Begraben: Zisterzienserkloster Königsaal bei Prag
Älteste Tochter des Königs
Johann von Luxemburg-Böhmen aus seiner 1. Ehe mit der Elisabeth
von Böhmen, Tochter von König
Wenzel II.
Veldtrup Dieter: Seite 232,242-249,251-253
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“
Um sich gegen die bedrohliche Koalition im Osten zu sichern,
näherte sich Johann wieder dem
Bayern und nahm seine Zuflucht zu dem bewährten Mittel der dynastischen
Familienpolitik: Er gab dem WITTELSBACHER
am 12. April 1321 Vollmacht, die bereits früher geplante Ehe zwischen
seiner Tochter Margarethaund
LUDWIGS
Verwandtem Heinrich
III. von Nieder-Bayern nunmehr verbindlich zu verabreden. Diese
Verbindung war ganz offensichtlich gegen Ungarn gerichtet, denn Heinrich
war Sohn und Erbe jenes Herzogs
Otto III., der als Gegenkandidat Karl
Roberts von 1305 bis 1307 eine wenig glückliche Rolle als
ungarischer König gespielt hatte.
Das änderte sich, als am 1. September 1339 Herzog
Heinrich II. von Nieder-Bayern starb, der Ehemann von KARLS
ältester Schwester Margarethe.
Was lag da näher, als dass der Gedanke aufkam, die Witwe mit dem polnischen
König Kasimir zu verbinden in der Hoffnung, dass aus dieser
Ehe Söhne hervorgehen würden, die den Thronfolgeanspruch der
Ungarn erlöschen ließen. Wir wissen aus KARLS
Vita, dass er auf dem Rückweg von jener Reise, die ihn zu seinem Vater
nach Frankreich und Avignon geführt hatte, etwa im März 1340
im Auftrag Johanns bei Margaretha
gewesen ist um ihr, die in Auseinandersetzungen mit LUDWIG
DEM BAYERN geraten war, beizustehen. Es ist wohl nicht übertrieben
zu vermuten, dass es bei diesem Besuch auch darum ging, ihre Zustimmung
zu einer Ehe mit Kasimir von Polen zu
erhalten.
Margarethawar damals
27 Jahre alt. Sie war am 8. Juli 1313 als 1. Kind aus der Ehe Johanns
von Luxemburg mit
Elisabeth von Böhmen
geboren worden und war nach ihrer Großmutter, der Königin
Margaretha, benannt worden. Bereits mit 14 Monaten war sie in
die dynastische Politik ihres Vaters einbezogen worden, als dieser am 20.
September 1314 LUDWIG DEM BAYERN den
Auftrag gab, sie mit Heinrich
III. von Nieder-Bayern, dem Sohn
Ottos III. zur Ehe zu versprechen. Am 12. April 1321 erteilteJohann
dem Bayern erneut eine Vollmacht, die entsprechenden Verträge unter
Modifizierung der vor 7 Jahren getroffenen güterrechtlichen Abmachungen
abzuschließen. Damals war vorgesehen worden, dass Margaretha
von ihrem Vater eine Heimsteuer in Höhe von 10.000 Mark erhalten sollte,
für die die böhmischen Städte Dernis und Klattau verpfändet
wurden; LUDWIG für seinen Neffen
eine Mannesgabe von 11.000 Mark in Aussicht gestellt, die er gegebenenfalls
durch Verpfändung der Burgen Mitterfels und Natternberg sowie der
Städte Weichs und Deggendorf zu sichern versprochen hatte. Im Gegensatz
zu den damals getroffenen Vereinbarungen wurde nun eine Heimsteuer von
6.000 Mark und eine Mannesgabe von 12.000 Mark festgesetzt.
Das symbolische Beilager der beiden fand am 12. August
1322 in Landshut statt. Johann von Böhmen
setzte die Bürger von Iglau davon ausdrücklich in Kenntnis; Elisabeth
hingegen begleitete ihre Tochter zu den Feierlichkeiten nach Bayern und
blieb dort für mehr als zwei Jahre. Die Heimsteuer, die Margaretha
erhielt, war wegen der desolaten finanziellen Lage ihres Vaters offensichtlich
nicht bar ausgezahlt worden; aus der Tatsache, dass Herzog
Heinrich 1331 im Besitz der böhmischen Stadt Taus ist, kann
man den Schluss ziehen, dass ihm diese Stadt zur Sicherung ihrer Frauengabe
verpfändet worden ist.
Am 1. September 1339 starb Heinrich
II., wahrscheinlich an Aussatz.
LUDWIG
übernahm
die Vormundschaftsregierung für den einzigen Sohn Johann,
muss aber bereits jetzt begonnen haben, der Herzogin-Witwe
Margarethe politische und finanzielle Schwierigkeiten zu bereiten,
bei denen es hauptsächlich um die Festung Burghausen gegangen zu sein
scheint, die ihr als Leibgedingestadt zugewiesen worden war. Deshalb erhielt
KARL
von seinem Vater den Auftrag, seine Schwester auf dem Rückweg von
Frankreich nach Böhmen in Bayern aufzusuchen und ihr gegen LUDWIG
beizustehen;
als er eintraf, war es ihr jedoch bereits aus eigener Kraft gelungen, sich
gegen den Kaiser durchzusetzen.
Gegen Ende des Jahres 1340 verschlechterte sichMargarethes
Situation in Bayern dramatisch: Am 20. Dezember starb ihr 11-jähriger
Sohn. Da das Land nun an den Kaiser fiel und Ober- und Nieder-Bayern nach
85-jähriger Trennung wieder vereinigt werden konnten, blieb der Verdacht
nicht aus, LUDWIG habe seinen jungen
Verwandten vergiften lassen.
Zwar bestätigte LUDWIG
auch die Rechte Margarethas, doch gab
es erneut Streitigkeiten um Burghausen: Die Leibgedingestadt der Herzogin
hatte sich am 27. Februar dem Kaiser übergeben müssen. Nach erfolglosen
Vermittlungsversuchen durch Herzog Rudolf von Sachsen im Juni zu Frankfurt
schreibt nämlich Johann am 2.
Juli 1341 dem Rat und der Gemeinde der Stadt, dass seine Tochter Burghausen
laut Schreiben vom 15. Juni (ausgestellt in Prag) an den Kaiser und seine
Nachkommen abgetreten habe; er, Johann,
habe ihr dafür als Ersatz Güter in Böhmen angewiesen und
entpflichtete die Burghausener von allen geleisteten Eiden. Tatsächlich
hatte Margaretha inzwischen Nieder-Bayern
verlassen und war am 20. Mai unter Freudenbekundungen der Bevölkerung
in Prag eingetroffen. Benesch von Weitmühl lässt uns wissen,
dass ihre Einwilligung dazu invita et renitens erteilt haben, und als kurz
darauf Kasimir mit Geschmeide und kostbaren
Gewändern für seine Braut in Prag eingetroffen sei, war sie nach
der Schilderung des Heinrich von Rebdorf bereits ex dolore infirmatur.
Indessen – bis zur Eheschließung sollte es nicht kommen. Zwei Tage
vor der Heirat, die an Margarethas Namensfest,
dem 13. Juli, stattfinden sollte, starb die gerade 28-jährige.
Margaretha von Luxemburg
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* 8.7.1313, + 11.7.1341
Prag
Prag
Begraben: Zisterzienserkloster Königsaal bei Prag
Tochter von König Johann von Luxemburg-Böhmen und seiner 1. Frau Elisabeth von Böhmen
1.) – Koblenz 20.91314, ~ Eger 12.4.1321
Heinrich III. der Natternberger
Herzog von Nieder-Bayern
* 28.8.1312, +18.6.1333
Schloß Natternberg
Schloß Natternberg
bei Deggendorf
bei Deggendorf
Begraben: Zisterzienserinnenkloster Seligenthal bei Landshut
Sohn von Herzog Otto III. (Ex-König von Ungarn) und seiner 2. Frau Agnes von Schlesien-Glogau
2.) ~ symbolisches Beilager Landshut 12.8.1322, oo Straubing 12.2.1328
Heinrich II. Herzog von
Nieder-Bayern
* 29.9.1305, + 1.9.1339
Landshut
Landshut
Begraben: Zisterzienserinnekloster Seligenthal Landshut
Sohn von Herzog Stefan I. und der Jutta von Schweidnitz
3.) ~ Prag um 20.5.1341
Kasimir
III. der Große König von Polen
* 30.4.1310, + 5.11.1370
Kowal/Kujawien Krakau
Begraben: Kathedrale Krakau
Sohn von König Wladislaw
I. Lokietek und der Hedwig von Kalisch
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12.2.1328
oo Heinrich der Ältere Herzog von Nieder-Bayern
29.9.1305-1.9.1339
Kinder:
Johann I. Herzog von Nieder-Bayern
29.11.1329-20.12.1340
Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 56,63,75,94 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und
Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV.,
Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit. Verlag Fahlbusch/ Hölscher/Rieger
Warendorf 1988 -