Einzige Tochter des Honorius
und seiner namentlich unbekannten Gemahlin; Nichte und Adoptiv-Tochter
des Kaisers Theodosius
I. der Große
Thiele, Andreas: Tafel 484
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"
SERENA
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†
von Theodosius adoptiert
oo FLAVIUS
STILICHO
† 408
Serena war die Nichte und Adoptiv-Tochter
des Kaisers Theodosius
und dessen ganz besonderer Liebling. Gerüchten zufolge war sie die
einzige, die ihn bei seinem schrecklichen Anfällen von Jähzorn
beruhigen konnte, wenn sich sonst niemand in seine Nähe traute.
Und es wurde Mitte Januar 395, bis der 10-jährige
Honorius,
begleitet von seiner Cousine Serena, der Frau von Stilicho,
durch den Schnee nach Mailand reisen konnte.
Nach der Hinrichtung Stilichos wurde seine
Tochter
Thermantia aus dem Kaiserpalast
verbannt, wie es heißt, ohne die Ehe vollzogen zu haben, wie vor
ihr schon
Maria. Sie ging zu ihrer
Mutter Serena
zurück. Diese blieb vorerst verschont, wurde
jedoch einige Monate später auf Geheiß des römischen Senats
unter dem Vorwurf der Pietätlosigkeit stranguliert: Sie hatte Jahre
zuvor, anläßlich einer Reise mit ihrem Onkel Theodosius,
in Rom im Tempel der Göttermutter Rhea der Statue der Göttin
eine Halskette abgenommen und sie sich spöttisch selbst umgehängt,
ein Vorfall, den man ihr nie verzieh.
Günther Rigobert: Seite 44-47,52,54,57-59
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"Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und
Religion."
Mit einer anderen jungen Frau war Theodosius
familiär eng verbunden. Es war Serena, die Tochter seines
Bruders, der wie der zweite Sohn des Theodosius
den Namen Honorius trug. Nach dem Tod seines Bruders
nahm er seine Nichte in die Familie auf und hielt sie wie eine Tochter.
Im Jahr 384 verheiratete er sie mit einem jungen, aufstrebenden, ehrgeizigen
und fähigen Offizier vandalischer Abkunft, der bald das höchste
Heermeisteramt im Reich innehaben sollte, Flavius Stilicho. Dessen
Mutter war zwar eine Römerin, aber seine Zeitgenossen sahen in ihm
immer den Vandalen. 385 oder 386 wurde Serena und Stilicho
die Tochter Maria geboren, darauf ihr
Sohn Eucherius, später noch eine zweite Tochter
Thermantia.
Serena war der besondere Liebling des Theodosius,
sie begleitete ihren Onkel auf Reisen und betreute auch nach dem frühen
Tode seiner zweiten Gattin, von der noch die Rede sein wird, seine Kinder.
Als Theodosius am 17. Januar 395 starb,
weilte sie bei ihm, begleitete den Leichenzug nach Konstantinopel, kehrte
dann aber wieder nach Mailand zurück, wo sie auf ihren Vetter
Honorius
zeitweilig größeren
Einfluß ausübte. Im Jahr 398 wurde sie außerdem Schwiegermutter
von Honorius, denn er wurde mit
Maria, der Tochter
Serenas
und Stilichos, verheiratet.
Arcadius hatte keine
Lust, unter der Obhut Serenas stehen zu müssen, zumal Stilicho
inzwischen von Arcadius als Feind angesehen
wurde.
Im Jahr 396 kehrte Serena mit ihren Kindern und
mit Galla Placidia nach dem Westen
zu Honorius
zurück.
Als Honorius im Jahr
398 vierzehn Jahre alt war, wurde er erst einmal von Stilicho mit
seiner Tochter Maria verheiratet. Als
Maria Anfang des Jahres 408 starb, beeilten sich Stilicho
und
Serena,
Honorius
mit ihrer zweiten Tochter Thermantia
zu verehelichen.
Am 1. Januar 404 begingen der Kaiser und Stilicho
in der Stadt Rom anläßlich des sechsten Konsulatsantritts des
Honorius
eine Feier des Triumphes über die Westgoten. Serena, ihr
Sohn
Eucherius, die Kaiserin
Maria und Galla Placidia
nahmen daran teil.
Die städtische Ordnung brach zusammen. In Rom befand
sich außer Serena und ihrer Tochter Thermantia
auch
Galla
Placidia, zu der Zeit etwa 19 Jahre alt, als sich eine schreckliche
Familientragödie abspielte. In seiner Kopflosigkeit glaubte die Mehrheit
des römischen Senats Gerüchten, wonach angeblich Serena Alarich
nach Rom gerufen habe, um sich damit wegen des Mordes an ihrem Mann und
an ihrem Sohn zu rächen. Der Senat verurteilte Serena zum Tode
durch Strangulierung. Galla Placidia,
in Rom offiziell als Schwester des Kaisers Repräsentantin der kaiserlichen
Macht, tat nichts, um Serena, die sie aufgezogen hatte, zu retten;
im Gegenteil: Sie war an diesem Vorhaben beteiligt und stimmte der Resolution
des Senats zu. Es ist unwahrscheinlich, daß Galla
Placidia das unsinnige Gerücht glaubte. Serena hatte
nach dem Tod des Arcadius ihrem Mann
abgeraten, sich derart aggressiv gegen Ostrom zu engagieren. Weshalb sich
Galla
Placidia dennoch so entschied, darüber gibt es nur Vermutungen.
Sie könnte geglaubt haben, im Sinne ihres Bruders Honorius
zu handeln und kaiserliche Autorität über faniliäre Bande
zu stellen; auch könnte ihr Ärger über die von Stilicho
geplante Heirat mit dem ungeliebten Eucherius sie zu ihrer Haltung
veranlaßt haben. Möglich ist auch, daß sie einen Blick
auf das persönliche Vermögen Serenas geworfen hatte -
Stilichos
Güter waren bereits beschlagnahmt worden -, das ihr
Kaiser
Theodosius I. vermacht hatte. Man kann auch annehmen, daß
Serena
früher
gegenüber der Kaiser-Tochter eine strenge Zucht geübt hatte,
so daß die Bindungen nicht sehr herzlich gewesen waren. Im Senat
schließlich gab es noch viele Mitglieder, die erst in letzter Zeit
zum Christentum übergetreten waren und insgeheim noch zu den traditionellen
römischen Göttern hielten. Diese Senatoren waren gegen Serena
eingenommen,
weil sie als eine orthodoxe Christin im Jahr 394 eine Statue der
Göttin Rhea Silvia verstümmelt hatte. Wie dem auch sei, ein Menschenleben
spielte in der kaiserlichen Politik nie eine besondere Rolle; Intrigen
standen auf der Tagesordnung, und Galla Placidia
glaubte
einfach, der Staatsraison Rechnung tragen zu müssen.
oo Flavius Stilicho
359 † 22.8.408
hingerichtet
Kinder:
Maria
um 386 † 408
398
oo 1. Honorius Kaiser des Weströmischen Reiches
9.9.384 † 15.8.421
Thermantia
um 390 † 415
oo 2. Honorius Kaiser des Weströmischen Reiches
9.9.384 † 15.8.421
Eucherius
um 387 † Herbst 408 erdrosselt
Literatur:
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Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren.
Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980
Seite 247,261 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus
bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg
1977 Seite 355 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen.
Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite
19, 44-47,49,50,52,54,55,57-59,100 - Norwich John Julius: Byzanz.
Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Seite 126,132,148 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung.
Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite
23,30,45 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag
München 1977 Seite 143,172 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband
2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II
Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 484 -