Begraben: Minden
Sohn des Grafen
Adolf I. von Holstein und der Hildewa
Gerd Althoff: Seite 404
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"
G 77
Lü: 6.7. Adolphus com + 1164 Graf von Holstein
Der Graf wurde 1164 bei Verchen von den Pommern erschlagen. Seinen
Tod melden Helmhold II, 100, die Stader Annalen (MGH SS 16, Seite 345)
sowie die Necrologien von Hildesheim und der Mindener Domkirche; vgl. Wedekind,
Noten 3, Seite 246. Die häufigen Erwähnungen in den Urkunden
Heinrichs des Löwen (vgl. Register Seite 209) deuten sein gutes Verhältnis
zum Sachsenherzog an; vgl. dazu Jordan, Heinrich der Löwe, passim
(Register Seite 304).
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Adolf II. folgte dem Vater in Schauenburg
und Holstein-Wagrien und vernachlässigte die Stammgebiete zugunsten
Holsteins. Er verlor jahrelang Wagrien an Pribislaw von Mecklenburg, stand
im Thronkrieg auf welfischer Seite und wurde 1138-1142 von Herzog Albrecht
dem Bären von Sachsen-Brandenburg zugunsten von Graf Heinrich von
Badwide-Ratzeburg verjagt. Er förderte die deutsche Kolonisation entscheidend,
gründete unter anderem 1143 Alt-Lübeck mit Westfalen und förderte
auch mit Hilfe des Bischofs Vincelin von Oldenburg die Slawenmission. Er
griff bis 1157 immer wieder in die verheerenden dänischen Thronkriege
ein, unterlag 1132 in der Schlacht bei Jagel dem König
Magnus und unterstützte später dessen Sohn Swen
III., der Holstein mehrmals plünderte. 1147 zerstörte
Fürst Niklot von Mecklenburg Alt-Lübeck. Er überließ
diesen Raum nach jahrelangen Querelen letztlich Herzog Heinrich dem Löwen,
wo dieser 1158 das neue Lübeck gründete. Er deutschte Wagrien
mehr und mehr ein und gründete unter anderem 1134 Segeberg. Er stritt
sich jahrelang mit Heinrich dem Löwen auch wegen des Salzbergbaues
in Bad Oldesloe, wo Heinrich 1153 aus Konkurrenzneid die Saline zerstören
ließ. Er gewann Hoheitsrechte in Dithmarschen, war 1159-1162 mit
Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA in Italien,
nahm schon 1147 am "Wendenkreuzzug" Heinrichs des Löwen teil und fiel
in der Schlacht bei Demmin gegen Mecklenburg und Pommern.
Sein Leichnam wurde in Minden beigesetzt.
Karl Jordan: Seite 18,23,29-31,37,39,44,69,93-94
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"Heinrich der Löwe"
In Nordelbingen war LOTHAR die wichtigste
Stütze der 1. SCHAUENBURGER,
die als landfremde Grafen auf die starke Gegnerschaft des einheimischen
Adels stießen. Auch Adolf II.,
der 1130 seinem Vater nach dessen Tod in der gräflichen Würde
folgte, hat zunächst mit erheblichen Widerständen im Land zu
kämpfen.
Da sich Adolf II. weigerte, Albrecht
den Bären als Herzog von Sachsen anzuerkennen, mußte er aus
dem Lande weichen. Mit den Grafenrechten in Holstein und Storman belehnte
Albrecht Heinrich von Badwide, den Angehörigen eines im Lüneburgischen
ansässigen Rittergeschlechts.
Graf Heinrich von Badwide hatte inzwischen das Land verlassen müssen,
als sich Adolf II. mit Hilfe Heinrichs
des Stolzen wieder in den Besitz seiner Grafschaft setzte. Beim Abzug zerstörte
er die Burgen in Hamburg und in Segeberg. Er erreichte es aber, dass nach
dem Tode des Herzogs dessen Witwe Gertrud ihn gegen eine Geldzahlung mit
der Landgrafschaft Wagrien belehnte. Graf Adolf
erhielt im Jahre 1143 von Heinrich dem Löwen gegen Zahlung
einer größeren Geldsumme seiner frühere Grafschaft zurück.
Mit ihr wurde jetzt die Landschaft Wagrien endgültig vereinigt. Die
Burg auf dem Segeberg, die Adolf wieder
aufbaute, wurde sein wichtigster Stützpunkt in diesem Gebiet. Eines
der ersten Ziele Adolfs war es auch,
den alten Handelsplatz an der unteren Trave, der mit der Zerstörung
Altlübecks vernichtet war, wiederherzustellen. Er legte ihn aber nicht
an seiner früheren Stelle, sondern ein Stück stromaufwärts
auf dem Werder, einer Halbinsel, an, den die Wakenitz bei ihrer Mündung
in die Trave mit dieser bildet. Die neue Kaufmannssiedlung, die wiederum
den Namen Lübeck erhielt, besaß dadurch einen guten natürlichen
Schutz. Um die neuen Siedlungen in Wagrien gegen Angriffe von außen
zu schützen, schloß Graf Adolf mit
Niklot, dem Führer der in Mecklenburg wohnenden Obodriten, einen Freundschaftsvertrag
ab.
Den Wenden blieb die Vorbereitungen für diesen Feldzug nicht verborgen.
Fürst Niklot ließ deshalb die Feste Dobin am Nordende des Schweriner
Sees zu einer Fluchtburg für die Bewohner des umliegenden Landes ausbauen.
Unter Hinweis auf den zwischen ihnen geschlossenen Freundschaftsvertrag
bat er gleichzeitig Graf Adolf um seine
Vermittlung. Der Graf, der in Frankfurt ebenfalls das Kreuz genommen hatte,
konnte ihm aber keine Neutralität zusichern.
Etwa zur gleichen Zeit wurde Holstein in die dänischen Thronwirren
hineingezogen, die nach dem Ende des Wendenkreuzzugs zwischen Sven
und Knut wieder mit aller
Schärfe ausgebrochen waren. Beide Rivalen versuchten, Graf
Adolf für sich zu gewinnen. Dieser entschied sich für
Knut, der ihn dafür mit Besitzungen
- wohl im Gebiet von Schleswig - belehnte. Sven
antwortete mit einem Plünderungszug nach Wagrien; Etheler,
ein aus seiner Heimat vertriebener Dithmarscher, leistete ihm dabei Hilfe
und konnte einen Teil des holsteinischen Adels für sich gewinnen.
Oldenburg wurde in Brand gesteckt und der ganze Küstenstreifen verheert;
auch die Siedlung am Fuße des Segebergs wurde abermals verwüstet.
Wie schwach die Stellung des SCHAUENBURGERS
war, zeigt die Tatsache, dass Adolf vor
dem Angriff Ethelers das Land zeitweilig verlassen und beim Herzog Zuflucht
suchen mußte. Andererseits war Heinrichs Autorität schon so
groß, dass er allein durch den Befehl Frieden zu halten, Adolfs
Herrschaft in seiner Grafschaft sichern konnte, ohne selbst
eingreifen zu müssen. Der Graf ging jetzt seinerseits zum Angriff
gegen Sven und Etheler vor. Die Kämpfe
zogen sich im Gebiet zwischen Schleswig und Rendsburg noch eine Zeitlang
hin. Als Etheler in einem Gefecht fiel, fanden sie ihr Ende.
Als Herzog Heinrich 1151 zum Kampf um Bayern nach dem Süden zog,
übergab er die Regierung Sachsens für die Zeit seiner Abwesenheit
der Herzogin Clementia, der er Graf Adolf von
Holstein als Berater beigab. Er sollte vor allem für den
Frieden in Nordelbingen Sorge tragen. Mit großer Mannschaft leistete
er dem Obodriten-Fürsten Niklot im Kampf gegen die Kessiner und Zirzipanen
im östlichen Mecklenburg Hilfe.
Ende Mai 1159 brach der Herzog um die Pfingstzeit mit einem Aufgebot
von 1.200 Rittern nach dem Süden auf. Auch Graf
Adolf von Holstein und andere sächsische und bayerische
Große gehörten zu seinem Gefolge.
Wie schon im Jahre 1160 verbündete sich jetzt der Herzog mit König
Waldemar zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Slawen. Mit einem
großen Heer, bei dem sich nicht nur die sächsischen Großen
aus Nordelbingen, sondern auch zahlreiche Fürsten aus dem übrigen
Sachsen befanden, ging der Herzog im Sommer des Jahres 1160 zum Gegenangriff
vor. Bei Malchow ließ er den gefangenen Wratislaw, in dem er den
Anstifter für die Erhebung sah, öffentlich hängen. Dann
stieß die Vorhut des Heeres unter Führung des Grafen
Adolf und des Grafen Reinold von Dithmarschen nach Osten gegen
die Grenzfeste Demmin vor. Am 1. Juli kam es westlich von Demmin
bei Verchen am Kummerower See zur Schlacht. Trotz zahlenmäßiger
Überlegenheit der Gegner konnten die Sachsen, die schon ihr Lager
preisgegeben hatten, den Kampf zu ihren Gunsten entscheiden. Der Sieg war
aber mit großen Opfern erkauft. Die Grafen
Adolf und Reinold und zahlreiche Ritter fanden in der Schlacht
den Tod.
Der Tod Graf Adolfs II. war für
den Herzog ein schwerer Verlust. in seiner mehr als 30-jährigen Wirksamkeit
hatte er sich als ein treuer Verfechter der welfischen Sache in Nordelbingen
erwiesen. Aber auch sonst gehörte er - gerade in den Anfängen
der Regierung des Herzogs - zu den wichtigsten Helfern und Ratgebern Heinrichs
des Löwen, in dessen Umgebung wir ihn immer wieder sehen.
vor 1158
oo Mechthild von Schwarzburg-Käfernburg, Tochter des Grafen
Sizzo III.
- 1193
Kinder:
Adolf III.
um 1160-3.1.1225
Literatur:
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Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag
München, Seite 18,20,23,29,35,37,41,44,69,77-81,84,86, 89-95,131,136
- Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung.
Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag
München 1984, Seite 404 G 77 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter.
Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 146-147 -