
Die Stimmung gegen Konstans,
die schon wärend des Prozesses gegen den greisen Papst sich spürbar
verschlechtert hatte und durch seine Mißerfolge in Armenien und zur
See nicht besser geworden war, ließ ihn fürchten, daß
eine zweite Verschwörung glücken könnte, wenn man Theodosios
gegen ihn ausspielte. Er beschloß, der Hydra den Kopf abzuschlagen.
Er gab den Befehl, seinen Bruder zu töten [12 Das
Jahresdatum der Ermordung ist aus den Quellen nicht mit Sicherheit zu erschließen.
Ostrogorsky hat es in das Jahr 660 verlegt (Geschichte 78)), Kaestner,
74, ist der Meinung, daß der Mord bald nach der Rückkehr
aus der Seeschlacht erfolgt sein dürfte. Für Kaestners Datierung
spricht die größere psychologische Wahrscheinlichkeit. Nach
der Niederlage an der lykischen Küste und der brutalen Verurteilung
Martins konnte die Lage, in der Konstans
sich befand, angesichts der schon einmal aufgeflackerten Rebellion leicht
zu einer zweiten Verschwörung führen, deren Führer dann
in Theodosios den Kaiser sahen, dem
das Volk zugejubelt hätte. Im Jahre 660, nach dem erfolgreichen Slawenkrieg
und dem Frieden mit Muawija, lagen
die Dinge nicht mehr so, daß er Theodosios
noch fürchten mußte.].
Falls der Mord an Theodosios,
wie man annehmen darf erst ein Jahr nach der Schlacht an der lykischen
Küste stattgefunden hat, fiel er ungefähr mit der am 17. Juli
656 erfolgten Ermordung des Kalifen
Utman zusammen.
Literatur:
-----------
Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 383 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die
Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite
540,548,589,598,619 -