Ältester Sohn des KaisersKonstantin
III. von Byzanz und der Gregoria
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1371
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Konstans II., byzantinischer Kaiser; Beiname „pogonatos“
(‚mit dem Kinnbart‘)
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* 7. November 630, †
15. Juli (oder 15. September) 668
Enkel des Herakleios, Sohn Konstantins III. und der Gregoria
Gekrönt Ende 661
oo 642 Fausta, die ihm drei Söhne gebar
Unter seine Regierungszeit fallen entscheidende Umwälzungen:
Eroberung Ägyptens durch die Araber (642) und ihr Vordringen in die
östlichen Reichsgebiete, die Verwandlung der römischen Provinzialverwaltung
in die Themenstruktur, Veränderungen im Finanzwesen und Schwund der
Stadtkultur. Religionspolitisch bedeutsam ist das 684 erlassene Verbot
einer Diskussion über Monergetismus und Monotheletismus, woran eine
Auseinandersetzung mit Papst Martin und Maximus Confessor
entstand. Zwischen 662 und 668 regierte Konstans
II. das Reich von Italien, besonders von Syrakus aus, wo er
ermordet
wurde.
Residierte seit 663 in Syrakus; im Kampf gegen Slawen
erfolgreich, aber gegen die Araber unterlegen (Verlust Ägyptens an
Moawija); während seiner Maßnahmen zur Abwehr der
arabischen Expansion ermordet.
KONSTANS II. "DER BÄRTIGE"
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* 630, † 668 ermordet
Konstans II. der Bärtige
folgte
641 unter der Vormundschaft des Senats (dessen Machthöhepunkt) und
schloß im gleichen Jahr mit dem Kalif Frieden, der alle Verluste
bestätigte. Er verlor in weiteren Kriegen gegen Langobarden, Araber
und Slawen zeitweise neun Zehntel seines Reiches, dazu kamen Thronkriege
gegen den Exarch-Kaiser
Gregorius von Karthago, der 647 gegen die Araber fiel, und Exarch-Kaiser
Olympios von Ravenna, der Sizilien eroberte. Er geriet schroff
gegen Papst Martin I. (649-655), der nicht die kaiserliche
Bestätigung abwartete und das Ekthesis-Edikt verwarf, wie auch das
648 von Konstans
verkündete "Typos"-Schweigegebot
in Religionsdingen. Er ließ 653 Martin I. entführen,
einkerkern und nach Cherson verbannen; er starb dort 655 den Hungertod.
Nach der Seeschlacht bei Kos 655 gingen Zypern, Rhodos und Kos verloren.
Konstans
II.
gewann weitgehend die Hoheit über die Balkanslawen
zurück und residierte ab 653 in Syrakus, um von hier aus die Langobarden
aufzuhalten. Er war 663 in Rom und hatte Papst Vitalian (657-672)
völlig in der Hand, was jedoch zu keinen dogmatischen Streit deshalb
führte. Er versuchte auch, die Selbständigkeit des Exarchen von
Ravenna einzuschränken und scheiteret bei Benevent gegen die Langobarden.
Seine Abwesenheit von Byzanz provozierte neue Arabereinfälle in Kleinasien,
die zu erneuten Verlusten von weiteren Grenzgebieten führte. Er hatte
660 seinen Bruder Theodosius beseitigt
und wurde selbst
ermordet.
Norwich John Julius: Band I Seite 375,378,382,385
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Im Sommer 641 wurde der kleine Herakleios
unter
wachsendem Druck von der Straße zum Kaiser gekrönt und nahm
- vermutlich um eine Verwechslung mit seinem Großvater auszuschließen
- den Namen Konstantin an. Im September
desselben Jahres wurden auf Befehl des Senats Martina
und Herakleonas überraschend verhaftet.
Ihr riß man die Zunge heraus, ihm schnitt man die Nase ab. Dann wurden
beide auf die Insel Rhodos verbannt.
Zu Beginn des Jahres 642 betraute der elfjährige
Konstanz
II. den Senat damit, solange er noch minderjährig war,
mit der Verantwortung für das Wohlergehen des Reiches. Solange die
kaiserliche Familie kein volljähriges Mitglied aufzubieten hatte,
übernahm der Senat als Institution ganz selbstverständlich die
Regierungsgewalt. Doch Konstanz reifte
zu einem entschlossenen, eigenwilligen Autokraten und duldete
diese Stellvertretung nicht lange.
Seine siebenundzwanzigjährige Regierungszeit war
von Anfang bis Ende überschattet vom ständigen Kampf mit den
anscheinend unbesiegbaren Sarazenen. Diese eroberten Ägypten, Nord-Afrika
und die Insel Rhodos.
Die Eroberung von Rhodos - und anschließend der
Nachbarinsel Kos - machte Konstanz
klar, dass er nun die Initiative ergreifen mußte. Ließ er Muawija
einfach weitermachen, würde dieser Insel um Insel erobern und schließlich
vor Konstantinopel auftauchen. Deshalb verließ die kaiserliche Flotte
655 das Marmarameer und segelte die Küste entlang nach Syrien. Sie
traf bei Phönikos (dem heutigen Finike) in Lykien auf die Sarazenen.
Die byzantinische Flotte wurde zerschmettert, Konstanz
konnte
nur entkommen, indem er mit einem seiner Leute die Kleider tauschte; der
Ärmste fiel dann an seiner Statt im Kampf. Durch die Ermordung des
Kalifen
Othman (17. Juni 656) und die anschließenden Kämpfe
zwischen Muawija und Ali
kam Byzanz erst einmal zu Ruhe.
Dem Kaiser, dem seine starke Behaarung inzwischen den
Spitznamen
Pogonatos (der Bärtige) eingetragen hatte, kam
die Verschnaufpause zweifellos recht. Er akzeptierte daher im Jahre 659
bereitwillig
Muawijas Angebot, gegen
die Einstellung der feindseligen Aktionen 1.000 Nomismata Tribut und zudem
ein Pferd und einen Sklaven pro Tag für die Dauer des Friedens zu
bezahlen. Es erhebt sich indes die Frage, warum er nach seiner Thronbesteigung
14 Jahre lang gewartet hatte, bevor er aktiv etwas gegen den Feind unternahm.
Dieselbe Frage stellte sich bei seinem Großvater
Heraklaios,
und auch die Antwort lautete in etwa wie damals: Er benötigte Zeit,
um seine Streitmacht zu formieren. Doch für Konstanz
war noch etwas anderes von Belang: das Unbehagen, das durch den monotheletischen
Disput und das Gerangel um die Macht gegen Martina
entstanden war und Konstantinopel gespalten hatte. Er mußte daher
notgedrungen versuchen, die religiöse und politische Einheit, zumindest
soweit es in seiner Macht stand, wiederherzustellen. Persönlich scherte
er sich um theologische Spitzfindigkeiten nicht.
Während die Ost-Provinzen des Reiches eine nach
der anderen an die arabischen Invasoren fielen, begann Konstanz den westlichen
Reichsteilen verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Seit rund 50 Jahren
hatten sie seinen Vorgängern und ihm praktisch keine Scherereien gemacht;
sein
Großvater Herakleios hatte kaum
einen Gedanken an sie verschwendet. Konstanz
wußte allerdings, dass dieser günstige Zustand nicht ewig andauern
würde. Auf dem Balkan gebärdeten die slawischen Siedler sich
widerspenstig, so dass es zunehmend schwieriger wurde, den jährlichen
Tribut von ihnen einzutreiben. Auf der italienischen Halbinsel war Byzanz,
besonders nach der Verhaftung und dem Prozeß gegen Papst Martin,
verhaßter als je zuvor und Sizilien mittlerweile ernsthaft von den
Sarazenen bedroht. Sie hatten erstmals 652 angegriffen und hielten seither
noch größere Teile der nordafrikanischen Küste besetzt;
von dort aus würden sie über kurz oder lang sicherlich weitere
Vorstöße unternehmen. Das bedeutete nichts anderes, als dass
die westlichen Provinzen so gewiß wie die östlichen vom Reich
abfallen würden, wenn nicht umgehend präventive Vorkehrungen
getroffen wurden.
Die Ruhepause, die dem Reich dadurch vergönnt war,
dass Muawija mit dem Kalifat beschäftigt
war, bot dem Kaiser die willkommene Gelegenheit. Schon 658 führte
er eine Strafexpedition gegen die slawischen Stämme auf dem Balkan
durch, von denen er viele nach Kleinasien verschleppen ließ und dort
ansiedelte. Doch erst 662 fiel die Entscheidung, welche die zukünftige
Geschichte des Byzantinischen Reiches in völlig andere Bahnen hätte
lenken können, nämlich Konstantinopel zu verlassen und den Hof
in den Westen zu verlegen. Rund fünfzig Jahre zuvor hatte sein
Großvater
Herakleios diesen Plan
erwogen, war aber durch das gemeinsame Eintreten des Patriarchen und der
Bevölkerung davon abgebracht worden. Heraklaios
war jedoch außergewöhnlich populär gewesen. Nicht so sein
Enkel. Konstanz hatte die monophysitischen
und monotheletischen Gemeinden gegen sich aufgebracht, indem er ihnen die
Unterstützung versagte, die sie sich erhofft hatten, und die orthodoxen
Gemeinden durch die Art, wie er gegen Martin und Maximus vorgegangen
war. Noch mehr aber lastete man ihn an, dass er 660 skrupellos die Ermordung
seines Bruders Theodosios angeordnet
hatte, nachdem er ihn gezwungen hatte, Priester zu werden. Der wahre Grund
lag nicht, wie er vorgab, in der Verschwörung Theodosios'gegen
ihn, sondern darin, dass Konstanz
ihn
eigentlich hätte zum Mit-Kaiser ernennen müssen, den Gedanken
an eine Teilung seiner Macht aber nicht ertagen konnte.
Behauptungen späterer Chronisten, Konstanz
sei aus Konstantinopel geflohen, um den schrecklichen Bildern seines blutüberströmten
Bruders, die ihn nächtlicherweile heimsuchten, zu entrinnen, kann
man wohl getrost als übertrieben abtun; auch seine Unbeliebtheit
reicht
als Erklärung für diese Entscheidung nicht aus. Sie erklärt
aber bis zu einem bestimmten Grad, warum die Bevölkerung ihn einfach
ziehen ließ. An Popularität hatte ihm nie etwas gelegen, und
solange er sich seiner Position sicher fühlte, war es ihm vollkommen
gleichgültig gewesen, ob ihn die Untertanen mochten oder nicht. Er
verließ die Stadt vielmehr in erster Linie aus einem durchaus ehrenwerten
Motiv, nämlich um die italienische Halbinsel, Sizilien und was von
den afrikanischen Gebieten noch übrig war, vor der Eroberung durch
die Sarazenen zu bewahren. Falls er zusätzlich die Lombarden aus Italien,
oder wenigstens aus dem südlichen Teil der Halbinsel, vertreiben konnte
- um so besser.
Er ließ seine Frau mit drei Söhnen in Konstantinopel
zurück und segelte Anfang 662 nach Griechenland, wo es mehr zu tun
gab, als er angenommen hatte. Er blieb ein ganzes Jahr dort, zuerst in
Thessalonike, dann in Athen; erst im Frühjahr 663 überquerte
er schließlich die Adria und landete mit seinem Heer in Tarent. Die
Lombarden leisteten soviel Widerstand wie möglich, doch verfügten
sie dort nur über kleine Truppenkontingente. Ohne nennenswerte Schwierigkeiten
rückte Konstanz deshalb bis Benevent
vor, das er belagerte. Doch die Stadt hatte schon ein dringendes Hilfsgesuch
an den lombardischen König
Grimuald gesandt, der sich in seiner Hauptstadt Pavia aufhielt
und sofort ein Ersatzheer von beträchtlicher Stärke losschickte.
Falls Banevent sich bis zu dessen Eintreffen zu halten vermochte, würde
sich das Verhältnis der Streitmächte zahlenmäßig zuungunsten
der byzantinischen Truppen umdrehen.
Während das lombardische Heer zügig nach Süden
marschierte, wurde ein Bote, den Grimuald vorausgesandt
hatte, um Benevent von seiner Ankunft in Kenntnis zu setzen, abgefangen
und Konstanz vorgeführt. Der Kaiser
versprach ihm hinterlistig, sein Leben zu schonen, falls er die gegenteilige
Meldung überbringe, nämlich dass keine Hilfe zu erwarten sei.
Der Bote namens Sesuald stimmte zu, schrie jedoch, als man
ihn vor die Mauer zerrte, noch bevor seine Aufseher ihn zum Schweigen bringen
konnten, das Entsatzheer sei unterwegs und bereits am Sangro angekommen.
Kaum vermochte er anschließend noch die Bitte um Unterstützung
von Frau und Kindern hervorzustoßen, da schlug man ihm auch schon
den Kopf ab und schoß ihm mit einem Katapult über die Mauer.
Sesuald hatte Benevent gerettet. Dem kaiserlichen
Heer blieb nichts anderes übrig, als nach Neapel zu marschieren, das
als griechische Stadt auf der Seite des Kaisers stand, und dann weiter
nach Rom, wo Konstanz trotz der üblen
Behandlung Martins von Papst Vitalian offiziell empfangen
und feierlich in die Stadt geleitet wurde. Konstanz
war der erste Kaiser, der seit dem Fall des Weströmischen Reiches
vor beinahe 200 Jahren den Fuß in die Stadt setzte. Im Liber pontificalis
wird lobend erwähnt, er habe in den folgenden zwölf Tagen alle
bedeutenden Kirchen besucht. Weniger erfreut war die römische Bevölkerung,
als er begann, die Stadt der wenigen noch vorhandenen Schätze zu berauben.
Selbst das Kupfer vom Dach des Pantheon ließ er nach Konstantinopel
schaffen. Man wird befreit aufgeatmet haben, als er endlich am 12. Juli
nach Neapel zurückkehrte.
Nachdem Konstanz
gemächlich durch Kalabrien nach Süden marschiert war, setzte
er im Herbst 663 über die Straße von Messina nach Sizilien über
und richtete seinen Hof für die nächsten fünf Jahre in Syrakus
ein. Für Sizilien waren diese fünf Jahre ein einziger fortwährender
Alptraum. Die Ehre, die ihnen dadurch widerfuhr, dass ihre Insel zum Regierungssitz
des Reiches erwählt wurde, war, verglichen mit der unablässigen
Ausbeutung durch die kaiserlichen Steuereintreiber, geradezu ein Hohn.
So sollen, um ihren Forderungen zu genügen, Ehemänner als Skalven
verkauft, Ehefrauen zur Prostitution gezwungen und Kinder von ihren Eltern
getrennt worden sein. Man weiß nicht, wie lange die Auszehrung des
Landes weitergegangen wäre, hätte das Leben des Kaisers nicht
plötzlich ein gewaltsames, schmähliches Ende gefunden. Er wurde
aber nicht etwa Opfer eines Meuchelmordes, und es gab erst recht keine
organisierte Verschwörung. Nein, ihn erschlug vielmehr am 15.
September 668 ein griechischer Diener, während er nichtsahnend
im Bad lag, vermutlich in einem Anfall von Schwermut mit einer Seifenschale.
642
oo Fausta
†
Kinder:
Herakleios
um 650 † 681
ermordet
Konstantin IV.
652 † 14.9.685
Tiberios
um 650 † 681
ermordet
Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 161
- Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I
Seite 375,378, 382,385 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 40,514,539,544,546,548,551,566,571,589,607,633 - Wies
Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen
1986 Seite 217 -