Jüngerer Sohn des
Grafen Otto III. von Wolfratshausen und der Lauritta
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Dr. Wilhelm Wegener: Seite 155
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38. Heinrich II.
F. u. eV.
(1126/27) siehe 37
selbständig 1138 28/9 Heinricus comes
de W. MB 16, 108;
Vogt von Tegernsee c 1140 nQ 9, 206 u. a. m.
Vogt von St. Emmeram 1150 nQ 8, 420 n 870; IV.
1157 1/5 letztwillige Verfügung für Dießen MB 8, 125
f
+ 1157 2/5 Dießen: anno 1158 (sic) Hainricus
comes de W. (Zusatz 13. Jh. filius fundatoris nostri Ottonis
comitis, sepultus in capitolio) Necr. 1, 17;
Wessobrunn,
Augsburg Dom,
Ursberg Necr. 1, 46, 62, 133;
Salzburg Dom,
Seeon,
Admont Necr. 2, 131, 224, 296;
Brixen Dom (1/5),
Wilten Necr. 3, 6, 64;
Schäftlarn (1/5),
Tegernsee (1158),
Indersdorf (4/5),
Weihenstephan Necr. 3, 123, 145, 184, 209;
Klosterneuburg (1/5) Necr. 5, 29.
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GENAELOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
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Prof. Dr. Otto Dungern: Seite 22
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38. Heinrich II.
1126/27 siehe Vater;
comes de Wolfratshausen 1132/36 (Mb. 29/b. 62/3).
+ vor 2.5.1157 zu Wolfratshausen (siehe Todesfeststellung bei
Oefele; MG.SS. 9.582, Arch. ö. G. II. 351)
Nec. I. 17 (Diessen mit falscher Jahreszahl 1158).
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HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER
GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Dr. J.P.J. Gewin: Seite 146
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54. Heinrich
Graf von Wolfratshausen,
c. 1127-1157 (+).
1127/33. Urkundet mit seiner Mutter Lauritta und seinem Bruder
Otto: Oefele Reg. 334.
1136/57. Vogt von Tegernsee: M. B. VI. 86, 91, 110, 113, 115, 118 ff.,
168 f., 171 ff.
1150. Vogt von St. Emmeram: R. H. nr. 870.
1157 Mai 1. Wolfratshausen. Graf Heinrich
von Wolfratshausen übergibt dem Kloster Diessen zu seinem
Seelenheil und dem seines Bruders Otto,
der auf König LOTHARS Zug bei
der Belagerung der Stadt Pavia gestorben, dann aller seiner Verwandten
dem Kloster Diessen sein ganzes Besitztum im Orte Diessen: Oefele Reg.
318.
1157. Mai 1. Wolfratshausen. Graf Heinrich
schenkt an die nachzunennenden Kirchen die in den Regesten aufgeführten
Besitzungen: Kloster Admont; Reg. 319, Hochstift Brixen, Reg. 320, Schäftlarn
321, St. Ulrich und Afra in Augsburg, Reg. 322, Weihenstephan, Reg. 323,
Diessen, Reg. 325, 326.
1157. Mai 2. Wolfratshausen. Stirbt Reg. 333. siehe auch T.
1. 200-283 (passim).
Note:
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Mit dem Tode des Grafen Heinrich von Wolfratshausen
erlosch die Linie der Grafen von Wolfratshausen.
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Heinrich II. folgte seinem Bruder
Otto IV.; sein Besitz fiel nach seinem Tode an die ANDECHSER Vettern.
Ausstellungskatalog Kloster Andechs:
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Herzöge und Heilige
Da Graf Otto
V. kinderlos starb, so erhielt sein jüngerer Bruder, Graf
Heinrich II., zu den Gütern, die ihn schon beim Tod ihres
Vaters zugesprochen worden waren, auch das Erbe des Verstorbenen. Heinrich
II. war in früheren Jahren unter der Vormundschaft seines
Bruders gestanden und scheint sich in der Folgezeit, allerdings nicht immer
zu seinem Vorteil, weitgehend der politischen Linie seines Onkels, Bischof
Heinrich I. von Regensburg, angeschlossen zu haben. Wie dieser
ergriff er nach Kaiser LOTHARS III. Tod
für den STAUFER KONRAD III. Partei
und beteiligte sich im Sommer 1140 im Gefolge des neuen bayerischen Herzogs,
Luitpold III., aus dem babenbergischen Haus, an der Belagerung der Burg
Valley. Diese endete mit einer empfindlichen Niederlage der Belagerer,
die ihnen Welf VI., der Bruder des 1138 abgesetzten Herzogs Heinrich des
Stolzen, am 13. August beibrachte. Als sich wenige Jahre später aber
bayerische Fürsten, darunter wiederum Bischof
Heinrich von Regensburg, gegen Herzog Heinrich XI. mit dem Beinamen
Jasomirgott, den Nachfolger und Verwandten Luitpolds III., empörten,
zählte allem Anschein nach auch Graf Heinrich
II. zu den Gegnern des BABENBERGERS, wie die Fehde vermuten
lässt die 1146 zwischen ihm und König
KONRADS III. Neffen FRIEDRICH,
dem späteren Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA,
stattfand.
Auch Heinrichs II. Verhältnis
zu den Tegernseern Mönchen war nicht immer ungetrübt. Zwar vertrat
er als Vogt die Anliegen der Gemeinschaft nach außen energisch, doch
das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß er ansonsten
- so sah man es wenigstens im Kloster - verfuhr wie sein Vater. Er war
gegenüber den Hintersassen hart und ungerecht, verlangte Abgaben,
die ihm angeblich nicht zustanden, und ging im Gericht streng gegen die
Klosterleute vor. Nach dem Tod Abt Konrads im Juni 1155 sei das Kloster,
so klagte man später, vollends in seine Gewalt geraten und er habe
es beherrscht wie sein persönliches Eigentum. Zuletzt wollte er sogar
beim Kaiser die Ernennung eines ihm genehmen Abtes durchsetzen, während
zur gleichen Zeit "der Wolf von Freising" - damit meinte man im Kloster
den Onkel FRIEDRICH BARBAROSSAS, Bischof
Otto I. von Freising - versuchte, die Abtei seinem Neffen für 400
Pfund Silber abzukaufen. Zu Abt Konrads Nachfolger wurde allerdings Rupert
gewählt, dem der Kaiser im Sommer 1156 die Reichsabtei verlieh. Der
neue Abt verwies den WOLFRATSHAUSENER
Vogt
bald in seine Schranken. Er erhob Klage am Kaiserhof wegen der Übergriffe
des Grafen und erhielt im Mai 1157 auf dem Reichstag in Würzburg ein
kaiserliches Diplom, mit dem die bislang erfolgreich beanspruchten Rechte
Heinrichs
II. von Wolfratshausen, erheblich eingeschränkt wurden.
Im Kloster behauptete man später,
Graf Heinrich
II. habe sich mit der Schmälerung seiner Rechte nicht zufrieden
geben wollen und versucht, den Abt auf der Heimreise vom Kaiserhof ermorden
zu lassen. Aber das waren nur Gerüchte. Nach der Teilnahme am Würzburger
Reichstag erkrankte
Heinrich II. schwer;
er machte nun fromme Stiftungen für sein Seelenheil an eine Reihe
von Klöstern und Stiften. Dießen erhielt bei dieser Gelegenheit
Heinrichs
Besitz
am Ort und in der näheren Umgebung, darunter die Schönenburg,
den alten Stammsitz; Tegernsee wurde das Gut Aldrans bei Innsbruck zugesprochen,
das es allerdings erst nach langen Auseinandersetzungen erhielt. Als
Heinrich II. am 2. Mai 1157 starb, erlosch mit ihm
die Wolfratshausener Linie der Grafen von Dießen. Der Verstorbene
war offensichtlich nicht verheiratet gewesen. So fiel sein Besitz an die
Verwandten aus dem
Andechser Familienzweig.
Literatur:
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Die Andechs-Meranier in Franken. Europäisches
Fürstentum im Hochmittelalter. Verlag Philipp von Zabern Mainz 1998
Seite 11-13, 19,62,170,367 -