CAETANI
 

Stammtafel in Christoph Weber "Genealogien zur Papstgeschichte" Band 29,1 Päpste und Papsttum Seite 160-163
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1367
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Caetani
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Alte italienische Familie, die nach einer urkundlich nicht belegten Tradition von den HYPATOI aus Gaeta abstammte und aus der Papst Gelasius II. hervorgegangen sein soll. Seit dem 12. Jh. beginnt die gesicherte urkundliche Bezeugung, die eine Unterscheidung der Linien von Neapel, Pisa, Rom und Anagni erlaubt. Dem letzgenannten Zweig der Familie, der damals erst lokale Bedeutung besaß und in seiner politischen Aktivität nicht über die Kommunalpolitik hinausreichte, entstammte Benedetto Caetani, der spätere Papst Bonifatius VIII., der seiner Familie zu großer politischer und territorialer Bedeutung verhalf. Seiner geschickten Heiratspolitik und den sorgfältig geplanten und juristisch untermauerten Erwerbungen sowie der Gunst Karls I. und Karls II. von Anjou verdankten die CAETANI die Entstehung einer weite Gebiete umfassenden Grundherrschaft, die Burgen und Lehen in der Toskana ("Contado aldobrandesco"), im Königreich Neapel und in der Campagna-Marittima umfaßte, wo die Macht der ANNIBALDI im Abstieg begriffen war. Der Erwerb der ehemals im Besitz der ANNIBALDI befindlichen Torre delle Milizie sowie des festen Platzes Capo di Bove an der Via Appia bezeugen die starke Position der CAETANI in Rom. Nach dem Tod von Bonifatius VIII. verlor die Familie ihre Besitzungen in der Toskana, vermochte jedoch ihre Güter in der Campagne-Marittima (trotz der langen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den COLONNA und der Geltendmachung von Besitzansprüchen der Kirche auf das Gebiet von Sermoneta und Bassiano) sowie in der Terra di Lavoro zu halten, wo Roffredo III. (+ 1335/36) die Besitzungen der Grafen von Fondi erbte. Dem Haus ANJOU treu ergeben, beteiligten sich die CAETANI an der guelfischen Allianz gegen HEINRICH VII. und bekleideten wichtige Ämter (Benedetto und Roffredo III.) am Hofe Roberts von Anjou. Um die Mitte des 15. Jh. erlangte die Familie, die bereits mehrere rivalisierende Nebenlinien zählte, mit Onorato I. (+ 1400) neues Ansehen, der seine Besitzungen im Kirchenstaat wie im Königreich Neapel vermehren konnte. Als Anhänger des Gegen-Papstes Clemens VII., der von einem Konklave, das sich unter seinem Schutz in Fondi versammelt hatte, gewählt worden war, spielte Onorato eine bedeutende Rolle in dem Großen Schisma, bis er im Jahre 1400 von den Truppen des Ladislaus von Anjou und Bonifatius' IX. geschlagen und zur Kapitulation gezwungen wurde. Sein Nachfolger Giacomo II. (+ 1423) bestimmte testamentarisch, dass das Familienvermögen zwischen seinem Sohn Christoforo, dem er die Lehen im Königreich Neapel zuwies, und seinem Neffen Giacomo IV. (+ 1433), dem die Güter in Campagnien-Marittima zufielen, geteilt werden sollte. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Geschichte der beiden Linien in verschiedener Weise. Die Linie von Fondi hing dem neuen Herrscherhaus an und hatte in Onorato II. (+ 1491) einen bedeutenden Exponenten, der am Hofe von Ferdinand I. hohe Ämter bekleidete. Die Linie von Sermoneta stürzte nach einem mißglückten Expansionsversuch, den Onorato III. (+ ca. 1477) im Königreich Neapel unternommen hatte, 1499 in eine schwere Krise, als Alexander VI. verschiedene Mitglieder der Familie töten ließ und den Zwangsverkauf von Sermoneta an Lucrezia Borgia verfügte.

Quellen:
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G. Caetani, Regesta Chartarum, 1-6, 1925-1932 - Ders., Epistolarium Honorati Caetani, 1926 - Ders., Varia, 1936.

Literatur:
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DBI XVI 111-226, passim - G. Caetani, Domus Caetani, 1927.



Literatur:
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Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978  -