Niketas                                           Byzantinischer Feldherr
---------
um 570 nach 615
 

Sohn des Gregorius; Vetter und Schwager des Kaisers Herakleios I. von Byzanz
 

Norwich John Julius: Band I Seite 335
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Und ausgerechnet aus Afrika kam schließlich die Erlösung. Als Exarch in Karthago regierte damals ein gewisser Herakleios, der zwanzig Jahre zuvor im Krieg gegen Persien einer von Maurikios' wichtigsten Befehlshabern gewesen war. Als sein Stellvertreter amtierte sein Bruder Gregor. Die beiden Männer waren mitterweile nicht mehr die Jüngsten und zu alt, um selbst noch aktiv etwas zu unternehmen, was über den Abbruch der Beziehungen mit Konstantinopel und die Einstellung der Kornversorgung hinausging, von der die Hauptstadt abhing, aber sie brachten im Verlauf des Jahres 608 ein beachtliches Heer zusammen, rüsteten eine Kriegsflotte und unterstellten sie dem Befehl ihrer Söhne: die Landtruppen Niketas, einem Sohn Gregors, und die Flotte einem Sohn von Herakleios, der denselben Namen trug wie sein Vater.

Thiess Frank: Seite 330,333,335-337,385,487
***********
"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."

Doch um dieselbe Zeit befand sich der Neffe des Herakleios, Niketas, schon in der Pentapolis und marschierte auf Alexandreia. Die improviserte Abwehr des Kaisers stieß auf einen organisierten Angriff, hinter dem die noch in Angst verklemmte Begeisterung des Volkes stand. Sobald die ersten Siege errungen waren, konnte sie in eine Explosion unterdrückten Hasses ausbrechen.
Auch hier konnte Herakleios die Truppen nicht der Gefahr eines feindlichen Vorstoßes im Rücken aussetzen. Dem glaubte er am besten zu begegnen, wenn er die in ihrer Haltung unsichere Urbevölkerung durch Geld auf seine Seite zog und, soweit sie kriegswillig war, in die aufständischen Truppen einreihte. Es gelang ihm, denn schon im Winter des Jahres 608 auf 609 vereinigte sich die Hauptarmee unter Niketas in der Pentapolis mit den vorausgeschickten Truppen des Unterführers Bonakis.
Als Niketas auf Alexandreia marschierte, ging der Stadtkommandant der nubischen Grenzfestung Mareotis mit seinen Soldaten zu ihm über. Auch das westlich von Alexandreia gelegene Kastell Kabsen öffnete ihm die Tore. Erst vor der Hauptstadt trat ihm ihr Komamndant Apollonios am Drachenkanal entgegen und erklärte auf des Niketas Vorschlag, sich neutral zu verhalten, "wir werden für den Kaiser bis zum letzten Blutstropfen kämpfen". Immerhin hielt Apollonios sich an sein Versprechen, kämpfte, wurde geschlagen und getötet, und Niketas schickte den abgeschlagenen Kopf des ehrenwerten Generals auf einer Lanze in die Stadt. Die Eroberung Alexandreias vollzog sich ohne nennenswerten Widerstand. Fast alle liefen zu Niketas über.
In Palästina wütete Bonosos zwar auf gewohnte Art gegen die aufrührerische Bevölkerung, doch in Ägypten stellte Niketas mit eiserner Hand die Ruhe zwischen den rasenden Parteien wieder her, ordnete die kopflos Verwaltung durch Einsetzung verläßlicher Männer, verbot den Parteihader und verkündete einen neuen Steererlaß auf drei Jahre, mit dem er der verschüchterten und verarmten Bevölkerung den angenehmsten Beweis für den neuen Geist gab, der mit der Niederwerfung der kaiserlichen Armeen eingezogen war.
Der Patricius Niketas, dem der Kaiser seine Schwester Gregoria vermählt hatte [14 Die sich bei Muralt, Chronographie, Seite 272, auf Grund des Nikephoros (de Boor, 10,8) findende Notiz "fille d'Heraclius", kann sich nur auf die Tochter des verstorbenen Exarchen beziehen, falls sie überhaupt richtig ist. Da Niketas der Sohn Gregorios', des Bruders des Exarchen war, hätte er mit Gregoria seine Kusine geheiratet. Am Tage vorher (7.I.613) heiratete Herakleios seine Nichte Martina. Daß diese ptolemäischen Verbindungen in Konstantinopel nicht gleichmütig hingenommen wurden, läßt sich bei dem Interesse, das jeder Vorgang am Hofe fand, verstehen.], sollte Jerusalem in Verteidigungszustand setzen und die wertvollen Heiligtümer retten. Einen schmerzlicheren Auftrag hätte der Eroberer Ägyptens kaum von seinem kaiserlichen Schwager erhalten können. Er hat ihn nach besten Kräften durchgeführt.
Niketas hatte den Befehl erhalten, sich mit seinen Truppen nach Ägypten zurückzuziehen. Er ist ihnen, nachdem er seinen Auftrag erfüllt hatte, gefolgt.
Niketas, der während der Rebellion gegen Phokas seine militärische Begabung bewiesen hatte, genoß seit der Eroberung Ägyptens nicht mehr das Vertrauen seines Schwagers.
 
 
 

  oo Gregoria, Schwester des Kaisers Herakleios
            
 
 
 
 

Kinder:

  Gregoria
      

  oo Konstantin III. Kaiser von Byzanz
       3.5.612 24.5.641
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 335 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 330,333,335,348,465,468,487 -