Grafen von Schwerin
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 1643
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Schwerin
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GRAFSCHAFT

Nach der Eroberung des Abodriten-Landes 1160 setzte Heinrich der Löwe Gunzelin von Hagen, dessen Familie Besitzungen im östlichen Sachsen um Helmstedt hatte, als Statthalter über das gesamte Land mit den Burgen Schwerin und Ilow ein. Nach der endgültigen Niederschlagung des Abodriten-Fürsten Pribislav wurde 1167 die neue Grafschaft Schwerin mit Schwerpunkt westlich des Schweriner Sees geschaffen. Nach dem Fall Heinrichs des Löwen konnten die Grafen von Schwerin dem Vordringen des dänischen Königs Waldemar II. nicht widerstehen und erkannten 1214 seine Oberhoheit an. Nach einer spektakulären Gefangennahme des dänischen Königs 1223 durch den Schweriner Grafen und nach der Schlacht bei Börnhoved 1227 konnte die dänische  Vorherrschaft im südlichen Ostseeraum gebrochen werden. Die Bedeutung der Grafschaft wurde jedoch durch zahlreiche Erbteilungen gemindert. 1279 entstand neben der Schweriner Linie eine in Wittenburg, von der sich 1323 eine Boizenburg abzweigte. 1343 konnten sich die Fürsten von Mecklenburg Erbrechte an der Grafschaft Schwerin sichern. Streitigkeiten brachen offen aus, nachdem 1344 die Schweriner und 1349 die Wittenburger-Boizenburger Linie ausgestorben waren. Der Wittenburger Erbe Otto beanspruchte zwar die Nachfolge in der gesamten Schweriner Grafschaft, konnte aber dem wachsenden Druck der mecklenburgischen Herzöge nicht standhalten. 1358 erlangte der Herzog durch Kauf die gesamte Grafschaft. Graf Otto II. zog sich in die ererbte Grafschaft Tecklenburg zurück. Die lehnsrechtlichen Ansprüche der Familie erloschen erst 1557 endgültig. Die Grafschaft Schwerin blieb fester Bestandteil des Herzogtums Mecklenburg.

Quellen:
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Mecklenburger UB (bis 1400), Bd. 1-25 B, 1863-1977

Literatur:
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Jbb des Vereins für Mecklenburg. Gesch. und Altertumskunde (ab Jg. 95, 1931, Mecklenburg. Jbb.), Bd 1-110, 1836-1993 [werden fortgesetzt] - A. Rische, Gesch. der Gft. S. bis zum Jahre 1358, 1893 - F. Salis, Die S.er Fälschungen, AU I, 1980, 273ff. - W. Jesse, Gesch. der Stadt S., 1913 - E. Krüger, Die Entwicklung der Landesherrlichkeit der Bf.e v. S., 1933 - K. Schmaltz, Kirchengesch. Mecklenburgs I, 1935 - K. Jordan, Die Bm.sgründungen Heinrichs d. Löwen (Schr. des Reichsinstituts  für ältere dt. Gesch.surkunde, MGH 3, 1939) - J. Bärmann, Die Städtegründungen Heinrichs d. Löwen und die Stadtverfassung des 12. Jh. (Forsch. zur dt. Rechtsgesch., 1961) - M. Hamann, Mecklenb. Gesch. (Mitteldt. Forsch. 51, 1968) - J. Petersohn, Der s. Ostseeraum im kirchl.-polit. Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemark vom 10. bis 13. Jh. (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart 17, 1979) - J. Traeger, Die Bf.e des ma. Bms S., 1984 - N. Rühberg, Zur Frühgeschichte Schwerins, Ser Bll. 5, 1985, 26-29 - M. Kaluza-Baumruker, Das S.er Domkapitel (1171-1400) (Mitteldt. Forsch. 96, 1987).
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