HONOUR


Lexikon des Mittelalters:
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Honour (lateinisch honor)
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wichtiger Begriff der anglo-normannischen Feudalität (Lehen, Lehnswesen), der kaum präzis zu definieren ist und in der Regel ein von der Krone zu Lehen gehendes Besitztum eines großen Herrn (Baron, III) bezeichnet. Ein honour verfügte üblicherweise über einen Hof als Gerichts-, Verwaltungs- und gesellschaftliches Zentrum. Die als »caput honoris« bezeichnete Hauptresidenz des Inhabers war in der Regel eine befestigte Burg. Honours konnten nicht geteilt oder mit anderen Besitzungen zusammengefaßt werden; zu ihnen gehörte oft Streubesitz in mehreren Grafschaften. Im 11. und 12. Jh. wurde der Begriff zunehmend auf alle Besitztümer, die ihrem Inhaber einen besonderen Status verliehen, übertragen. Heinrich I. bezeichnete sein Königreich England in der Gesamtheit als 'honour', doch wurde honor auch für das Lehen eines einzelnen Ritters gebraucht. Es konnten ca. 100 honours in England nachgewiesen werden, zu den größten gehörten zum Beispiel Eye, Clare, Richmond und Tickhill.
M.C. Prestwich