Begraben: Eisenach Katharinenkloster
2. Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen
aus dem Hause der LUDOWINGER aus seiner 2. Ehe mit der Sophie
von Bayern, Tochter von Herzog Otto I.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2079
********************
HEINRICH RASPE, Landgraf von Thüringen, dt. Gegenkönig
--------------------------
* um 1204, + 16. Februar 1247
auf der Wartburg
Begraben: Eisenach
Eltern:
--------
Hermann I., Landgraf von Thüringen, und Sophia,
Tochter Herzog Ottos I. von Bayern;
Schwager der heiligen Elisabeth, deren verschwenderische Liebestätigkeit er behinderte, HEINRICH RASPES drei Ehen blieben kinderlos. - Als jüngerer Bruder Landgraf Ludwigs IV. von Thüringen übernahm HEINRICH RASPE nach dessen Tod die Vormundschaft für seinen Neffen Hermann II. (+ 1241). Mit der 1243 erwirkten kaiserlichen Eventualbelehnung Markgraf Heinrichs des Erlauchten von Meißen mit der Landgrafschaft bereitete er die spätere Vereinigung von Meißen und Thüringen in den Händen des Hauses WETTIN vor. HEINRICH RASPES Treue zu FRIEDRICH II. trug ihm 1239 den Kirchenbann und 1241 das Amt eines Reichsprokurators ein, das er jedoch zwei Jahre später niederlegte, da er inzwischen zum Parteigänger des Papstes geworden war. Nach der Absetzung des Kaisers durch Innozenz IV. wurde HEINRICH RASPE als Kompromißkandidat unter Mitwirkung eines päpstlichen Legaten am 22. Mai 1246 in Veitshöchheim von den rheinischen Erzbischöfen, einigen Bischöfen und thüringischen Grafen zum König gewählt, ohne jedoch die Zustimmung der meisten weltlichen Fürsten zu finden. Gegen König KONRAD IV. errang er bei Frankfurt einen Sieg (5. August 1246), kehrte aber nach einer Niederlage bei Ulm nach Thüringen zurück. Mit HEINRICHS Tod erlosch das Haus der LUDOWINGER im Mannesstamm. Dem herkömmlichen Bild HEINRICH RASPES als eines herrschsüchtigen, übertrieben frommen Menschen stellte H. Patze eine mildere Beurteilung entgegen.
Literatur:
-----------
ADB XI, s.v. - NDB VIII, 334ff. - Patze-Schlesinger II,
1, 35-41.
HEINRICH RASPE
--------------------------
* (1204), + Wartburg 16. II 1247
Begraben: Eisenach Katharinenkloster
IV 1227 Vormund von Hermann II.
1241 Landgraf von Thüringen
1242/43 Prokurator für Deutschland
Veithöchheim 22. V 1246 Gegen-König
1231 Gründung von Frankenberg/Eder
1236 von Wolfshagen
1. oo vor 16. V 1247
ELISABETH VON BRANDENBURG (ASKANIER)
+ 1237
Tochter von Markgraf Albrecht II.
2. oo Wiener Neustadt II 1238
GERTRUD VON ÖSTERREICH (BABENBERGER)
+ 1241
Tochter von Herzog Leopold V.
3. oo Kreuzburg/Werra 10. III 1241
BEATRIX VON BRABANT
* (1225) + 11. XI 1298
Begraben: abbaye de Marquette bei Lille
Tochter von Herzog Heinrich
(oo II Löwen XI 1247 Guillaume III de Dampierre (-sur-Aube)
Seigneur de Courtrai + Turnier zu Trazegnies 6. VI 1251 Begraben: Marquette)
HEINRICH RASPE VON THÜRINGEN 1246-1247
Um 1204 als zweiter Sohn des Landgrafen Hermann I.
von Thüringen und der Prinzessin Sophie von Bayern geboren,
trat er 1227 die Regentschaft für seinen auf dem 4. Kreuzzug
gestorbenen Bruder Ludwig IV. an. Er vertrieb seine Schwägerin,
die später heilig gesprochene Elisabeth,
und ihre Kinder von der Wartburg und übernahm nach dem Tode seines
Neffen Hermann II. die Landgrafschaft in eigenem Namen. Auf
Grund der Verdienste, die er sich 1241 bei der Abwehr des Mongolensturms
erworben hatte, ernannte
Kaiser FRIEDRICH II.
ihn 1242 nach dem Abfall des Erzbischofs Siegfried von Mainz zum Reichsprokurator
für den minderjährigen König KONRAD
IV.
Durch eine Zuwendung von 25.000 Mark Silber ließ er
sich für die päpstliche Partei gewinnen und wurde nach der durch
Papst Innozenz IV. über Kaiser FRIEDRICH
II. verhängten Kirchen- und Reichacht am 22. Mai 1246 in
Veitshöchheim von den Bischöfen von Mainz, Köln, Würzburg,
Speyer, Straßburg und Metz sowie von hessischen und thüringischen
Grafen zum Gegen-König gewählt. Im Reich als Pfaffen-König
verspottet, versammelte er mit den päpstlichen Geldern ein Heer und
schlug KONRAD IV. bei Nidda am 5. August
1246. Während der Belagerung von Ulm erkrankte er und zog sich auf
die Wartburg zurück, wo er am 17. Februar 1247 starb.
1228
1. oo Elisabeth von Brandenburg, Tochter des Herzogs
Albrecht II.
x
- Sommer 1231
1238
2. oo Gertrud von Österreich, Tochter des
Herzogs Leopold VI.
x 1202- vor
10.3.1241
10.3.1241
3. oo 1. Beatrix von Brabant, Tochter des Herzogs
Heinrich II.
x
1225-11.11.1288
1247
2. oo Wilhelm
III. Graf von Flandern
1224-6.6.1251
Literatur:
-----------
Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen
im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften.
Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 243,289,294 -
Die Zähringer. Schweizer Vorträge und
neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1990, Seite 42,131,240-243,262 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der
Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner
Verlag Wiesbaden 1979, Seite 215,221 - Giesebrecht Wilhelm von:
Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000
- Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf
1989, Seite 304,306,308 -
Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der
Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991, Seite 397,582,585 - Jaeckel
Gerhard: Die Deutschen Kaiser. Eine illustrierte Geschichte der deutschen
Herrscher von Karl dem Großen bis Wilhelm II. und Karl I. von Österreich-Ungarn.
Weltbild Verlag Seite 99 -
Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und
Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar
1992, Seite 277,285,300,411 A 3 - Lehmann, Johannes: Die Staufer.
Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom Verlag Bindlach
1991, Seite 325,330,357 -
Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen,
Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 346,348,350
- Ohler, Norbert: Elisabeth von Thüringen. Fürstin im
Dienste der Niedrigsten, Muster-Schmitt Verlag Göttingen 1992 - Patze,
Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag
Köln/Graz 1962 - Patze,
Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau
Verlag Köln/Graz 1967 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte
in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH,
Gütersloh 1982 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier,
Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 274,179,288
- Rösch, Eva Sibylle/Rösch, Gerhard: Kaiser Friedrich
II. und sein Königreich Sizilien, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1995, Seite 159,1614 - Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen.
Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwarz,
Hilmar: Die Ludowinger Aufstieg und Fall des ersten thüringischen
Landgrafengeschlechts, Wartburg-Stiftung 1993 - Schwennicke
Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann
GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 145 - Stürner Wolfgang: Friedrich
II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220.
Primus Verlag Darmstadt, 1992 - Stürner Wolfgang: Friedrich
II. Teil 2 Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993
- Wies, Ernst W.: Elisabeth von Thüringen. Die Provokation
der Heiligkeit, Bechtle Esslingen 1993 - Wies, Ernst W.: Friedrich
II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998,
Seite 236,248,257 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band,
Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 325,327,331,343,350
-