Gregor X.                                        Papst (1.9.1271-1276)
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um 1210-10.1.1276
Piacenza  Arezzo

Sohn des Uberto Visconti

eigentlich Tebaldo ViscontiI
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1672
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Gregor X., Papst seit 1. September 1272 (Wahl in Viterbo)
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* um 1210, + 10. Januar 1276
Piacenza    Arezzo

eigentlich Te(d)aldo (Tebaldo) Visconti (Vicedominus)

Studium in Paris (?), Domherr in St-Jean in Lyon (Teilnahme am I. Konzil von Lyon?), Archidiakon von Lüttich, seit 1259 im Gefolge päpstlicher Legaten in England, 1271 Pilgerfahrt ins Heilige Land; dort erreichte ihn die Nachricht seiner Wahl, die eine fast dreijährige Sedisvakanz des Heiligen Stuhls (seit 29. November 1268) beendete. - Die Rettung der loca sancta galt als besonderes Bemühen während Gregors X. gesamten Pontifikat ("der letzte Kreuzzugspapst"), sie war auch Hauptmotiv bei Berufung und Durchführung des II. Konzils von Lyon, das vorrangig die Hilfe für Palästina behandelte: Beschluß eines 6-jährigen Zehnten für alle Kleriker, Aufruf zu einem neuem Kreuzzug. Dessen Absicherung sollte auch eine Übereinkunft mit dem byzantinischen Kaiser Michael VIII. (oft fälschlich als Kirchenunion bezeichnet) dienen und ebenso die Kontakte zum Reich der Ilchane und zum chinesischen Herrscher Kublai Khan. Dauerhafte Folgen hatte die Neuordnung der Papstwahl, bei der das Konklave eingeführt wurde (Konstitution "Ubi periculum"). - Politisch löste sich Gregor X. aus den frankophilen Beziehungen seiner Vorgänger, hielt zwar enge Verbindung zu König Philipp III. von Frankreich, distanzierte sich aber von den Zielen des Königs Karl I. (von Anjou) von Neapel-Sizilien, sowohl was dessen italienische Absichten anging (Griff nach Mittel- und Oberitalien mit Hilfe der Wahl zum Signore in den dortigen Stadtstaaten) als auch vor allem im Blick auf die imperialen Absichten Karls im Mittelmeerraum (geplante Rückeroberung von Byzanz, Erwerb des Königstitels von Jerusalem). Im Sinne seiner Kreuzzugspläne stützte Gregor X. vielmehr die herkömmlichen staatlich-politischen Strukturen in Europa und brachte die traditionelle päpstliche Rolle gegenüber dem deutschen Herrscher zur Geltung: Aufforderung an die Kurfürsten zur Königswahl (1273), Bestätigung RUDOLFS VON HABSBURG nach Wahlprüfung und Garantieerklärung des neuen Königs, Treffen mit demselben im Oktober 1275 in Lausanne zur Verabredung von Romzug, Kaiserkrönung und Kreuzfahrt, Verhandlungen mit ALFONS X. VON KASTILIEN, die zu dessen Abdankung als Prätendent auf die römisch-deutsche Krone führten.



Thiele, Andreas: Tafel 441
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

GREGOR X. (THEOBALD VISCONTI)
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    + 1276

Theobald Visconti, Neffe von Andreas, war Archidiakon von Lüttich und wurde 1271 nach 3-jährigem Interregnum, dem längsten nach 308 Jahren Papst. Er weilte zur Zeit seiner Wahl als päpstlicher Legat vor Akkon, war Mitglied des Kreuzzuges von Eduard I. von England und galt als krasser Außenseiter. 1272 in Rom gekrönt, förderte er stark die Wahl RUDOLFS VON HABSBURG zum deutschen König und ddessen Kaiserpläne, um ihn gegen das mächtige Haus ANJOU-SIZILIEN aufzubauen. Er berief 1274 ein Konzil nach Lyon, wollte entschieden die Kreuzzugsidee neu beleben und eie Kirchenunion mit Byzanz erreixchen, scheiterte aber letztlich mit beiden Zielen völlig. Gregor X. schaffte neue Konklavebestimmungen, um eine lange Vakanz zu verhindern und erhob Bonaventura zum Kardinal.



Kühner Hans: Seite 199
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"Lexikon der Päpste."

Nach dem längsten Interregnum seit der Zeit von Marcellinus, und während nach dem Untergang der STAUFER in Deutschland die "kaiserlose, die schreckliche Zeit" herrschte, wurde der Archdiakon von Lüttich, also kein Kardinal, zum Papst gewählt. Die Schuld an diesem unhaltbaren Zustand nach dem Tode von Klemens IV. trug Karl I. von Neapel-Sizilien, der die von ihm abhängigen Kardinäle gegen die gegnerische Gruppe hetzte, die sobald wie möglich einen neuen Kaiser und mit ihm ein Gegengewicht gegen Karl I. wünschte. Der König verstand es in diesen Jahren, seine terroristische Diktatur zu festigen und dabei sein Hauptziel, die Rückeroberung von Byzanz, zu verfolgen.
Den Papst beschäftigten ein neuer Kreuzzug, der jedoch nie zustande kam, und die Kirchenunion mit Byzanz, die auch Kaiser Michael VIII. anstrebte, um sich dadurch ein Gegengewicht gegen die Expansionsgelüste Karls I. zu sichern. Dieser widersetzte sich natürlich der Union. Er fuhr mit seinen Eroberungen in Griechenland fort und nannte sich bereits König von Albanien.
Auf dem Konzil von Lyon kam, gegen den Willen von Klerus und Volk von Byzanz, die Kirchenunion zustande, doch ihr Anlaß war rein politischer Natur, und politisch blieben ihre Folgen. Der durch die Untaten des 4. Kreuzzuges noch verschärfte Haß von Byzanz auf Lateinertum und Westen war auch durch Gewaltmaßnahmen Michaels VIII. nicht mehr zu besiegen. Das äußerste, was der Papst erreichte, war ein kurzer Waffenstillstand zwischen Michael VIII. und Karl I.
Klugheit und Festigkeit bewies der Papst bei den Vorgängen, die der Königswahl RUDOLFS VON HABSBURG vorausgingen. Die Forderungen Philipps III. von Frankreich, des Neffen Karls I., nach der Kaiserwürde entschied er ablehnend. Auch König Ottokar II. von Böhmen machte sich vergeblich Hoffnungen auf päpstliche Hilfe zur Erlangung der deutschen Krone. Der Papst forderte vielmehr die Kurfürsten zuur Wahl auf und anerkannte RUDOLF VON HABSBURG, der alle Rechte der Kirche beschwor. Den Prätendenten ALFONS X. VON KASTILIEN zum Verzicht zu bewegen, gelang dem Papst erst nach langen Verhandlungen. Hingegen ist es ihm gelungen, Karl I. zu einem Bündnis mit RUDOLF VON HABSBURG zu bewegen. Zur Kaiserkrönung ist es nicht gekommen.
Um eine nochmalige Sedisvakanz wie die seiner Wahl vorausgegangene zu vermeiden, setzte der Papst mit dem Dekret Ubi periculum neue Konklavebestimmungen durch.
 
 
 
 

Literatur:
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Kühner Hans: Lexikon der Päpste. Fourier Verlag Wiesbaden 1977 Seite 199 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 441 -