König
Hugo zog noch im Herbst 937 über die Alpen, erreichte
im Dezember den Genfer See, nahm Rudolfs
II. Witwe
Berta
zur Frau und verlobte seinen Sohn und Mit-König Lothar
mit der gerade erst sechsjährigen Adelheid.
Mit ansehnlichen Grundbesitzschenkungen an die beiden Damen - sie umfaßten
zusammen 21 Königshöfe und 4 Abteien mit 6.640 Bauernstellen
und zugehörigen Familien in Ober- und Mittelitalien - wurde diese
Aktion abgerundet und ihr der Anschein eines normalen Vorgangs verliehen.
Es gelang Berengar,
König
Hugo zu entmachten, der sich zeitweise in die Provence zurückzog.
Für den im Amt belassenen bisherigen Mit-König Lothar
fungierte Berengar indessen als "höchster
königlicher Ratgeber", das heißt als eigentlicher Regent. In
dieser Situation der weitgehenden Entmachtung entschloß sich König
Lothar 947 zur Heirat seiner nunmehr 16-jährigen Braut.
Ob er sich damit, da sich Adelheids Bruder
Konrad
seit 942 im angrenzenden Burgund nunmehr fest durchgesetzt hatte, eine
Stärkung seiner bedrängten Lage erhoffte? Unsere Quellen geben
darüber keine Auskunft. Wir können lediglich aus den überschwenglichen
und das Übliche übersteigenden Epitheta einer am 27.6.947 ausgestellten
Urkunde König Lothars über
die Schenkung von fünf Landstücken im Umfeld von Pavia an Adelheid,
"seine liebenswerte" bzw. "geliebte Gemahlin" und "süßeste Ehefrau"
schließen, daß sich eine echte Zuneigung zwischenden beiden
Jungvermählten entwickelte. Noch 972 hat Adelheid
in einer Gedenkstiftung für das S. Salvatorkloster zu Pavia auch Lothars
gedenken lassen, was den Eindruck bestätigen dürfte, daß
dieser ihr einst ein verständnisvoller Partner war. Bald ist dem Paar
auch eine Tochter geboren worden: Hemma,
die später der französische König
Lothar zur Frau nahm. Über eine Einflußnahme Adelheids
auf die Politik erfahren wir indessen nichts. Obgleich mehrere Urkunden
König
Lothars aus den nächsten Jahren erhalten sind, zeigen sie
keine Interventionen der Königin. Erst ein Diplom Lothars
vom 31.3. 950 nennt Adelheid wieder,
und zwar als die "geliebte Gemahlin und Teilhaberin unseres Reiches", als
Lothar
ihr
"aus der innigen Verbundenheit gegenseitiger Liebe" alle seine Königshöfe
und sonstigen aus väterlichem Erbe ihm zugefallenen Güter mitsamt
den Grafschaften Modena und Bologna übereignete. Der Titel einer "Teilhaberin
an der Herrschaft über das Reich" (consors regni) mag für
die junge Königin zunächst mehr ein Zeichen hoher Wertschätzung
gewesen sein, aber er gab ihr auch durchaus rechtliche Möglichkeiten
in die Hand, wenn dies erforderliche sein sollte. Eine solche Situation
trat bald darauf ein. Am 22.11.950 verstarb nämlich
Adelheids
Gemahl König Lothar, und zwar
so unerwartet und schnell, daß bald von einer Vergiftung -
durch den faktisch Mächtigsten, Markgraf
Berengar - gemunkelt wurde. Ihm gab dieser Todesfall die Bahn
frei für die Legalisierung seiner schon ausgeübten tatsächlichen
Machtstellung.