Einziger Sohn des Kaisers Herakleios
I. von Byzanz aus seiner 1. Ehe mit der Fabia
Eudoxia
Thiele, Andreas: Tafel 193
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
KONSTANTIN III.
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* 612, † 641
Konstantin III. war Mit-Kaiser, regierte
641 für drei Monate als Kaiser und starb vermutlich an Schwindsucht.
Im Jahre 628 sah Kaiser
Herakleios I. im Palast seine Familie wieder: den 16-jährigen
ältesten
Sohn Konstantin, der sich bereits während
der Belagerung von Konstantinopel mutig hervorgetan hatte; die TochterEpiphania,
die hoffentlich niemals vernommen hat, was für ein Schicksal ihr Vater
für sie vorgesehen hatte, dem sie knapp entronnen war; Herakleonas,
den jüngeren Sohn von Martina,
nun dreizehn Jahre alt; und natürlich Kaiserin
Martina, die schon ein paar Monate vorher mit ihrem Baby aus
dem Osten zurückgekehrt war.
So machte sich Herakleios
zu Beginn des Frühjahres 629 mit Martina
und dem ältesten Sohn Konstantin
über Anatolien auf nach Syrien und Palästina.
Ob sich Martina darum
aber viel kümmerte, ist ungewiß, konzentrierte sie doch nun
ihre gesamte Energie darauf, die Einsetzung ihres Erstgeborenen Herakleonas
als Mit-Kaiser Konstantins, des Sohnes
von Herakleios'erster
Frau Eudokia, sicherzustellen.
Das Vorhaben schien nicht allzu schwierig; der junge Konstantin
war trotz der Kühnheit, die er während der Belagerung Konstantinopels
im Jahre 626 bewiesen hatte, zu einem kränkelnden jungen Mann
herangewachsen und litt vermutlich an Schwindsucht. Zwar besteht
kein Grund zur Annahme, dass er geistig zurückgeblieben war, doch
soll er nicht ohne ständige Betreuung ausgekommen sein. Auch verfügte
Herakleios
nicht
mehr über die Kraft, sich seiner Frau zu widersetzen, selbst wenn
er dies gewünscht hätte. So setzte er am 4. Juni 638 im Palast
am Bosporus, in Martinas und Konstantins
Anwesenheit,
Herakleonas
mit zitternden Händen das kaiserliche Diadem auf. Die beiden Söhne,
mittlerweile dreiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahre alt, herrschten von
nun an gemeinsam mit ihrem Vater, standen ihm bei offiziellen Feierlichkeiten
zur Seite, wenn er überhaupt in Erscheinung trat, und vertraten ihn
immer häufiger ganz.
Knapp drei Monate nach der Beisetzung wurde der Sarkophag
auf Anordnung seines ältesten Sohnes geöffnet und ihm
das Juwelendiadem vom Kopf gerissen. Als Motiv kommt eher Groll als Begierde
in Frage: Konstantin hat seinem Vater
vermutlich nie verzeihen, dass er die Krone, die ihm allein zugestanden
hätte, mit einem anderen teilen mußte.
Kurz darauf erkrankte der ältere amtierendeKaiser
Konstantin. Möglicherweise um einer Luftveränderung
willen, doch wahrscheinlicher um Distanz von seiner Stiefmutter zu gewinnen,
begab er sich über den Bosposrus in den Palast von Chalkedon. Es brachte
ihm aber keinen Nutzen; er starb am 25. Mai 641 nach nur dreieinhalbmonatiger
Regierungszeit. Ob seine Stiefmutter Martina
ihn umbringen ließ, ist alles andere als gewiß.
Konstantin fühlte
sich wohl von der stiefmütterlichen Konkurrenz bedroht. Warum sollte
er sonst nicht nur nach Asien übergesetzt sein, sondern auf seinem
Totenbett auch noch das Heer angewiesen haben, seinen unmündigen Erben
Herakleios
und seine anderen Kinder zu schützen und ihre Thronfolgerechte zu
wahren?
Thiess Frank: Seite 500,513-514,530,538-541
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Die Verschwörerfront war also durchlässig, und
daß ihre Führer an Stelle des legitimen
Cäsars Konstantin den illegitimen
Athalarikos
auf den Thron setzen wollten, auch des Kaisers Neffen Theodoros Magistros
für
ein Unternehmen gewonnen hatten, das eindeutig auf die Wiederherstellung
überlebter Verhältnisse zielte mußte ihrer Stoßkraft
die erforderliche Energie nehmen.
Dem sollte nun für immer ein Riegel vorgeschoben
werden, und die Vorgänge der formalen Inthronisation seines SohnesKonstantin
aus erster Ehe im Jahre 613 und seines Sohnes Heraklonas
aus
der Ehe mit Martina am 4. Juli 638
sind unverkennbare Zeichen seines Willens zur Sicherung der Dynastie. Am
1. Januar 639 wurde des Heraklonas
achtjähriger
Bruder
David zum Cäsar ernannt.
Herakleios
sah die Dinge sehr nüchtern an; mußte er doch fürchten,
daß die Regierungszeit seines ältesten Sohnes kurz bemessen
sein werde. Konstantin war schwer
lungenleidend und hatte von seiner überzarten Mutter wahrscheinlich
sogar die Epilepsie geerbt. Verheiratet mit einer Tochter des
Niketas, besaß er von ihr zwei Söhne, deren ältesten
Herakleios jetzt zugunsten der Kinder
Martinas
aus der dynastischen Ordnung ausschaltete. Dies war sein Recht,
aber es sollte angesichts der Haltung, die man des Kaisers Ehe mit Martina
gegenüber einnahm, unheilvolle Ergebnisse zeitigen. Martina
hatte ihm neun Kinder geboren, von denen zur Freude der unversöhnlichen
Verächter dieser Ehe vier frühzeitig gestorben, doch zwei Mädchen
und drei Söhne am Leben geblieben waren. Konstantin
konnte
nicht damit rechnen, daß sein damals achtjähriger Sohn Herakleios,
später
Konstans genannt, jemals die Krone des
Basileus tragen werde, ein Umstand, mit dem er sich offenbar widerspruchslos
abgefunden hat, während der Senat sich nicht damit abfand.
Aber es war das Todesjahr, und Herakleios
sah sich durch sein Leiden mehr und mehr genötigt, die Aktivitäten
dem Thronfolger zu überlassen. Weil aber die Krankheit
Konstantins den schlimmsten Befürchtungen Raum gab, lagen
die letzten Monate unter der Wolkendecke tiefer Depressionen.
Konstantin, der Sohn
des Kaisers Herakleios, war gleich
nach seiner Geburt 613 gekrönt worden und übernahm im Februar
641 die Regierung als ein vom Tode gezeichneter Mann, neben dem
sein vierzehnjähriger Stiefbruder Heraklonas
als
legitimer Mit-Kaiser stand.
Er hat während der dreieinhalb Monate seiner Regierung,
so gut es ging, gegen sein Leiden angekämpft, aber schon die stundenlangen
Feierlichkeiten des Begräbnisses in der Apostelkirche mußten
ihn, der mit jedem Hustenanfall Blut spie, zermürben. Schlaflos
Nächte und danch wieder Prozessionen, Gebete, Empfänge, es war
der kürzeste Weg zum Tode. Nach kurzem sah er sich gezwungen, die
Repräsentationspflichten vollends aufzugeben. Weil sie aber durchgeführt
werden mußten, übernahm sie an seiner Statt Martina.
Damit, daß die Kaiserin-Witwe an
Konstantins Stelle auswärtige Gesandte empfing, daß
sie mit ihnen verhandelte, folgte sie dem Wortlaut des Testaments, in dem
Herakleios
sie als "Mutter und Kaiserin" zu ehren befohlen hatte. Die Rückberufung
des ehemaligen Patriarchen von Alexandreia, Kyros, hingegen
ergab sich auf Grund des vom Thronfolger am Totenbett des Kaisers geleisteten
Schwurs, "mitleidig zu sein gegen alle Verurteilten, die zu verbannen er
befohlen hatte", erfolgte also im Zusammenhang mit einer allgemeinen Amnestie
der politisch Verfolgten. Martina durfte
also in Vertretung ihrer Söhne als Kaiserin die Geschäfte des
Reichs führen. Eben dieser Umstand, daß die Verhaßte jetzt
die Macht in Händen hielt, veranlaßte ihre Feinde, Konstantins
Mißtrauen
zu nähren und eine Intrige von verhängnisvollen Ausmaß
in Gang zu setzen.
Konstantin, unsicher
in seinen Entschlüssen und matt durch sein Leiden, wurde
zum Objekt der Adelskreise, deren erstes Ziel war, das Testament des Kaisers
ungültig zu machen. Wenn ihr Weizen blühen sollte, mußten
sie Konstantin dahin bringen, daß
er sich gegen seine Stiefmutter und gegen die Thronfolge des Heraklonas
erkläre.
Ein Mann namens Philagrius, offenbar der führende
Kopf der Gesellschaft, gewann Konstantins
Vertrauen und lenkte sein Interesse zunächst auf einen Vorgang, der
ihn äußerst besorgt machen mußte: der Staatsschatz war
durch die Kriege in Syrien und Ägypten und die daraus resultierenden
Steuerverluste stark angegriffen worden. Andererseits hatte Herakleios
wahrscheinlich dem Patriarchen Pyrrhos eine beträchtliche Summer
für
Martina
persönlich übergeben,
deren Rückforderung Philagrius für notwendig hielt, wollte
Konstantin
selber
nicht bald seinen Thron verpfänden. Um Finanzfragen hatte sich der
Schwerkranke bislang nicht gekümmert, er mußte glauben, was
man ihm sagte: das Reich stand vor dem Bankrott!
Man bemerkt, wohin die flinken Finger des Philagrius
das Spiel lenkten: Martina und Pyrrhos
sollten zuerst verschwinden. Konstantin bemerkte
es nicht oder glaubte vielmehr alles, was der Günstling ihm zutrug,
auch daß das von ihm für den Krieg in Ägypten aufgestellte
Hilfskorps unmöglich entsprechend ausgerüstet werden konnte,
wenn man das Geld des Patriarchen nicht zurückforderte. Pyrrhos
wurde angeklagt, auch überführt, verweigerte aber die Rückgabe
des Privatvermögens der Kaiserin, weshalb Konstantin,
wahrscheinlich auf den tückischen Rat des Philagrius hin, den
Befehl gab, das Diadem des toten Kaisers aus dem Grab zu holen, um es zu
Geld zu machen.
Worauf es Philagrius ankam, war auch gar nicht
die Erschließung einer lächerlichen Geldquelle als vielmehr,
die Stimmung der Bevölkerung Konstantinopels gegen
Martina aufzuhetzen. Denn wenn es hieß, daß sie
zwar über gewaltige Schätze verfüge, der regierende Kaiser
aber genötigt sei, seines Vaters Grab öffnen zu lassen, um den
Krieg gegen die Araber weiterführen zu können, dann mußte
das Volk sich gegen Pyrrhos und die ohnehin unbeliebte Kaiserin
empören. Genau das geschah, und Konstantin
in
seiner Schwäche hatte weder Kraft noch Lust, die Berichte nachzuprüfen.
Damit aber hatte Philagrius nur den ersten Schritt
getan. Es folgte nun der zweite. Er wußte, daß Konstantins
Tage gezählt waren und daß dann Heraklonas,
das heißt in Wirklichkeit Martina,
das Reich unangefochten regieren würde. Das mußte verhindert
werden. Konstantin hatte zwei Söhne,
Herakleios
und
Theodosios,
und Philagrius überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr
bestünde, die beiden Kinder könnten nach dem Tode einem Anschlag
der bösen Stiefmutter zum Opfer fallen. Obwohl diese Unterstellung
jeder psychologischen Wahrscheinlichkeit entbehrte und Martina
nicht
den geringsten Anlaß gehabt hätte, die beiden ungekrönten
Söhne Konstantins umzubringen,
glaubte der Kaiser auch dies und ließ zu, daß
Philagrius
eine Truppe zum Schutz seiner Söhne nach Konstantinopel berief. An
die Spitze dieser Truppe für die er ihm ausreichende Mittel bewilligte,
wurde ein vornehmer Armenier Valentinos aus dem Geschlecht der
ARSAKIDEN gestellt, den kurz vorher
Martina
mit einem Heer nach Armenien geschickt hatte, um den drohenden Einbruch
der Araber abzuwehren. Philagrius hatte den Armenier vordem genau
darüber unterrichtet, daß seine Anwesenheit für einen Putsch
gegen Martuina und Heraklonas
notwendig
sei. Von alledem wußte der kranke Kaiser nichts. Sein Zustand hatte
sich verschlechtert, er war nach Chalkedon gebracht worden, weil er sich
von einem Aufenthalt an der kleinasiatischen Küste eine Besserung
seines Leidens versprach.
Leider standen hinter dem vernünftigen Enschluß
des Kaisers seine Einflüsterer, die es begrüßten, daß
er Konstantinopel verließ.
Martina brauchte
den Frieden mit den Arabern, weil sie die Armee ihres SchwagersTheodoros
bedurfte,
um die von Philagrius und Valentinos unternommenen Einkreisung
ihrer Person zu durchbrechen.
Waren schon diese zwei Richtungen am Hof wenig geignet,
den Eindruck einer sicheren Hand zu erwecken, so mußte die Tatsache,
daß auch die Bevölkerung von Konstantinopel im Regiment Martinas
eine Usurpation der Herrschaft sah, den ratlosen Theodoros in Ägypten
zu äußerster Vorsicht veranlassen.
Martina hatte dem
Druck des Volkes nachgegeben und sich von den Regierungsgeschäften
zurückgezogen. Es war dies der erste Sieg ihrer Feinde, die, woran
wir nicht zu zweifeln brauchen, die Demen bearbeitet hatten, daß
der Mann auf der Straße die Entmachtung der Kaiserin zugunsten von
Konstantin
und
Heraklonas
forderte.
Beide wurden noch einmal in einem Staatsakt als die allein regierenden
Kaiser anerkannt, gefeiert und umjubelt, ohne daß die guten Leute
ahnten, daß sie damit die schleichende Revolution beschleunigten.
Denn daß Philagrius und Valentinos jetzt zufrieden
gewesen wären, konnte nur ein Narr hoffen. Sie und ihre Kumpane warteten
auf den Tod des Kaisers, mit dessen Ableben täglich gerechnet wurde,
um den nächsten Stoß zu führen.
Am 24. Mai 641 starb Konstantin
III.
oo Gregoria, Tochter des Niketas
†
Kinder:
Constans II.
7.11.630
† 15.9.668
Theodosios
†
660 ermordet
Literatur:
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Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 12 - Norwich
John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag
GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 370-373 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess
Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag
Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 357, 398,420,459,500,513-514,5309,538-541,548
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