Ältester Sohn des Kaisers
Constans
II. von Byzanz und der Fausta
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1376
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Konstantin V., byzantinischer Kaiser
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* ca. 650,
†
September 685
Entstammte der Ehe von Konstans II. und der Fausta, zum Mit-Kaiser gekrönt zwischen 5. und 26. April 654
oo um 668 eine gewisse Anastasia, die ihm Justinian II. und Herakleios gebar
Seine Regierungszeit ist von drei wichtigen Faktoren gekennzeichnet:
Vordringen der Araber bis zum Marmarameer
und vierjährige Belagerung Konstantinopels, die 678
durch die Anwendung des Griechischen Feuers
beendet wurde,
Festsetzung der Bulgaren südlich
der Donau (681) und
Beendigung der christologischen Stretigkeiten
im 6. Ökumenischen Konzil (680/681).
Verteidigte 674-678 Konstantinopel gegen den Großangriff
der Araber (Kalif
Moawija) und sicherte den Bestand des Reiches; stellte auf dem
6. Ökumenischen Konzil 680/81 den Kirchenfrieden mit Rom wieder her;
mußte das erste Bulgaren-Reich anerkennen.
KONSTANTIN IV.
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* 648,
† 685
Konstantin IV. Pogonatos
wurde 654 zum Mit-Kaiser ernannt und folgte 668 seinem ermordeten
Vater und hatte Thronkriege gegen den väterlichen Mörder
Gegen-Kaiser
Mesecius († 669) zu bestehen.
674-678 wurde Byzanz durch die Araber belagert, die durch Anwendung des
"Griechischen Feuers" erfolgreich abgewehrt werden konnten und im Frieden
von 678 mußte
Konstantin IV. Chios
und Smyrna an
Kalif
Muawija I. abtreten und Tribute zahlen. Er bahnte eine Versöhnung
mit dem Papsttum an, was durch den Verlust der monophysitisch-monotheletischen
Reichsteile möglich wurde. Er war der letzte byzantinische Kaiser,
der Rom besuchte. 680/81 fand in Byzanz das 6. Ökumenische Konzil
statt, das zur Verdammung des Monophysitismus - Monotheletismus und des
Papstes Honorius I., der das Ekthesis-Edikt anerkannt hatte, führte.
Es war der stärkste kaiserlicher Eingriff in päpstlichen Lehrautorität.
Konstantin IV. anerkannte nach erfolglosen Kriegen gegen die
Bulgaren das Reich des Fürsten
Isperich und trat ihm Mösien ab. Nord-Afrika ging fast
völlig an die Kalifen von Bagdad verloren.
Norwich John Julius: Band I Seite 385-391
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Während der langen Abwesenheit des Kaisers von Konstantinopel
hatte der älteste seiner drei Söhne die Ostprovinzen
verwaltet, und dieser trat jetzt seine Nachfolge als Konstantin
IV. an. Aufgrund des durchgängigen, höchst frustrierenden
Mangels an zeitgenössichen Chronisten ist wenig über seine Erscheinung
und seinen Charakter bekannt. Was sich aber schon bald nach seinem Regierungsantritt
ereignete, macht ihn nicht gerade sympathisch. Im Jahre 669 marschierten
Regimenter von Kleinasien gegen die Hauptstadt und forderten, Konstantin
solle die beiden jüngeren Brüder zu Mitregenten einsetzen, was
sie damit begründeten, dass, wenn schon der Himmel von einer Trinität
regiert werde, dies auf Erden auch so sein solle. Seine entschlossene und
unverzügliche Reaktion erhellt schlagartig, wie er zu regieren gedachte.
Er lud die Anführer zu einer Konferenz in den Palast, ließ sie
sogleich nach ihrem Eintreffen verhaften und hinrichten. Gibbon berichtet
etwas maliziös: "...der Anblick ihrer am Galgen inder Vorstadt Galata
hängenden Leichen söhnte ihre Gefährten mit der Einheit
der Regierung Konstantins aus." Darüber,
ob die beiden jungen Prinzen die Erhebung unterstützten oder nicht,
gehen die Meinungen auseinander. Ihr Bruder war auf alle Fälle nicht
in der Stimmung, etwaige diesbezügliche Zweifel zu ihren Gunsten auszulegen.
Entsprechend der mittlerweile beängstigend häufig in der byzantinischen
Politik geübten Praxis wurde ihnen die Nase abgeschnitten, eine Maßnahme,
die, wie bereits erwähnt, nicht nur der Bestrafung und Warnung für
die Zukunft diente, sondern als wortloser Hinweis an das Heer und die Bevölkerung,
dass sie nicht in der Lage seien, die Herrschaft zu übernehmen.
Dies galt, trotz gelegentlicher brutaler Anwandlungen,
keineswegs für Konstantin. Er
erwies sich im Laufe der Zeit vielmehr sogar als fähiger Staatsmann
und wie sein Ur-Großvater als geborener Anführer.
Nun hatte er von Herakleios aber auch
einen hervorragend organisierten Staat übernommen, zumindest was das
anatolische Kernland betraf. Außerdem, ließe sich ohne weiteres
hinzufügen, hat er geradezu unverschämtes Glück gehabt.
Fraglos stellt die erste Dekade seiner Regierungszeit einen historischen
Wendepunkt dar, nicht allein für das Byzantinische Reich, sondern
für die ganze Christenheit, wurden doch zum ersten Male die moslemischen
Heere des Halbmonds aufgehalten und durch die christlichen des Kreuzes
in die Flucht geschlagen.
Nach Alis Ermordung
661
lag die Regierungsgewalt in der Hand Muawijas.
Da ihm inzwischen erheblich mehr Ressourcen zur Verfügung standen,
hatte er die Taktik wiederaufgenommen, die ihm zehn Jahre zuvor so gut
bekommen war. Jahr für Jahr schickte er ein Heer nach Anatolien und
eine Flotte die ionische Küste entlang, die eine kaiserliche Stadt
und Insel nach der anderen wie eine reife Frucht pflückten. Auf Kos
folgte Chios, auf Chios Smyrna. Im Jahre 672 segelten die Sarazenen den
Hellespont hinauf bis ins Marmarameer und besetzten die Halbinsel Kyzikos
an der Küste von Bithynien. Damit befanden sie sich nur 50 Meilen
Wasserlinie von Konstantinopel entfernt. Sie bauten die Halbinsel zu ihrem
Hauptbrückenkopf aus, und zwei Jahre später setzte die Belagerung
ein.
Die meisten früheren Angriffe auf Konstantinopel
waren von der Landseite her ausgeführt worden; dieser nun erfolgte
vom Meer aus. Auf den Schiffen der Sarazenen befanden sich schweres Belagerungsgerät
und riesige Katapulte, die sie gegen die Mauern und auf deren Verteidigungstruppen
abfeuerten. Aber die Befestigungsanlagen am Marmarameer und am Goldenen
Horn hielten all ihren Angriffen stand, während Byzanz seinerseits
mit Hilfe einer Geheimwaffe, die vor nicht allzu langer Zeit ein gewisser
Kallinikos, Architekt und Chemiker aus der syrischen Stadt
Heliopolis entwickelt hatte, unter den Angreifern verheerende Schäden
anrichtete. Das Geheimnis war so gut gehütet, dass wir bis heute die
genaue Zusammensetzung dessen, was im Mittelalter als "Griechisches Feuer"
bekannt war, nicht kennen. Mal spritzte man es mit einer Pumpe oder durch
die Rohre der Kanalisation auf ein feindliches Schiff, mal wurde es in
lange, schmale Patronen gegossen und gegen feindliche Objekte geschleudert.
Das Ergebnis war fast immer katastrophal, vor allem da die brennende, auf
Öl basierende Flüssigkeit auf der Wasseroberfläche schwamm
und in der Regel die hölzernen Schiffsrümpfe ebenso in Brand
steckte, wie sie all jene gefährdete, die sich durch einen Sprung
über Bord zu retten versuchten. Doch die Moslems waren solchen Widerstand
nicht gewohnt und nicht bereit, ihre Niederlage einzugestehen. Bei Einbruch
des Winters zogen sie sich nach Kyzikos zurück, beorderten Verstärkung
aus Syrien und machten ihre Schiffe während der folgenden Monate wieder
see- und kampftüchtig. Sowie das Frühjahr kam, griffen sie erneut
an. Aber auch das zweite Belagerungsjahr verlief nicht erfolgreicher als
das erste. Dasselbe gilt für das dritte und das vierte. Erst nach
fünf Jahren vergeblichen Anrennens wurde die Belagerung im Jahre 678
endgültig aufgegeben, und was von der zerschmetterten sarazenischen
Flotte übrig war, drehte bei und segelte heimwärts. Aber das
war noch nicht das Ende der Pein. Auf der Rückfahrt entlang der Küste
von Pamphylien gerieten sie in einen heftigen Herbststurm, und dieser bescherte
ihnen weitere Verluste. Muawijas
Landheer
hatte ähnliche Rückschläge gegen die sogenannten Mardaiten,
Banden christlicher Freischärler, hinnehmen müssen.
Im Jahre 679 nahm Kalif
Muawija Konstantins Friedensangebot an, zu Bedingungen, die
ihm noch wenige Jahre zuvor schändlich vorgekommen wären: Räumung
der ägäischen Inseln, die er jüngst erobert hatte, und Zahlung
eines jährlichen Tributs von 50 Sklaven, 50 Pferden und 3.000 Pfund
Gold an den Kaiser. Ein Jahr darauf war Muawija
tot.
Konstantin IV. dagegen
erfreute sich einer Beliebtheit und eines Ansehens wie nie zuvor. Er hatte
seinen Untertanen den Mut und die moralische Stärke eingeflößt,
um fünf Jahre Belagerung gegen eine bislang für unbesiegbar gehaltene
Macht durchzustehen, und die abendländische Kultur bewahrt. Da die
uneinnehmbaren Mauern Konstantinopels und die Unnachgiebigkeit des Kaisers
und seiner Untertanen den Heeren des Propheten das Übersetzen nach
Europa verwehrten, waren sie gezwungen, das Mittelmeer in seiner ganzen
Länge bis zur Straße von Gibraltar zu durchqueren und von dort
aus europäisches Festland zu betreten; derart enorme Entfernungen
strapazierten die Kommunikations- und Versorgungswege bis zum Zerreißen
und verunmöglichten dauerhafte Eroberungen jenseits der Pyrenäen.
Hätten sie Konstantinopel im 7. statt im 15. Jahrhundert eingenommen,
wären vielleicht ganz Europa und wohl auch Amerika heute moslemisch.
Und die Christenheit wußte, wem sie ihre Erhaltung
zu verdanken hatte. Nicht nur der awarische Khan und die slawischen Stammesfürsten
auf dem Balkan gratulierten Konstantin durch
Gesandtschaften, die um Frieden und Freundschaft baten, sondern auch die
lombardischen und fränkische Fürsten aus dem Westen. Schließlich
war er der einzige Kaiser der christlichen Welt, ein Herrscher, mit dem
sie vielleicht Meinungsverschiedenheiten hatten oder gegen den sie gelegentlich
auch Krieg führten, dessen Vorrangstellung sie aber nicht in Frage
stellten. Und er hatte sich dieser Auszeichnung als würdig erwiesen.
Nach dem endgültigen Abzug der Sarazenen konnte
sich Konstantin einem weniger bedrohlichen
Feind, nämlich den Bulgaren, zuwenden. Dieses kriegerische nichtchristliche
Volk türkischen Ursprungs hatte sein altes Stammland zwischen dem
Unterlauf der Wolga und dem Don verlassen, war westwärts bis in den
nördlichen Donauraum gewandert und von dort nach und nach über
den Fluß in Reichsgebiet eingedrungen. Im Jahre 680 segelte ein großes
Geschwader byzantinischer Schiffe unter dem Oberbefehl des Kaisers durch
den Bosporus in das Schwarze Meer und setzte ein Heer nördlich des
Donaudeltas an Land. Dummerweise war versäumt worden, die Gegend zu
erkunden. Das sumpfige Gelände verhinderte jeglichen geordneten Vorstoß.
Außerdem erlitt Konstantin einen
Gichtanfall,
der ihn zwang, sich für ein paar Tage in den nahe gelegenen Ort Mesembria
zurückzuziehen. Die vergleichsweise harmlose Unpäßlichkeit
hätte sich normalerweise auf den Feldzug nicht besonders ausgewirkt.
Nun verbreitete sich das Gerücht im Heer, der Kaiser sei geflohen.
Daraufhin brach eine Panik aus, und die Soldaten flüchteten kopflos.
Die Bulgaren nutzten ihre Chance, verfolgten sie über die Donau bis
in die frühere Provinz Mösien und machten nieder, was ihnen in
die Hände fiel.
Unter dem Strich war das Ergebnis das genaue Gegenteil
dessen, was Konstantin angestrebt hatte.
Statt dass es gelungen war, die Bulgaren zurückzudrängen, hatte
man ihnen die Einwanderung in das Reich erleichtert, ja, sie geradezu dazu
ermutigt. Nachdem sie die sieben dort ansässigen slawischen Stämme
ohne große Mühe unterworfen hatten, errichteten sie in kurzer
Zeit einen starken bulgarischen Staat - der in etwas geänderter Form
bis heute besteht - und konnten sogar den Kaiser verpflichten, ihrem König
ein jährliches Schutzgeld zu entrichten.
Diese Entwicklung war eine Demütigung, aber keine
wirkliche Katastrophe. Das bulgarische Volk war stark, und daher hätte
sich an der Grenze eine derartige Regelung früher oder später
zwangsläufig ergeben. Sie brachte außerdem den Vorteil eines
allgemeinen Friedens, der bis zum Ende der Regierungszeit Konstantins
Bestand
hatte und der ihm den Weg frei machte, das hartnäckigste seiner innenpolitischen
Probleme in Angriff zu nehmen. Die Lehre vom einen Willen Christi hatte
unter der Herrschaft seines Vaters zwar schwere Schläge hinnehmen
müssen, hielt sich aber dennoch zäh. Schon 678 hatte der Kaiser
dem Papst brieflich ein ökumenisches Kirchenkonzil vorgeschlagen,
das die Angelegenheit ein für allemal entscheiden sollte. Dem stimmte
der Papst, nachdem er vorsorglich eine Synode in Rom einberufen hatte,
um sicherzustellen, dass wenigstens die westlichen Teilnehmer geschlossen
argumentierten, mit Begeisterung zu. Den Frühherbst des Jahres 680
hindurch strömten die Delegierten herbei: 174 an der Zahl aus allen
Winkeln der damaligen christlichen Welt. Anfang November waren die meisten
Geladenen eingetroffen, so dass eine Woche später im Trullos, im Kuppelsaal
des kaiserlichen Palastes, das 6. ökumenische Kirchenkonzil eröffnet
werden konnte.
Das Konzil, für das 18 Vollversammlungen vorgesehen
waren, zog sich über die folgenden zehn Monate hin. Die ersten elf
Sitzungen sowie die letzte präsidierte Konstantin
persönlich, wobei er sich bewußt unparteiisch gab und mit seiner
eigenen Meinung zurückhielt. Am 16. September 681 segnete er die fast
einmütigen Ergebnisse offiziell ab. Die Lehre von einem Willen, so
entschied das Konzil, sei mit der von der menschlichen Natur dses Erlösers
unvereinbar, der im Gegenteil zwei natürliche Willen und zwei natürliche
Energien besitze, die unteilbar, unabtrennbar, unveränderlich und
unvermengbar seien. Wer jemals anderes behauptet hatte, wurde verurteilt
und verdammt, darunter auch der mittlerweile verstorbene Papst Honorius,
der vor rund 50 Jahren nur halbherzig Stellung bezogen hatte.
Als Konstantin vier
Jahre später unerwartet im Alter von erst 33 Jahren an der Ruhr
starb, konnte er sich nicht nur anrechnen, dass das Reich gefestigter,
friedlicher und einiger war als irgendwann in diesem Jahrhundert, sondern
auch dass er der monotheletischen Häresie einen Schlag versetzt hatte,
von dem diese sich nicht wieder erholte.
um 668
oo Anastasia
um 650
†
nach 711
Kinder:
Justinian II.
669
† 10.12.711
ermordet
Herakleios
†
Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 448
- Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte
des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch
Gladbach 1982 Seite 51,74 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 172 - Herm,
Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien,
New York 1987 Seite 129,149,168,178,244,288 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band I Seite 385-391 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 98,606,615,621,649,652,658,690 - Tschilingirov Assen:
Bulgarien. Kulturgeschichte im Prisma. - Prisma-Verlag Zenner und Gürchott
Seite 119 -