Konstantin III.                                Kaiser von Byzanz (11.2.-24.5.641)
------------------
3.5.612 24.5.641
 

Einziger Sohn des Kaisers Herakleios I. von Byzanz aus seiner 1. Ehe mit der Fabia Eudoxia
 

Thiele, Andreas: Tafel 193
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

KONSTANTIN III.
-------------------------
* 612, 641

Konstantin III. war Mit-Kaiser, regierte 641 für drei Monate als Kaiser und starb vermutlich an Schwindsucht.



Norwich John Julius: Band I Seite 370-373
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Im Jahre 628 sah Kaiser Herakleios I. im Palast seine Familie wieder: den 16-jährigen ältesten Sohn Konstantin, der sich bereits während der Belagerung von Konstantinopel mutig hervorgetan hatte; die TochterEpiphania, die hoffentlich niemals vernommen hat, was für ein Schicksal ihr Vater für sie vorgesehen hatte, dem sie knapp entronnen war; Herakleonas, den jüngeren Sohn von Martina, nun dreizehn Jahre alt; und natürlich Kaiserin Martina, die schon ein paar Monate vorher mit ihrem Baby aus dem Osten zurückgekehrt war.
So machte sich Herakleios zu Beginn des Frühjahres 629 mit Martina und dem ältesten Sohn Konstantin über Anatolien auf nach Syrien und Palästina.
Ob sich Martina darum aber viel kümmerte, ist ungewiß, konzentrierte sie doch nun ihre gesamte Energie darauf, die Einsetzung ihres Erstgeborenen Herakleonas als Mit-Kaiser Konstantins, des Sohnes von Herakleios'erster Frau Eudokia, sicherzustellen. Das Vorhaben schien nicht allzu schwierig; der junge Konstantin war trotz der Kühnheit, die er während der Belagerung Konstantinopels im Jahre 626 bewiesen hatte, zu einem kränkelnden jungen Mann herangewachsen und litt vermutlich an Schwindsucht. Zwar besteht kein Grund zur Annahme, dass er geistig zurückgeblieben war, doch soll er nicht ohne ständige Betreuung ausgekommen sein. Auch verfügte Herakleios nicht mehr über die Kraft, sich seiner Frau zu widersetzen, selbst wenn er dies gewünscht hätte. So setzte er am 4. Juni 638 im Palast am Bosporus, in Martinas und Konstantins Anwesenheit, Herakleonas mit zitternden Händen das kaiserliche Diadem auf. Die beiden Söhne, mittlerweile dreiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahre alt, herrschten von nun an gemeinsam mit ihrem Vater, standen ihm bei offiziellen Feierlichkeiten zur Seite, wenn er überhaupt in Erscheinung trat, und vertraten ihn immer häufiger ganz.
Knapp drei Monate nach der Beisetzung wurde der Sarkophag auf Anordnung seines ältesten Sohnes geöffnet und ihm das Juwelendiadem vom Kopf gerissen. Als Motiv kommt eher Groll als Begierde in Frage: Konstantin hat seinem Vater vermutlich nie verzeihen, dass er die Krone, die ihm allein zugestanden hätte, mit einem anderen teilen mußte.
Kurz darauf erkrankte der ältere amtierendeKaiser Konstantin. Möglicherweise um einer Luftveränderung willen, doch wahrscheinlicher um Distanz von seiner Stiefmutter zu gewinnen, begab er sich über den Bosposrus in den Palast von Chalkedon. Es brachte ihm aber keinen Nutzen; er starb am 25. Mai 641 nach nur dreieinhalbmonatiger Regierungszeit. Ob seine Stiefmutter Martina ihn umbringen ließ, ist alles andere als gewiß.
Konstantin fühlte sich wohl von der stiefmütterlichen Konkurrenz bedroht. Warum sollte er sonst nicht nur nach Asien übergesetzt sein, sondern auf seinem Totenbett auch noch das Heer angewiesen haben, seinen unmündigen Erben Herakleios und seine anderen Kinder zu schützen und ihre Thronfolgerechte zu wahren?

Thiess Frank: Seite 500,513-514,530,538-541
***********
"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."

Die Verschwörerfront war also durchlässig, und daß ihre Führer an Stelle des legitimen Cäsars Konstantin den illegitimen Athalarikos auf den Thron setzen wollten, auch des Kaisers Neffen Theodoros Magistros für ein Unternehmen gewonnen hatten, das eindeutig auf die Wiederherstellung überlebter Verhältnisse zielte mußte ihrer Stoßkraft die erforderliche Energie nehmen.
Dem sollte nun für immer ein Riegel vorgeschoben werden, und die Vorgänge der formalen Inthronisation seines SohnesKonstantin aus erster Ehe im Jahre 613 und seines Sohnes Heraklonas aus der Ehe mit Martina am 4. Juli 638 sind unverkennbare Zeichen seines Willens zur Sicherung der Dynastie. Am 1. Januar 639 wurde des Heraklonas achtjähriger Bruder David zum Cäsar ernannt. Herakleios sah die Dinge sehr nüchtern an; mußte er doch fürchten, daß die Regierungszeit seines ältesten Sohnes kurz bemessen sein werde. Konstantin war schwer lungenleidend und hatte von seiner überzarten Mutter wahrscheinlich sogar die Epilepsie geerbt. Verheiratet mit einer Tochter des Niketas, besaß er von ihr zwei Söhne, deren ältesten Herakleios jetzt zugunsten der Kinder Martinas aus der dynastischen Ordnung ausschaltete. Dies war sein Recht, aber es sollte angesichts der Haltung, die man des Kaisers Ehe mit Martina gegenüber einnahm, unheilvolle Ergebnisse zeitigen. Martina hatte ihm neun Kinder geboren, von denen zur Freude der unversöhnlichen Verächter dieser Ehe vier frühzeitig gestorben, doch zwei Mädchen und drei Söhne am Leben geblieben waren. Konstantin konnte nicht damit rechnen, daß sein damals achtjähriger Sohn Herakleios, später Konstans genannt, jemals die Krone des Basileus tragen werde, ein Umstand, mit dem er sich offenbar widerspruchslos abgefunden hat, während der Senat sich nicht damit abfand.
Aber es war das Todesjahr, und Herakleios sah sich durch sein Leiden mehr und mehr genötigt, die Aktivitäten dem Thronfolger zu überlassen. Weil aber die Krankheit Konstantins den schlimmsten Befürchtungen Raum gab, lagen die letzten Monate unter der Wolkendecke tiefer Depressionen.
Konstantin, der Sohn des Kaisers Herakleios, war gleich nach seiner Geburt 613 gekrönt worden und übernahm im Februar 641 die Regierung als ein vom Tode gezeichneter Mann, neben dem sein vierzehnjähriger Stiefbruder Heraklonas als legitimer Mit-Kaiser stand.
Er hat während der dreieinhalb Monate seiner Regierung, so gut es ging, gegen sein Leiden angekämpft, aber schon die stundenlangen Feierlichkeiten des Begräbnisses in der Apostelkirche mußten ihn, der mit jedem Hustenanfall Blut spie, zermürben. Schlaflos Nächte und danch wieder Prozessionen, Gebete, Empfänge, es war der kürzeste Weg zum Tode. Nach kurzem sah er sich gezwungen, die Repräsentationspflichten vollends aufzugeben. Weil sie aber durchgeführt werden mußten, übernahm sie an seiner Statt Martina.
Damit, daß die Kaiserin-Witwe an Konstantins Stelle auswärtige Gesandte empfing, daß sie mit ihnen verhandelte, folgte sie dem Wortlaut des Testaments, in dem Herakleios sie als "Mutter und Kaiserin" zu ehren befohlen hatte. Die Rückberufung des ehemaligen Patriarchen von Alexandreia, Kyros, hingegen ergab sich auf Grund des vom Thronfolger am Totenbett des Kaisers geleisteten Schwurs, "mitleidig zu sein gegen alle Verurteilten, die zu verbannen er befohlen hatte", erfolgte also im Zusammenhang mit einer allgemeinen Amnestie der politisch Verfolgten. Martina durfte also in Vertretung ihrer Söhne als Kaiserin die Geschäfte des Reichs führen. Eben dieser Umstand, daß die Verhaßte jetzt die Macht in Händen hielt, veranlaßte ihre Feinde, Konstantins Mißtrauen zu nähren und eine Intrige von verhängnisvollen Ausmaß in Gang zu setzen.
Konstantin, unsicher in seinen Entschlüssen und matt durch sein Leiden, wurde zum Objekt der Adelskreise, deren erstes Ziel war, das Testament des Kaisers ungültig zu machen. Wenn ihr Weizen blühen sollte, mußten sie Konstantin dahin bringen, daß er sich gegen seine Stiefmutter und gegen die Thronfolge des Heraklonas erkläre.
Ein Mann namens Philagrius, offenbar der führende Kopf der Gesellschaft, gewann Konstantins Vertrauen und lenkte sein Interesse zunächst auf einen Vorgang, der ihn äußerst besorgt machen mußte: der Staatsschatz war durch die Kriege in Syrien und Ägypten und die daraus resultierenden Steuerverluste stark angegriffen worden. Andererseits hatte Herakleios wahrscheinlich dem Patriarchen Pyrrhos eine beträchtliche Summer für Martina persönlich übergeben, deren Rückforderung Philagrius für notwendig hielt, wollte Konstantin selber nicht bald seinen Thron verpfänden. Um Finanzfragen hatte sich der Schwerkranke bislang nicht gekümmert, er mußte glauben, was man ihm sagte: das Reich stand vor dem Bankrott!
Man bemerkt, wohin die flinken Finger des Philagrius das Spiel lenkten: Martina und Pyrrhos sollten zuerst verschwinden. Konstantin bemerkte es nicht oder glaubte vielmehr alles, was der Günstling ihm zutrug, auch daß das von ihm für den Krieg in Ägypten aufgestellte Hilfskorps unmöglich entsprechend ausgerüstet werden konnte, wenn man das Geld des Patriarchen nicht zurückforderte. Pyrrhos wurde angeklagt, auch überführt, verweigerte aber die Rückgabe des Privatvermögens der Kaiserin, weshalb Konstantin, wahrscheinlich auf den tückischen Rat des Philagrius hin, den Befehl gab, das Diadem des toten Kaisers aus dem Grab zu holen, um es zu Geld zu machen.
Worauf es Philagrius ankam, war auch gar nicht die Erschließung einer lächerlichen Geldquelle als vielmehr, die Stimmung der Bevölkerung Konstantinopels gegen Martina aufzuhetzen. Denn wenn es hieß, daß sie zwar über gewaltige Schätze verfüge, der regierende Kaiser aber genötigt sei, seines Vaters Grab öffnen zu lassen, um den Krieg gegen die Araber weiterführen zu können, dann mußte das Volk sich gegen Pyrrhos und die ohnehin unbeliebte Kaiserin empören. Genau das geschah, und Konstantin in seiner Schwäche hatte weder Kraft noch Lust, die Berichte nachzuprüfen.
Damit aber hatte Philagrius nur den ersten Schritt getan. Es folgte nun der zweite. Er wußte, daß Konstantins Tage gezählt waren und daß dann Heraklonas, das heißt in Wirklichkeit Martina, das Reich unangefochten regieren würde. Das mußte verhindert werden. Konstantin hatte zwei Söhne, Herakleios und Theodosios, und Philagrius überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr bestünde, die beiden Kinder könnten nach dem Tode einem Anschlag der bösen Stiefmutter zum Opfer fallen. Obwohl diese Unterstellung jeder psychologischen Wahrscheinlichkeit entbehrte und Martina nicht den geringsten Anlaß gehabt hätte, die beiden ungekrönten Söhne Konstantins umzubringen, glaubte der Kaiser auch dies und ließ zu, daß Philagrius eine Truppe zum Schutz seiner Söhne nach Konstantinopel berief. An die Spitze dieser Truppe für die er ihm ausreichende Mittel bewilligte, wurde ein vornehmer Armenier Valentinos aus dem Geschlecht der ARSAKIDEN gestellt, den kurz vorher Martina mit einem Heer nach Armenien geschickt hatte, um den drohenden Einbruch der Araber abzuwehren. Philagrius hatte den Armenier vordem genau darüber unterrichtet, daß seine Anwesenheit für einen Putsch gegen Martuina und Heraklonas notwendig sei. Von alledem wußte der kranke Kaiser nichts. Sein Zustand hatte sich verschlechtert, er war nach Chalkedon gebracht worden, weil er sich von einem Aufenthalt an der kleinasiatischen Küste eine Besserung seines Leidens versprach.
Leider standen hinter dem vernünftigen Enschluß des Kaisers seine Einflüsterer, die es begrüßten, daß er Konstantinopel verließ.
Martina brauchte den Frieden mit den Arabern, weil sie die Armee ihres SchwagersTheodoros bedurfte, um die von Philagrius und Valentinos unternommenen Einkreisung ihrer Person zu durchbrechen.
Waren schon diese zwei Richtungen am Hof wenig geignet, den Eindruck einer sicheren Hand zu erwecken, so mußte die Tatsache, daß auch die Bevölkerung von Konstantinopel im Regiment Martinas eine Usurpation der Herrschaft sah, den ratlosen Theodoros in Ägypten zu äußerster Vorsicht veranlassen.
Martina hatte dem Druck des Volkes nachgegeben und sich von den Regierungsgeschäften zurückgezogen. Es war dies der erste Sieg ihrer Feinde, die, woran wir nicht zu zweifeln brauchen, die Demen bearbeitet hatten, daß der Mann auf der Straße die Entmachtung der Kaiserin zugunsten von Konstantin und Heraklonas forderte. Beide wurden noch einmal in einem Staatsakt als die allein regierenden Kaiser anerkannt, gefeiert und umjubelt, ohne daß die guten Leute ahnten, daß sie damit die schleichende Revolution beschleunigten. Denn daß Philagrius und Valentinos jetzt zufrieden gewesen wären, konnte nur ein Narr hoffen. Sie und ihre Kumpane warteten auf den Tod des Kaisers, mit dessen Ableben täglich gerechnet wurde, um den nächsten Stoß zu führen.
Am 24. Mai 641 starb Konstantin III.
 
 
 
 

  oo Gregoria, Tochter des Niketas
            
 
 
 
 

Kinder:

  Constans II.
  7.11.630 15.9.668

  Theodosios
        660 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 12 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 370-373 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 357, 398,420,459,500,513-514,5309,538-541,548 -