Erb-Tochter des Herzogs Karl I. der Kühne von
Lothringen und der Margarete von der Pfalz,
Tochter von König RUPRECHT III.
Rene
von Anjou verlor mit neun Jahren den Vater (1417), wurde
von seinem Großonkel, Kardinal Ludwig von Bar (+ 1430) adoptiert
und fungierte als Erbe von Bar. Das Herzogtum Lothringen,
das er durch Heirat mit Isabella, der
Tochter Karls II. von Lothringen, gewann, wurde ihm von Antoine de Vaudemont,
der sich als Neffe des Herzogs von Burgund auf die stärke burgundische
Militärmacht stützen konnte, streitig genmacht. In der Schlacht
von Bulgneville (1431) unterlegen, verbrachte Rene
von Anjou fünf Jahre in burgundischer Gefangenschaft (1431-1436).
Die Ansprüche Renes von
Anjou auf Neapel rückten der Realisierung näher,
als Johanna II. kurz vor ihrem Tode
Rene
von Anjou (anstelle seines 1434 verstrobenen Bruders Ludwig
III.) adoptierte und damit die Politik des übermächtigen
Konkurrenten Alfons V. von Aragon eine
zeitlang durchkreuzte. Renes Gemahlin
Isabella
rückte, gestützt auf das Bündnis mit dem Herzog
von Mailand, Filippo Maria Visconti, mit einer kleinen Flotte gegen Alfons
von Aragon vor, der am 5. August 1435 in der Seeschlacht von
Ponza durch Kontingente Genuas besiegt wurde (Einzug Isabellas
in Neapel, 18. Oktober 1435). Rene von Anjou,
der sich nach dem Loskauf aus der Gefangenschaft nach Neapel begab (19.
Mai 1438), geriet unter wachsenden militärischen und politischen Druck
des erneut vordringenden Aragonesen (der den Visconti längst auf seine
Seite gezogen hatte) und mußte sich Ende 1442 geschlagen in die Provence
zurückziehen.
Der Plan wurde von Herzog Ludwig
von Bayern-Ingolstadt, dem Bruder der französischen Königin,
in Lothringen vorgebracht, und zwar sollte Isabella,
die älteste Tochter Herzog Karls, Ludwig,
den Sohn Herzog Ludwigs von Bayern
heiraten. Man kam bei den Verhandlungen in Nancy im Oktober 1413 bereits
zu näheren Formulierungen des Heiratsplanes, wobei Herzog Karl
seiner Tochter auch nach ihrer Verheiratung die Nachfolgerechte im Herzogtum
Lothringen wahren wollte, wofür der bayerische Herzog versprach, die
lothringischen Interessen am französischen Hofe zu sichern. Indes
gingen die Absprachen nicht durch, weil vermutlich der Herzog von Burgund
aufs neue seinen Einfluß am lothringischen Hofe durchsetzen konnte.
Um ihm die Nachfolge im Herzogtum Bar zuzubringen, mußte
ihm jedoch eine entsprechende Unterstützung gesichert werden. Durch
eine Verbindung mit dem benachbarten Lothringen konnte das erreicht werden,
und da dort nur eine Erbin existierte, ergab sich ganz natürlicher
Weise der Plan, durch eine Heirat Reinhards
mit Isabella eine Vereinigung der Herzogtümer
Lothringen und Bar herbeizuführen.
Ebenso sollte der lothringische Herzog seine Vasallen
den Treueid auf seine Tochter Isabella
als seiner Nachfolgerin und deren Gemahl Reinhard
abfordern. Der eigentliche Heiratsvertrag kam am 20. März 1419 zustande.
Es wurde also ein Gegenvorschlag durch den Verbündeten Burgunds, den
englischen König, unterbreitet der am 18. März 1420 zwei Gesandte
an den lothringischen Hof abfertigte, die für Isabellaeine
Heirat mit dem Herzog von Bedford, dem Bruder des Königs anboten.
Der lothringische Herzog hielt jedoch an seiner eingeschlagenen Linie fest.
Am 14. Oktober 1420 wurde dir Hochzeit zwischen Reinhard
und Isabella gefeiert. Wenige Tage
zuvor hatte Herzog Karl noch einmal ausdrücklich das Recht
seiner Tochter auf die Nachfolge im Herzogtum Lothringen festgelegt.
Am 11. Januar 1425 schritt Herzog Karl zu einer
Neuformulierung seines Testamentes. Nach seinem Tode sollte die Regierung
des Herzogtums Lothringen an seinen Schwiegersohn Reinhard
fallen. Falls dessen Gemahlin Isabella ohne
Nachkommen sterben würde, sollten deren Rechte auf ihre jüngere
Schwester Katharina, die Gemahlin des Markgrafen von Baden, übergehen.
Reinhard
hatte dann alle Länder sofort auf sie zu übertragen.
Herzog Reinhard fand
sich zunächst einer langen, nur mit großen Mühen zu lösenden
Gefangenschaft gegenüber. Die Regierung im Herzogtum übernahm
die Herzogin Isabella. Ihr stand ein
Rat von sechs Mitgliedern aus dem Adel zur Seite. Herzog
Philipp von Burgund wurde indessen von verschiedenen Seiten
in der Angelegenheit Reinhards gedrängt,
so daß er sich veranlaßt sah, etwas nachzugeben: der lothringische
Herzog erhielt provisorisch seine Freiheit wieder. Am 6. April 1432 verpflichtete
er sich, zum 1. Mai 1433 in die Gefangenschaft zurückzukehren und
in der Zwischenzeit keine Zurüstungen oder sonstige Schritte zu unternehmen,
die es ihm erlauben würden, dieses Versprechen nicht einzuhalten.
Hierzu mußte er seine beiden Söhne als Geiseln stellen, des
weiteren hatten die voranstehenden Mitglieder des lothringischen Adels
die Einhaltung dieses Abkommens zu garantieren, und dem Burgunder mußten
die Burgen Clermont, Bourmont, Chatillon und die Stadt
Charmes ausgeliefert werden. Am 16. April gaben dann 30 lothringische Adlige
die geforderte Garantie ab, am 25. kamen die beiden Söhne Reinhards
in Dijon an, am 30. gab Herzog Philipp
seine Unterschrift unter das Entlassungsdokument. Reinhard
begann sofort mit der Ordnung der Verhältnisse im Herzogtum, wozu
an erster Stelle die Etschädigungsverpflichtungen gehörten, die
ihm durch den letzten Krieg entstanden waren. Auch verstärkte er die
Bundesgenossenschaft mit dem Markgrafen Jakob von Baden, indem er und seine
Gemahlin Isabella deren Schwester
Katharina, die Gemahlin Jakobs, in die Nachfolge in Lothringen gemäß
dem in Herzog Karls II. Testament vorgesehenen Fall zusicherten
und auch vier Burgen als Pfand für das noch nicht gezahlte HeiratsgutKatharinas
einräumten.
Gleichzeitig eröffnete sich für ihn die Nachfolge
im Herzogtum Anjou und im Königreich Sizilien. Wegen
seiner Gefangenschaft ernannte er seine Gemahlin Isabella
am 4. Juni 1435 zur Statthalterin in Neapel. Sie begab sich auch
sofort nach Unteritaklien, um die Ansprüche ihres Gemahls zu wahren.
Die Verwaltung Lothringens übernahmen auf des Herzogs Anordnung die
Bischöfe von Metz und Verdun.
Am 28. Januar 1437 mußte Reinhard
einen harten, sehr drückenden Vertrag unterschreiben. Alle seine Besitzungen
in Flandern trat er dem Burgunder ab, sein Lösegeld wurde auf 400.000
Golddukaten festgesetzt, die in vier Raten bezahlt werden sollten, wofür
sich wiederum eine Reihe von Adeligen als Garanten verpflichten mußten,
und auch die Burgen Neufchateau, Clermont, Preny und
Longwy
blieben im Besitz des Burgunders. Für die Markgrafschaft Pont-a-Mousson
und eine Reihe von weiteren Plätzen sollte Reinhard
innerhalb eines Jahres die Huldigung leisten, sobald nachgewiesen sei,
daß sie burgundische Lehen seien, und schließlich mußte
er noch auf Lebenzeit ein Bündnis mit Philipp
eingehen. Am 3. Februar gab dieser zu dem Vertrag sein Einverständnis,
worauf die offizielle Freilassung erfolgte. Gkleichzeitig wurde eine Ehe
zwischen Reinhards ältestem Sohn
Johann und Philipps Nichte
Maria
von Bourbon geschlossen, was eine Verminderung der Lösegeldsumme
von 100.000 Taler eintrug, die auf die Eheausstattung angerechnet wurden.
Der Bündnisvertrag zwischen beiden Herzögen wurde am 7. Februar
geschlossen.
Am 29. August 1441 versprach eine bedeutende Anzahl aus
dem Adel Gehorsam gegenüber dem zweiten Sohn des Herzogs, dem Markgrafen
Ludwig von Pont-a-Mousson, der im August 1440 vom Herzog zusammen
mit seiner Mutter aus Italien zurückgesandt worden war und dabei die
Ernennung zum Generalstatthalter in den Herzogtümern Lothringen und
Bar erhalten hatte.
Am 1. Juli 1445 übertrug er die Regierung der Herzogtümer
Lothringen und Bar an seinen ältesten Sohn Johann
als Generalstatthalter, wenig später, am 21. November 1445, erhielt
dieser zur Stärkung der Stellung noch die Markgrafschagft Pont-a-Mousson
zum ständigen Besitz. Reinhard selbst
zog sich auf seine Güter in S-Frankreich zurück.
In Lothringen selbst trat dann eine Änderung mit
dem Tode der Herzogin Isabella am
28. Februar 1453 ein. Nach lothringischem Recht fiel das Herzogtum
damit an ihren Sohn Johann. Herzog
Reinhard allerdings vertrat den Standpunkt, er und seine Gemahlin
hätten sich ihre Besitzungen gegenseitig geschenkt, so daß er
als Überlebender das Recht besäße, über Lothringen
zu verfügen.
Cloulas Ivan: Seite 23
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"Die Borgias. Biographie einer Familiendynastie."
Als Ludwig III. von Anjou im
November 1434 gestorben war, verblieb Königin
Johanna vor ihrem eigenen Tod am 2. Februar 1435 gerade noch
die Zeit, Rene, den Bruder des ANJOU-Anwärters,
als Thronerben zu designieren. Da Rene
selbst Gefangener des Herzogs von Burgund ist, bietet seine Frau Isabella
von Lothringen mit Hilfe von Filippo Maria Visconti, dem Herzog
von Mailand, Alfons V. unerschrocken
die Stirn. 1435 erleidet Alfons V.
bei der Insel Ponza in einem Seegefecht eine vernichtende Niederlage.
1420
oo Rene I. Herzog von Anjou
16.1.1408-10.7.1480
10 Kinder:
1. Ehe
Johann II. Herzog von Lothringen
2.8.1425-13.12.1470
Ludwig Markgraf von Pont-a-Mousson
16.10.1427- 1444/45
Nikolaus Titular-Herzog von Bar
2.11.1428- um 1431
Jolanthe Herzogin von Lothringebn und Bar
2.11.1428- nach 22.2.1483
1444
oo Friedrich VI. Herzog von Vaudemont
1428-31.8.1470
Margarete
23.3.1429-25.8.1482
24.5.1445
oo Heinrich VI. König von England
6.12.1421-21.5.1471
Karl Titular-Graf von Guise
1431- 1432
Isabella
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Renatus
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Luise
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Anna
-
Literatur:
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Cloulas Ivan: Die Borgias. Biographie einer Familiendynastie.
Benziger Verlag AG Zürich 1998 Seite 23 - Ehlers Joachim: Geschichte
Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 312 - Favier,
Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche
Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 445 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia:
Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 59-61 - Mohr
Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte"
Saarbrücken 1974 Teil IV Seite 60,61,64,75,78,79,80,86 -