Adolf II.                                                   Graf von Holstein-Wagrien (1130-1164)
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    -6.7.1164 gefallen
     Demmin

Begraben: Minden

Sohn des Grafen Adolf I. von Holstein  und der Hildewa
 

Gerd Althoff: Seite 404
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                                 G 77

Lü:     6.7.   Adolphus com    + 1164 Graf von Holstein

Der Graf wurde 1164 bei Verchen von den Pommern erschlagen. Seinen Tod melden Helmhold II, 100, die Stader Annalen (MGH SS 16, Seite 345) sowie die Necrologien von Hildesheim und der Mindener Domkirche; vgl. Wedekind, Noten 3, Seite 246. Die häufigen Erwähnungen in den Urkunden Heinrichs des Löwen (vgl. Register Seite 209) deuten sein gutes Verhältnis zum Sachsenherzog an; vgl. dazu Jordan, Heinrich der Löwe, passim (Register Seite 304).
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Adolf II. folgte dem Vater in Schauenburg und Holstein-Wagrien und vernachlässigte die Stammgebiete zugunsten Holsteins. Er verlor jahrelang Wagrien an Pribislaw von Mecklenburg, stand im Thronkrieg auf welfischer Seite und wurde 1138-1142 von Herzog Albrecht dem Bären von Sachsen-Brandenburg zugunsten von Graf Heinrich von Badwide-Ratzeburg verjagt. Er förderte die deutsche Kolonisation entscheidend, gründete unter anderem 1143 Alt-Lübeck mit Westfalen und förderte auch mit Hilfe des Bischofs Vincelin von Oldenburg die Slawenmission. Er griff bis 1157 immer wieder in die verheerenden dänischen Thronkriege ein, unterlag 1132 in der Schlacht bei Jagel dem König Magnus und unterstützte später dessen Sohn Swen III., der Holstein mehrmals plünderte. 1147 zerstörte Fürst Niklot von Mecklenburg Alt-Lübeck. Er überließ diesen Raum nach jahrelangen Querelen letztlich Herzog Heinrich dem Löwen, wo dieser 1158 das neue Lübeck gründete. Er deutschte Wagrien mehr und mehr ein und gründete unter anderem 1134 Segeberg. Er stritt sich jahrelang mit Heinrich dem Löwen auch wegen des Salzbergbaues in Bad Oldesloe, wo Heinrich 1153 aus Konkurrenzneid die Saline zerstören ließ. Er gewann Hoheitsrechte in Dithmarschen, war 1159-1162 mit Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA in Italien, nahm schon 1147 am "Wendenkreuzzug" Heinrichs des Löwen teil und fiel in der Schlacht bei Demmin gegen Mecklenburg und Pommern.
Sein Leichnam wurde in Minden beigesetzt.
 
Karl Jordan: Seite 18,23,29-31,37,39,44,69,93-94
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"Heinrich der Löwe"

In Nordelbingen war LOTHAR die wichtigste Stütze der 1. SCHAUENBURGER, die als landfremde Grafen auf die starke Gegnerschaft des einheimischen Adels stießen. Auch Adolf II., der 1130 seinem Vater nach dessen Tod in der gräflichen Würde folgte, hat zunächst mit erheblichen Widerständen im Land zu kämpfen.
Da sich Adolf II. weigerte, Albrecht den Bären als Herzog von Sachsen anzuerkennen, mußte er aus dem Lande weichen. Mit den Grafenrechten in Holstein und Storman belehnte Albrecht Heinrich von Badwide, den Angehörigen eines im Lüneburgischen ansässigen Rittergeschlechts.
Graf Heinrich von Badwide hatte inzwischen das Land verlassen müssen, als sich Adolf II. mit Hilfe Heinrichs des Stolzen wieder in den Besitz seiner Grafschaft setzte. Beim Abzug zerstörte er die Burgen in Hamburg und in Segeberg. Er erreichte es aber, dass nach dem Tode des Herzogs dessen Witwe Gertrud ihn gegen eine Geldzahlung mit der Landgrafschaft Wagrien belehnte. Graf Adolf erhielt im Jahre 1143 von Heinrich dem Löwen gegen Zahlung einer größeren Geldsumme seiner frühere Grafschaft zurück. Mit ihr wurde jetzt die Landschaft Wagrien endgültig vereinigt. Die Burg auf dem Segeberg, die Adolf wieder aufbaute, wurde sein wichtigster Stützpunkt in diesem Gebiet. Eines der ersten Ziele Adolfs war es auch, den alten Handelsplatz an der unteren Trave, der mit der Zerstörung Altlübecks vernichtet war, wiederherzustellen. Er legte ihn aber nicht an seiner früheren Stelle, sondern ein Stück stromaufwärts auf dem Werder, einer Halbinsel, an, den die Wakenitz bei ihrer Mündung in die Trave mit dieser bildet. Die neue Kaufmannssiedlung, die wiederum den Namen Lübeck erhielt, besaß dadurch einen guten natürlichen Schutz. Um die neuen Siedlungen in Wagrien gegen Angriffe von außen zu schützen, schloß Graf Adolf mit Niklot, dem Führer der in Mecklenburg wohnenden Obodriten, einen Freundschaftsvertrag ab.
Den Wenden blieb die Vorbereitungen für diesen Feldzug nicht verborgen. Fürst Niklot ließ deshalb die Feste Dobin am Nordende des Schweriner Sees zu einer Fluchtburg für die Bewohner des umliegenden Landes ausbauen. Unter Hinweis auf den zwischen ihnen geschlossenen Freundschaftsvertrag bat er gleichzeitig Graf Adolf um seine Vermittlung. Der Graf, der in Frankfurt ebenfalls das Kreuz genommen hatte, konnte ihm aber keine Neutralität zusichern.
Etwa zur gleichen Zeit wurde Holstein in die dänischen Thronwirren hineingezogen, die nach dem Ende des Wendenkreuzzugs zwischen Sven und Knut wieder mit aller Schärfe ausgebrochen waren. Beide Rivalen versuchten, Graf Adolf für sich zu gewinnen. Dieser entschied sich für Knut, der ihn dafür mit Besitzungen - wohl im Gebiet von Schleswig - belehnte. Sven antwortete mit einem Plünderungszug nach Wagrien; Etheler, ein aus seiner Heimat vertriebener Dithmarscher, leistete ihm dabei Hilfe und konnte einen Teil des holsteinischen Adels für sich gewinnen. Oldenburg wurde in Brand gesteckt und der ganze Küstenstreifen verheert; auch die Siedlung am Fuße des Segebergs wurde abermals verwüstet. Wie schwach die Stellung des SCHAUENBURGERS war, zeigt die Tatsache, dass Adolf vor dem Angriff Ethelers das Land zeitweilig verlassen und beim Herzog Zuflucht suchen mußte. Andererseits war Heinrichs Autorität schon so groß, dass er allein durch den Befehl Frieden zu halten, Adolfs Herrschaft in seiner Grafschaft sichern konnte, ohne selbst eingreifen zu müssen. Der Graf ging jetzt seinerseits zum Angriff gegen Sven und Etheler vor. Die Kämpfe zogen sich im Gebiet zwischen Schleswig und Rendsburg noch eine Zeitlang hin. Als Etheler in einem Gefecht fiel, fanden sie ihr Ende.
Als Herzog Heinrich 1151 zum Kampf um Bayern nach dem Süden zog, übergab er die Regierung Sachsens für die Zeit seiner Abwesenheit der Herzogin Clementia, der er Graf Adolf von Holstein als Berater beigab. Er sollte vor allem für den Frieden in Nordelbingen Sorge tragen. Mit großer Mannschaft leistete er dem Obodriten-Fürsten Niklot im Kampf gegen die Kessiner und Zirzipanen im östlichen Mecklenburg Hilfe.
Ende Mai 1159 brach der Herzog um die Pfingstzeit mit einem Aufgebot von 1.200 Rittern nach dem Süden auf. Auch Graf Adolf von Holstein und andere sächsische und bayerische Große gehörten zu seinem Gefolge.
Wie schon im Jahre 1160 verbündete sich jetzt der Herzog mit König Waldemar zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Slawen. Mit einem großen Heer, bei dem sich nicht nur die sächsischen Großen aus Nordelbingen, sondern auch zahlreiche Fürsten aus dem übrigen Sachsen befanden, ging der Herzog im Sommer des Jahres 1160 zum Gegenangriff vor. Bei Malchow ließ er den gefangenen Wratislaw, in dem er den Anstifter für die Erhebung sah, öffentlich hängen. Dann stieß die Vorhut des Heeres unter Führung des Grafen Adolf und des Grafen Reinold von Dithmarschen nach Osten gegen die Grenzfeste Demmin vor. Am 1. Juli kam es westlich von Demmin bei Verchen am Kummerower See zur Schlacht. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit der Gegner konnten die Sachsen, die schon ihr Lager preisgegeben hatten, den Kampf zu ihren Gunsten entscheiden. Der Sieg war aber mit großen Opfern erkauft. Die Grafen Adolf und Reinold und zahlreiche Ritter fanden in der Schlacht den Tod.
Der Tod Graf Adolfs II. war für den Herzog ein schwerer Verlust. in seiner mehr als 30-jährigen Wirksamkeit hatte er sich als ein treuer Verfechter der welfischen Sache in Nordelbingen erwiesen. Aber auch sonst gehörte er - gerade in den Anfängen der Regierung des Herzogs - zu den wichtigsten Helfern und Ratgebern Heinrichs des Löwen, in dessen Umgebung wir ihn immer wieder sehen.
 
 
 
 

vor 1158
  oo Mechthild von Schwarzburg-Käfernburg, Tochter des Grafen Sizzo III.
               -   1193
 
 
 
 
 
Kinder:

  Adolf III.
  um 1160-3.1.1225
 
 
 
 

Literatur:
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Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 18,20,23,29,35,37,41,44,69,77-81,84,86, 89-95,131,136 - Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 404 G 77 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 146-147 -