Anthemius Prokopius                     Römischer Kaiser (467-472)
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um 420/25 11.7.472 ermordet
 

Sohn des Heermeisters Anthemius Prokopius
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 694
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Procopius Anthemius, weströmischer Kaiser 467-472
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    30. Juni 472

Als Nachkomme des Usurpators Procopius (365-366) und des Praefectus praetorio Anthemius zur obersten Gesellschaftsschicht Konstantinopels gehörend und hochgebildet, errang Anthemius militärische Erfolge an der Donau (455 Magister militum). Er war Schwiegersohn Marcians; nicht zuletzt deshalb betraute ihn wohl Leo I. auf Bitte Ricimers um einen Nachfolger für Libius Severus 466 mit der Würde des weströmischen Kaisers (Ausrufung nach Landung in Italien mit starken Kräften am 12. April 467). Seine Politik zielte auf die Gewinnung vor allem römischer Senatsaristokratie ab, doch führten Rivalitäten zwischen Ricimer und dem Anthemius unterstützenden Marcellinus nach dessen Ermordung im Herbst 468 zum Bruch mit Ricimer, seit 467 Schwiegersohn des Anthemius. Die Zerwürfnisse arteten in kriegerische Auseinandersetzungen aus und lähmten die Vorbereitung eines Vandalenkrieges. Anthemius war in Rom isoliert und wurde 472 ermordet. Vorher war der von Ricimer aus Konstantinopel als neuer Kaiser erbetene Olybrius ausgerufen worden.



Thiele, Andreas: Tafel 487
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ANTHEMIUS PROKOPIUS
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    472 ermordet

Sohn des Heermeisters Prokopius

Anthemius war wohl Galater, wurde Senator in Byzanz, 455 Konsul und auch durch den kaiserlichen Schwiegervater Heermeister und Statthalter auf dem Balkan. Er behauptete seine Stellung auch unter Kaiser Leo I. und führte siegreiche Kämpfe gegen Hunnen und Goten. Ricimer ließ ihn durch den Senat von Rom und das Heer zum Kaiser wählen. Mit einer großen Streitmacht landete Anthemius in Italien und wurde in der Nähe von Rom am 1.4.467 nach einem Interregnum von zwanzig Monaten zum Augustus ausgerufen. Der neue Kaiser bemühte sich vor allem um die Gunst des gallo-römischen Adels, der noch immer großen wirtschaftlichen und politischen Einfluß besaß. Sein Feldherr Marcellinus wurde vermutlich auf Anstiften Ricimers im August 468 umgebracht. Damit bahnte sich ein Zerwürfnis zwischen dem Kaiser und Ricimer an. Er kämpfte gegen die Goten und unglücklich gegen die Vandalen, was 471/72 zum offenen Krieg gegen Ricimer führte. Nachdem Ricimer das Heer des Anthemius bei Rom geschlagen hatte, verließen die kaiserlichen Truppen ihren Herrn. Dieser flüchtete in eine Kirche und wurde dort erschlagen. Sein Großvater war der Reichsregent und Prätorianerpräfekt Anthemius ( nach 415).

  oo AELIA MARCIANA
               +

Tochter des oströmischen Kaisers Marcian



Veh Otto: Seite 10
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"Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr."

ANTHEMIUS (PROCOPIUS A.)
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   †

Weströmischer Kaiser 467-472
Senator und Schwiegersohn des oströmischen Kaisers Marcianus, wurde er von dessen Nachfolger Leo I. in den Westen entsandt, wo er durch den allmächtigen Patricius und Königsmacher Ricimer am 12. April 467 zum Augustus ausgerufen wurde. 472 ersetzte dieser ihn durch Olybrius und veranlaßte seine Ermordung nach schweren Straßenkämpfen im Rom (11. Juli 472).
RE I 2365, KP I 371



Grant, Michael: Seite 391,400-405,416
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"Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik."

Als Marcianus starb, hätte eigentlich sein Schwiegersohn Anthemius, der hohes Ansehen genoß, sein Nachfolger auf dem Thron werden müssen. Doch Anthemius (der später Kaiser des Weströmischen Reiches wurde) stand nicht in der Gunst Aspars, des alanischen Heermeisters im kaiserlichen Hauptquartier.
Anthemius (Procopius Anthemius; weströmischer Kaiser) war einer der angesehensten Untertanen des Oströmischen Reiches.
Leos Wahl fiel auf Anthemius, den Mann seiner Tochter Euphemia. Aus Galatien stammend und in griechsischer Philosophie wohlbewandert, nahm er für sich Anspruch, ein Nachfahre jenes Prokopios zu sein, der 365 für kurze Zeit Gegen-Kaiser im Osten war. Anthemius' Vater, der wie er Procopius hieß, war Heermeister und patrizischen Ranges. Sein Großvater mütterlicherseits war jener Anthemius, der für den Knaben Theodosius II. erfolgreich diie Regierungsgeschäfte geführt hatte. Der angehende Kaiser selbst diente von 453 bis 454 als Truppenkommandeur in Thrakien, war von 454 bis 467 Heermeister, wurde 455 zum Konsul gewählt und im gleichen Jahr in den Rang eines Patriziers erhoben. Er schien sogar Aussicht gehabt zu haben, Marcianus' Nachfoger auf dem Thron des Ostens zu werden, bis Leo I. dazu ernannt wurde. Anthemius soll diese Zurücksetzung mit Fassung getragen haben. Er errang sogar für Leo zwei  Siege, den einen, als er 459-464 gegen die Ostgoten in Illyrien kämpfte, und den anderen 466/67 bei Serdica, als er gegen die Hunnen angetreten war. 467 schließlich ernannte ihn Leo zum Kaiser des Weströmischen Reiches.
Nachdem Anthemius sich die Unterstützung des westlichen Heermeisters Ricimer gesichert hatte, indem er ihm seine Tochter Alypia zur Frau gegeben hatte, brach er in Begleitung einer auserlesenen Gesellschaft und von einer beträchtlichen Streitmacht umgeben von Konstantinopel auf.
Aber auch in Italien, wo seine griechischen Lebensgewohnheiten Mißfallen erregten, war Anthemius nicht überall beliebt. Außerdem liefen Gerüchte um, daß er dem Heidentum zugeneigt sei. Erfolglos gegenüber Vandalen und Westgoten, begann er, wie das seine Vorgänger ebenfalls getan hatten, in Ricimer Zweifel ihm gegenüber zu wecken, und ihre Beziehungen verschlechterten sich schlagartig. Der Kaiser soll sein Bedauern darüber geäußert haben, daß er seiner Tochter gestattet hatte, einen Barbaren wie Ricimer zu heiraten, und er wiederum soll seinen Schwiegervater als "Griechentümler" und Galater bezeichnet haben.
Diese gegenseitige Verstimmung führte dazu, daß Italien in zwei feindliche Lager zerfiel, deren Anführer - Anthemius und Ricimer - in Rom und Mediolanum (Mailand) residierten. Epiphanius, der Bischof von Ticinum (Pavia), konnte 470 zwar eine Versöhnung herbeiführen, aber sie hielt nicht lange an, und 472 zog Ricimer nach Süden vor die Tore Roms, um seinen ehemaligen Schützling zu stürzen. Nun war sein Kandidat für den Thron des Westens Olybrius, der mit Placidia der Jüngeren, der Tochter Valentinianus' III. verheiratet war, und der - aus Konstantinopel kommend - in Italien eintraf. Anthemius hatte diesmal die Unterstützung eines Westgotenheeres unter Bilimer, der vermutlich Heermeister in Gallien war, und auch der Senat sowie die Bevölkerung Roms standen größtenteils auf seiner Seite. Es kam zu einer dreimonatigen Belagerung der Stadt und als Folge davon zu Hunger und Seuchen. Schließlich unternahm Ricimer einen Vorstoß am Pons Aelius, an der Brücke gegenüber dem Hadriansmausoleum (der heutigen Engelsburg). Bilimer baute eine starke Verteidigung auf, fiel aber im Kampf, und Ricimers Truppen drängten in die Stadt, wobei ihnen wahrscheinlich Verrat zu Hilfe kam. Anthemius kapitulierte. Als aber das Plündern kein Ende nahm, verkleidete er sich als Bettler und versteckte sich bei ihnen an der Kirche des Heiligen Chrysogonos. Doch man erkannte ihn und köpfte ihn. Diesen Befehl erteilte Ricimers Neffe Gundobad im März oder April 472.
 
 
 
 

  oo Aelia Marciana, Tochter des Kaisers Marcian
            
 
 
 
 

Kinder:

  Flavius Marcian
      nach 480

  Anthemius
        471 gefallen

  Er fiel gegen die Westgoten.

  Romulus
       

  Er rebellierte 479 und floh.

  Prokopius
       

  Er rebellierte 479 auch mit.

  Alypia
      

  oo Flavius Ricimer
            18.8.472
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 27,109,169 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 13,31,35,52,120 - Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 248,259 - Grant, Michael: Der Untergang des Römischen Reiches. Manfred Pawlik Verlagsgesellschaft mbH Herrsching 1988 Seite 50,169 - Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977 Seite 326,391,400-405,416 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band I, 1 Seite 109,110,112,113,115 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Seite 129 - Löwe Gerhard/Stoll Heinrich Alexander: Die Antike in Stichworten. Koehler & Amelang Leipzig 1967 Seite 30 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite Stammtafel 531,559,576,610,613,620 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 197,201 - Schreiber Hermann: Die Vandalen. Siegeszug und Untergang eines germanischen Volkes. Gondrom Verlag Bindlach 1993 Seite176,187,191 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 487 - Veh Otto: Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis & Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 10 -