Begraben: Jezovo
Einzige Tochter des Fürsten
Georg Brankovic von Serbien aus seiner 2. Ehe mit der Irene
Kantakuzene, Tochter des Protostrators Theodor von Morea; Urenkelin
des Kaisers Matthäos
Kantakuzenos
Thiele, Andreas: Tafel 371
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"
MARIA
-----------
† 1487
1435
oo MURAD, Osmanen-Sultan
† 1451
Maria von Serbien
hatte großen Einfluß und vermittelte immer wieder zugunsten
ihres Vaters; sie kehrte 1451 zurück und behielt weiterhin viel Einfluß
und Ansehen und vermittelte auch 1455; sie protegierte die Kirche stark
und beeinflußte bis zuletzt den Patriarchen von Byzanz.
Also wurde der alte Kaiserfreund Georgios Sphrantzes an diese beiden Höfe entsandt, um diplomatische Abklärungen zu treffen. Er befand sich gerade in Trapezunt, als er im Februar 1451 vom Tod Murads II. vernahm. Sofort kam ihm eine neue Idee. Die Sultans-Witwe Matria (türkisch Mara) Brankovich, eine Tochter Gergios', war mit Murad fünfzehn Jahre verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe gab es keine Kinder, aber sie war dadurch auch Stiefmutter von Murads neunzehnjährigen Sohn Mehmed. Als Konstantin von der Idee erfuhr, war er davon sichtlich fasziniert. Es bestanden bereits familiäre Bande zwischen den beiden Häusern, denn Konstantins Nichte Helena, die Tochter seines Bruders Thomas und Katharina Zaccharias, hatte Marias Bruder Lazar geheiratet. Wie der Blitz eilte ein Gesandter nach Serbien, um sich mit den Eltern der vorgesehenen Braut zu beraten. Sie gaben entzückt unsd bereitwillig ihr Einverständnis; allein Maria widersetzte sich, und ihre Weigerung war unumstößlich. Vor Jahren, so erklärte sie, habe sie gelobt, ihr Leben der Ehelosigkeit, Keuschheit und Mildtätigkeit zu weihen, sollte es ihr je gelingen, den Ungläubigen zu entrinnen; kein Argument könne sie dazu bewegen, ihre Meinung zu ändern. Der weitere Gang der Dinge rechtfertigte ihre Entscheidung vollauf.
Runciman Steven: Seite 48,51,58-59,178
***************
"Die Eroberung von Konstantinopel 1453"
Serbien, wo Georg Brankovich
1427
seinem Onkel Stephan Lazarovich
als
Despot nachgefolgt war, wurde zu noch strengerer Vasallengefolgschaft gezwungen
und der Despot genötigt, ein Bündnis mit den Ungarn, denen er
Belgrad abgetreten hatte, zu brechen. Er erhielt außerdem Weisung,
dem Sultan seine Tochter Mara in
die Ehe zu geben; sein Zögern, dieser Weisung nachzukommen, beschwor
einen türkischen Kriegszug gegen ihn herauf.
Murad besaß
zahlreiche christliche Freunde und stand angeblich stark unter dem Einfluß
seiner schönen serbischen Gemahlin, an der er sehr hing. Er
starb am 13. Februar 1451 in Adrianopel und hinterließ seinem Nachfolger
ein glanzvolles Erbe.
Während Phrantzes in Geoergien weilte, hörte
er vom Tod Sultan
Murads, und als er in Trapezunt eintraf und diese Neuigkeit
mit Kaiser Johannes
erörterte, erfuhr er, daß des Sultans christliche
Witwe, Mara von Serbien, die eine
Nichte der Kaiserin von Trapezunt war, mit Geschenken und Ehren
überhäuft, heim zu ihrem Vater geschickt worden war. Dies brachte
Phrantzes auf einen glänzenden Gedanken. Er schrieb unverzüglich
an Konstantin: Hier sei die rechte
Gemahlin für ihn. Die Sultana war noch jung; sie war reich;
sie war außerdem am türkischen Hof sehr beliebt gewesen und
besaß angeblich beträchtlichen Einfluß auf ihren Stiefsohn,
den neuen Sultan. Die Sultana machte jedoch den ganzen Plan zunichte. Sie
hatte gelobt, falls sie dem ungläubigen Harem entkommen sollte, werde
sie den Rest ihres Lebens in unverehelichtem Stand guten Werken widmen.
Einige Wochen später wurde Georg
Brankovich bei einer tätlichen Auseinandersetzung im ungarischen
Lager verwundet. Er siechte einige Monate dahin und starb am Weihnachtsabend
im Alter von neunzig Jahren. Seine langjährige diplomatische Erfahrung
und der Einfluß seiner Tochter Mara der
verehrten Stiefmutter des Sultans, hatten es ihm ermöglicht, sich
zu halten. Sein Erbe war weniger klug. Georg
vermachte das Despotat seiner Witwe und seinem jüngsten Sohn
Lazar, und dieser grollte seiner Mutter,
weil er das Erbe mit ihr teilen mußte. Ihr plötzlicher und verdächtiger
Tod wenige Monate später, nötigte Mara,
an den Hof des Sultans zu fliehen; ihre älteren Brüder, die beide
viele Jahre zuvor auf Befehl Murads II. geblendet
worden waren, entwichen, der eine mit ihr nach Konstantinopel, der andere
nach Rom.
Babinger Franz: Seite 13,16,27,69,156,165,173,175
*************
"Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer einer Zeitenwende."
Der serbische Despot
Georg Brankovic hatte vergeblich gehofft, durch die am 4. September
1435 vollzogene Verehelichung seiner etwa 16-jährigen Tochter
Mara mit Murad
II. sich dessen Gunst zu erkaufen.
Georgs Schwiegersohn,
der mächtige Graf Ulrich von Cilli (um 1406-1456), Gemahl
seiner jüngsten Tochter Katharina
(seit 20. April 1434) und sohin Schwager
der Sultanin Mara, entzog ihm den
sehnlich erhofften Beistand. Lähmender noch traf ihn aber die Schreckenskunde,
daß seine beiden Söhne wegen eines geheimen Briefwechsels mit
ihrem Vater auf Geheiß ihres eigenen Schwagers
Murad
II. am Ostertag (16. April 1441) in Banden geschlagen und kurz
darauf zu Toqat geblendet (8. Mai 1441) worden seien. Die Fürbitte
der Schwester Mara, die, obwohl sie
ihrem christlichen Glauben treu geblieben war, nicht ohne Einfluß
auf ihren Gatten war, kam zu spät zur Verhütung dieses Unheils.
Der qaramanische Krieg, der unvermeidlich bevorstand,
sowie die bedenklichen Bewegungen in Albanien, Serbien und Griechenland
ließen Murad II. einen raschen
Friedensschluß mit den Mächten des Abendlandes nur allzu geraten
erscheinen. Die Sultanin
Mara, Georg Brankovic' Tochter,
vermittelte die heiklen Verhandlungen.
Besser erging es der anderen ebenbürtigen Frau
Murads II., der 'Sultanin' Mara,
Tochter des Serben-Despoten
Georg Brankovic. Ob die Furcht vor dessen Rache oder aber die
Gesandtschaft aus Semendria, die mit Beileidsbezeigungen und mit dem Ersuchen
nach Adrianopel gekommen war, die Sultans-Witwe in ihre Heimat reisen
zu lassen, den Stiefsohn bewogen haben, Mara
freizugeben und sie sogar mit reichen Geschenken und glänzendem Gefolge
nach Serbien zurückzuschicken, ist nicht ausgemacht. Mara
jedenfalls, eine gewiegte Diplomatin, verstand es zeit ihres Lebens
ausgezeichnet, sich Mehmed II. für
ihre jeweiligen Unternehmungen gefügig zu machen. Es hat sogar den
Anschein, daß sie aus dem großherrlichen Schatz ausreichende
Mittel zu ihrem Unterhalt empfing. Auf das gute Einvernehmen zwischen Mara
und Stiefsohn läßt allein die Tatsache schließen, daß
sie bis ins höchste Alter auf türkischem Boden verblieb und auf
ihrem Witwensitz Jezovo (südöstlich von Saloniki) ihr
reichbewegtes Leben beschließen konnte.
Solange Georgs Witwe
lebte, konnte sie als Mutter Frieden stiften. Als sie aber am 3. Mai 1457
zu Rudnik verstarb, flohen noch in gleicher Nacht des Despoten ältester
Sohn, der blinde Gregor,
seine Schwester, die ehemalige Sultanin
Mara, sowie
Irenes Bruder
Thomas Kantakuzenos mit ihren Habseligkeiten
zur Pforte nach Adrianopel, wo sie natürlich freundlichen Empfang
fanden. Nur der blinde Stjepan
blieb
noch im Serbenlande.
Der Familienzwist im Hause der BRANKOVICI
bereitete ihm überhaupt keinerlei Kopfzerbrechen. Die zu ihm geflohenen
Geschwister des Despoten
Lazar erhielten vom Sultan angemessenen Unterhalt zugesichert,
der sich für dieses Entgegenkommen vorbehielt, ihren Anteil an der
serbischen Schattenherrschaft jeweils für sich selbst zu beanspruchen.
Am 20. Janaur 1458 schied
Lazar
aus
dem Leben. Das Despotat fiel an den blinden Stjepan,
der es zusammen mit seiner ehrgeizigen Schwägerin noch ein
Jahr hindurch regieren konnte. Mehmed II. freilich
war den beiden nicht hold und er betrachtete Gregor,
den gleichfalls geblendeten ältesten Despoten-Sohn, als seinen Mann.
Wenige Wochen hernach stellte Mehmed
II. seiner Stiefmutter, der 'Sultanin' (amirissa)
Mara,
der 'Herrin des messianischen Edelfrauen', seiner 'Mutter' - so heißt
es im Text - eine Urkunde über das von ihr erworbene Kloster der Hagia
Sophia zu Saloniki aus, aus der hervorgeht, daß er sich damals schon
im Feldlager unterwegs nach dem Westen befand.
Nur Georgs Schwester
Mara
verlebte
in der Nähe des Athos zu Jezovo (Eziova, heute Daphni) in der Landschaft
Serres, umgeben von serbischen Edelleuten und Mönchen, unangefochten
und in stetem Einvernehmen mit ihrem Stiefsohn
Mehmed II., den Rest ihrer Tage. Sie selbst kam nur selten nach
Stambul, ward aber als 'Stiefmutter des Großtürken' (maregna
del Gra Turco) bei Friedensverhandlungen mit der Pforte oft um Vermittlung
ersucht. Die Gesandten des Abendlandes nahmen zu diesem Zweck gar manches
Mal den Umweg über den Witwensitz zu Amirissa, von dem sich noch heute
Trümmer mit ihrem erbrochenen und geplünderten Grab erhalten
haben, um den Rat dieser staatsklugen weisen Fürstin einzuholen, bevor
sie ihren Weg zur Pforte fortsetzten. Gar mächtig war der Schutz,
den die gottesfürchtige Frau ihren christlichen Glaubensgenossen angedeihen
ließ. Unter ihrem Einfluß wurden zu Stambul mehr als einmal
Patrairchen ein- und abgesetzt. Im Alter von etwa 70 Jahren, kaum über
85, wie fast immer zu lesen ist, starb sie am Freitag, dem 14. September
1487, und wurde unweit ihres Palastes zu Jezovo von ihren Getreuen
zur letzten Ruhe bestattet.
4.9.1435
oo Murad II. Osmanen-Sultan
x 1404 †
3.2.1451
Literatur:
-----------
Babinger Franz: Mehmed der Eroberer. Weltenstürmer
einer Zeitenwende. R. Piper GmbH&Co. KG, München 1987 Seite 13,16,27,69,156,165,173,175,294,309,320,371,422
- Hoensch, Jörg K.: Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und
Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 37 - Norwich
John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag
GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 464 - Runciman
Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
München 1966 Seite 48,51,58-59,62,64,178 - Schwennicke, Detlef:
Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen
Staaten. Neue Folge Band III Teilband 1, Herzogs- und Grafenhäuser
des Heiligen Römischen Reiches und andere europäische Fürstenhäuser,
Verlag von J.A. Stargardt Marburg 1984 Tafel 187 - Thiele, Andreas:
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte
Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 371 -