Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1919
*******************
Bentheim
-----------
Grafschaft, ein aus einer Allodialgrafschaft des 12. Jahrhunderts hervorgegangenes
spätmittelalterliches Territorium im Randgebiet der Bistümer
Münster und Utrecht. Abgesehen von wenigen Zugängen im Westen
und Süden, waren die zwei Siedlungskammern des Territoriums um Schüttorf
und Bentheim selbst (Ober-Grafschaft) sowie um Uelsen und Hilten (Nieder-Grafschaft)
nach allen Richtungen durch Moor- und Heideflächen vom Umland abgeschlossen,
untereinander jedoch durch die von Südosten nach Nordwesten fließende
Vechte und ihre 2-3 km breite Talaue verbunden. Zwischen 1126 und 1137
muss König LOTHAR III. die Burg
Bentheim, die er 1116 in Auseinandersetzungen mit
HEINRICH V. zerstört hatte, seinem Schwager Graf
Otto von Salm-Bentheim übertragen haben, doch erst dessen
Witwe Gertrud ist - zuerst 1154 - als
"comitissa... de Benetheim" bezeugt.
Der Einfluss der Rhienecker blieb auf die Ober-Grafschaft beschränkt.
Nach dem Aussterben der Rhienecker gelangte Bentheim
1154/65 auf dem Wege der Erbfolge an eine jüngere Linie der Grafen
von Holland, die mit Otto,
der 1171 in einer Urkunde Heinrichs des Löwen als
"comes de Binetheim" bezeugt ist, das Grafenhaus
BENTHEIM begründete. Die seit 1146 bestehende Lehnshoheit
Utrechts über Bentheim wurde 1178/96
als Ottos
älterer Bruder Balduin Bischof von
Utrecht war, aufgehoben. In der gleichen Zeit erhielten die
Grafen von Bentheim die sogenannte
Nieder-Grafschaft, deren Gebiet noch 1131 als Bestandteil der Utrecht gehörenden
Twente gegolten hatte. Ein 3. Schwerpunkt der Bentheimer
Herrschaft wurde der Bereich um das etwa 1152 gegründete Familienkloster
Wietmarschen, wo die Bentheimer Vogtei
und Begräbnisstätte besaßen. Bis um 1300 zwangen die BENTHEIMER
die meisten adligen Familien in Ober- und Nieder-Grafschaft in ihre Abhängigkeit
und brachten bis 1139 auch 5 der 6 Gogerichte der Grafschaft zur Festigung
des Landeshoheit in ihre Hand. Die Stadtgründungen (Schüttdorf
1295, Neunenhaus 1369, Nordhorn 1379) waren ohne Belang für
den Landesausbau. Erst seit 1328 wurde die "Herscap" Bentheim
als "comecia" bezeichnet. 1421 erlosch mit Bernhard
I. die männliche Linie der Grafen
von Bentheim; der neue Stamm wurde durch seinen Großneffen
Everwin von Götterswick begründet. Die BENTHEIMER
trugen 1486 ihre Grafschaft dem Kaiser auf und wurden darauf von Kaiser
FRIEDRICH III. mit der "Graveschafft
Benntheim mitsamt dem Kirspel Ennynthan" belehnt. Damit hatte
Bentheim als Territorium reichsrechtlich Anerkennung gefunden.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Grafen von Bentheim waren eine
Seitenlinie des holländischen Grafenhauses, die von Grafen Dietrich
VI., der die Erbin von Bentheim, Sophie
von Salm-Rheineck, geheiratet hatte, für seinen Sohn Otto
gestiftet wurde.