Heinrich II.                                               Graf von Wolfratshausen (1127-1157)
-------------                                            Vogt von Tegernsee und St. Emmeram
    -2.5.1157
     Wolfratshausen

Jüngerer Sohn des Grafen Otto III. von Wolfratshausen und der Lauritta
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
-------------------------------------------------------------------------------------
Dr. Wilhelm Wegener: Seite 155
*****************
38. Heinrich II.

F. u. eV.
(1126/27) siehe 37
selbständig 1138 28/9 Heinricus comes de W. MB 16, 108;
Vogt von Tegernsee c 1140 nQ 9, 206 u. a. m.
Vogt von St. Emmeram 1150 nQ 8, 420 n 870; IV.
1157 1/5 letztwillige Verfügung für Dießen MB 8, 125 f
+ 1157 2/5 Dießen: anno 1158 (sic) Hainricus comes de W. (Zusatz 13. Jh. filius fundatoris nostri Ottonis comitis, sepultus in capitolio) Necr. 1, 17;
Wessobrunn,
Augsburg Dom,
Ursberg Necr. 1, 46, 62, 133;
Salzburg Dom,
Seeon,
Admont Necr. 2, 131, 224, 296;
Brixen Dom (1/5),
Wilten Necr. 3, 6, 64;
Schäftlarn (1/5),
Tegernsee (1158),
Indersdorf (4/5),
Weihenstephan Necr. 3, 123, 145, 184, 209;
Klosterneuburg (1/5) Necr. 5, 29.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
GENAELOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
Prof. Dr. Otto Dungern: Seite 22
******************
38. Heinrich II.

1126/27 siehe Vater;
comes de Wolfratshausen 1132/36 (Mb. 29/b. 62/3).
+ vor 2.5.1157 zu Wolfratshausen (siehe Todesfeststellung bei Oefele; MG.SS. 9.582, Arch. ö. G. II. 351)
Nec. I. 17 (Diessen mit falscher Jahreszahl 1158).
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Dr. J.P.J. Gewin: Seite 146
*****************
54. Heinrich

Graf von Wolfratshausen,
c. 1127-1157 (+).
1127/33. Urkundet mit seiner Mutter Lauritta und seinem Bruder Otto: Oefele Reg. 334.
1136/57. Vogt von Tegernsee: M. B. VI. 86, 91, 110, 113, 115, 118 ff., 168 f., 171 ff.
1150. Vogt von St. Emmeram: R. H. nr. 870.
1157 Mai 1. Wolfratshausen. Graf Heinrich von Wolfratshausen übergibt dem Kloster Diessen zu seinem Seelenheil und dem seines Bruders Otto, der auf König LOTHARS Zug bei der Belagerung der Stadt Pavia gestorben, dann aller seiner Verwandten dem Kloster Diessen sein ganzes Besitztum im Orte Diessen: Oefele Reg. 318.
1157. Mai 1. Wolfratshausen. Graf Heinrich schenkt an die nachzunennenden Kirchen die in den Regesten aufgeführten Besitzungen: Kloster Admont; Reg. 319, Hochstift Brixen, Reg. 320, Schäftlarn 321, St. Ulrich und Afra in Augsburg, Reg. 322, Weihenstephan, Reg. 323, Diessen, Reg. 325, 326.
1157. Mai 2. Wolfratshausen. Stirbt Reg. 333. siehe auch T. 1. 200-283 (passim).
Note:
-----
Mit dem Tode des Grafen Heinrich von Wolfratshausen erlosch die Linie der Grafen von Wolfratshausen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Heinrich II. folgte seinem Bruder Otto IV.; sein Besitz fiel nach seinem Tode an die ANDECHSER Vettern.

Ausstellungskatalog Kloster Andechs:
****************************
Herzöge und Heilige

Da Graf Otto V. kinderlos starb, so erhielt sein jüngerer Bruder, Graf Heinrich II., zu den Gütern, die ihn schon beim Tod ihres Vaters zugesprochen worden waren, auch das Erbe des Verstorbenen. Heinrich II. war in früheren Jahren unter der Vormundschaft seines Bruders gestanden und scheint sich in der Folgezeit, allerdings nicht immer zu seinem Vorteil, weitgehend der politischen Linie seines Onkels, Bischof Heinrich I. von Regensburg, angeschlossen zu haben. Wie dieser ergriff er nach Kaiser LOTHARS III. Tod für den STAUFER KONRAD III. Partei und beteiligte sich im Sommer 1140 im Gefolge des neuen bayerischen Herzogs, Luitpold III., aus dem babenbergischen Haus, an der Belagerung der Burg Valley. Diese endete mit einer empfindlichen Niederlage der Belagerer, die ihnen Welf VI., der Bruder des 1138 abgesetzten Herzogs Heinrich des Stolzen, am 13. August beibrachte. Als sich wenige Jahre später aber bayerische Fürsten, darunter wiederum Bischof Heinrich von Regensburg, gegen Herzog Heinrich XI. mit dem Beinamen Jasomirgott, den Nachfolger und Verwandten Luitpolds III., empörten, zählte allem Anschein nach auch Graf Heinrich II. zu den Gegnern des BABENBERGERS, wie die Fehde vermuten lässt die 1146 zwischen ihm und König KONRADS III. Neffen FRIEDRICH, dem späteren Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA, stattfand.
Auch Heinrichs II. Verhältnis zu den Tegernseern Mönchen war nicht immer ungetrübt. Zwar vertrat er als Vogt die Anliegen der Gemeinschaft nach außen energisch, doch das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß er ansonsten - so sah man es wenigstens im Kloster - verfuhr wie sein Vater. Er war gegenüber den Hintersassen hart und ungerecht, verlangte Abgaben, die ihm angeblich nicht zustanden, und ging im Gericht streng gegen die Klosterleute vor. Nach dem Tod Abt Konrads im Juni 1155 sei das Kloster, so klagte man später, vollends in seine Gewalt geraten und er habe es beherrscht wie sein persönliches Eigentum. Zuletzt wollte er sogar beim Kaiser die Ernennung eines ihm genehmen Abtes durchsetzen, während zur gleichen Zeit "der Wolf von Freising" - damit meinte man im Kloster den Onkel FRIEDRICH BARBAROSSAS, Bischof Otto I. von Freising - versuchte, die Abtei seinem Neffen für 400 Pfund Silber abzukaufen. Zu Abt Konrads Nachfolger wurde allerdings Rupert gewählt, dem der Kaiser im Sommer 1156 die Reichsabtei verlieh. Der neue Abt verwies den WOLFRATSHAUSENER Vogt bald in seine Schranken. Er erhob Klage am Kaiserhof wegen der Übergriffe des Grafen und erhielt im Mai 1157 auf dem Reichstag in Würzburg ein kaiserliches Diplom, mit dem die bislang erfolgreich beanspruchten Rechte Heinrichs II. von Wolfratshausen, erheblich eingeschränkt wurden. Im Kloster behauptete man später, Graf Heinrich II. habe sich mit der Schmälerung seiner Rechte nicht zufrieden geben wollen und versucht, den Abt auf der Heimreise vom Kaiserhof ermorden zu lassen. Aber das waren nur Gerüchte. Nach der Teilnahme am Würzburger Reichstag erkrankte Heinrich II. schwer; er machte nun fromme Stiftungen für sein Seelenheil an eine Reihe von Klöstern und Stiften. Dießen erhielt bei dieser Gelegenheit Heinrichs Besitz am Ort und in der näheren Umgebung, darunter die Schönenburg, den alten Stammsitz; Tegernsee wurde das Gut Aldrans bei Innsbruck zugesprochen, das es allerdings erst nach langen Auseinandersetzungen erhielt. Als Heinrich II. am 2. Mai 1157 starb, erlosch mit ihm die Wolfratshausener Linie der Grafen von Dießen. Der Verstorbene war offensichtlich nicht verheiratet gewesen. So fiel sein Besitz an die Verwandten aus dem Andechser Familienzweig.
 
 
 

Literatur:
------------
Die Andechs-Meranier in Franken. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter. Verlag Philipp von Zabern Mainz 1998 Seite 11-13, 19,62,170,367 -