EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XVI Tafel 113
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1071
*******************
Truhendingen
--------------
Schwäbisch-fränkisches, seit 1129 urkundlich bezeugtes Adelsgeschlecht, benannt nach seinem Stammsitz Altentrüdingen bei Gunzenhausen (Mittelfrankern), das seit 1264 den Grafentitel führte. Früher gelegentlich angenommene Verwandtschaft mit den STAUFERN, deren Anhänger sie waren, läßt sich nicht nachweisen. In der 2. Hälfte des 13. Jh. weichen die von Truhendingen vor den Grafen von Oettingen zurück und errichteten in Hohentrüdingen auf dem Hahnenkamm einen neuen befestigten Sitz. Dort sowie im Ries um Pfäfflingen, Dürrenzimmern und Wechingen konzentrierten sich ihre Grundherrschaft und Herrschaftsrechte. Dazu hatten die von Truhendingen die Vogtei über die fuldische Propstei Solnhofen inne, über Kloster Heidenheim sowie über Güter des Hochstifts Eichstätt und des Klosters Ellwangen mit der Altmühlfürt bei der Siedlung Gunzenhausen, deren Aufstieg zur Stadt (1240/50) sie förderten. Die von Truhendingen waren in mehreren Domkapiteln, besonders in jenem von Bamberg, vertreten; Siegfried war Bischof von Würzburg (1146-1150), Friedrich Bischof von Bamberg (1163-1165). Mit der Veräußerung der Güter am Obermain, die den von Truhendingen nach Aufteilung der meranischen Herrschaft (Andechs) zugefallen waren, gegen Ende des 14. Jh. setzte der Niedergang des Geschlechtes ein. Es erlosch, wie es scheint, mit dem zuletzt in Preußen als Angehöriger des Deutschen Ordens 1458 genannten Heinrich IV.
Literatur:
----------
H. Russ, Die Edelfreien und Gf.en v. T., 1992.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Dr. Heinz Bühler: Seite 27
*****************
"Die Geschichte der frühen Staufer"
In einer Urkunde Kaiser FRIEDRICHS I. von 1165 wird Adalbert von TRUHENDINGEN
"consanguineus" (Blutsverwandter) des Herzogs Friedrich von Rothenburg
(1152-1167), des Sohnes König KONRADS III., genannt. Die Genealogie
der STAUFER ist hinreichend bekannt; unter den Vorfahren Friedrichs von
Rothenburg zurück bis zu Friedrich "von Büren" (1053) bietet
sich keine Möglichkeit, die bezeugte Verbindung zu den TRUHENDINGERN
zu knüpfen. Sie muß noch früher gekommen sein.
Ein ähnliches Ergebnis zeitigt die Besitzgeschichte. Der Besitz
der TRUHENDINGER zieht sich von der Gegend um den Hesselberg herunter bis
ins südliche Ries. TRUHENDINGISCHER Besitz findet sich heir insbesondere
in Dürrenzimmern, Pfäfflingen, Ehringen, Wechingen, Fessenheim,
Alerheim, Enkingen, Kleinerdingen, Herkheim Reimlingen, Appertshofen und
Schrattenhofen. Er überschneidet sich mehrfach mit dem der STAUFER,
etwa in Alerheim und Reimlingen, aber auch mit dem der Anhauser Stifter,
der letztlich STAUFISCHEN Ursprungs war, und zwar in Dürrenzimmern
und Fessenheim; er liegt zudem in nächster Nachbarschaft der STAUFISCHEN
Feste Wallerstein. Somit dürfte sich der Besitz der TRUHENDINGER von
dem der STAUFER im Zuge einer Erbteilung abgespalten haben. Diese Abspaltung
müßte allerdings schon erfolgt sein, ehe die STAUFER im Rems-Fils-Gebiet
Fuß faßten, denn dort waren die TRUHENDINGER nicht begütert.
Im Rems-Fils-Gebiet aber ist als 1. STAUFER Friedrich "von Büren"
(1053) nachweisbar. Somit kann die Abspaltung spätestens in der Generation
des Riesgrafen und Pfalzgrafen Friedrich (1027-1053) erfolgt sein. Das
führt uns zu folgendem Ergebnis: Eine Schwester des Riesgrafen und
Pfalzgrafen Friedrich (1027-1053) dürfte einen Adalbert geheiratet
haben, der 1053 unter den "Optimaten" des Ries und des Sualafelds erscheint
und als Vorfahr der Herren von TRUHENDINGEN zu betrachten ist. Sie hätte
den Namen Friedrich samt STAUFISCHEN Besitz ins Haus TRUHENDINGEN gebracht.
So erfahren wir auf dem Umweg über die Blutsverwandtschaft der
TRUHENDINGER zu den STAUFERN erneut, dass die letzteren spätestens
im ersten Viertel des 11. Jahrhunderts im Ries ansässig waren. Wenn
sodann die STAUFISCHE Stammmutter der TRUHENDINGER den Namen Friedrich
ins Haus brachte, dürfte sie selbst die Tochter eines Friedrich sein.
Dies wäre eine Bestätigung, dass der 987 genannte Graf Friedrich
ihr Vater und somit der Vater ihrer Geschwister Berta und Friedrich (1027-1053)
war.