Marie von Kleve                                       Herzogin von Orleans
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19.9.1426- 7.1486
 

Jüngere Tochter des Herzogs Adolf I. von Kleve aus seiner 2. Ehe mit der Maria von Burgund, Tochter von Herzog Johann Ohnefurcht
 

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 129
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Annes Großmutter Marguerite war die Schwester von Charles d'Orleans, dem Vater Louis' XII., der bei Azincourt in Gefangenschaft geriet, 25 Jahre in England blieb und dann die 30 Jahre jüngere Maria von Kleve heiratete. Wissen diese Franzosen eigentlich nicht, daß solche Ehen für eine gesunde Nachkommenschaft nicht gerade förderlich sind? Aber vielleicht sind sie ja auch gar nicht verwandt, und der alte Poet und Schlawiner Charles d'Orleans hat Louis anerkannt, obwohl er wußte, daß nicht er, sondern ein Kammerherr namens Rabaudange der Vater war, einer der zahllosen Liebhaber seiner jungen Frau. Tat er es, um Louis XI. eins auszuwischen, der 1462 noch keinen Erben vorzuweisen hatte?

Treffer Gerd A.: Seite 20,33,36-39
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"Johanna von Valois begegen."

Nach 25 Jahren Haft in England läßt sich Karl von Orleans in Blois nieder und heiratet Maria von Kleve. Obwohl er schon 49 ist und sie erst 14, passen sie gut zusammen: sie lieben Poesie und Kunst, ziehen Literatur den grausamen Spielereien des Krieges vor. Das fürstliche Paar hat vier Kinder: darunter ein einziger Sohn, der so zum alleinigen Erben der Familie wird: Ludwig von Orleans.
Im September 1473 läßt der König die Mutter Ludwigs von Orleans nach Tours kommen. Das Treffen findet am 21. September statt. Er  empfängt sie liebenswürdig und galant, kommt dann zur Sache und läßt Maria von Kleve wissen, das alte Heiratsprojekt sei nun in das Stadium der Reife getreten. Maria von Kleve hat diese Begegnung gefürchtet. Sicher, sie und ihr verstorbener Gemahl, Karl von Orleans, hatten - vor neun Jahren - ihre Zustimmung gern erteilt, ihr zweijähriger Sohn solle mit der "Tochter Frankreichs" verheiratet werden. Jetzt aber gibt es Gerüchte, die Königs-Tochter sei mißgebildet und Maria von Kleve hat insgeheim die Hoffnung genährt, König Ludwig könnte sich entschließen, ihrem Sohn anstelle Johannas die ältere Schwester, die hübsche Anna von Frankreich zu geben. Gleichzeitig würde sie dann ihre Tochter, Marie d'Orleans, mit Pierre de Bourbon-Beaujeu verheiraten können.
Maria von Kleve verläßt den König beunruhigt. Die Unsicherheit wird nicht lange andauern. In Saint-Laurent-des-Eaux wird Maria von Kleve ein königlicher Brief zugestellt: Ludwig von Orleans wird Johanna heiraten, wenn er nicht den Rest seiner Tage in einem Kloster verbringen will. Ludwig fordert die unverzüglich Ratifikation des früheren Versprechens. Maria von Kleve ziert sich, sie weiß aber gut, daß letztlich jeder Widerstand sinnlos ist. Ihre Diener werden mit dem Tode bedroht. Maria braucht überdies finanzielle Unterstützung vom König. Trotzdem: vor der Unterzeichnun möchte sie sich selbst vom körperlichen Zustand Johannas überzeugen. Sie reist nach Lignieres und fällt, entsetzt von Johannas Häßlichkeit, fast in Ohnmacht.
Trotz ihres Kunmmers gibt Maria von Kleve nach. Sie unterzeichnet das Dokument, das eine künftige Heirat des Erben des Hauses ORLEANS mit der jüngeren Tochter des Königs von Frankreich bestätigt. Ein Datum wird nicht festgelegt.
Daß dieses geschickte königliche Manöver Maria von Kleve zur Weißglut reizt, ist leicht verständlich und die Mitgift von 100.000 Gold-Ecus ist nicht dazu angetan, sie zu besänftigen.
Maria von Kleve hatte sich seiner Erziehung eher weniger angenommen. Sie war 15 Jahre gewesen, als sie an den 50-jährigen Charles d'Orleans, der schon zwei Ehefrauen begraben hatte, verheiratet wurde.
 
 
 
 

6.11.1440
  oo 3. Karl I. Herzog von Orleans
          26.5.1391-4.1.1465
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig XII. König von Frankreich
  27.6.1462-1.1.1515

  Anna Äbtissin von Fontevrault (1477-1491)
  um 1464-9.11.1491

  Marie
  1457-   1493

1476
  oo Johann IV. de Grailly Graf von Foix-Etampes
              - nach 5.11.1500
 
 
 
 

Literatur:
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Hartmann Peter Claus: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 24,26 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 129 - Treffer Gerd A.: Johanna von Valois begegen. Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2000 Seite 20,33,36-39 -
 
 
 
 
 
 


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