Sohn des N.N. und der Lali; Jüngerer
Bruder des Kaisers
Zenon von Byzanz
Thiele, Andreas: Tafel 490
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
ANASTASIOS
I.
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* um 431, † 518
Er führte bis 498 Thronkriege gegen
Zenons Bruder Longinus und brach mit dem Sieg
die Vormacht der Isaurier, die sich in Südost-Kleinasien angesiedelt
hatten.
Was dann geschah, ist unklar, denn die ganze Geschichte
über den Illos-Aufstand beruht
auf so bruchstückhafter und gelegentlich widersprüchlicher Überlieferung,
dass man immer wieder auf Spekulationen und Raten angewiesen ist. Der oberste
Magistrat scheint sich klugerweise erneut nach Anatolien zurückgezogen
zu haben. Jedoch brach fast unmittelbar nach seiner Abreise in Syrien ein
Aufstand los, wo ein gewisser Leontios
einen Versuch in letzter Minute unternahm, die althergebrachte Religion
wiedereinzusetzen; Illoswurden
Boten nachgejagt mit dem Befehl, er habe den Oberbefehl über die östlichen
Heere zu übernehmen und die Herrschaft des Kaisers wiederherzustellen.
Da er vermutlich für die Gelegenheit, die sich in den Augen seines
Herrn erneut zu beweisen, dankbar war, begab er sich unverzüglich
nach Syrien. Erst bei seiner Ankunft wurde er gewahr, dass der dortige
Oberbefehlshaber ausgerechnet des Kaisers
inkompetenter
und liederlicher Bruder Longinos war, der diese Maßnahme,
die er für eine Usurpation seiner Autörität hielt, schärfstens
mißbilligte. Es kam zu einem heftigen Streit, der dazu führte,
dass Illos Longinos verhaftete und
gefangensetzte.
Eine derartige Aktion gegen einen so einflußreichen
und mächtigen Rivalen war natürlich hoch riskant. Als die Neuigkeit
in Konstantinopel eintraf, nahm der Kaiser die Nachricht jedoch noch schlechter
beraten auf. Er befahl die unverzügliche Freilassung seines Bruders,
erklärte Illos zum Staatsfeind
und ließ sein gesamtes Eigentum konfiszieren und verkaufen.
Gegen Ende des Jahrzehnts ging es dem Kaiser offensichtlich
sowohl körperlich als auch geistig immer schlechter. Sein Sohn,
der ebenfalls Zenon hieß, war
bereits in jungen Jahren in schlechte Gesellschaft geraten und bald darauf
gestorben - wie es hieß, von homosexuellen Exzessen und Geschlechtskrankheiten
aufgezehrt. Als erwartungsgemäßer Nachfolger galt deshalb
des Kaisers liederlicher Bruder Longinos, dessen Stern höher
und höher gestiegen war, während der seines Feindes Illos
sank. Bis 490 - als er zum zweiten Mal zum Konsul ernannt wurde
- kontrollierte er de facto den ganzen Staat.
Am 9. April 491 starb Zenon
an
einem epileptischen Anfall. Es heißt, die Menge habe
Zenons
Witwe Ariadne
mit dem Ruf empfangen:
"Gib dem Reich einen orthodoxen Kaiser! Gib dem Reich einen römischen
Kaiser!" Klar, was damit gemeint war: keine Häretiker und keine Isaurier
mehr. Longinos wurde übergangen und die Vorhersage des Wahrsagers
erwies sich als richtig: Die Wahl fiel auf Anastasios,
ehemals Silentiar. Dies war vor allem Ariadnes
Einfluß
zu verdanken, die ihn rund sechs Wochen später heiratete.
Sie verkörperten im wesentlichen die isaurische
Faktion und wurden von Zenons aufgebrachten
Bruder Longinos angeführt, der Anastasios
nie
verziehen hatte, dass er auf einem Thron saß, der seiner Meinung
nach rechtmäßig ihm hätte zukommen sollen. Es dauerte nicht
lange, bis Longinos eine Gruppe anrüchiger Unruhestifter und
Randalierer um sich geschart hatte, hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich
Isaurier. Die darauf ausbrechenden Straßenkämpfe führten
zu Bränden, bei denen mehrere der schönsten Bauwerke der Stadt,
darunter auch ein großer Teil des Hippodroms, beschädigt oder
völlig zerstört wurden.
Der Kaiser schlug zurück. 492 wurde Longinos
verhaftet
und nach Alexandria verbannt, wo man ihn zwang, Priester
zu werden. Die Kämpfe in der Stadt hielten jedoch an und eskalierten
bald zu einem eigentlichen Bürgerkrieg. Im folgenden Jahr kam es zu
noch gravierenderen Unruhen, Herrscherstatuen wurden umgestürzt und
durch die Straßen geschleift. Nur unter großen Schwierigkeiten
ließ sich die Ordnung wiederherstellen. Daraufhin wurde ein Edikt
erlassen, das sämtliche Isaurier aus der Hauptstadt verbannte. Unter
ihnen befanden sich auch Lali, Zenons
alte Mutter, sowie seine übrigen Familienmitglieder; ihr gesamter
Besitz - selbst Zenons Amtsroben -
wurden beschlagnahmt und verkauft. Nun wurde es, zumindest in der Hauptstadt
endlich ruhig.
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 200,210,211,213 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 490 -