Tochter des Großfürsten Rostislaw
II. von Kiew und der Anna von Ungarn,
Tochter von König Bela IV.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1571
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Kunigunde, böhmische Königin
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* um 1244, + September 1285
Tochter des russischen Fürsten Rostislav Michajlovic von Halic und der ARPADIN Anna, der Tochter des ungarischen Königs Bela IV.
oo 25. Okt.1261 böhm. König Otakar II.
Sie übte auf ihren Gatten, vor allem in Fragen der Ungarnpolitik,
beträchtlichen Einfluß aus. Nach dem Tode König Otakars
(1278) lavierte Kunigunde erfolglos
zwischen RUDOLF von HABSBURG und Otto
V. von Brandenburg. Obwohl sie als Mutter des Thronfolgers Wenzel die 'erste
Dame des Königreiches' war, verfolgte sie vorwiegend persönliche
Interessen. Als Geliebte Zawischs
(von Falkenstein) beschwor Kunigunde
politische Komplikationen herauf, da sie den jungen König Wenzel II.
(1283-1305) dem Einfluß dieses selbstbewußten Magnaten aussetzte.
Kunigunde starb bald nach der Eheschließung
mit Zawisch
(Mai 1285).
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Kunigundes Mutter
Anna (* 1226/27) floh 1270 mit dem Thronschatz nach Böhmen,
weshalb ihr Bruder, König Stephan V.,
Krieg gegen Böhmen führte.
Johann Franzl: Seite 63,134,145,172,176,180,200
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"Rudolf I."
Ottokars Ehe mit der ältlichen Margarete von Babenberg wurde
getrennt und der vitale, in der Blüte seiner Jahre stehende Mann wandte
sich einer Jüngeren zu, Kunigunde von Machow.
Seine Gemahlin, Kunigunde von Machow,
die böse Slawin, die "Teufelin", das Gegenstück zur verstoßenen
Margarete, habe seinen gekränkten Ehrgeiz angestachelt. Anschaulich
wußten wortgewandte Chronisten Kunigundes
verderblichen Einfluß auf Ottokar auszumalen: Solange
RUDOLF fern gewesen sei, so die Königin keifend zu ihrem
Gemahl, habe er ihn nach Hundeart angebellt. Nun, da der HABSBURGER
nahe sei, derselbe Mensch, der einst habe in böhmische Dienste treten
wollen und ihn durch sein graues Wams zum Gespött gemacht, wage er
nichts wider ihn. Nicht mehr werde sie mit ihm das Lager teilen, ehe er
nicht diese Schmach mit eigener Hand getilgt. Den Vorwurf der Feigheit
habe der gekränkte König nun doch nicht auf sich sitzen lassen
wollen und erzürnt habe er ausgerufen, er könne alles ertragen,
nur nicht die Schmährede eines Weibes.
Nach dem Tode Ottokars ruhte jetzt das Schicksal der altehrwürdigen
Dynastie der PRZEMYSLIDEN auf den Schultern einer schwachen Frau:
Kunigunde von Machov, die Witwe, die
"femme fatale", sie hatte Ottokar angeblich zum verhängnisvollen
Kriegszug gegen RUDOLF aufgehetzt.
War ihr Stolz so sehr gebrochen durch den tragischen Tod ihres Gemahls,
fürchtete sie RUDOLF von Habsburg,
den sie zuvor verachtet hatte, nun so sehr, dass sie bereit war, ihm Böhmen
kampflos preiszugeben? Sie hatte sich auch an ihren Schwager, dem Markgrafen
Otto den Langen von Brandenburg um Hilfe gewandt, doch diese Hilfe ließ
auf sich warten. Ihr verstorbener Gemahl, so schrieb sie dem Brandenburger,
habe ihn zum Vormund ihrer Kinder und zum Verweser des Reiches bestimmt.
So möge er denn jetzt so schnell wie nur möglich kommen und sie
und ihre Kinder retten vor dem drohenden Unheil. Denn der römische
König sei im Anzug und wolle ihrem Sohn das Erbe entreißen.
Ihr verzweifelter Hilferuf verhallt nicht ungehört, doch dauert
es geraume Zeit, bis der Markgraf seine Truppen versammelt hat, um nach
Böhmen zu ziehen. So lange indes glaubt die Königin nicht mehr
warten zu können. Sie entschließt sich zu einem kühnen,
überraschenden Schritt. Sie wird RUDOLF von
Habsburg entgegenreisen. Am 16. Oktober trifft sie den König
bei der Abtei Sedletz nahe Kuttenberg. Es ist keine hochmutige Königin
mehr, die da ins Lager RUDOLFS kommt,
sondern eine gebrochene Frau in Trauergewändern, ihre Kinder Wenzel
und Agnes an der Hand führend. Mit der weinenden Witwe haben der König
und seine Ratgeber leichtes Spiel. Bereitwillig gesteht sie zu, was man
von ihr verlangt. RUDOLF von Habsburg
wird die Regierung Böhmens übernehmen "anstelle der Erben und
zu Nutzen und Vorteil der königlichen Kinder". Kunigunde
erhielt 3.000 Mark Einkünfte im Gebiet von Troppau und
wird angewiesen, den Gegnern dieses Vertrages keine Unterstützung
zu geben.
Während der habsburgisch/böhmischen
Doppelhochzeit hätte selbst König Ottokar beim Anblick
der prächtig geschmückten Königin
Kunigunde seine Freude gehabt, deren Reize sogar auf den römischen
König ihren Eindruck nicht verfehlten. Anschaulich schildern Otachars
Verse, wie RUDOLF ihr einen recht herzhaften
Kuß gab zum Zeichen der Versöhnung, während Kunigunde,
die ja bei den Zeitgenossen wohl nicht ganz zu Unrecht im Rufe der Leichtfertigkeit
stand, gar in Minne entbrannte zu dem immerhin schon 60-jährigen HABSBURGER.
Nicht wie ein Vormund des minderjährigen Königs benahm sich
Markgraf Otto der Lange, sondern wie ein tyrannischer Landesherr, grausam
hauste die brandenburgische Besatzungsmacht. Königin
Kunigunde wurde verhaftet, der kleine Wenzel nach Brandenburg
entführt. Nach dem 1280 unternommenen Einfall König
RUDOLFS in Böhmen verspricht Otto der Lange, den kleinen
Wenzel nach Prag heimzuholen und der Königin Kunigunde 1.600 Mark
Rente anzuweisen.
Johann Franzl: Seite 231
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"Rudolf I."
1283 wurde der 12-jährige Wenzel aus der Vormundschaft entlassen
und nach Prag eingeholt. Der wahre Regent aber hieß nicht Wenzel,
sondern Zawisch
von Falkenstein, jener
Zawisch, der einst in dem Konflikt zwischen RUDOLF
und Ottokar eine trübe, heimtückische Rolle spielte. Indessen
hatte der listige und machtgierige Mann das Herz der heißblütigen
Königin Kunigunde erobert, die, ungeachtet der Tatsache, dass der
WITIGONE zu den gefährlichsten
Feinden ihres verstorbenen Gemahls gezählt hätte, mit diesem
Verehrer intimsten Umgang pflog und im geheimen sich sogar mit ihm vermählte.
Was die WITIGONEN zu Ottokars
Zeiten mit Waffengewalt nicht erreicht hatten, fiel ihnen jetzt durch die
ungezügelte Leidenschaft einer verblendeten Frau gleichsam in den
Schoß. Bald waren die einflußreichsten Ämter Böhmens
in den Händen des heimlichen Prinzgemahls und seiner Verwandten, während
der nominelle König, der kleine Wenzel, von den Regierungsgeschäften
ausgeschlossen, ein Schattendasein führte.
Inzwischen war der intrigante Ratgeber gestürzt, seine Konzepte
aber, die auf eine Restauration der einstigen böhmischen Großmacht
zielten, an deren Untergang er ja keineswegs unschuldig war, gefielen dem
mißtrauischen und ehrgeizigen König Wenzel immer noch. Am 24.
August 1290 wurde
Zawisch vor den Mauern der Frauenburg bei Budweis enthauptet, weil
sein Bruder Witigo die Übergabe der Festung an die königlichen
Truppen verweigerte. So endete der Mann, von dem das Gerücht ging,
er habe selber König von Böhmen werden wollen.
28.10.1261
1. oo 2. Premysl Ottokar II. König von Böhmen
1230-26.8.1278
1279
2. oo Zawisch Graf von Falkenstein
-24.8.1290
Kinder:
1. Ehe
Agnes
5.9.1269-17.5.1296
Prag Prag
1289
oo Rudolf II. Graf von Habsburg
um 1270-10.5.1290
Kunigunde
1.1265-28.10.1321
als Äbtissin von St. Georg zu Prag
oo Boleslaw II. Herzog von Masowien-Plock
nach 1251- 1302
Wenzel II.
17.9.1271-21.6.1305
Literatur:
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Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron,
Verlag Styria 1986, Seite 63,134,145,172,176, 180,200,231 - Westmitteleuropa
– Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand
Seibt zum 65. Geburtstag, hg. von Winfried Eberhard, Hans Lemberg, Heinz-Dieter
Heimann und Robert Luft, R. Oldenbourg Verlag München 1992, Seite
297,304 - Jörg K. Hoensch: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der
goldene König Verlag Styria Graz Wien Köln 1989, Seite 58,107,120,122,124-128,132,140,165,170,192,239,243,248,256
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