Begraben: Clairlieu (dep. Meurthe-et-Moselle)
Ältester Sohn des Herzogs
Simon I. von Ober-Lothringen und der Adelheid von Löwen,
Tochter von Graf Heinrich III.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 396
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Matthäus (Mathieu) I., Herzog von Lothringen 1139-1176
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+ 13. Mai 1176
Begraben: Clairlieu (dep. Meurthe-et-Moselle)
Sohn Herzog Simons I. und der Adelheid von Löwen
oo Bertha von Schwaben (STAUFERIN, kurz nach 1139)
Er förderte eine Reihe von Klostergründungen (u.a. in der
Nähe von Nancy; Johanniterkomturei Laxou, ca. 1140; Zisterzienserabtei
Clairlieu, 1159; bei Neufchateau [dep. Vosges]: Zisterzierinnenkloster
L'Etanche, ca. 1148). Seine Eroberung der ehemaligen königlichen Pfalz
Gondreville an der Mosel zum Schaden der Kirche von Toul führte 1153
zu seiner Exkommunikation durch Papst Eugen III. Dank der Unterstützung
seines Schwagers FRIEDRICH I. BARBAROSSA
gelang es ihm, sich in Gondreville zu halten, wo er eine Burg errichten
ließ und die Würde eines Grafen von Toul per judicium erwerben
konnte. Während seiner Regierungszeit wird erstmals von der herzoglichen
Münzprägung in Nancy und von der Befestigung der Stadt berichtet.
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Matthäus mußte sich
wie der Vater vom Landadel nachbestätigen lassen, ein in Reichslehen
eigentlich unerhörter Vorgang. Er wurde wegen seiner Nähe zum
Kaiserhaus treuer STAUFER-Anhänger,
machte 1147-1149 den 2. Kreuzzug König KONRADS
III. mit, wählte den Seeweg über Portugal, wo er half
Lissabon von den Mauren zu befreien. Er setzte die typischen Auseinandersetzungen
seiner Familie mit weltlichen Großen, Bischöfen, Vasallen und
Nachbarn fort und erlitt weitere Machteinbußen. Er nahm an etlichen
Reichstagen und Italienfeldzügen Kaiser FRIEDRICHS
I. teil und stritt traditionell besonders mit den Grafen von
Bar.
Walter Mohr: Band III Seite 22-32
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"
Auffallend ist, dass Matthaeus I. mit
einer Nichte des neuen Königs vermählt war. Vom Datum dieser
Vermählung ist leider nur noch festzustellen, dass es vor dem 25.
März 1139 gelegen haben muß. Es ist durchaus möglich, dass
nach dem Tode LOTHARS III. Herzog
Simon eine Annäherung an das staufische
Haus für notwendig gehalten hat, und dass er selbst noch diese Familienverbindung
seines Sohnes betrieben hat. Jedenfalls finden wir
Herzog Matthaeus schon bald nach
dem Tode seines Vaters in Verbindung zu KONRAD
III., er hat dessen Reichstag zu Straßburg im Mai 1139
besucht und dort die Huldigung für sein Herzogtum geleistet. Ob er
dem damaligen Beschluß der Fürsten, den König auf seinem
Zuge gegen die Sachsen zu unterstützen, gefolgt ist, läßt
sich nicht ersehen.
Vielleicht wurde der Herzog durch seine Verwandtschaft zum König
dazu ermutigt, die Politik seines Vaters gegenüber den Kirchengütern
im wesentlichen fortzusetzen. So brachte auf einem Hoftage des Königs
Ende März 1141 in Straßburg wiederum die Abtei Remiremont Beschwerden
vor, die sich, wie ehedem gegen Simon,
jetzt gegen seinen Sohn Matthaeus richteten.
Dieser war auf dem Hoftag anwesend. Indes hat der König die Entscheidung
über die Klage verschoben. Inzwischen hatte Papst Innocenz II. bereits
über ihn die Exkommunikation ausgesprochen und über das Herzogtum
das Interdikt verhängt. Der König ging anschließend an
den Straßburger Tag nach Metz, wobei Herzog
Matthaeus in seiner Begleitung blieb. Hier kam ein Vergleich
zwischen dem Herzog und der Abtei zustande. Matthaeus gab in den von ihr
beanstandeten Punkten nach. Da indes die Bedrückung der Abtei von
seiten des Herzogs weiter anhielten, begab sich die Äbtissin Judith
nach Rom und trug dort ihre Beschwerden vor. Am 4. Juni 1144 wurden in
St. Die auf Weisung von Papst Lucius II. die Angelegenheit unter großen
Schwierigkeiten gelöst, so dass die Exkommunikation
Herzog Matthaeus und das Interdikt aufgehoben werden konnten.
Es ist möglich, dass das Ganze Ursache einer Verstimmung zwischen
König und Herzog gewesen ist, denn Matthaeus
läßt sich von nun an nicht mehr am Hofe feststellen.
Er ist in dieser Zeit auch in Auseinandersetzungen mit Bischof Stephan
von Metz geraten, zu dem sein Verhältnis anfangs gut gewesen war.
Die Unstimmigkeiten kamen durch Absichten des Herzogs auf die Stadt Epinal,
die als Enklave im Gebiet des Herzogtums lag. Wir erfahren noch, dass der
Bischof ihn militärisch besiegen konnte und in der Burg Preny belagerte.
Dann aber habe des Bischofs Bruder, Graf Rainald von Bar, zugunsten Matthaeus
eingegriffen. Über die Motive Rainalds hierfür und über
dadurch erfolgte Regelung ist nichts bekannt. In der Folge finden wir Herzog
und Bischof miteinander verbündet.
Im Mai 1147 wurde Herzog Matthaeus
wegen Übergriffen gegen die Abtei Remiremont und offensichtlich wegen
seines Vorgehens im Bistum Toul erneut exkommuniziert. Vermutlich nach
der Exkommunikation durch den Papst wegen der Abte Remiremmont hat Herzog
Matthaeus gegenüber dem Bischof von Toul guten Willen gezeigt.
Er scheint ihm versprochen zu haben, nach seinem Auszug zum Kreuzzug Bistum
und Stadt Toul zu schützen. Offensichtlich aber gleich nach dem Aufbruch
des Bischofs begann er mit dem Bau der geplanten Burg in Gondreville. Da
sich der Klerus an den Papst wandte, wurde der Herzog erneut exkommuniziert
und das Land mit dem Interdikt belegt. Eine Übereinkunft mit der Abtei
Remiremont im Jahre 1151 machte die Exkommunikation wegen der Vorgänge
um Remiremont zunichte, während sich eine Lösung mit dem Bistum
Toul bis ins Jahr 1155 hinzog.
Zu Ende der Regierungszeit KONRADS III. schienen
die Anzeichen eines Aufstiegs des Herzogshauses von Ober-Lothringen, wie
sie sich durch die verwandtschaftlichen Beziehungen mit den SUPPLINBURGERN
und den STAUFERN ergeben hatte, wieder
zu schwinden. Die Eigeninteressen der Herzöge hatten sich offensichtlich
nicht mit denen des Reichs vereinbaren lassen. Auch nach der Rückkehr
KONRADS III. vom Kreuzzug ist Herzog
Matthaeus nicht mehr am Hof nachzuweisen. Das änderte sich
unter FRIEDRICH I., in dessen Umgebung
der Herzog sofort auftaucht. Er ist auch sehr wahrscheinlich bei der Wahl
am 5. März zugegen gewesen. Der König hat nach seiner Wahl nur
einige wenige, ihm geneigt erscheinende Persönlichkeiten mit nach
Aachen zur Krönung genommen. Es ist möglich, dass dazu Herzog
Matthaeus gehörte, denn er ist in Aachen selbst sicher
nachweisbar. Zu FRIEDRICH stand er
außerdem in enger Verwandtschaftsbindung, denn seine Gemahlin war
dessen Schwester Bertha.
Ob er nach der Krönung dem Hof noch weiter gefolgt ist, läßt
sich nicht sagen. Wir finden ihn dann am 25. August 1152 in Speyer beim
König und etwa einen Monat später, am 17. Oktober, wieder in
Würzburg. Als FRIEDRICH das Weihnachtsfest
in Trier feierte, trat Matthaeus auch
zum ersten Male in einer politischen Funktion hervor.
Damals war nämlich Graf
Dietrich von Flandern erschienen, der am deutschen Hofe ein großes
Ansehen besaß. Er hatte die Absicht, sich durch den König die
Lehensoberhoheit über das Bistum Cambrai zu verschaffen und fand dabei
Unterstützung bei seinem Neffen, dem Herzog
Matthaeus. Es gelang ihm, die Übertragung beim König
und den weltlichen Fürsten zu erhalten, und, seiner Bitte folgend,
ließ Herzog Matthaeus durch einen
Schreiber die entsprechende Urkunde aufstellen, damit sie noch vor der
Abreise des Grafen unterschrieben würde. Jetzt aber erschien auch
der Bischof von Cambrai, der sich nach der Kunde von dem, was vorging,
mit heftigen Klagen an die geistlichen Fürsten wandte, die sich ihrerseits
sofort zum König begaben. Als dort Herzog
Matthaeus mit der ausgestellten Urkunde erschien und die Besiegelung
forderte, protestierte der Bischof, wobei sich die geistlichen Fürsten
anschlossen. Nach scharfen Diskussionen zwischen weltlichen und geistlichen
Fürsten gab der König nach und zog die dem Grafen von Flandern
zugesprochene Gewährung zurück. Jedenfalls läßt sich
hier Herzog Matthaeus in einer ganz
bestimmten politischen Rolle feststellen, die zeigt, dass er Einfluß
beim König gewann. Von Trier aus ist er ihm auch nach Metz gefolgt
und ist im Januar 1154 wieder in Speyer am Hofe festzustellen. Er hat allerdings
am Italienzuge nicht teilgenommen. Nach der Rückkehr FRIEDRICHS
weilte er Ende Januar 1156 wieder in Straßburg am Hofe.
In diesem Zusammenhang muß wohl auch wenigstens zum Teil die
neue Eheschließung FRIEDRICHS I.
mit Beatrix, der Erbin der Freigrafschaft
Burgund, gesehen werden. Sie war die Tochter von Matthaeus'
Schwester Agathe, die den Grafen Rainald III. von der Freigrafschaft
geheiratet hatte. Auf diesem Wege verstärkte sich also noch das bereits
bestehende Verwandtschaftsband zum Kaiser. Über die Verhandlungen,
die zur Eheschließung geführt haben, sind wir nicht weiter unterrichtet,
man hat die Anwesenheit des Erzbischofs von Besancon auf dem Hoftage in
Straßburg Ende Januar 1156 mit ihnen in Verbindung gebracht, und
dann wird wohl der ebenfalls anwesende Herzog von Ober-Lothringen auch
eine Rolle gespielt haben. Von Straßburg aus hat
Matthaeus den Kaiser nach Frankfurt begleitet, ist ihm jedoch
weiter nach Norden vermutlich nicht gefolgt, denn wir finden seinen Namen
nicht mehr in den Urkunden, doch war er im Juli 1156 wieder in Würzburg
am Hofe anwesend. Hier fand die Hochzeit des Kaisers mit der Nichte des
Herzogs statt.
Nach den Würzburger Feierlichkeiten ging FRIEDRICH
nach Nürnberg. Es läßt sich nicht erkennen,
ob Herzog Matthaeus ihn begleitete,
doch ist er Mitte August wieder in Colmar am Hofe. Jedenfalls dürfte
aus den durch die Urkunden festgehaltenen Fakten zu ersehen sein, dass
er die neu gewonnene Verwandtschaft zum Kaiser zu nutzen trachtete. So
ist er Anfang Januar 1157 wieder am Hof in Trier. Sobald FRIEDRICH
jeweils in den westlichen Gebieten des Reichs weilte, tauchte
auch der Herzog wieder auf, so in Worms im April 1157. Schließlich
hat er den Kaiser auch auf dessen längerer Reise nach Besancon zu
Ende des Jahres 1157 begleitet. Dagegen ist er ihm nicht auf dem Italienzug
gefolgt. Das bedeutete jedoch nicht etwa eine Unterbrechung der Beziehungen
zum kaiserlichen Hofe. Die Tatsache, dass FRIEDRICH
ihm im Jahre 1162 eigens eine Aufforderung zuschickte, im August zu der
Besprechung mit dem französischen König über die Frage der
Kirchenspaltung zu kommen, ist ein Zeichen für das besondere Vertrauensverhältnis
zwischen beide.
Als FRIEDRICH I. Ende des Jahres
1164 wieder nach Deutschland kam und sich daran machte, seine Anhängerschaft
neu zu organisieren, finden wir auch Herzog Matthaeus
Ende Dezember 1164 wieder in seiner Umgebung, als er in Straßburg
weilte. Indessen hat er an dem für die Kirchenspaltung so bedeutsamen
Würzburger Tage im Mai 1165 nicht teilgenommen, wir wissen auch nicht,
wie er zu dem damals auf den kaiserlichen Gegenpapst geforderten Eid gestanden
hat. Da sein Name in diesem Zusammenhang nicht aufscheint, wird er sich
wahrscheinlich dem Eid gefügt haben, das Gegenteil wäre sicherlich
vermeldet worden. Allerdings finden wir ihn wiederum nicht am Hofe, als
der Kaiser nach einem Aufenthalt in Bayern und Österreich Ende September
1165 in Worms weilte. Immerhin könnte der Eindruck entstehen, dass
sich Matthaeus in dieser Zeit etwas
zurückgehalten hat, zumal er auch nicht bei der prunkvollen Heiligsprechung
KARLS DES GROSSEN in Aachen erschient.
Im Juli 1166 weilte er dann aber wieder in der Umgebung des Kaisers.
Vermutlich dürfte er sich mit ihm in Frankfurt, wo Ende Mai Hof gehalten
wurde, angeschlossen und ihn nach Burgund begleitete haben, wo er in Besancon
am Hofe nachzuweisen ist. Erst im Februar 1171 finden wir ihn wieder in
der Umgebung des Kaisers, jetzt allerdings in einer besonderen Vertrauensstellung.
Bei der Besprechung zwischen FRIEDRICH I.
und dem französischen König bei Vaucouleurs im Februar 1171 beschwor
er als Garant für den Kaiser die dort getroffenen Abmachungen.
Jedoch ist eine volle Klarheit in seinen Ansichten in dieser Zeit nicht
zu erhalten, seine Stellungnahme im Streit zwischen Kaiser
FRIEDRICH und Papst Alexander bleibt undeutlich, er hat sich
nicht in erster Reihe engagiert und sich mitunter sogar ausgesprochen zurückgehalten.
Indes ist in der Zeit nach Vaucouleurs festzustellen, dass er jetzt auch
direkte Vorteile aus seiner Anhängerschaft an den Kaiser ziehen konnte.
Indessen war der neue Metzer Bischof Dietrich doch ein Anhänger
Papst Alexanders, und das hat sich schließlich dahin ausgewirkt,
dass er aus Metz weichen mußte. An seiner Stelle wurde Herzog Matthaeus
Sohn Dietrich eingesetzt. Der Herzog hat in dieser Zeit offensichtlich
die Verbindung zum Kaiser besonders gepflegt, denn er reiste sogar bis
Basel, um ihn dort am 4. März 1173 zu treffen. Ob er ihn auch noch
weiter nach Worms begleitet hat, läßt sich nicht sagen. Es ist
nicht ausgeschlossen, dass bereits in Basel über die Neubesetzung
des Metzer Bischofsstuhles verhandelt wurde. Noch im Jahre 1173 weilte
Dietrich als Elekt von Metz am Hofe in Kaiserslautern. Der Herzog scheint
über diesen Erfolg seines Sohnes sehr angetan gewesen zu sein, denn
er schenkte dem neuen Bischof die Burg Sierck und gab ihm die Vogtei über
Epinal zurück. Der Herzog hat weiterhin gute Beziehungen zum Kaiser
gepflegt. Am 23. Mai 1174 weilte er wieder am Hofe in Kaiserslautern. Als
FRIEDRICH schließlich, zum Aufbrauch
nach Italien bereit, Anfang 1174 nach Basel kam, war auch Herzog
Matthaeus wieder zugegen.
Über seine letzte Lebenszeit läßt sich nichts mehr
erkennen, er ist am 13. Mai 1176 gestorben.
1139
oo Bertha von Schwaben, Tochter des Herzogs Friedrich II.
um 1123-4.4. um 1194
Kinder:
Simon II.
um 1140-14.1.1207
Judith
-
oo Stefan III. Graf von Burgund-Macon
- 1173
Adelheid
1165- um 1200
1183
oo Hugo III. Herzog von Burgund
um 1148-25.8.1192
Friedrich I. Herr zu Bietsch
vor 1152- um 1205
Matthäus Graf von Toul
- um 1207
Dietrich Bischof von Metz (1173-1179)
- 1181