Isabella                                                   Herzogin von Lothringen (1431-1453)
----------                                                  Königin von Neapel
1410-27.2.1453
 

Erb-Tochter des Herzogs Karl I. der Kühne von Lothringen und der Margarete von der Pfalz, Tochter von König RUPRECHT III.
 

Rene von Anjou verlor mit neun Jahren den Vater (1417), wurde von seinem Großonkel, Kardinal Ludwig von Bar (+ 1430) adoptiert und fungierte als Erbe von Bar. Das Herzogtum Lothringen, das er durch Heirat mit Isabella, der Tochter Karls II. von Lothringen, gewann, wurde ihm von Antoine de Vaudemont, der sich als Neffe des Herzogs von Burgund auf die stärke burgundische Militärmacht stützen konnte, streitig genmacht. In der Schlacht von Bulgneville (1431) unterlegen, verbrachte Rene von Anjou fünf Jahre in burgundischer Gefangenschaft (1431-1436).
Die Ansprüche Renes von Anjou auf Neapel rückten der Realisierung näher, als Johanna II. kurz vor ihrem Tode Rene von Anjou (anstelle seines 1434 verstrobenen Bruders Ludwig III.) adoptierte und damit die Politik des übermächtigen Konkurrenten Alfons V. von Aragon eine zeitlang durchkreuzte. Renes Gemahlin Isabella rückte, gestützt auf das Bündnis mit dem Herzog von Mailand, Filippo Maria Visconti, mit einer kleinen Flotte gegen Alfons von Aragon vor, der am 5. August 1435 in der Seeschlacht von Ponza durch Kontingente Genuas besiegt wurde (Einzug Isabellas in Neapel, 18. Oktober 1435). Rene von Anjou, der sich nach dem Loskauf aus der Gefangenschaft nach Neapel begab (19. Mai 1438), geriet unter wachsenden militärischen und politischen Druck des erneut vordringenden Aragonesen (der den Visconti längst auf seine Seite gezogen hatte) und mußte sich Ende 1442 geschlagen in die Provence zurückziehen.



Mohr Walter: Teil IV Seite 57,60,61,64,75,78,79,80,86
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen. Das Herzogtum zwischen Frankreich und Deutschland (14.-17. Jahrhundert"

Der Plan wurde von Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt, dem Bruder der französischen Königin, in Lothringen vorgebracht, und zwar sollte Isabella, die älteste Tochter Herzog Karls, Ludwig, den Sohn Herzog Ludwigs von Bayern heiraten. Man kam bei den Verhandlungen in Nancy im Oktober 1413 bereits zu näheren Formulierungen des Heiratsplanes, wobei Herzog Karl seiner Tochter auch nach ihrer Verheiratung die Nachfolgerechte im Herzogtum Lothringen wahren wollte, wofür der bayerische Herzog versprach, die lothringischen Interessen am französischen Hofe zu sichern. Indes gingen die Absprachen nicht durch, weil vermutlich der Herzog von Burgund aufs neue seinen Einfluß am lothringischen Hofe durchsetzen konnte.
Um ihm die Nachfolge im Herzogtum Bar zuzubringen, mußte ihm jedoch eine entsprechende Unterstützung gesichert werden. Durch eine Verbindung mit dem benachbarten Lothringen konnte das erreicht werden, und da dort nur eine Erbin existierte, ergab sich ganz natürlicher Weise der Plan, durch eine Heirat Reinhards mit Isabella eine Vereinigung der Herzogtümer Lothringen und Bar herbeizuführen.
Ebenso sollte der lothringische Herzog seine Vasallen den Treueid auf seine Tochter Isabella als seiner Nachfolgerin und deren Gemahl Reinhard abfordern. Der eigentliche Heiratsvertrag kam am 20. März 1419 zustande. Es wurde also ein Gegenvorschlag durch den Verbündeten Burgunds, den englischen König, unterbreitet der am 18. März 1420 zwei Gesandte an den lothringischen Hof abfertigte, die für Isabellaeine Heirat mit dem Herzog von Bedford, dem Bruder des Königs anboten. Der lothringische Herzog hielt jedoch an seiner eingeschlagenen Linie fest. Am 14. Oktober 1420 wurde dir Hochzeit zwischen Reinhard und Isabella gefeiert. Wenige Tage zuvor hatte Herzog Karl noch einmal ausdrücklich das Recht seiner Tochter auf die Nachfolge im Herzogtum Lothringen festgelegt.
Am 11. Januar 1425 schritt Herzog Karl zu einer Neuformulierung seines Testamentes. Nach seinem Tode sollte die Regierung des Herzogtums Lothringen an seinen Schwiegersohn Reinhard fallen. Falls dessen Gemahlin Isabella ohne Nachkommen sterben würde, sollten deren Rechte auf ihre jüngere Schwester Katharina, die Gemahlin des Markgrafen von Baden, übergehen. Reinhard hatte dann alle Länder sofort auf sie zu übertragen.
Herzog Reinhard fand sich zunächst einer langen, nur mit großen Mühen zu lösenden Gefangenschaft gegenüber. Die Regierung im Herzogtum übernahm die Herzogin Isabella. Ihr stand ein Rat von sechs Mitgliedern aus dem Adel zur Seite. Herzog Philipp von Burgund wurde indessen von verschiedenen Seiten in der Angelegenheit Reinhards gedrängt, so daß er sich veranlaßt sah, etwas nachzugeben: der lothringische Herzog erhielt provisorisch seine Freiheit wieder. Am 6. April 1432 verpflichtete er sich, zum 1. Mai 1433 in die Gefangenschaft zurückzukehren und in der Zwischenzeit keine Zurüstungen oder sonstige Schritte zu unternehmen, die es ihm erlauben würden, dieses Versprechen nicht einzuhalten. Hierzu mußte er seine beiden Söhne als Geiseln stellen, des weiteren hatten die voranstehenden Mitglieder des lothringischen Adels die Einhaltung dieses Abkommens zu garantieren, und dem Burgunder mußten die Burgen Clermont, Bourmont, Chatillon und die Stadt Charmes ausgeliefert werden. Am 16. April gaben dann 30 lothringische Adlige die geforderte Garantie ab, am 25. kamen die beiden Söhne Reinhards in Dijon an, am 30. gab Herzog Philipp seine Unterschrift unter das Entlassungsdokument. Reinhard begann sofort mit der Ordnung der Verhältnisse im Herzogtum, wozu an erster Stelle die Etschädigungsverpflichtungen gehörten, die ihm durch den letzten Krieg entstanden waren. Auch verstärkte er die Bundesgenossenschaft mit dem Markgrafen Jakob von Baden, indem er und seine Gemahlin Isabella deren Schwester Katharina, die Gemahlin Jakobs, in die Nachfolge in Lothringen gemäß dem in Herzog Karls II. Testament vorgesehenen Fall zusicherten und auch vier Burgen als Pfand für das noch nicht gezahlte HeiratsgutKatharinas einräumten.
Gleichzeitig eröffnete sich für ihn die Nachfolge im Herzogtum Anjou und im Königreich Sizilien. Wegen seiner Gefangenschaft ernannte er seine Gemahlin Isabella am 4. Juni 1435 zur Statthalterin in Neapel. Sie begab sich auch sofort nach Unteritaklien, um die Ansprüche ihres Gemahls zu wahren. Die Verwaltung Lothringens übernahmen auf des Herzogs Anordnung die Bischöfe von Metz und Verdun.
Am 28. Januar 1437 mußte Reinhard einen harten, sehr drückenden Vertrag unterschreiben. Alle seine Besitzungen in Flandern trat er dem Burgunder ab, sein Lösegeld wurde auf 400.000 Golddukaten festgesetzt, die in vier Raten bezahlt werden sollten, wofür sich wiederum eine Reihe von Adeligen als Garanten verpflichten mußten, und auch die Burgen Neufchateau, Clermont, Preny und Longwy blieben im Besitz des Burgunders. Für die Markgrafschaft Pont-a-Mousson und eine Reihe von weiteren Plätzen sollte Reinhard innerhalb eines Jahres die Huldigung leisten, sobald nachgewiesen sei, daß sie burgundische Lehen seien, und schließlich mußte er noch auf Lebenzeit ein Bündnis mit Philipp eingehen. Am 3. Februar gab dieser zu dem Vertrag sein Einverständnis, worauf die offizielle Freilassung erfolgte. Gkleichzeitig wurde eine Ehe zwischen Reinhards ältestem Sohn Johann und Philipps Nichte Maria von Bourbon geschlossen, was eine Verminderung der Lösegeldsumme von 100.000 Taler eintrug, die auf die Eheausstattung angerechnet wurden. Der Bündnisvertrag zwischen beiden Herzögen wurde am 7. Februar geschlossen.
Am 29. August 1441 versprach eine bedeutende Anzahl aus dem Adel Gehorsam gegenüber dem zweiten Sohn des Herzogs, dem Markgrafen Ludwig von Pont-a-Mousson, der im August 1440 vom Herzog zusammen mit seiner Mutter aus Italien zurückgesandt worden war und dabei die Ernennung zum Generalstatthalter in den Herzogtümern Lothringen und Bar erhalten hatte.
Am 1. Juli 1445 übertrug er die Regierung der Herzogtümer Lothringen und Bar an seinen ältesten Sohn Johann als Generalstatthalter, wenig später, am 21. November 1445, erhielt dieser zur Stärkung der Stellung noch die Markgrafschagft Pont-a-Mousson zum ständigen Besitz. Reinhard selbst zog sich auf seine Güter in S-Frankreich zurück.
In Lothringen selbst trat dann eine Änderung mit dem Tode der Herzogin Isabella am 28. Februar 1453 ein. Nach lothringischem Recht fiel das Herzogtum damit an ihren Sohn Johann. Herzog Reinhard allerdings vertrat den Standpunkt, er und seine Gemahlin hätten sich ihre Besitzungen gegenseitig geschenkt, so daß er als Überlebender das Recht besäße, über Lothringen zu verfügen.

Cloulas Ivan: Seite 23
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"Die Borgias. Biographie einer Familiendynastie."

Als Ludwig III. von Anjou im November 1434 gestorben war, verblieb Königin Johanna vor ihrem eigenen Tod am 2. Februar 1435 gerade noch die Zeit, Rene, den Bruder des ANJOU-Anwärters, als Thronerben zu designieren. Da Rene selbst Gefangener des Herzogs von Burgund ist, bietet seine Frau Isabella von Lothringen mit Hilfe von Filippo Maria Visconti, dem Herzog von Mailand, Alfons V. unerschrocken die Stirn. 1435 erleidet Alfons V. bei der Insel Ponza in einem Seegefecht eine vernichtende Niederlage.
 
 
 

 1420
  oo Rene I. Herzog von Anjou
     16.1.1408-10.7.1480
 
 
 
 

10 Kinder:
1. Ehe

  Johann II. Herzog von Lothringen
  2.8.1425-13.12.1470

  Ludwig Markgraf von Pont-a-Mousson
  16.10.1427-   1444/45

  Nikolaus Titular-Herzog von Bar
  2.11.1428- um 1431

  Jolanthe Herzogin von Lothringebn und Bar
  2.11.1428- nach 22.2.1483

  1444
  oo Friedrich VI. Herzog von Vaudemont
       1428-31.8.1470

  Margarete
  23.3.1429-25.8.1482

24.5.1445
  oo Heinrich VI. König von England
      6.12.1421-21.5.1471

  Karl Titular-Graf von Guise
  1431-   1432

  Isabella
       -

  Renatus
        -

  Luise
        -

  Anna
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Cloulas Ivan: Die Borgias. Biographie einer Familiendynastie. Benziger Verlag AG Zürich 1998 Seite 23 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 312 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 445 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 59-61 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen.  Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Teil IV Seite 60,61,64,75,78,79,80,86 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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