Phokas                                          Kaiser von Byzanz (602-610)
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um 547 5.10.610 enthauptet
 

Subalterner Offizier von geringer Herkunft
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2108
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Phokas, byzantinischer Kaiser November 602-610
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* ca. 547, 5. Oktober 610
Thrakien     Konstantinopel

Diente im Heer, zuletzt im (Unteroffiziers-)Rang einesKentarchos‘. Als im November 602 die Armee meuterte, wurde Phokas zunächst zum Oberbefehlshaber, dann durch Schilderhebung zum Kaiser ausgerufen. Die Truppen marschierten nach Konstantinopel, wo nach einem Aufstand Phokas mit Zustimmung des Senats am 23. November 602 vom Patriarchen gekrönt wurde. Die Hinrichtung des Kaisers Maurikios und seiner Söhne nahm Chosroes II. zum Anlaß, Byzanz erfolgreich anzugreifen. Um Truppen von Europa in den Osten zu verlegen, mußte Phokas, wohl 604, einen Friedensvertrag mit den Avaren schließen und die Tributzahlungen erhöhen. Die Balkangrenze blieb ungeschützt Angriffen ausgesetzt, im Inneren unterdrückte Phokas Verschwörungen der Aristokratie, Aufstände der Demen, religiöse Bewegungen und Empörungen der Generäle mit brutaler Härte. Einzig in Italien herrschte Ruhe, da der Kaiser 607 den Stuhl Petri als Haupt aller Kirchen anerkannt hatte (Dölger, Reg. 155). 610 setzte Herakleios der Schreckensherrschaft ein Ende, und Phokas sowie seine engsten Helfer (darunter sein Bruder Domentiolos) wurden hingerichtet.

J. Ferluga



Thiele, Andreas: Tafel 492
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PHOKAS
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    610

Phokas diente dem Kaiser Maurikios, wurde Anführer der letzten soldatischen Erhebung gegen diesen und wurde am 23.11.602 Kaiser. Seine Regierung markierte einen politischen und moralischen Tiefpunkt. Er errichtete ein brutales Terrorregime gegen Adel und Senat mit vielen Hinrichtungen und Konfiskationen. Unter ihn begann die eigentliche Landnahme der Slawen auf dem Balkan. 605 standen die Awaren und die verbündeten Perser vor Konstantinopel, dessen Mauern Stadt und Reich retteten. Etliche Rebellionen fanden statt, das Reich drohte völlig auseinanderzufallen. Er achtete auf ein gutes Verhältnis zu den Päpsten, trat ihnen den Pantheontempel in Rom ab, der zur christlichen Kirche umgewandelt wurde und dadurch erhalten blieb. Papst Bonifatius IV. ließ als Dank die Phokas-Kaisersäule errichten, die letzte, die man einem römischen Kaiser errichtete und die einzige, die erhalten blieb. Er hielt so als letzter byzantinischer Kaiser die Fiktion des Gesamtreiches am Leben. Er wurde vom Exarchen Herakleios I. von Karthago gestürzt und hingerichtet.



Thiess Frank: Seite 340
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."

Phokas erwartete den Tod, und selbst Herakleios hätte es sich nicht leisten könnnen, dem mörderischen Zerstörer des Reichs die geringste Milde zu zeigen. Großmut und Gnade, wie sie noch von Tiberios und Maurikios geübt wurden, fanden in der Hölle, die Byzanz Phokas verdankte, keinen Raum mehr. Als Herakleios den Jämmmerlichen vor sich sah, fragte er erstaunt: "Du hast das Reich regiert?" "Wirst du es besser regieren?" versetzte Phokas höhnisch. Sein Zynismus, mit dem er dem Sieger entgegentrat, fand rasch ein Ende. Und es war wohl auch das beste, wenn man jetzt die Männer gewähren ließ, deren Rache an dem gestürzten Kaiser den Scheußlichkeiten entsprach, die er selbst sie gelehrt hatte. Dem Senator Photios, dessen Frau einst vor Phokas' Nachstellungen in ein Kloster geflohen und, wiewohl sie Nonne geworden, von ihm vergewaltigt worden war, fiel das Recht zu, ihn nach dem Gesetz zu bestrafen. Man schnitt ihm die Geschlechtsteile ab. Danach wurde ihm von den erfahrenen Schindern, die zu Phokas'  Schreckensruhm beigetragen hatte, die Haut bis zu den Beinen abgerissen. Auch sein Bruder Domnenziolos und Schatzmeister Leontios wurden zum Tode verurteilt, die drei Leichen auf dem Ochsenforum verbrannt und ihre Asche ins Meer gestreut [16 Joh. v. Antiocheia, Hermes VI, 365. - Chron. Pasch., Seite 700, 18ff. - Joh. v. Nikiu, CX, 553.].
 
 
 
 

  oo Leontia
           
 
 
 
 

Kinder:

  Dementia
        

 607
  oo Priscus
           
 
 
 

Literatur:
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Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 122 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 328-334,336 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 9-10 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 492 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 121,282,289,293,302,315,328,345,367,403,508,548 -