Konstantin IV. Pogonatos              Kaiser von Byzanz (668-685)
-------------------------------
648/52 14.9.685
 

Ältester Sohn des Kaisers Constans II. von Byzanz und der Fausta
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1376
********************
Konstantin V., byzantinischer Kaiser
-----------------
* ca. 650, †  September 685

Entstammte der Ehe von Konstans II. und der Fausta, zum Mit-Kaiser gekrönt zwischen 5. und 26. April 654

  oo um 668 eine gewisse Anastasia, die ihm Justinian II. und Herakleios gebar

Seine Regierungszeit ist von drei wichtigen Faktoren gekennzeichnet:
   Vordringen der Araber bis zum Marmarameer und vierjährige Belagerung Konstantinopels, die 678
   durch die Anwendung des Griechischen Feuers beendet wurde,
   Festsetzung der Bulgaren südlich der Donau (681) und
   Beendigung der christologischen Stretigkeiten im 6. Ökumenischen Konzil (680/681).



BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 448
********************************
KONSTANTIN IV. POGONATOS ["DER BÄRTIGE"], oströmischer Kaiser 668-685
-----------------------------------------------------------------------
* um 654, †  685

Verteidigte 674-678 Konstantinopel gegen den Großangriff der Araber (Kalif Moawija) und sicherte den Bestand des Reiches; stellte auf dem 6. Ökumenischen Konzil 680/81 den Kirchenfrieden mit Rom wieder her; mußte das erste Bulgaren-Reich anerkennen.



Thiele, Andreas: Tafel 193
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

KONSTANTIN IV.
-------------------------
* 648, †  685

Konstantin IV. Pogonatos wurde 654 zum Mit-Kaiser ernannt und folgte 668 seinem ermordeten Vater und hatte Thronkriege gegen den väterlichen Mörder Gegen-Kaiser Mesecius († 669) zu bestehen. 674-678 wurde Byzanz durch die Araber belagert, die durch Anwendung des "Griechischen Feuers" erfolgreich abgewehrt werden konnten und im Frieden von 678 mußte Konstantin IV. Chios und Smyrna an Kalif Muawija I. abtreten und Tribute zahlen. Er bahnte eine Versöhnung mit dem Papsttum an, was durch den Verlust der monophysitisch-monotheletischen Reichsteile möglich wurde. Er war der letzte byzantinische Kaiser, der Rom besuchte. 680/81 fand in Byzanz das 6. Ökumenische Konzil statt, das zur Verdammung des Monophysitismus - Monotheletismus und des Papstes Honorius I., der das Ekthesis-Edikt anerkannt hatte, führte. Es war der stärkste kaiserlicher Eingriff in päpstlichen Lehrautorität. Konstantin IV. anerkannte nach erfolglosen Kriegen gegen die Bulgaren das Reich des Fürsten Isperich und trat ihm Mösien ab. Nord-Afrika ging fast völlig an die Kalifen von Bagdad verloren.



Konstantin IV. Pogonatos wurde am 13.4.654 zum Mitregenten ernannt und folgte 668 seinem ermordeten Vater. Er war ein grausamer Fürst, der seine Brüder verstümmelte. Er bestand in der Zeit von 673-678 sieben Angriffe der Araber auf Konstantinopel und drängte 679 die Bulgaren über die Donau zurück, mußte ihnen aber Tribut zahlen.

Norwich John Julius: Band I Seite 385-391
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Während der langen Abwesenheit des Kaisers von Konstantinopel hatte der älteste seiner drei Söhne die Ostprovinzen verwaltet, und dieser trat jetzt seine Nachfolge als Konstantin IV. an. Aufgrund des durchgängigen, höchst frustrierenden Mangels an zeitgenössichen Chronisten ist wenig über seine Erscheinung und seinen Charakter bekannt. Was sich aber schon bald nach seinem Regierungsantritt ereignete, macht ihn nicht gerade sympathisch. Im Jahre 669 marschierten Regimenter von Kleinasien gegen die Hauptstadt und forderten, Konstantin solle die beiden jüngeren Brüder zu Mitregenten einsetzen, was sie damit begründeten, dass, wenn schon der Himmel von einer Trinität regiert werde, dies auf Erden auch so sein solle. Seine entschlossene und unverzügliche Reaktion erhellt schlagartig, wie er zu regieren gedachte. Er lud die Anführer zu einer Konferenz in den Palast, ließ sie sogleich nach ihrem Eintreffen verhaften und hinrichten. Gibbon berichtet etwas maliziös: "...der Anblick ihrer am Galgen inder Vorstadt Galata hängenden Leichen söhnte ihre Gefährten mit der Einheit der Regierung Konstantins aus." Darüber, ob die beiden jungen Prinzen die Erhebung unterstützten oder nicht, gehen die Meinungen auseinander. Ihr Bruder war auf alle Fälle nicht in der Stimmung, etwaige diesbezügliche Zweifel zu ihren Gunsten auszulegen. Entsprechend der mittlerweile beängstigend häufig in der byzantinischen Politik geübten Praxis wurde ihnen die Nase abgeschnitten, eine Maßnahme, die, wie bereits erwähnt, nicht nur der Bestrafung und Warnung für die Zukunft diente, sondern als wortloser Hinweis an das Heer und die Bevölkerung, dass sie nicht in der Lage seien, die Herrschaft zu übernehmen.
Dies galt, trotz gelegentlicher brutaler Anwandlungen, keineswegs für Konstantin. Er erwies sich im Laufe der Zeit vielmehr sogar als fähiger Staatsmann und wie sein Ur-Großvater als geborener Anführer. Nun hatte er von Herakleios aber auch einen hervorragend organisierten Staat übernommen, zumindest was das anatolische Kernland betraf. Außerdem, ließe sich ohne weiteres hinzufügen, hat er geradezu unverschämtes Glück gehabt. Fraglos stellt die erste Dekade seiner Regierungszeit einen historischen Wendepunkt dar, nicht allein für das Byzantinische Reich, sondern für die ganze Christenheit, wurden doch zum ersten Male die moslemischen Heere des Halbmonds aufgehalten und durch die christlichen des Kreuzes in die Flucht geschlagen.
Nach Alis Ermordung 661 lag die Regierungsgewalt in der Hand Muawijas. Da ihm inzwischen erheblich mehr Ressourcen zur Verfügung standen, hatte er die Taktik wiederaufgenommen, die ihm zehn Jahre zuvor so gut bekommen war. Jahr für Jahr schickte er ein Heer nach Anatolien und eine Flotte die ionische Küste entlang, die eine kaiserliche Stadt und Insel nach der anderen wie eine reife Frucht pflückten. Auf Kos folgte Chios, auf Chios Smyrna. Im Jahre 672 segelten die Sarazenen den Hellespont hinauf bis ins Marmarameer und besetzten die Halbinsel Kyzikos an der Küste von Bithynien. Damit befanden sie sich nur 50 Meilen Wasserlinie von Konstantinopel entfernt. Sie bauten die Halbinsel zu ihrem Hauptbrückenkopf aus, und zwei Jahre später setzte die Belagerung ein.
Die meisten früheren Angriffe auf Konstantinopel waren von der Landseite her ausgeführt worden; dieser nun erfolgte vom Meer aus. Auf den Schiffen der Sarazenen befanden sich schweres Belagerungsgerät und riesige Katapulte, die sie gegen die Mauern und auf deren Verteidigungstruppen abfeuerten. Aber die Befestigungsanlagen am Marmarameer und am Goldenen Horn hielten all ihren Angriffen stand, während Byzanz seinerseits mit Hilfe einer Geheimwaffe, die vor nicht allzu langer Zeit ein gewisser Kallinikos, Architekt und Chemiker aus der syrischen Stadt Heliopolis entwickelt hatte, unter den Angreifern verheerende Schäden anrichtete. Das Geheimnis war so gut gehütet, dass wir bis heute die genaue Zusammensetzung dessen, was im Mittelalter als "Griechisches Feuer" bekannt war, nicht kennen. Mal spritzte man es mit einer Pumpe oder durch die Rohre der Kanalisation auf ein feindliches Schiff, mal wurde es in lange, schmale Patronen gegossen und gegen feindliche Objekte geschleudert. Das Ergebnis war fast immer katastrophal, vor allem da die brennende, auf Öl basierende Flüssigkeit auf der Wasseroberfläche schwamm und in der Regel die hölzernen Schiffsrümpfe ebenso in Brand steckte, wie sie all jene gefährdete, die sich durch einen Sprung über Bord zu retten versuchten. Doch die Moslems waren solchen Widerstand nicht gewohnt und nicht bereit, ihre Niederlage einzugestehen. Bei Einbruch des Winters zogen sie sich nach Kyzikos zurück, beorderten Verstärkung aus Syrien und machten ihre Schiffe während der folgenden Monate wieder see- und kampftüchtig. Sowie das Frühjahr kam, griffen sie erneut an. Aber auch das zweite Belagerungsjahr verlief nicht erfolgreicher als das erste. Dasselbe gilt für das dritte und das vierte. Erst nach fünf Jahren vergeblichen Anrennens wurde die Belagerung im Jahre 678 endgültig aufgegeben, und was von der zerschmetterten sarazenischen Flotte übrig war, drehte bei und segelte heimwärts. Aber das war noch nicht das Ende der Pein. Auf der Rückfahrt entlang der Küste von Pamphylien gerieten sie in einen heftigen Herbststurm, und dieser bescherte ihnen weitere Verluste. Muawijas Landheer hatte ähnliche Rückschläge gegen die sogenannten Mardaiten, Banden christlicher Freischärler, hinnehmen müssen.
Im Jahre 679 nahm Kalif Muawija Konstantins Friedensangebot an, zu Bedingungen, die ihm noch wenige Jahre zuvor schändlich vorgekommen wären: Räumung der ägäischen Inseln, die er jüngst erobert hatte, und Zahlung eines jährlichen Tributs von 50 Sklaven, 50 Pferden und 3.000 Pfund Gold an den Kaiser. Ein Jahr darauf war Muawija tot.
Konstantin IV. dagegen erfreute sich einer Beliebtheit und eines Ansehens wie nie zuvor. Er hatte seinen Untertanen den Mut und die moralische Stärke eingeflößt, um fünf Jahre Belagerung gegen eine bislang für unbesiegbar gehaltene Macht durchzustehen, und die abendländische Kultur bewahrt. Da die uneinnehmbaren Mauern Konstantinopels und die Unnachgiebigkeit des Kaisers und seiner Untertanen den Heeren des Propheten das Übersetzen nach Europa verwehrten, waren sie gezwungen, das Mittelmeer in seiner ganzen Länge bis zur Straße von Gibraltar zu durchqueren und von dort aus europäisches Festland zu betreten; derart enorme Entfernungen strapazierten die Kommunikations- und Versorgungswege bis zum Zerreißen und verunmöglichten dauerhafte Eroberungen jenseits der Pyrenäen. Hätten sie Konstantinopel im 7. statt im 15. Jahrhundert eingenommen, wären vielleicht ganz Europa und wohl auch Amerika heute moslemisch.
Und die Christenheit wußte, wem sie ihre Erhaltung zu verdanken hatte. Nicht nur der awarische Khan und die slawischen Stammesfürsten auf dem Balkan gratulierten Konstantin durch Gesandtschaften, die um Frieden und Freundschaft baten, sondern auch die lombardischen und fränkische Fürsten aus dem Westen. Schließlich war er der einzige Kaiser der christlichen Welt, ein Herrscher, mit dem sie vielleicht Meinungsverschiedenheiten hatten oder gegen den sie gelegentlich auch Krieg führten, dessen Vorrangstellung sie aber nicht in Frage stellten. Und er hatte sich dieser Auszeichnung als würdig erwiesen.
Nach dem endgültigen Abzug der Sarazenen konnte sich Konstantin einem weniger bedrohlichen Feind, nämlich den Bulgaren, zuwenden. Dieses kriegerische nichtchristliche Volk türkischen Ursprungs hatte sein altes Stammland zwischen dem Unterlauf der Wolga und dem Don verlassen, war westwärts bis in den nördlichen Donauraum gewandert und von dort nach und nach über den Fluß in Reichsgebiet eingedrungen. Im Jahre 680 segelte ein großes Geschwader byzantinischer Schiffe unter dem Oberbefehl des Kaisers durch den Bosporus in das Schwarze Meer und setzte ein Heer nördlich des Donaudeltas an Land. Dummerweise war versäumt worden, die Gegend zu erkunden. Das sumpfige Gelände verhinderte jeglichen geordneten Vorstoß. Außerdem erlitt Konstantin einen Gichtanfall, der ihn zwang, sich für ein paar Tage in den nahe gelegenen Ort Mesembria zurückzuziehen. Die vergleichsweise harmlose Unpäßlichkeit hätte sich normalerweise auf den Feldzug nicht besonders ausgewirkt. Nun verbreitete sich das Gerücht im Heer, der Kaiser sei geflohen. Daraufhin brach eine Panik aus, und die Soldaten flüchteten kopflos. Die Bulgaren nutzten ihre Chance, verfolgten sie über die Donau bis in die frühere Provinz Mösien und machten nieder, was ihnen in die Hände fiel.
Unter dem Strich war das Ergebnis das genaue Gegenteil dessen, was Konstantin angestrebt hatte. Statt dass es gelungen war, die Bulgaren zurückzudrängen, hatte man ihnen die Einwanderung in das Reich erleichtert, ja, sie geradezu dazu ermutigt. Nachdem sie die sieben dort ansässigen slawischen Stämme ohne große Mühe unterworfen hatten, errichteten sie in kurzer Zeit einen starken bulgarischen Staat - der in etwas geänderter Form bis heute besteht - und konnten sogar den Kaiser verpflichten, ihrem König ein jährliches Schutzgeld zu entrichten.
Diese Entwicklung war eine Demütigung, aber keine wirkliche Katastrophe. Das bulgarische Volk war stark, und daher hätte sich an der Grenze eine derartige Regelung früher oder später zwangsläufig ergeben. Sie brachte außerdem den Vorteil eines allgemeinen Friedens, der bis zum Ende der Regierungszeit Konstantins Bestand hatte und der ihm den Weg frei machte, das hartnäckigste seiner innenpolitischen Probleme in Angriff zu nehmen. Die Lehre vom einen Willen Christi hatte unter der Herrschaft seines Vaters zwar schwere Schläge hinnehmen müssen, hielt sich aber dennoch zäh. Schon 678 hatte der Kaiser dem Papst brieflich ein ökumenisches Kirchenkonzil vorgeschlagen, das die Angelegenheit ein für allemal entscheiden sollte. Dem stimmte der Papst, nachdem er vorsorglich eine Synode in Rom einberufen hatte, um sicherzustellen, dass wenigstens die westlichen Teilnehmer geschlossen argumentierten, mit Begeisterung zu. Den Frühherbst des Jahres 680 hindurch strömten die Delegierten herbei: 174 an der Zahl aus allen Winkeln der damaligen christlichen Welt. Anfang November waren die meisten Geladenen eingetroffen, so dass eine Woche später im Trullos, im Kuppelsaal des kaiserlichen Palastes, das 6. ökumenische Kirchenkonzil eröffnet werden konnte.
Das Konzil, für das 18 Vollversammlungen vorgesehen waren, zog sich über die folgenden zehn Monate hin. Die ersten elf Sitzungen sowie die letzte präsidierte Konstantin persönlich, wobei er sich bewußt unparteiisch gab und mit seiner eigenen Meinung zurückhielt. Am 16. September 681 segnete er die fast einmütigen Ergebnisse offiziell ab. Die Lehre von einem Willen, so entschied das Konzil, sei mit der von der menschlichen Natur dses Erlösers unvereinbar, der im Gegenteil zwei natürliche Willen und zwei natürliche Energien besitze, die unteilbar, unabtrennbar, unveränderlich und unvermengbar seien. Wer jemals anderes behauptet hatte, wurde verurteilt und verdammt, darunter auch der mittlerweile verstorbene Papst Honorius, der vor rund 50 Jahren nur halbherzig Stellung bezogen hatte.
Als Konstantin vier Jahre später unerwartet im Alter von erst 33 Jahren an der Ruhr starb, konnte er sich nicht nur anrechnen, dass das Reich gefestigter, friedlicher und einiger war als irgendwann in diesem Jahrhundert, sondern auch dass er der monotheletischen Häresie einen Schlag versetzt hatte, von dem diese sich nicht wieder erholte.
 
 
 
 

 um 668
  oo Anastasia
       um 650 nach 711
 
 
 
 

Kinder:

  Justinian II.
  669 10.12.711 ermordet

  Herakleios
      
 
 
 
 

Literatur:
-----------
BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 448 - Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 51,74 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 172 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987 Seite 129,149,168,178,244,288 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 385-391 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 98,606,615,621,649,652,658,690 - Tschilingirov Assen: Bulgarien. Kulturgeschichte im Prisma. - Prisma-Verlag Zenner und Gürchott Seite 119 -