BENEVENT
 

Hermann Grote "Stammtafeln" Seite 19

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1908
********************
Benevent
----------

HERZOGTUM

Im Zuge der langobardischen Eroberung errichtete Zotto das Herzogtum Benevent (wohl etwa 570). Nach seinem Tode (594) verlieh König Agilulf es an Arichis I. (aus dem Friaul). Während fast 50-jähriger Regierung rundete dieser das Territorium ab und konsolidierte die innere Ordnung. Im Kampf mit den Griechen Unteritaliens und trotz vorübergehender Rückschläge (663 Belagerung der Stadt durch Kaiser Constans II.) wurde Benevent zum größten der langobardischen Herzogtümer: Zu Beginn des 8. Jahrhunderts, der Zeit höchster Blüte, war es gegliedert in 32 Gastaldate und umfaßte die Regionen Samnium und Lukanien, Teile Kalabriens (bis Cosenza) und Apulien (bis Tarent und Brindisi), ferner Kampanien oder das Küstengebiet um Gaeta, Neapel, Amalfi; im Norden erstreckte sich das Territorium bis Sora und Campobasso, zeitweise sogar bis Chieti. Die Herzöge, von denen 662 Grimoald I. (seit 647) die Langobardenkrone usurpiert hatte, besaßen im Innern fast dieselben Rechte wie die Könige im übrigen langobardischen Königreich (besonders bei Gerichtsbarkeit und Abgaben). Auch nach außen wurden sie praktisch unabhängig; davon zeugen im 8. Jahrhundert mehrere Bündnisse mit Päpsten oder Griechen gegen die langobardischen Könige.

FÜRSTENTUM

Die volle Selbständigkeit erhielt Benevent 774 mit dem Ende des Langobardenreiches. Herzog Arichis II. (758-787) legte sich sofort den Unabhängigkeit demonstrierenden Fürstentitel zu, freilich mußte er später die Oberhoheit KARLS DES GROSSEN anerkennen. Seine Nachfolger begannen bald, in Salerno zu residieren. Im Streit um die Nachfolge des Fürsten Sikard (832-839) zerfiel der Staat in die Fürstentümer Benevent und Salerno. Im Teilungsvertrag (um 849) erhielt Fürst Radelchis von Benevent (+ 851) die östliche Hälfte. Griechische Angriffe zwangen Fürst Aio (884-890) zur Unterwerfung unter byzantinischer Oberhoheit; trotzdem wurde die Stadt Benevent 891 nach dreimonatiger Belagerung genommen. 895 eroberte sie Markgraf Guido IV. von Spoleto, der sie 907 dem abgesetzten Fürsten Radelchis II. zurückgab. Nach vorübergehender Blüte unter Herzog Pandulf I. von Spoleto, der bis zu seinem Tode (981) die langobardischen Territorien noch einmal vereinen konnte (einschließlich Salerno, Capua, Camerino), geriet im 11. Jahrhundert das Fürstentum geschwächt durch innere Kämpfe, in immer stärkere Bedrängnis durch die Byzantiner, die ihren Herrschaftsbereich wieder nach Norden auszudehnen suchten, dann auch durch die Normannen, die sich in S-Italien festzusetzen begannen. Dass Kaiser HEINRICH III. die Normannen unterstützte, dürfte der Grund gewesen sein, dass ihm 1047 die Stadt Benevent den Einzug verwehrte. Daraufhin exkommunizierte der ihn begleitende Papst Clemens II. die Beneventiner.