Sohn des Photeinos
Skleros
Nach Collenberg Sohn des Strategos Niketas
und der Georgia, Tochter von Rector Basilios; Urgroßneffe
mütterlicherseits von Kaiser
Basileios
I.
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1988
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Skleros, Bardas, byzantinischer Gegen-Kaiser
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†
991
aus der Familie der SKLEROI
Unter seinem Schwager Johannes
I. Tzimiskes als Stratelates einer der bedeutendsten
byzantinischen Heerführer; Theophanu
(oo 972 Kaiser OTTO
II.) war seine Nichte. Als Tzimiskes
starb, fühlte sich Bardas Skleros
als ‚logischer Nachfolger‘. Auf Initiative Basielios'
Parakoimomenos
an die Ostgrenze versetzt, entschloß
er sich 976 zur Usurpation und brachte den Großteil Kleinasiens
unter seine Kontrolle, unterlag jedoch im Kampf um die Seeherrschaft. Im
März 979 wurde er bei Sarvenis von einer georgischen Armee und byzantinischen
Kräften unter Bardas Phokas vernichtend
geschlagen, worauf er zu den Arabern floh, aber in Bagdad interniert wurde.
987 auf byzantinischen Boden zurückgekehrt, ließ er sich erneut
zum Kaiser proklamieren. Basileios II.
sandte Phokas gegen ihn, der sich aber
kurz danach ebenfalls zum Kaiser ausrufen ließ. Nach einer kurzen
Phase der Kooperation der beiden Gegen-Kaiser ließ
Phokas
Bardas Skleros gefangennehmen. 989 erlag Phokas
vor
Beginn der Entscheidungsschlacht gegen Basileios
II. einem Schlaganfall.
Bardas Skleros,
wieder befreit, versuchte ein letztes Mal sein Glück, ließ sich
aber danach zu einem Ausgleich überreden, der ihm den Kuropalates-Titel
einbrachte.
Bardas, Kaiser 976
†
998
Kinder:
Romanos 976/88
†
Bardas Skleros, General
†
991
Der eine Anführer der Vorhut war der Magistratos
Bardas
Skleros, ein Bruder von Kaiser
Johannes' Frau Maria,
die mehrere Jahre zuvor kinderlos gestorben war.
Bardas hatte in Syrien an Johannes'
Seite
gekämpft und war wahrscheinlich dessen nächster Freund.
Bardas Skleros, mit dem Oberbefehl
gegen die Russen unter Swjatoslaw
betraut, rückte zunächst bis Adrianopel vor. Als sich der Feind
näherte, zog er sich jedoch langsam zurück. In der Schlacht bei
Arkadiopolis wurde das russische Heer vernichtend geschlagen und Swjatoslaw
führte ein besiegtes, aufgeriebenes Heer nach Bulgarien zurück.
Den Aufstand des Bardas Phokas im Jahre
971 unterdrückte er mühelos und ohne Blutvergießen.
Basileios II. verbrachte
die ersten dreizehn Jahre zum Gutteil seiner Zeit damit, den Thron gegen
Angriffe zweier aufständischer Feldherren zu verteidigen, die ihm
diesen mit aller Entschlossenheit entreißen wollten. Der eine war
Bardas
Skleros, Domestikos der Truppen im Osten, der seinem
Schwager Johannes Tzimiskes mit unerschütterlicher
Loyalität gedient hatte und sich als dessen
legitimen Nachfolger
betrachtete,
der andere, vielleicht absehbare,
Bardas Phokas,
ein Neffe des Kaisers
Nikephoros. Im Frühling des Jahres 976, nur ein, zwei Monate
nach dem Tod seines Schwagers Johannes Tzimiskes,
ließ er sich von seinen Einheiten zum Basileus ausrufen, nahm
die Heererskasse in Besitz und marschierte gegen Cäsarea. Bis Herbst
des Jahres 977 hatte er zwei entscheidende Schlachten gewonnen. Im Verlauf
der zweiten war der Befehlshaber der loyalen Truppen, sein ehemaliger
Waffenkamerad Peter Phokas, ums Leben gekommen. Außerdem hatte
Skleros die Unterstützung der
südlichen Flotte gewonnen, die in Attaleia stationiert war. Nachdem
er wenige Monate später Nikäa erobert hatte, zog er seine Truppen
an der asiatischen Küste des Bosporus zusammen und richtete sich auf
eine Belagerung von Konstantinopel zu Wasser und zu Lande ein. Zu Wasser
war der Konflikt schnell entschieden, denn die heimatliche Flotte machte
kurzen Prozeß mit den Schiffen der Rebellen. Als Bardas
Phokas aus dem Exil zurückgerufen wurde und in Cäsarea
ein Heer aushob, blieb
Skleros
keine
andere Wahl, als sich zurückzuziehen. Der folgende Bürgerkrieg
dauerte an die drei Jahre. Es kam zu mehreren blutigen Begegnungen. Bardas
Skleros gelang es jedoch trotz wiederholten taktischen Siegen
nicht, die Streitkräfte seines Rivalen aufzureiben. Sie schafften
es immer wieder, sich in tadelloser Ordnung zurückzuziehen, Verstärkung
zu holen und sich ein, zwei Monate später mit neuen Kräften dem
Kampf zu stellen. Schließlich standen sich die beiden Heere doch
zum letztenmal gegenüber. Das genaue Datum ist umstritten, es muß
jedoch im Frühjahr des Jahres 979 gewesen sein. Als Bardas
Phokas erkannte, dass die Schlacht eine Wendung zu seinen Ungunsten
nahm, forderte er Skleros
heraus, den
Konflikt im direkten Zweikampf zu entscheiden. Mutig - denn Phokas
war ein Hüne von einem Mann - nahm Skleros
die Herausforderung an. Die Soldaten beider Seiten scharten sich um sie,
um zuzusehen. Mit einem wie eine Szene aus der Ilias beschriebenen Auftakt
begann der Kampf. Die zwei Kämpfer galoppierten aufeinander los und
schlugen gleichzeitig zu. Phokas konnte
Skleros'
Hieb ablenken; dieser traf statt seiner das Pferd, durchtrennte dessen
Zaumzeug und verletzte es am Ohr. Sein eigener Hieb dagegen hatte sein
Ziel getroffen. Skleros fiel in seinem
Sattel nach vorne und glitt mit blutüberströmtem Kopf zu Boden.
Ein paar seiner Männer trugen ihn bewußtlos zu einem nahe gelegenen
Fluß, um die Wunde auszuwaschen; die übrigen flohen. Der Krieg
war zu Ende.
Bardas Skleros hatte
Zuflucht bei den Sarazenen gefunden. Man hatte ihn in Halbgefangenschaft
nach Bagdad gebracht, von wo er früher oder später zurückkehren
würde.
Als Bardas Skleros
von den Vorfällen beim Trajaner-Tor hörte, gelangte er zu der
Überzeugung, dass ihm das Reich nun endgültig zur Verfügung
stehe und er nur zuzugreifen brauchte. Mittlerweile saß er in Bagdad
in echter Gefangenschaft, aber es fiel ihm nicht schwer, den
Kalifen Al-Tai zu seiner
Freilassung zu bewegen. Als Gegenleistung versprach er ihm großzügig
die Rückgabe bestimmter Grenzfestungen, sobald er auf dem Thron sitze.
Der Kalif rüstete ihn mit Soldaten, Geld und Proviant aus. Bardas
Skleros kehrte deshalb mit einer ansehnlichen und gut versorgten
Streitmacht nach Kleinasien zurück. In den ersten Wochen des Jahres
987 ließ er sich in Melitene zum zweitenmal zum Basileus ausrufen.
Skleros dürfte nicht besonders
erfreut gewesen sein, als er herausfand, dass viele Adlige Anatoliens Bardas
Phokas bevorzugten, der am 15. August 987 das Reich offiziell
in eigenem Recht beanspruchte. Von beiden Anwärtern war Phokas
nun wesentlich stärker. Bardas
Phokas unterbreitete, da er nicht mit Skleros
im Rücken nach Konstantinopel marschieren konnte, diesem deshalb den
Vorschlag, das reich unter sich aufzuteilen. Ihm würde der europäische
Teil genügen, wozu natürlich Konstantinopel gehörte; Skleros
blieb ganz Anatolien vom Marmarameer bis zur Ostgrenze. Gegen den Rat all
seiner Verbündeten ging Skleros auf
diesen Vorschlag ein. Er war nicht länger auf der Hut - und ging prompt
direkt in die falle. Kurz darauf wurde er verhaftet und verbrachte die
folgenden beiden Jahre hinter den Mauern der Festung von Tyropoion, ironischerweise
am selben Ort, wo er sechszehn Jahre zuvor Bardas
Phokas nach dessen erstem Aufstand ausgehungert hatte. Sein
Rivale dagegen versuchte, die Macht an sich zu reißen.
Nach dem Tod des Bardas Phokas
war Bardas Skleros der einzige Anwärter
auf den Thron von Byzanz. Die zwei Jahre Gefangenschaft in Tyropoion hatte
er unter der Bewachung von keiner geringeren als Phokas'
Frau gestanden. Nach Bardas' Tod betrachtete
sie ihn allerdings nicht mehr als Gefangenen, sondern als ihre einzige
Hoffnung auf Rache. Sie ließ ihn unverzüglich frei, damit er
Gelegenheit bekam, ein neues Heer auszuheben. Skleros
merkte jedoch sogleich, dass es zu spät war. Er war alt geworden und
seine Sehkraft nahm rapide ab. In der relativen Dunkelheit der Zelle hatte
er den grauen Star kaum bemerkt, der mittlerweile beide Augen trübte,
doch als er wieder den strahlenden Himmel Anatoliens über sich hatte,
wußte er, dass es keine Hoffnung für ihn gab. Er würde
bald vollkommen blind sein. Kaiser
Basileios II., der für einmal seine Rachsucht überwand,
machte ihm ein beinahe unglaublich großzügiges Angebot. Er verlangte
lediglich, dass Skleros in aller Form
auf sämtliche kaiserliche Attribute und den Titel eines Basileus verzichtete;
im Gegenzug würde er den
Titel Kuropolates erhalten, und seine
Offiziere dürften ihre Ränge und Titel behalten, sobald sie den
neuen Treueid leisteten, ohne Strafe zu gewärtigen, die einfachen
Soldaten aber nach Hause zurückkehren. Und Bardas
Skleros unterwarf sich seinem Kaiser auf einem kaiserlichen
Landgut in Bithynien.
Literatur:
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Collenberg, Weyprecht Hugo Graf Rüdt von:
Wer war Theophano? Seite 53 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der
König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996 Seite
31,276 - Kresten Otto: Byzantinische Epilegomena zur Frage: Wer war Theophano?
in: Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die
Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums
zum 1000. Todesjahr der Kaiserin. Herausgegeben von Anton von Euw und Peter
Schreiner Köln 1991 Band II Seite 403-410 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band II Seite 269-274,278, 292-299,303 - Tinnefeld
Franz: Die Braut aus Byzanz - Fragen zu Thephanos Umfeld und gesellschaftlicher
Stellung vor ihrer abendländischen Heirat. in: Wolf, Gunther:
Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs Große
Kaiserin, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1991 Seite 261 - Wolf
Gunther: Die "große Frage": Wer war Theophanu" in:
Wolf, Gunther:
Kaiserin Theophanu. Prinzessin aus der Fremde - des Westreichs Große
Kaiserin, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1991 Seite 225-227 -