Kurze Wilhelm: Seite
242-282
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"Adalbert und Gottfried von Calw" in: Zeitschrift für
Württembergische Landesgeschichte"
Mit Adalbert,
dem Wiederbegründer von Hirsau,
steht im 11.
Jahrhundert
ein bedeutender Mann am Anfang des adeligen Geschlechtes, das sich nach
seinem Sitz, der Burg Calw, benannte. Alle Quellen berichten nichts
Genaueres
über die Vorfahren des Grafen, über die Familie, aus der er
entsproß.
Wir wollen den vielen Hypothesen nicht nachgehen, sondern festhalten,
dass
es nur zwei genealogische Notizen sind, die sichere Auskunft geben. Die
eine
überliefert uns nicht nur den Namen von Adalberts Vater. Er
hieß
wie sein Sohn Adalbert
und steht als Zeuge unter dem "Öhringer
Stiftungsbrief".
Die andere nennt Papst Leo als Bruder von Adalberts Mutter und erweist
damit, dass diese eine Egisheimer
Grafen-Tochter war. Während also
über die nächsten Vorfahren Adalberts sonst nichts
berichtet
wird, bringt der Codex Hirsaugiensis eine Notiz, die einen Grafen
Erlafried
und seinen Sohn, Bischof Nothing,
aus der Zeit LUDWIGS DES FROMMEN
als
Vorfahren des CALWER Adalbert bezeichnet.
Bischof Nothing und sein Vater Erlafried standen zur Zeit LUDWIGS DES
FROMMEN im Zentrum einer bedeutenden Familie, die mit der des Grafen
Gerold
verwandt war. Sie gründeten im Nagoldtal das Kloster Hirsau und
statteten
es mit Gütern aus ihrem Besitz in der Umgebung aus. Der Aufstieg
dieses
neu gegründeten Eigenklosters der Familie wurde aber schon in den
ersten Jahrzehnten seines Bestehens gefährdet und
schließlich
zunichte gemacht. Nothing
entfaltete eine rege politische
Tätigkeit
in Italien und etablierte sich hier so stark, dass ihm sein Besitz aus
dem Familiengut im fränkisch-alemannischen Raum uninteressant
wurde.
Er schenkte ihn an die mächtig aufstrebende Reichenau. Damit
entzog
er dem Eigenkloster seiner Familie viele Möglichkeiten, ja,
wahrscheinlich
die Basis seiner Entwicklung. So ist erklärlich, dass dieses in
seinem
Aufstieg gehemmte Kloster seine Bedeutung als ein Exponent der
Würde,
des Ansehens der Familie verlor. Es sank zu einem Kanonikerstift ab.
Noch
mehrere Verwandte folgten dem Bischof nach Italien. Eine
übergroße
Zerstückelung des Familiengutes mußte die Folge sein. So
erlitt
auch die Familie Erlafrieds
und Nothings
Einbuße.
Man kann die Familie anhand des Namensbestandes mit Hilfe der
Verbrüderungsbücher
bis ins 10. Jahrhundert verfolgen. Dann aber wird dieser alte Bestand
überlagert
und schließlich verdrängt durch eine Namengruppe, in deren
Mittelpunkt
der Name Adalbert steht.
Dieser Name hat aber im CALWER
Grafen-Haus, das
wir im 11. Jahrhundert als Besitznachfolger auf den alten Hirsauer
Gütern
finden, die Qualität eines Leitnamens. Man kann mit Schmid daraus
schließen, dass eine Familie, mit diesem neuen Namengut von
außen
kommend, sich der alten verband und deren Besitznachfolge in dem uns
bekannten
Gut antrat. Um die Bedeutung und Stellung dieser Familie
abschätzen
zu können, hat Schmid ihre enge Beziehung zum Verwandtenkreis
Bischof
Erchanbolds von
Straßburg hervorgehoben.
Als sich ein Mitglied der Familie, die so die Besitznachfolge im
Hirsauer
Raum angetreten hatte, entschloß, zur Sicherung dieses Besitzes
eine
Burg zu bauen, bot sich von selbst der Güterkomplex des Klosters
an,
der von einigen Kanonikern schlecht oder gar nicht verwaltet wurde. Man
usurpierte das Klostergut und baute auf einem Teil desselben in
beherrschender
Lage die Burg Calw. Den Mitgliedern dieser Familie, die gleichsam unter
neuen Aspekten die Herrschaft im Hirsauer Raum übernahm, ist am
ehesten
ein solcher Eingriff zuzutrauen. Die wahrscheinlich cognatische
Verwandtschaft
mit ihren Vorgängern brachte sie nur in schwache Beziehungen zu
deren
Eigenkloster, dessen klägliche Existenz als Kanonikerstift wohl
hauptsächlich
noch auf der Tradition dieser alten Familie basierte.
Betrachten wir den ganzen Namensbestand der großen Sippe des
9. Jahrhunderts, der die Familie Erlafrieds
und Nothings
angehörte,
so ist festzustellen, dass einige dieser Namen in den Adels-Familien
des
11. und 12. Jahrhunderts fortbestehen, die sich in weitem Kreis um Calw
gruppieren. Auch sie sind teilweise durch andere Namen überlagert.
So müssen wir uns an den einzelnen Punkten die Entwicklung
ähnlich
wie in Calw vorstellen: von außen kommende adelige Familien
trugen
- meist wohl durch Einheirat - ihre Namen in die alten Linien hinein.
Um die Jahrtausendwende lebt also eine mächtige Familie im
Nagoldraum,
die trotz einer Umstruktuierung im 10. Jahrhundert ihre Bedeutung durch
zwei Jahrhunderte behaupten konnte. Aus dieser Familie stammte Adalberts
Vater,
der, seiner Vorfahren würdig, ein so hohes Ansehen genoß,
dass
der mächtige Egisheimer Graf
ihm seine Tochter zur Frau gab.
Der Bedeutung dieser Familie wird ein großer Besitz entsprochen
haben. Seine Lage ist anhand von Zeugnissen über Schenkungen und
Erwerbungen,
die von Adalbert und
seinem Sohn überliefert sind,
einigermaßen
sicher erkennbar. Die im Codex Hirsaugiensis als Ausstattung des
Klosters
im 9. Jahrhundert genannten Güter sind sicher von Adalbert
übernommener
Besitz, ferner die im D HIV 280 als restituiert genannten.
Wahrscheinlich
sind auch die Orte als alter Besitz anzusprechen, die neu von Adalbert
an Hirsau geschenkt wurden. Ein entwicklungsfähiger Komplex
hat
sich
um Löwenstein befunden, wie die Erwerbung von Lauffen nahelegt.
Vielleicht
sind auch die Güter in vier Orten des Kreises Bruchsal noch Teile
des
alten Familienbesitzes. Ebenso wie die Güter in dichter Lage um
Calw
lagen, muß man sich auch einen Komplex um Sindelfingen
vorstellen. Dieser Besitz um Sindelfingen-Calw zog sich wohl nach
Süden bis
in die Nähe von Horb, wie die Erwerbung von Salzstetten durch
Gottfried
von Calw vermuten läßt.
Adalbert dürfte um
1025/30 geboren sein. Wir wissen nicht, welchen
Einflüssen er im besonderen während seiner Jugend unterworfen
war. Die Beziehungen zu den EGISHEIMERN,
der Familie seiner Mutter,
waren
wohl sehr eng. So erklärt es sich, dass sein Onkel, der als Papst
Leo IX. über
die Alpen reiste, um 1049 einen Besuch abstattete. Es
ist nicht überliefert, wann Adalberts
Vater starb und wann der
Sohn
die Nachfolge antrat. Auf jeden Fall muß es vor 1049 gewesen
sein.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass Adalbert zu dieser Zeit ein
junger
Mann von etwa 20 Jahren war. Vielleicht war es ein Gefühl
vormundschaftlicher
Fürsorge, das Leo zu
diesem Besuch bestimmte. Wahrscheinlich lag
ihm
auch daran, den noch jungen, begeisterungsfähigen Neffen, der als
Sproß einer bedeutenden Familie, mit erheblichem Besitz
ausgestattet,
Einfluß besaß, für sein Reformwerk zu gewinnen. Leo
legte
Adalbert nahe, das
verfallene Kloster Hirsau wieder aufzubauen und dort
für neues mönchisches Leben zu sorgen. Aber Adalbert befolgte
diese Empfehlung nicht.
Wie bedeutend des CALWER
Macht war, hat uns für das Jahr 1065
die Lorcher Chronik überliefert. Die Stelle besitzt besondere
Aussagekraft,
weil sie nicht durch Umschreibung oder adjektivische Beifügung -
magnus,
potens, praepotens - über Adalberts
Bedeutung erzählt,
sondern
seine Macht in Relation setzt zu der der anderen Lorcher
Lehnsträger
und ihn über diese hinaushebt. Die Männer, die der Codex als
"fideles" namentlich aufführt, sind eindeutig später
bedeutenden
Familien zuzuordnen. Aber es ist nicht anzunehmen, dass das
berühmte
Reichskloster seine Lehen nicht gerade an die kleinen und wenig
mächtigen
Adeligen im Umkreis vergabt hatte.
Adalberts Macht, die die
Quelle rühmt, wird aber ihre Grundlage
nicht in diesen vom Kloster gebotenen Möglichkeiten gehabt haben,
wenigstens nicht in der Hauptsache. Die von dem Grafen gefestigte und
ausgebaute
Herrschaft in seinem ererbten Besitz, seine durch erlauchte
Verwandtschaft
glänzende Familie waren die Grundlagen seiner Macht und hoben ihn
heraus aus dem Kreis der Adeligen, die dem Kloster Lorsch verbunden
waren.
Diese Qualitäten waren es vielleicht erst, die ihm die
Übertragung
der Lehen seitens der Abtei einbrachten. Dabei muß allerdings
offenbleiben,
ob nicht sein Vater auch schon diese Position dem Kloster
gegenüber
innehatte. Leider verweigern die Quellen darüber die Auskunft.
Es wurde schon angedeutet, auf welchem Besitz Adalbert sich
stützen
konnte, als er die Nachfolge seines Vaters antrat. Als wesentliche
Komplexe
hoben sich Sindelfingen, Calw und Löwenstein heraus. Die ersten
Jahre
seiner Regierung residierte er in Sindelfingen. Hier aber ist
hinsichtlich
des Herrschaftsaufbaues eine rückläufige Bewegung
festzustellen.
Die Quellen geben keinen Hinweis, dass Adalbert sich bemüht
hätte,
im Umkreis des Ortes eine aktive Besitzpolitik zu entwickeln. Im
Gegenteil,
die Annales Sindelfingenses berichten, dass er seine Burg in
Sindelfingen
in ein Kloster verwandelte und den dort einziehenden Stiftsherren einen
Teil des Ortes schenkte. Für ehrenvolle Aufenthalte in
Sindelfingen
begnügte er sich mit einem Haus als Wohnstatt, das er in der
Nähe
der Stiftskriche erbaute. Mit der Zentrierung seiner Herrschaft durch
die
Burg Calw, nach der er sich nannte, rückten die Güter um
Sindelfingen
in eine wenig bedeutsame Randlage. Als bestimmender Faktor in Adalberts
Politik schied damit der alte Herrensitz aus.
Die Restitution und Schenkung Adalberts
an Hirsau gibt einen Hinweis
auf die von ihm in anderen Gegenden verfolgte Güterpolitik. In den
dort genannten weit verstreuten Orten lagen wohl Einzelbesitzungen, die
nicht umfangreich genug waren, um sich zu größeren Komplexen
ausweiten zu lassen. Aufmerksamkeit beansprucht aber, dass der Graf
für
die große Schenkung sich einen Herrenhof in Lauffen ertauschte.
Daraus
ist zu schließen, dass die Besitzungen um Löwenstein, die
Adalbert
durch eine Burg sicherte, sich bis an den Neckar erstreckten und der
Tausch
eine Arrondierung und eine Stärkung dieses Komplexes bezweckte.
Leider
geben die Quellen keine weiteren Auskünfte über Aktionen des
Calwer Grafen mit dem
Zweck, seine Güter um Löwenstein zu
stärken
und auszubauen. Dass er den Komplex für entwicklungsfähig
hielt,
zeigt die Teilung des Calwer
Besitzes unter seine Erben, bei der sein
Enkel
eben diese Güter um Löwenstein erhielt. Die Gründe, die
Adalbert veranlaßten, seine Aktivität in hohem
Maße
dem
Gebiet um Calw zuzuwenden, sind nicht schwer zu erkennen.
Löwenstein
war ein Komplex, der wahrscheinlich seiner Größe wegen
einige
Beachtung verdiente, aber von dem umfangreicheren Besitz im
alemannisch-fränkischen
Grenzraum weit entfernt war. Sindelfingen lag im Altsiedelland. Die
Besiedelung
dieser Gegend durch viele Jahrhunderte wird eine vollkommene
Zerstückelung
der Besitzrechte zur Folge gehabt haben. Sicher beherrschte Adalbert
größere
Güterkomplexe im Umkreis, aber beim Versuch einer Erweiterung
dieser
Basis mußte er immer wieder mit den Rechten anderer in
Konflikt
kommen. Da bot der Besitz im Nagoldtal bessere Voraussetzungen zum
Ausbau
und zur Erweiterung.
Hier hatte Erlafried
sein Kloster mit einem ziemlich arrondierten
Güterkomplex
ausgestattet. Im 10. Jahrhundert hatten seine Besitznachfolger, die
Vorfahren
Adalberts, sich dieser
Güter bemächtigt und den Komplex durch
den Bau einer Burg im Zentrum gesichert. Vielleicht vollzog Adalbert
selbst
noch den letzten Schritt dieser Usurpation, was gut zu seinen Aktionen
und Interessen im Nagoldraum passen würde. Es ging ihm darum, hier
einen großen Besitzkomplex in der Hand zu haben, den er als Basis
zum weiteren Ausbau brauchte. Für Rodetätigkeit waren in
dieser
Gegend die Bedingungen günstig. Im Westen lag der noch weithin
unerschlossene
Schwarzwald. Direkt an seinem Rande, teilweise schon mit einigen
Ortschaften
ins Ausbauland vorstoßend, beherrschte der Graf ein großes
und auf ein Zentrum hin orientiertes Gebiet. Während früher
dieses
Zentrum das Kloster Hirsau war, ist in den 50-er Jahren des 11.
Jahrhunderts
die unweit davon gelegene Burg als Mittelpunkt anzusehen.
Wahrscheinlich
wird Adalbert hier oft geweilt haben, um die Leitung der Arbeiten fest
in der Hand zu haben und sich vom Fortschritt zu überzeugen.
So etwa war die Situation, als
Leo IX. seinen Neffen besuchte und ihn
aufforderte, das Kloster Hirsau wieder aufzubauen. Diese Forderung
mußte
dem Grafen unangenehm sein. Es bedeutete nicht nur, dass er wertvolle
Arbeitskräfte
von der Rodung abziehen und bei der Errichtung der Klostergebäude
einsetzen mußte, sondern auch, dass er einen Großteil des
Besitzes,
der die sichere Grundlage für den Ausbau bildete, dem Kloster
wieder
zuführen mußte. Wenn auch Eigengüter, verlor er doch
die
freie Verfügungsgewalt über diese Güter, und damit
wurden
seine Möglichkeiten, durch Rodungsarbeit ein geschlossenes
Herrschaftsgebiet
zu schaffen, arg beschnitten. Es ist also verständlich, dass er
diesen
gewichtigen Schritt hinauszögerte.
Als er sich dann 1059 entschloß, das Kloster wieder einzurichten,
hatte sich die Situation im Raum um Hirsau geändert. Nach 10
Jahren
eifriger Ausbauarbeit war die Rodung von der Nagold ausgehend weit nach
Westen der Enz vorangetrieben. Die als Basis für diese Arbeit
wichtigen
Güter an der Nagold und auf der Höhe unmittelbar westlich des
Tales hatten ihre Funktion als Ausgangspunkt für die Urbarmachung
an weit ins Rodungsgebiet vorstoßende Siedlungen abgetreten.
Adalbert
konnte diese Orte nun dem Kloster übergeben, ohne fürchten zu
müssen, dass dadurch seine Aktionen Schaden erleiden könnten.
Auffällig ist nun, dass Adalbert
in der Schenkung lieber seinen
Besitz,
der von Sindelfingen bis in die Gegend von Besigheim verstreut lag,
schwächte,
als dass er nur einen einzigen Ort in seinem neu ausgebauten
Herrschaftsgebiet
zwischen Nagold und Enz - wenn dieser nicht schon altes Klostergut war
- Hirsau vermachte. Dies zeigt klar, welche Wichtigkeit der Graf der
Tatsache
zumaß, dieses Gebiet möglichst geschlossen und
uneingeschränkt
in der Hand zu behalten.
Die wirtschaftliche Nutznießung der Ländereien war für
einen Adeligen zu der Zeit weniger interessant als die Herrschaft
über
die dort ansässigen Leute. Diese Herrschaft aber trat der Graf
keineswegs
ab, als er das Gut an sein Eigenkloster gab, und als Eigenkloster
betrachtete
Adalbert die Abtei, wie
Schmid gezeigt hat. Für mönchische
Reformideen
war er nur zugänglich, soweit dieser Status nicht angefochten
wurde.
Er bezog Hirsau in den Aufbau seiner Herrschaft ein, er machte das
Kloster
zu einem Teil derselben. Treffend ist diese Haltung charakterisiert
durch
den Wechsel des Wohnsitzes der gräflichen Familie. Mitten ins
Zentrum
seiner Macht, aber auch ins Zentrum des Klostergutes zog Adalbert. Von
der Burg Calw hoch über dem Nagoldtal wollte er seine
Ländereien,
seine Hintersassen und auch sein Kloster beherrschen und fest in der
Hand
halten.
Mit der Entwicklung des Klosters Hirsau, die in wenigen Jahren
vonstatten
ging, konnte der Ausbau der gräflichen Macht nicht Schritt halten.
1077 bis 1078 noch bestimmender Machtfaktor im Nagoldraum, hatte
Adalbert
sich zur päpstlichen Partei geschlagen. Dieser wandte sich auch
Hirsau
zu. Während aber auf gräflicher Seite aus dieser
Konstellation
kein Gewinn in bezug auf den Ausbau der Herrschaft festzustellen ist,
wuchs
Hirsau in wenigen Jahren zu einem machtvollen Kloster auf, das die
Calwer
Herrschaft macht- und besitzmäßig weit übertraf. Es war
für Adalbert sicher
nicht mehr möglich - wenn es
überhaupt
in seinem Interesse lag - sich gegen das Kloster mit eigenen
Vorstellungen
durchzusetzen:
Seine Politik wird vollkommen in den Sog der Konzeption
Wilhelms geraten sein.
Eine Änderung dieses Verhältnisses
hätte
nur durch Abbruch der guten Beziehungen zwischen Abt und Graf eintreten
können. Auf einen solchen Bruch konnte es Adalbert aber nicht mehr
ankommen lassen. Seine Chance war, eben dieses positive Verhältnis
zu Hirsau zu pflegen. Einen Gewinn brachte es ihm immerhin, Vogt einer
der bedeutendsten Abteien im Reich zu sein, Hirsau als sein
Familien-Kloster
betrachtet zu wissen.
Wie eine letzte Konsequenz dieser Entwicklung, die die
Verhältnisse
der 60-er und 70-er Jahre des 11. Jahrhunderts umkehrte, erscheint
Adalberts
Eintritt als Mönch in Hirsau. Es ist nicht
überliefert, in
welchem
Jahr er erfolgte. Alles spricht aber dafür, dass es zwischen 1093
und 1095 war. 1093 starb Wilcha,
die Gattin des Grafen. Nach ihrem Tod
ist sicher Adalberts
Conversion erfolgt. 1095 ist dann die Urkunde
datiert,
in der Urban II. Gottfried, den Sohn Adalberts, als Vogt Hirsaus
bestätigte.
Die Herrschaft war an ihn übergegangen. Adalbert lebte noch bis
1099
im Kloster. Am 22. September starb er. Einen Teil des Calwer Besitzes,
wahrscheinlich den Komplex um Löwenstein, erhielt der Enkel
Adalbert,
das Kind des gleichnamigen Sohnes, der schon 1094 gestorben war.