Xantener Jahrbücher: Seite 352,356 
*****************
in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI
 

Die Jahre 861-863.
 

861.  Der selige Bischof Liutbert schmückte ehrenvoll das Kloster, welches Frikkenhurst heißt, mit vielen Gliedmaßenvon Heiligen d. i. der Märtyrer Bonifacius und Maximus, der Bekenner Eonins und Antonius, und fügte einen Theil von der Krippe des Herrn hinzu und von dem Grabe desselben, zugleich auch von dem Staub seiner Füße als er zum Himmelaufstieg.

In diesem Jahre war ein sehr langer Winter, und die obengenannten Könige hatten wiederum eine geheime Unterredung auf obengenannter Insel bei Confluentia, wobei sie alles im Umkreis wüst legten. Und Lothar, der König der Ripuarier, verließ seine rechtmäßige Gemahlin, die Schwester des Klerikers Hugbert, unter ungerechtem Vorwand. Diese nahm nachher in demselben Jahre der zuvorgenannte Bruder derselben bei sich auf. Der König aber hielt es öffentlich mit dem Kebsweib, der zu Liebe er die Gemahlin verließ.
 

Das Jahr 865.
 

865.  Als Lothar zauderte zu kommen, sandten die Bischöfe selber wiederum verwegene Schreiben an Pabst Nikolaus zurück, worin sie sagten, daß er gottlos und ohne alle Vernunft auf tyrannische Weise ungerechtes Gericht gegen sie übe. Sie erklären, daß sie ohne eine Gunst seinerseits gleiche Würde auf ihren Stellen forderten, wie er in Rom, und daß ihre Stellung in nichts der seinigen untergeordnet sei; ohne sich zuerinnern, daß sie von ihm das Pallium der Würde erhalten hatten. Es sprach aus ihnen der abtrünnige Geist, welcher gesagt hat: "Ich will meinen Thron aufrichten in Mitternacht und ich werde gleich sein dem Höchsten." Ihnen kündete abermals der Pabst in der bischöflichen Synode an, daß, wenn sie also fortführen, sie aus aller Gemeinschaft der katholischen Kirche müßten ausgeschlossen werden. Sie kehrten nun zurück woher sie gekommen waren; und nach Cöln gekommen, hielt Gunthar gerade an dem heiligsten Tage des Mahles des Herrn das ganze Osteramt widerrechtlich ab, und ob dieser Verwegenheit wurde er abermals in eben derselben Provinz von allen Bischöfen Lothars aus der Gemeinschaft gestoßen. Und kein Wunder, wenn eben der, welcher den Schatz des heiligen
Petrus an heiligen Gefäßen von Gold und Silber und vieler Art leerte und immerfort von dem Brande der Habsucht verzehrt ward und zu weltlichem Pomp, auch den Brüdern und Neffen und Schwestern und Nichten sie zuwandte, aller Güter beraubt wurde. Sein Geselle aber versuchte nichts von alle
dem zu thun. Aber dennoch kehrten beide abermals nach Rom zurück.
 

 Das Jahr 866.
 

866. Im Monat Januar ereignete sich eine Mondfinsterniß; und der heiligste Bischof von Bremen, Ansger, ging aus dieser Welt. Liudolf, Graf im Norden, und in Italien Everwin, der Schwiegersohn Königs Ludewich, hochstehende Männer, wurden aus dieser Welt fortgerafft. Zu derselben Zeit war der Cleriker Hubert, von welchem oben geschrieben ist, dessen Schwester König Lothar jüngst verstoßen hatte, von fünf  Bischöfen aus der Gemeinschaft der Kirche gestoßen, und wird von den Söhnen Cuonrads, des Bruders der einstigen Königin Juthit, im Kriege getödtet. In diesem Jahre verwüsteten die Heiden gewaltig die Ueberbleibsel von Friesland. Und Ludewich, der östliche König, hielt zur Sommerszeit eine Versammlung des Volkes von seinem Antheil in Franconofurt, und daselbst war Arsenius, ein Rath des Pabstes Nicolaus, zugegen, mit Briefen von ihm abgesandt, betreffend den Zustand des katholischen Glaubens und die Vertheidigung der christlichen Religion. Und von da abgereist, besuchte er den König Lothar, entriß ihm das unerlaubt zur Königin erhobene Kebsweib — durch ihre Zustimmung hiezu hatten Gunthar und Thietgaud, zwei Erzbischöfe, schwer gefehlt —; setzte wieder die rechtmäßige Gemahlin bei ihm ein, welche zuvor unter unwürdigem Vorwand verstoßen war, und kehrte von da nach Rom zurück. Zu dieser Zeit ging aus dieser Welt ein hochstehender Mann Namens Ernost, der Schwiegervater nämlich von Karlmann, dem Erstgebornen Königs Ludewich. Als aber Gunthar zauderte in die Stadt zu kommen, folgte an seiner Stelle ein gewisser Tyrann, Namens Hugo, Sohn des vorgenannten Grafen Cuonrad, welcher nicht wie ein Hirt, sondern wie ein räuberischer Wolf in die Heerde Gottes fiel, und deshalb auf den Wink des Herrn schnell von dort verworfen ist, nachdem sehr viele von ihm in diesem Bisthum getödtet waren. Und die Heiden verwüsteten grausam Gallien. Und nachdem sie daher von König Karl unzähliges Geld erhalten, zogen sie sich auf eine Zeitlang zurück, anderswo die Kirche des Herrn zu verwüsten.