Gerberga von Sachsen                              Königin von Frankreich
----------------------------                             Herzogin von Lothringen
913-5.5.969
Nordhausen

Begraben: Reims

Älteste Tochter des Königs HEINRICH I. aus seiner 2. Ehe mit der Mathilde, Tochter des westfälischen Graf Dietrich
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1300
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Gerberga, Königin von Frankreich
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* ca. 913, + 968 oder 969

Begraben: Reims

Eltern: König HEINRICH I. und Mathilde

Geschwister: OTTO I., Hadwig, Heinrich der Jüngere, Brun, Erzbischof von Köln

    928/29
  1. oo Giselbert, Herzog von Lothringen

     939
  2. oo Ludwig IV. König von Frankreich
 

Ca. 10 Kinder,
darunter aus 1. Ehe:
Albrada (oo Rainald von Roucy)
aus 2. Ehe:
Lothar, König von Frankreich (* 941)
Gerberga (oo Adalbert von Vermandois)
Karl von Lothringen

Im Rahmen seiner W-Politik gab König HEINRICH I. Herzog Giselbert von Lothringen Gerberga zur Frau. Nach dem Tod Giselberts (939) versuchte OTTO I. vergeblich, die Witwe mit dem Bayern-Herzog Berthold zu vermählen: sie heiratete sofort Ludwig IV. von Frankreich, der damit seine Ansprüche auf Lothringen bekräftigte und mit seinem Rivalen Hugo von Francien (oo Gerbergas Schwester Hadwig) gleichzog. In den folgenden politischen Auseinandersetzungen spielte Gerberga (vor allem mit Hilfe ihrer familiären Beziehungen) eine aktive Rolle. Auf ihren Hilferuf hin ermöglichte OTTO I. 945 die Entlassung Ludwigs IV. aus der Haft Hugos. Nach dem Unfalltod Ludwigs 954 konnte Gerberga beim Herzog die Anerkennung ihres noch minderjährigen Sohnes Lothar als König erreichen. In der Folgezeit hatte ihr Bruder Brun großen Einfluß auf das französische Geschehen. 959 erhielt der Erzbischof in Köln von Lothar im Beisein Gerbergas Garantien wegen Lothringen; Brun half seinerseits dem König, Graf Reginar III. von Hennegau zu bezwingen, der Ansprüche auf Gerbergas Witwengut aus der Ehe mit Giselbert erhob. Gerbergas Vita zeigt jenes Profil eigenständiger politischer Verantwortung, das auch bei anderen Herrscherinnen des 10. Jh. sichtbar wird (zum Beispiel Adelheid, Theophanu). Ihre hohe Bildung und intellektuelles Vermögen bezeugt die Widmung in Adsos von Montier-en-Der "De Antichristo" (um 950).


Große Frauen der Weltgeschichte: Seite 184
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Gerberga von Frankreich
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Um 913-5.V.969

Das alte, heilige Köln war am Pfingstfest des Jahres 965 Schauplatz einer glanzvollen Fürstenversammlung: Im Palast ihres Sohnes, des Erzbischofs Bruno von Köln, empfing die verwitwete Königin Mathilde ihren aus Italien heimkehrenden Sohn OTTO I., der 3 Jahre zuvor in Rom die Kaiserkrone empfangen hatte. In seiner Begleitung befanden sich seine zweite Gemahlin, die junge Kaiserin Adelheid, und seine beiden Söhne Wilhelm und OTTO. Aus Frankreich waren Mathildes Töchter herbeigeeilt, um ihre alte Mutter noch einmal zu sehen: Hadwig, [Richtig ist: Hadwig war im Jahre 958 gestorben.] die Witwe Herzog Hugos des Großen von Franzien, und ihre ältere Schwester Gerberga, die ebenfalls in Witwentracht erschien. Gerberga war in erster Ehe mit Herzog Giselbert von Lothringen verbunden gewesen, den ihr Vater, König HEINRICH I., einst in offener Feldschlacht geschlagen und gefangengenommen hatte; er beließ ihm jedoch sein Herzogtum und gab ihm sogar seine 16-jährige Tochter zur Frau, um Lothringen an das Reich zu binden. Nach Giselberts Tod heiratete Gerberga den KAROLINGER-König Ludwig IV. von Frankreich, dem sie im Kampf gegen rebellische Vasallen wertvolle Dienste leistete: auf ihre Bitte hin unterstützte auch ihr Bruder OTTO, der Sieger vom Lechfelde, Ludwig mit Waffenhilfe. Als König Ludwig gestorben war, bemühte sich die Witwe, ihrem Sohn Lothar den Thron zu sichern und führte bis zu seiner Volljährigkeitserklärung mit viel Geschick die Regentschaft; Gerberga fand in ihrer Schwester Hadwig und in ihrem erzbischöflichen Bruder Bruno tatkräftige Helfer. Sie alle scharten sich nun in Köln noch einmal um die verehrungswürdige Gestalt ihrer Mutter und hörten gemeinsam die Predigt des Bischofs Balderich von Uttrecht über das Psalmenwort: "Wohl dem, der den Herrn fürchtet und wandelt auf seinen Wegen immerdar. Sein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock, und seine Kinder wie Ölzweige um den Tisch ..."


Werner Karl Ferdinand: Seite 472
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

VII. Generation
69-75
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Die Geburt der Kinder aus der Ehe König Ludwigs IV. von W-Franken mit Gerberga, der Schwester OTTOS DES GROSSEN, wird in Flodoards Annalen recht genau vermerkt. 941 (gegen Ende, ed. Lauer 82) wird ein Sohn geboren: es ist der spätere Nachfolger Lothar. Wiederum gegen Ende des Berichts zu 943 (Lauer 90) wird die Taufe einer Tochter des Königs berichtet; ganz zu Beginn des Jahres 945 die Geburt eines Sohnes, dessen Name angegeben wird: Karl (Lauer 95f.); mitten im Jahre 948 (Lauer 116) findet wieder die Taufe einer Tochter statt, deren Name leider nicht genannt wird; schon zum Ende des gleichen Jahres Geburt und Taufe eines Sohns, der Ludwig genannt wird (Lauer 121). Endlich brachte Gerberga im Sommer 953 Zwillinge zur Welt, die den Namen Karl und Heinrich erhielten; von ihnen starb Heinrich schon bald nach der Taufe (Lauer 136). Aus der Namensgebung ist zu erkennen, daß der Anfang 945 geborene Karl inzwischen schon gestorben war (siehe unten Anm. VII, 71). Der Tod eines anderen Kindes, Ludwig, wird von Flodoard selbst unmittelbar vor dem des Vaters (954 IX 10) berichtet (Lauer 138). Lothar und Karl sind, wie bekannt, die einzigen Söhne, die das Mannesalter erreichten. Von den beiden Töchtern kennen wir nur den Namen Mathilde, jener nämlich, die den König Konrad von Burgund heiratete, c 964. Man vermag nicht mit Sicherheit zu sagen, ob Mathilde, die ja den Namen von Gerbergas Mutter, der Gattin König HEINRICHS I. empfing, die 943 oder die 948 geborene TochterLudwigs war. Die Namengebung spräche dafür, daß die erste Tochter den Namen der Großmutter erhielt; dies um so mehr, als den Namen Gerberga schon eine Tochter Gerbergas aus der Ehe mit Giselbert erhalten hatte. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, ob die erste Tochter aufwuchs oder früh starb; vom Lebensalter bei der Hochzeit her könnte Mathilde durchaus erst Anfang 948 geboren sein, ja, dieses Alter von etwa 16 war damals üblicher als das von 20/21. Für Brandenburg ergab sich das Problem nicht, da er die Geburtsangabe der zweiten Tochter und diese selbst übersah, und für Mathilde das Geburtsdatum "ca. 943" einsetzte. Ich setze, der Klarheit halber, aber mit allem Vorbehalt, Mathilde als die ältere der beiden Töchter Ludwigs IV.ein.


Treffer Gerd: Seite 65-66
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"Die französischen Königinnen"
 

                                   Gerberge - vom Witwenstand zur Krönung

Gemahlin Ludwigs IV. von Übersee (* 921; König: 936-954); Geboren: um 915 - Heirat: 939 - + 5. Mai 984

936 also kehrt Ludwig, der Sohn Karls III. des Einfältigen, und der Otgive, auf den Thron zurück und wird in Reims nach einem foertan streng beobachteten Zeremoniell gekrönt. Der junge König beweist bald seine moralischen und intellektuellen Qualitäten, körperliche Kraft und außergewöhnliche Geschicklichkeit, die selbst die rauhen Barone beeindrucken.
939 heiratet er Gerberge, die Tochter des deutschen Königs und Kaisers HEINRICH I. [Richtig ist, daß HEINRICH I. nie Kaiser war.] und der Mathilde von Ringelheim, zwar Witwe, aber eine wegen ihrer hohen Abstammung überaus begehrten Partie. 934 hatte sie sich mit Giselbert, dem Herzog von Lothringen, verheiratet, einen unbeständigen Ehrgeizling, der bald seinen Suzerän, den König von Frankreich, bald dessen Gegner, den deutschen König OTTO I., Gerbeges Bruder, unterstützt hatte. Nach einer Niederlage gegen OTTO hatte er versucht, sich durch einen Fluß schwimmend zu retten und war dabei ertrunken. Im Jahr nach ihrer Heirat mit Ludwig wird Gerberge feierlich zru Königin gekrönt. Gerberge, die schon Kinder von ihrem ersten Mann hat, wird Ludwig eine zahlreiche Nachkommenschaft bescheren: eine Tochter und sechs Söhne, Lothar, der älteste, wird 941 geboren. Er wird der nächste König sein.
Gerberge ist eine intelligente, gebildete Frau - und eine energische. Sie wird ihren Mann in allen Wechselfällen seines Lebens tatsächlich zur Seite stehen. Seine Vasallen setzen ihm schwer zu, vor allem der Frankenherzog Hugues der Große. Im Verlaufe einer dieser Auseinandersetzungen muß Ludwig nach Burgund reisen, um sich Hilfe zu holen - Gerberge vertraut er die Verteidigung des belagerten Laon an. Sie organisiert und leitet die Verteidigung ebenso geschickt wie energisch. 945 nimmt Hugues der Große Ludwig in Rouen gefangen. Wieder ist es Gerberge, die ihren Mann befreit und es ihm ermöglicht, den Thron zu behaupten. Sie hat eine Gruppe von kirchlichen und adligen Geiseln zusammengestellt. Und Gerberge ist es, die ihren Bruder OTTO I. zu Hilfe ruft, um mit dem rebellischen Vasallen zu Rande zu kommen. 953 bringt sie es zustande, daß sich ihr Gemahl und Hugues versöhnen. 954 stürzt Ludwigbei einem Ausritt in der Gegend von Reims vom Pferd und stirbt. Gerberge ist zum zweiten Mal Witwe. Wie schon ihre Schwiegermutter vor ihr setzt sie fortan alles daran, ihrem 13-jährigen Sohn Lotharden Weg zum Thron zu ebnen.
Die Situation ist verwirrend. Hugues der Große - Sohn König Roberts I. und Schwager König Raouls - erhebt ebenfalls Rechte. Verhandlungen finden statt. Gerberge wirft all ihre Beziehungen zum deutschen Kaiserhaus [Richtig ist: Zu diesem Zeitpunkt gab es kein deutsches Kaiserhaus, denn OTTO I. wurde erst 962 zum Kaiser gekrönt] in die Waagschale. Hugues tritt zurück  - fordert aber  zum Ausgleich Aquitanien und das Herzogtum Burgund, reiche und mächtige Gebiete, die ihm großen Einfluß versprechen. Gerberges Sohn Lothar wird also 954 über ein stark geschrumpftes Königreich herrschen. Doch Gerberge gibt nicht auf. Sie fädelt eine recht geschickte politische Ehe für Lothar ein: mit Emma, der Tochter Lothars II. von Italien und der Stieftochter Kaiser OTTOS I. - ihres Bruders. [Emmas Mutter, Adelheid von Burgund, hatte sich mit ihm wiederverheiratet.] Ihre Schwiegertochter ist sozusagen ihre Stiefnichte.
Bei seinen Versuchen Lothringen zu gewinnen, stößt der König von Frankreich gleichwohl auf den Widerstand seines kaiserlichen Onkels. 978 muß Gerberge zusehen, wie die Armeen ihres eigenen Bruders [Richtig ist: OTTO I. war bereits 973 gestorben. Den Einfall nach Frankreich leitete Gerberges Neffe OTTO II.] in das Königreich ihres Sohnes eindringen und bis vor die Tore von Paris stoßen. Es kommte zum Waffenstillstand. König Lothar wird ihn nutzen, um seine Sohn Ludwig V., der erst 11 Jahre alt ist, krönen zu lassen und damit die Erblichkeit der Königswürde - gegen die Wahlmonarchie durch die großen Barone - wiederherzustellen.
Nach einem Leben voller Aufregungen und Kämpfe stirbt Gerberge 984 [zum Todesjahr siehe den folgenden Artikel von W. Glocker] im Alter von 69 Jahren: Sie wird in der Kirche Saint-Remi zu Reims neben Ludwig IV. "von Übersee"begraben, den sie um 30 Jahre überlebt hat. Ein moderner Biograph notiert: "Sie war eine der großen Königinnen der karolingischen Dynastie."


Glocker Winfrid: Seite 272
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

IV 4 Gerberga
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* c 913/14, + nach 968 am V 5

  929
1. oo Giselbert Herzog von Lothringen
         c 880, + 939 X 2

   939
2. oo Ludwig IV. König im westfränkischen Reich
        * 920 IX 10/921 IX 10, + 954 IX 10
 

Gerberga ist als Tochter König HEINRICHS I. bei Widukind I c., S. 43, und durch den Continuator Regionis a. 929, S. 158 bezeugt. In D O I. 317 nennt König OTTO I. die Königin Gerberga seine Schwester. Zum Geburtsjahr der Gerberga vergleiche Köpke-Dümmler S. 16. Der Todestag ist im Epitaphium Gerberga in St. Remi zu Reims, gedruckt MG. Poet. lat. Bd. 5, S. 286 f., genannt. Das Todesjahr Gerbergas ist ein besonders Problem, auf das näher eingegangen werden muß. In den Quellen ist Gerberga letztmals als lebend kurz vor dem Tod der eigenen Mutter, der Königin Mathilde (+ 968 III 14), bezeugt: Gerberga schickte ihrer Mutter ein mit Gold besticktes Tuch, das dann aber erst nach dem Ableben der Königin Mathilde eintraf und so zum Einhüllen von Mathildes Leichnam Verwendung fand; vgl. Köpke-Dümmler S. 441.
Von diesem letzten Auftreten in den Quellen ausgehend, setzten Kalckstein, Königtum S. 322 f., und Lot, Derniers S. 62 mit Anm. 3, den Tod Gerbergas in das Jahr 969; die NBD-Redaktion entschied sich in dem einschlägigen Artikel in NBD Bd. 6, S. 256, für 968 oder 969. Dagegen hat Werner VI, 12 und VI, 47 wie bereits Brandenburg VI, 38 und VI, 33 das Sterbejahr 984, wobei sich Werner als Nachweis auf Brandenburg bezieht. Dieser hat seinerseits als Fundstelle Lauer, Louis IV. S. 231, was eine Fehlinformation ist, da hier der Todesnachweis für Gerberga mit dem für ihren zweiten Gemahl, König Ludwig IV., verwechselt ist. Das Sterbejahr 984 findet sich schon bei Böttger, Brunonen S. 274 (1865), dort allerdings ohne jeglichen Nachweis. Scheid, Origines Guelficae IV S. 446, Anm. **, berichtet, er habe das Todesjahr der Königin Gerberga aus keiner ihm bekannten Quelle ermitteln können. Auch Leibnitz, Annales imperii Bd. 3, S. 378, konstatiert, das Todesjahr Gerbergas sei nirgends mitgeteilt, stellt aber die Grabinschrift dann zum Jahr 977.
Strecker hat in seiner Edition des Epitaphiums in der zugehörigen Fußnote den Forschungsstand skizziert und resümiert, man nehme in der Forschung gemeinhin jetzt das Jahr 984 an. Mir ist trotz intensiver Suche nicht gelungen, herauszubekommen, worauf sich eigentlich die Angabe 984 stützt. Doch scheint mir dieses Jahr 984 auf die Briefsammlung Gerberts von Auriallac hinzudeuten, wo möglicherweise in der zahlreichen älteren Editionen (vgl. zu diesen in der Ausgabe von Weigle S. 16 ff.) ein Briefkonzept auf Gerberga hin interpretiert worden sein könnte; in der neuesten Ausgabe der Briefe Gerberts ist eine solche Identifizierung jedoch nicht vorgenommen worden. Wie wichtig es ist, sich die skizzierte Unklarheit zum Sterbejahr der Gerberga zu vergegenwärtigen, zeigt Althoff, Adelsfamilien S. 161 ff., wo mit dem Todesjahr 984 wegen der Wirren um die Nachfolge Kaiser OTTOS II. (Usurpationsversuch Heinrichs des Zänkers!) erklärt wird, warum der Todestag der Königin Gerberga unter denen der OTTONEN-Familie als einziger nicht in das Merseburger Nekrolog aufgenommen ist; bei einem Sterbejahr 968 oder 969 ließe sich jedoch an Unsicherheit der neuen Quedlinburger Äbtissin Mathilde denken.
Die Vermählung Gerbergas, der Tochter König HEINRICHS I., mit Herzog Giselbert von Lothringen bezeugen die Annales S. Maximini a. 929, SS IV 6; die weiteren Quellenbelege sind bei BO. 22b zusammengestellt. Der zeitliche Ansatz dieser Eheschließung ist in der Forschung  strittig. Wir folgen wie Köpke-Dümmler S. 16 und Werner VI, 12 dem Jahr der Annales S. Maximini, während sich Waitz S. 121 f. und BO. 22b für Sommer 928 entschieden, da die Annales S. Maximini in ihren Nachrichten des Jahres 930 (Heirat des sächsischen Königs-Sohnes OTTO mit Edgith, Tod König Karls des Einfältigen) um ein Jahr vorausdatiert worden sind und dann folglich auch die Heirat Gerbergas mit Giselbert ein Jahr zu spät stände. Doch läßt sich bei einem Ansatz dieser Hochzeit für 929 an einen Zusammenhang mit der Hausordnung desselben Jahres denken; vgl. zur Bedeutung dieser Hausordnung für die familiären Verhältnisse des Königs Schmid, Thronfolge S. 439 bis 442. Zur Zeit der Hausordnung muß die Ehe Gerbergas aber schon bestanden haben, wie aus den damals angefertigten Gedenkbucheinträgen in den beiden Verbrüderungsbüchern von St. Gallen (col. 265, Piper S. 84) und dem Kloster Reichenau (pag. 63) ganz eindeutig hervorgeht. Zu den REGINAREN, der Familie Herzog Giselberts, vgl. Werner V, 11 und VI, 12-VI, 14, Knetsch, Brabant S. 12 zu III 4, sowie zur politischen Bedeutung der REGINARE Hlawitschka, Lotharingien passim. Herzog Giselbert hatte, wie Vanderkindere, Formation Bd. 2, S. 163 f., annimmt, wohl die Grafenrechte im Lüttichgau; vgl. dazu auch Nonn, Pagus S. 103.
König Ludwig IV. "der Überseeische", ein Sohn König Karls III. des Einfältigen und dessen dritter Gemahlin Eadgifu (einer Schwester der Königin Edgith), mußte nach der Absetzung und Inhaftierung seines Vaters (923) nach England fliehen. Auch für die Familie Ludwigs IV. und seine eigene Person sind die Daten und Belege bei Werner V, 38 und VI, 37-47 zusammengestellt.


Barth Rüdiger E.:
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"Der Herzog in Lotharingien im 10. Jahrhundert"

Gerberga brachte ihrem Gemahl das Mitgiftsgut Sprimont unweit des Doppelklosters Stablo-Malmedy mit in die Ehe.
Laut Flodoard und Richer blieb der Meersener Besitz der Witwe Giselberts, Schwester OTTOS I., auch nach 939 ihr Eigentum, anscheinend sogar bis zu ihrem Tod im Jahr 968.

Mohr Walter: Band I Seite 30
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Da Giselbert einen unmündigen Sohn Heinrich hinterlassen hatte, konnte sich Ludwig IV. einen maßgeblichen Einfluß auf die lothringischen Angelegenheiten erhoffen, wenn er dessen Mutter Gerberga heiratete. Über deren Stellung unmittelbar nach dem Tode ihres Gemahls berichtet nur der später schreibende Liutprand von Cremona. Danach soll ihr und König OTTOS Bruder Heinrich zu ihr geflüchtet sein, doch habe sie ihm keinen Schutz gewährt, um nicht des Königs Zorn auf sich zu laden. Somit hätte sie also zur Seite des ostfränkischen Königs gehalten. Darin widerspricht sich indes Liutprand selbst, der an anderer Stelle erzählt, OTTO habe dem Herzog von Bayern seine Schwester zur Gemahlin versprochen, falls er ihrer habhaft werden könne. Hier spielt also offensichtlich viel Anekdotenhaftes mit. Aus allen übrigen Berichten über die Heirat Ludwigs IV. mit Gerberga ist keinerlei Widerstand von ihrer Seite gegen diese Verbindung zu ersehen.

Glocker, Winfrid: Seite 28-46
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

III. Gerberga und Hadwig, die Schwestern Ottos des Großen

Gerberga, die eine der beiden Schwestern OTTOS DES GROSSEN, wurde im Sommer 928 mit dem Lothringer-Herzog Giselbert vermählt. Nach dem Tode ihres Gatten wandte sich Gerberga an Ludwig IV., den westfränkischen König, der sie als seine Gemahlin heimführte. Schon zwei Jahre vor dieser Eheschließung war die andere der Schwestern, Hadwig, die Gemahlin Herzog Hugos von Franzien, des innenpolitischen Hauptgegners Ludwigs IV., geworden. Unser Wissen über Hadwig ist jedoch nur sehr schmal und steht zudem in einem inneren Zusammenhang mit der Geschichte Gerbergas: daher bietet es sich an, die beiden Schwestern in einem Kapitel gemeinsam zu behandeln.

1. Die Ehe Gerbergas mit dem Lothringer-Herzog Giselbert


Gerberga war die ältere der Töchter König HEINRICHS I. und der Königin Mathilde. Im Sommer 928 vermählte der ostfränkische König diese Tochter - sie dürfte damals etwa 15 bis 16 Jahre alt gewesen sein - mit dem Herzog der Lothringer.
"Giselbert wurde der Schwiegersohn des Königs..., und HEINRICH hatte eine ganz nahe Verwandte als Vertreterin seiner Sache an der Seite des lothringischen Herzogs". Es ist bekannt, daß Ehebündnisse friedenstiftenden Charakter haben. So sollte auch Gerberga mit ihrer Heirat ein Band der neuen Verwandtschaft zwischen dem O-Reich, das eben erst dabei war, seine Identität zu finden, und Lothringen, das diesem werdenden Reich vor kurzer Zeit eingegliedert worden war, knüpfen. König HEINRICH betonte zugleich den hohen Rang, den er Giselbert zuerkannte, indem er ihm seine Tochter zur Frau gab. Mit einer solchen Perspektive dürfte Gerberga die Reise in ihre neue Heimat angetreten haben. Sie war mit Sicherheit jedoch viel zu jung, um nicht dazu aus ihrer neuen Umgebung wesentliche und stark prägende Eindrücke in sich aufzunehmen.
Zwischen den Erwartungen, die das junge ostfränkische Reich an die Lothringer stellte, und dem Selbstverständnis der Lothringer war es bereits in früheren Jahren zu Spannungen gekommen. Im Bonner Vertrag von 921 war HEINRICH als "rex Francorum" in die fränkische Reichstradition eingetreten und legitimierte hiermit zugleich auch seinen Anspruch auf Lothringen. Einem solchen Anspruch des ostfränkischen Reiches stand aber das traditionelle Streben der Lothringer nach Selbständigkeit entgegen. "Die Eingliederung Lotharingiens in den werdenden Reichsverband durch HEINRICH I. war... das Ergebnis einer zielstrebigen Politik... Dass HEINRICH die Eingliederung gelang, war dennoch keine Selbstverständlichkeit oder etwa gar das Ergebnis einer zwangsläufigen Entwicklung..." Die führenden Schichten im Gebiet zwischen Rhein und Maas betrachteten sich, wie wir mit Sicherheit annehmen dürfen, nicht als integrierten Bestandteil eines einigen deutschen Reiches. Seit den ersten Teilungen des KARLS-Reiches schwankte die Zugehörigkeit dieses Kernraumes des einstigen Mittelreiches. Nur der rückblickende Historiker kann erkennen, welche epochale Wirkung die Entscheidung von 925 haben sollte, die für ein halbes Jahrtausend die Weichen stellte: den Zeitgenossen muß dies verborgen geblieben sein.
Nicht nur die Lothringer mit ihren latenten Unabhängigkeitsstreben schienen einer Stabilisierung dieses Gebietes im Wege zu stehen, sondern auch der nie aufgegebene Anspruch der westfränkischen KAROLINGER auf dieses ihr Stammland: "In ihm konzentrierte sich die Masse des karolingischen Krongutes, hier lagen so manche wichtige Klöster des einstigen Reiches, wie Prüm, Echternach, Malmedy-Stablo, Nivelles und Lobbes, Gorze, Senones, Moyenmoutier und Remiremont und ebenso die für die damaligen Zeiten angesehenen Städte Köln, Trier, Metz, Toul, Verdun und Straßburg, Lüttich, Utrecht und Cambrai, die zugleich Bischöfe, Domkirchen und bedeutende Klöster beherbergten..."
Durch die Ohnmacht der westfränkischen KAROLINGER war Lothringen 879/80 in den Verträgen von Verdun und Ribemont an das O-Reich gekommen. Mit dem Tode König Ludwigs des Kindes verfiel jedoch auch dort die politische Macht. Diese Gunst der Stunde nützte der westfränkische König Karl der Einfältige, um seine Ansprüche auf das karolingische Stammland wieder zur Geltung zu bringen: die lothringischen Großen verließen ihren König und brachten mit diesem Akt ihr Eigenständigkeitsbewußtsein deutlich zum Ausdruck.
Dieses Selbstverständnis der Lothringer ist historisch begründet. Bei seinem Versuch, ganz Lothringen in seine Hand zu bringen, hatte sich KARL DER KAHLE 869 in einer eigenen Wahlhandlung zum König von Lothringen krönen lassen. Auch seine Nachfolger kamen nicht an der Sonderrolle des lothringischen Raumes vorbei, und dies um so weniger, je schwächer der jeweilige Herrscher war. Kaiser ARNULF setzte Zwentiboldals Unterkönig ein, unter Ludwig dem Kind sollte der Graf Gebhard aus der Familie der KONRADINER die Reichsrechte in der Funktion eines Statthalters wahren. Beide Versuche scheiterten jedoch am Selbstbewußtsein eines Adels, der aus den Wirren der KAROLINGER-Zeit als Sieger hervorgegangen war und sich nun einem Oberkönigtum nicht mehr bedingungslos unterwerfen wollte. Die mächtigste Stellung unter den Großen Lothringens hatte die Familie der REGINARE inne; zu dieser Familie zählte auch Giselbert, der Bräutigam der ostfränkischen Königstochter. Ihre Macht stützten die REGINARE auf reiche Besitzungen im Gebiet der unteren Maas. So war bereits Reginar I., der Vater Giselberts, der führende Mann bei der Entscheidung von 911 gewesen, sich vom O-Reich zu trennen. Wie wir aus der Politik seines Sohnes ab 915 deutlich erkennen können, muß diese Entscheidung von der Absicht getragen gewesen sein, eine unabhängigere Stellung zwischen den Reichen zu gewinnen. So zögerte Giselbert keine Minute, als König Karl III. der Einfältige versuchte, gerade von Lothringen aus seine Macht neu zu etablieren, und leitete einen Aufstand gegen den westfränkischen König in die Wege. Bei einem Erfolg hätte sich Giselbert unter Umständen sogar zum König der Lothringer krönen lassen. König Karl konnte aber doch noch einmal seine Oberhoheit über Giselbert behaupten, was auch König HEINRICH I. im Bonner Vertrag von 921 anerkennen mußte. Die Entmachtung Karls in den folgenden Jahren ermöglichte nun erst das neue Bündnis zwischen Giselbert und König HEINRICH I.: Lothringen wurde nach der Art und der Rechtsstellung eines Stammesherzogtums in das ostfränkische Reich eingegliedert, obwohl es von keinem eigenen Stamm getragen wurde.
Eine gewisse Zeit lang scheint die gegenseitige Respektierung ein gutes Auskommen zwischen König und Herzog ermöglicht zu haben. So ließ Herzog Giselbert seinen königlichen Schwiegervater und "senior" (dies als Zeichen für die lehensrechtliche Bindung an König HEINRICH I.) in ein Familiengebetsgedenken mit einbeziehen.
Aber letztlich wartete Giselbert doch nur auf eine Gelegenheit, um sich aus der Abhängigkeit vom O-Reich wieder lösen zu können. Diese Gelegenheit bot sich 939 beim Aufstand Heinrichs, des jüngeren Bruders König OTTOS I. Wie der neue König durch die Wahl Aachens als Krönungsort und durch das Krönungszeremoniell gezeigt hatte, dachte er überhaupt nicht daran, Lothringen weiterhin eine Sonderstellung unter den Stammesherzogtümern zuzugestehen. Die Vermutung, die Liutprand von Cremona äußert, Giselbert habe selbst nach dem Königtum gestrebt, ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Giselbert, dem jungen Heinrich an Reife und politischer Erfahrung weit voraus, dürfte sich für die Unterstützung mit handfesten Zusicherungen haben bezahlen lassen: er wird ein lothringisches Sonderkönigtum als sein mindestes Ziel angestrebt gaben. In dieser skizzierten politischen Situation fällt nun in einer bisher wenig beachteten Quelle, der Translatio s. Servatii, ein Licht auf das politische Wirken der Gerberga an der Seite ihres Mannes:
"'Erat',...'domne imperator, matrona quedam dicta Gerberia, imperatoris soror OTTONIS, et hec Giselberti uxor, omnium Lotharie principum eo tempore nobilioris atque ditioris. Illis sane diebus pax erat et concordia universi regni in partibus, sed non diuturna, quia cicius transitura. Nam multi ex principibus insurgunt in regem, eumque deponerequerunt, memoratum Giselbertum elevare in regni solium volunt. At ille, ut iustus, ut bonus, eis adquiescere noluit, sed viriliter restitit et fortiter, vehementer abhorrens hoc scelus et nefas. Quid plura ? Eius auxilio tandem OTTO remasit in regno, ipse mercedis benedictione accepto ducatus Lotharici honore, redit domum, indicat uxori. At illa nimio furore accensa, maritum despexit, nec ultra ad eum accessit, quia eius inscicia, dum fratre minor non esset er genere ingenii et virtute, sibi regnare non licuit... Idcirco, domine, non iniusta huius matronae indignatio. Dux vero non ferens iniuriam coniugis, non ferens obpropria homium, invasit regnum, vastavit atque spoliavit. Cognovit rex, et quia non potuit sustinere eum, velociter transivit Renum. In parte illa positus, magnum congregavit exercitum, adversarius autem, paucis secum retentis, venit post eum; occurrunt et speculatores regis, et inventum occiderunt. Quem enim, fratres, non perdit mens impia, mens perversa mulierum?...'"
Iocundus, ein wahrscheinlich aus Frankreich stammender Mönch, verfaßte 1088 einen Bericht über die Wunder bei der Übertragung der Reliquien des heiligen Servatius und schloß eine Geschichte Maastrichts von den ältesten Zeiten bis zu Kaiser HEINRICH IV. an, in der jedoch ältere Vorlagen mit verarbeitet sind. Bei dieser Gelegenheit kommt er auch auf Herzog Giselbert zu sprechen und vertritt die Meinung, es sei Gerberga gewesen, die ihren Gemahl zum Aufstand gegen König OTTO I. angestachelt und somit Giselberts Tod verschuldet habe. Wenn man diesen Bericht wörtlich nimmt, so müßte man mit Robert Konrad (der in den 1960-er Jahren erstmals auf diese wenig beachtete Quelle aufmerksam machte) in Gerberga eine machthungrige Frau sehen, die, von politischem Ehrgeiz besessen, gegen die Famileininteressen der OTTONEN handelte. Als erstes wäre die Frage zu klären, inwieweit Gerberga überhaupt noch ein Zugehörigkeitsgefühl zur Familie ihrer Geschwister gehabt haben könnte: nach germanischem Bewußtsein war sie ja durch Heirat in die Familie ihres Gemahls übergetreten. Zum zweiten müßten wir fragen, ob ein Mann wie Giselbert, der im Laufe seiner politischen Karriere einige Erfahrung in Sachen Aufstand gegen den jeweiligen Herrscher hatte gewinnen können, zu einem derartigen Vorhaben überhaupt die Ermunterung durch seine wesentlich jüngere Frau nötig gehabt hätte. Der Annalist Flodoard unterstellt es Giselbert, selbst nach dem Königtum gestrebt zu haben. Auch die Politik, die eigene Stellung möglichst unabhängig von der königlichen Herrschaft zu halten, liegt so sehr in der Familientradition der Reginare, daß wir eine Initiative Gerbergas, die Giselbert erst zu einer Beteiligung am Aufstand Heinrichs hätte überreden müssen, mit Sicherheit ausschließen können.
Die Aussagen der Translatio s. Servatii können wir jedoch mit einer Relativierung durchaus verwenden, um die Rolle Gerbergas genauer einzuschätzen: Gerberga dürfte sich spätestens zu dieser Zeit die Anschauung ihres Gemahls völlig zu eigen gemacht haben. Anstatt die Loyalität Lothringens gegenüber dem Reich zu garantieren, wie es ihr Vater, König HEINRICH, bei der Eheschließung erwartet haben dürfte, vertrat die Gemahlin des Lothringer-Herzogs nun die Unabhängigkeit des Rhein-Maas-Landes und besaß an der Seite Giselberts soviel politisches Gewicht, dass sie der Vorlage des Iocundus der Erwähnung wert erschien. Die Absichten und Pläne Gerbergas dürfen nicht einfach mit denjenigen ihres Bruders OTTO oder etwa mit ottonischen Familieninteressen gleichgesetzt werden. Dies zeigt der weitere Lebensweg Gerbergas ganz deutlich.

2. Die Heirat Gerbergas mit König Ludwig IV. Transmarinus


"Mit dem Urenkel Kaiser LOTHARS versank der Traum eines lothringischen Reiches für immer in den Fluten des Rheines." Der nunmehrigen Witwe Gerberga stellte sich die Frage, wie sie ihre Zukunft gestalten sollte: sie hatte die Möglichkeit, den Widerstand ihres verstorbenen Gatten fortzusetzen, hätte sich aber auch ihrem Bruder, König OTTO I., zur Verfügung stellen können. An besonderer Brisanz gewann diese Frage durch das germanische Rechtsdenken, nach dem eine Frau nicht selbständig handeln konnte, sondern der "munt" eines Mannes bedurfte. Dieser Mann war zuerst ihr Vater, dann in der Regel der Ehemann. Starb der Gemahl einer Frau, ging sie meist wieder in die "munt" ihres Vaters bzw. dessen nächsten noch lebenden männlichen Verwandten zurück. So hatte König OTTO schon begonnen, sich als nächster und ältester männlicher Verwandter um das weitere Schicksal seiner Schwester zu kümmern: er machte Herzog Berthold von Bayern das Angebot, die Witwe Gerberga zur Ehe heimzuführen. Berthold wollte aber lieber auf die Tochter Herzog Giselberts und der Gerberga warten, die ihm ebenfalls von König OTTO alternativ als Braut vorgeschlagen worden war, aber das heiratsfähige Alter noch nicht erreicht hatte.
In dieser Situation können wir nun ein eigenständiges politisches Handeln der Gerberga beobachten. Sie entschloß sich, den Widerstand gegen ihren Bruder, König OTTO, nicht fortzusetzen, und verweigerte folgerichtig ihrem Bruder Heinrich das erbetene Asyl auf der Burg Chevremont, wohl um den Zorn OTTOS DES GROSSEN nicht unnötig herauszufordern. Andererseits begab sie sich aber auch nicht in die "munt" ihres Bruders, sondern nahm die Werbung des westfränkischen Königs, Ludwigs IV. Transmarinus, an. An der Seite des um sieben Jahre jüngeren Ludwig konnte sich Gerberga ihr politisches Wirkungsfeld erhalten, während Ludwig IV. einen zusätzlichen Rechtstitel auf Lothringen erwarb, auch wenn er OTTO vorläufig militärisch das Feld räumen mußte. Das Mitleid König Ludwigs mit der armen Witwe, von dem uns der Chronist Richer von St. Remi berichtet, ist wohl ähnlich zu bewerten wie die gleichklingenden angeblichen Absichten, die OTTO DER GROSSE gehegt haben soll, als er um die schöne Witwe Adelheid warb, wie uns dies die Nonne Hrotsvith von Gandersheim so herzergreifend geschildert hat. Die Heirat mit einer Tochter König HEINRICHS I. bot für König Ludwig IV. allerdings noch einen weiteren Pluspunkt: er konnte in seinen verwandtschaftlichen Beziehungen mit dem innenpolitischen Hauptgegner gleichziehen: Herzog Hugo von Franzien war nämlich seit zwei Jahren mit der Schwester der Gerberga, mit Hadwig, verheiratet.

3. Kurzer Abriß der Entwicklung im Westreich bis zum Regierungsantritt König Ludwigs IV. Transmarinus


Um den inneren Konflikt im W-Reich besser verstehen zu können, in den nicht nur die beiden Schwestern König OTTOS I., sondern nach und nach auch er selbst mit einbezogen wurde, ist es hilfreich, sich die Vorgeschichte des Regierungsantritts König Ludwigs IV. zu vergegenwärtigen.
Im Mittelpunkt der Geschichte des westfränkischen Reiches im 10. Jahrhundert stand das Ringen um die Francia, also um den zentralen Kernraum zwischen Rhein und Loire. An diesem Kampf beteiligten sich in wechselnden Gruppierungen und Bündnissen: der westfränkische König, die Grafen von Vermandois, das Haus FLANDERN und die Familie der ROBERTINER, die von Paris aus Besitz und Vasallen zwischen Seine und Maas an sich brachten.
Wir setzen  mit unserer Betrachtung ein in dem Moment, als sich Heribert II. von Vermandois (+ 943) durch Graf Arnulf I. von Flandern (918-965) im Norden in die Defensive gedrängt sah und sich daher bemühte, im Zentrum der Francia auf Kosten des Königs und der Kirche von Reims Boden zu gewinnen, um sich auf diese Weise wie die anderen Großen des westfränkischen Reiches ein "regnum" als Machtgrundlage zu schaffen.
Die Auseinandersetzung zwischen Heribert II. von Vermandois und dem König Rudolf von Bourgogne gliedert sich in vier Phasen. Von 923 bis 926 herrschte gutes Einvernehmen zwischen beiden: Heribert unterstützte den König im Normannenkampf, Rudolf ließ es zu, daß Heriberts 5-jähriges Söhnchen zum Erzbischof von Reims geweiht wurde, wobei Heribert die Verwaltung der Reimser Territorien übernahm. In den Jahren 927 bis 929 kam es zum Bruch zwischen Rudolf und Heribert, als Heribert nach dem Tod des Grafen von Laon auch noch diese Grafschaft, die letzte Stütze des Königshauses für sich beanspruchte. Als es Heribert gelang, Bündnispartner auf seine Seite zu ziehen, sah sich König Rudolf gezwungen, Laon aufzugeben, um seinem Königtum wieder Anerkennung zu verschaffen. Die 3. Phase ist bestimmt durch den Bruch Heriberts und dem ROBERTINERHugo von Neustrien, der sich bisher neutral bzw. vermittelnd verhalten hatte. Heribert machte den ROBERTINERN, obwohl er mit ihnen im doppelten Ehebündnis stand, Vasallen in der Francia abspenstig. Hugo ging darauf gemeinsam mit König Rudolf gegen Heribert vor und ließ an Stelle des kleinen Hugo Artold als Erzbischof von Reims einsetzen. Trotz aller Unterstützung aus Lothringen wäre Heribert in diesem Kampf unterlegen, wenn ihm nicht die Hilfe König HEINRICHS I. aus dem O-Reich zuteil geworden wäre. Im Dreikönigstreffen von Chiers 935 wurde Heribert fast völlig restituiert: die Verlierer bei dieser Regelung waren König Rudolf und noch mehr der ROBERTINER Hugo der Große, dem alle seine Gewinne gegen Heribert zunichte gemacht worden waren. Ein sächsisch-lothringisches Heer erzwang auch noch die Auslieferung von Saint Quentin an Heribert gemäß den Vereinbarungen; Hugo hatte diesen Ort in seiner Hand zu halten versucht.
Hugo sah bei dieser Entwicklung nun nur noch eine Möglichkeit, die Stellung Heriberts zwischen Maas und Seine entscheidend zu treffen: er stellte nach dem Tode König Rudolfs das karolingische Königtum wieder her, da dieses in der Francia Anspruch auf die Besitzungen Heriberts erheben konnte. Auf Grund seiner starken Machtposition konnte Hugo autonom über die Nachfolge König Rudolfs entscheiden: eine Wahl fand überhaupt nicht statt. Ludwig, der Sohn König Karls des Einfältigen, kam aus seinem englischen Exil bei den Verwandten seiner Mutter über das Meer (daher der Beiname "Transmarinus") und mußte Hugo für die Restitution des Königtums der KAROLINGER teuer bezahlen: die Stellung Hugos ist in einem Diplom Ludwigs IV. mit den Worten "Francorum dux, qui est in omnibus regnis nostris secundus a nobis" charakterisiert. Doch kaum hatte der junge König die sicheren Pfalzen erreicht, zeigte er, daß er nicht daran dachte, sich auf Dauer von Hugo dem Großen bevormunden zu lassen. Erzbischof Artold wurde der neue Kanzler des Reiches; der König selbst stützte seine Macht auf Vasallen des Erzbischofs von Reims und auf einige Große der Francia, vor allem aber auf sein Bündnis mit Hugo dem Schwarzen von der Bourgogne.
Die veränderte politische Situation förderte das Entstehen neuer Koalitionen. Hugo von Franzien und Heribert von Vermandois, die sich eben noch feindlich gegenüber gestanden hatten, verbündeten sich nun gegen König Ludwig IV. Und Hugo der Große vergaß die Nachteile, die ihm durch die Einmischung König HEINRICHS I. im Jahre 935 entstanden waren, und heiratete (wohl auf Vermittlung Heriberts) Hadwig, die Tochter des verstorbenen O-Frankenkönigs; sie war ja, wie wir wissen, die zweite Schwester OTTOS I., der seit einem Jahr die Krone des ostfränkischen Reiches trug.

4. Die Heirat Hadwigs mit Hugo von Franzien


Die zeitgenössischen historischen Quellen wissen nur wenig über diese Schwester OTTOS DES GROSSEN. Wenn sie überhaupt - wie Widukind, Flodoard und Hugo von Fleury - von ihrer Person Kenntnis haben, so ist ihnen der Name Hadwigs doch unbekannt, der uns in einer Urkunde ihres Vaters, König HEINRICH I., überliefert ist. Eine Urkunde Herzog Hugos von Franzien, des Gemahls der Hadwig, vom 14. September 937 ermöglicht uns die chronologische Einordnung dieser Vermählung.
Wir wissen auch nicht, von welcher Seite die Initiative zu dem Ehebündnis zwischen dem ost- und westfränkischen Reich ausging. Philippe Lauer nahm an, es handle sich hier um "un pretexte [von Seiten OTTOS DES GROSSEN] pour intervenir en France" und tadelte in seiner eher nationalistischen Sicht der Geschichte des 10. Jahrhunderts wegen "les plus graves consequences... des invasions allemandes en France", die Folgeerscheinung dieser Politik werden sollten. August Heil dagegen sah die Initiative eher bei Hugo dem Großen, da dieser für den "beabsichtigten Kampf gegen Ludwig den nötigen Rückhalt" gesucht habe.
Wohl beide Seiten erwarteten sich Vorteile aus dieser Vermählung: Hugo suchte (und fand) eine zusätzliche Stütze für seine Politik im ostfränkischen Reich, während OTTO I. ein zusätzliches Gewicht in die Waagschalen der lothringischen Frage legen konnte, einer Frage, die immer noch als unentschieden angesehen werden mußte.

5. Die Einflußnahme Ottos und Bruns im Westreich


König Ludwig IV. gelang es nicht, seinem Anspruch auf Lothringen mit realem politischen Gewicht durchzusetzen, den er in der Heirat mit der Witwe des lothringischen Herzogs hatte bekräftigen wollen. OTTO nutzte die Gelegenheit seines Aufenthaltes in Lothringen und traf sich mit den innenpolitischen Gegnern des westfränkischen Königs, obwohl dieser nun sein Schwager geworden war. Dieses Bündnis mit den Gegnern Ludwigs nahm ein Jahr später sogar vasallitische Formen an: "Hugo et Heribertus... Othoni regi obviam proficiscuntur; cui conjuncti at Atiniacum eum perducunt, ibique cum Rotgario comite ipsi Othoni sese commitunt." König Ludwig wurde so durch dieses Bündnis in die Zange genommen, konnte sich nicht behaupten und mußte nach militärischen Niederlagen gegen Hugo und OTTO 942 das faktische Scheitern seiner Pläne anerkennen: der ostfränkische König verblieb im Besitz Lothringens.
Die ältere Forschung nahm an, es sei hauptsächlich Gerberga gewesen, die ihren Gemahl zu diesem Verzicht bestimmt habe. Doch gegen eine solche Hypothese lassen sich eine Reihe von Einwänden vorbringen: die politische Vorgeschichte Gerbergas, vor allem ihre eigenmächtige Heirat mit dem westfränkischen König, läßt es als wenig wahrscheinlich erscheinen, sie habe sich nun urplötzlich zum Anwalt der ostfränkisch-deutschen Interessen gemacht. Die Einwilligung der Witwe des lothringischen Herzogs in die neue Ehe mit Ludwig IV., deren politische Bedeutung Gerberga wohl kaum verborgen geblieben sein dürfte, und die Tatsache, dass Ludwig auch nach der Hochzeit seinen Kampf um Lothringen nicht aufgegeben hat, lassen erkennen, dass die Königin nicht bezüglich Lothringens Einfluß im Interesse der ottonischen Politik ausgeübt haben kann. Der Friedensschluß von Vise war weniger das Ergebnis eines familiären Komplotts als das Resultat einer tatsächlichen Überlegenheit OTTOS, einer Tatsache, die sicher auch die Königin Gerberga in Rechnung zu stellen wußte. Wenn sie daher ihren Mann tatsächlich zum Verzicht auf Lothringen bewogen haben sollte, so geschah das in seinem und nicht in OTTOS Interesse. Und noch eine weitere gewichtige Tatsache spricht gegen eine derartige Argumentation: der erstgeborene Sohn des französischen Königspaares, der im Jahr 941 das Licht der Welt erblickte, wurde auf den Namen Lothar getauft. Wir kennen die programmatische Bedeutung der Namensgebung im Mittelalter: in dieser Namenswahl für den präsumptiven Thronfolger läßt sich eine deutliche Manifestation des königlichen Willens sehen, den Anspruch auf das alte Kernland der KAROLINGER nicht aufzugeben.
Der Frieden von Vise, mit dem OTTO zunächst eine neutrale Haltung einnahm, bedeutete für Ludwig nicht die endgültige Resignation: er nahm noch einmal den Kampf gegen die politische Übermacht seiner Gegner auf. Erst die Katastrophe von Rouen - Ludwig wurde gefangengenommen und an Hugo von Franzien ausgeliefert - bedeutete das Aus für alle Unternehmungen, dem Königtum der KAROLINGER wieder zu neuem Ansehen zu verhelfen. In dieser Krisensituation des westfränkischen Königtums tritt Gerberga wieder in das Licht der Geschichte: als Regentin weigerte sie sich, den Thronfolger Lothar als Geisel zu stellen, und sandte statt Lothar ihren zweitgeborenen Sohn Karl. Auf diese Weise kam der König frei: er mußte freilich auf Laon - ein Ort, der für das ohnehin nicht besonders starke Königtum der späten KAROLINGER besondere Wichtigkeit hatte und gerade für König Ludwig die letzte Basis seiner Macht gewesen war - verzichten. Ludwig wäre nun in die Rolle eines Schattenkönigs abgesunken, hätte nicht Gerberga den Anstoß für die große politische Umorientierung gegeben. Allen bisherigen Gegensätzen zum Trotz bat sie ihren Bruder OTTO I. um Hilfe und Schutz.
Alle früher abgeschlossenen Bündnisse stürzten nun um. OTTO ergriff fortan die Partei des westfränkischen Königs gegen die Versuche Herzog Hugos, das Königtum im W-Reich völlig zu entmachten. Nur kurze Zeit später unternahmen die neuen Verbündeten einen Feldzug gegen die Gegner Ludwigs IV., der König OTTO und das ostfränkische Heer bis vor die Tore von Paris und Rouen führte. Auch in den folgenden Jahren blieb die Zusammenarbeit zwischen den beiden Schwägern eng: Ludwig und OTTO trafen sich zwischen 946 und 950 fünfmal: das Osterfest 949 verbrachte Gerberga bei ihrem Bruder OTTO DEM GROSSEN in Aachen "regressa Remos...cum fraterni auxilii pollicitatione". Ein Jahr zuvor war auf der Synode zu Ingelheim, also auf dem Gebiet des ostfränkischen Reiches, der seit Jahren schwelende Reimser Bischofsstreit entschieden worden. Der Kandidat König Ludwigs, Artold, wurde durch päpstliche Entscheidung erneut bestätigt, und hiermit war implizit das Königtum Ludwigs unter die Garantie König OTTOS und des Papstes genommen worden. Eine solche Politik brachte es zwangsläufig mit sich, daß der ostfränkische König zu einem bestimmenden Faktor in der westfränkischen Innenpolitik wurde. Am deutlichsten können wir dies an der Synode zu Ingelheim beobachten, bei der auf ostfränkischem Boden unter Beteiligung deutscher und französischer Prälaten über eine Angelegenheit der Politik und der Kirche des Westreiches entschieden wurde. Die Verwandtschaft der Königin Gerberga zu den OTTONEN und ihre politische Wendigkeit verlängerte die Herrschaft der KAROLINGER im Westen um Jahrzehnte.
Gerberga ließ sich beim Abschluß von Bündnissen immer von den jeweiligen politischen Notwendigkeiten leiten, wie dies die Koalitionen, die sie seit 942 abschloß, deutlich zeigen. 953 vermittelte sie einen Waffenstillstand zwischen König Ludwig und ihrem Schwager Hugo dem Großen. Zwei Jahre später kam ihr Gatte, König Ludwig, bei einem Jagdunfall ums Leben. Hätte sich Gerberga, nun zum zweiten Mal Witwe geworden, allein an den deutschen König gewandt, wäre das französische Königtum auch formell dem deutschen unterstellt worden: OTTO wäre jetzt noch der äußeren Form nach in die Stellung eines großfränkischen Herrschers hineingewachsen. Doch Gerberga handelte anders: sie wandte sich an den bisher schärfsten Rivalen, Herzog Hugo von Franzien, und konnte tatsächlich die Unterstützung Hugos (der, was wir nicht vergessen dürfen, ja Gerbergas Schwager war) für die Wahl ihres Sohnes (und Hugos Neffen), des minderjährigen Lothar, zum westfränkischen König erhalten. Man kann nur Vermutungen anstellen, welche Motive Herzog Hugo bewogen haben, nicht die Schwäche des Königtums und der Königin Gerberga auszunutzen und sich nicht selbst die französische Königskrone aufs Haupt zu setzen. Vielleicht fürchtete er den Widerstand König OTTOS I., möglicherweise fühlte er aber schon seinen Tod herannahen. Zudem blieb er auch unter einem noch minderjährigen König Lothar der starke Mann im westfränkischen Reich.
Als Hugo der Große im Jahr 956 starb, war Königin Gerberga die unumstrittene Regentin Frankreichs. In dieser dritten Phase ihres politischen Wirkens war die Zusammenarbeit mit den übrigen Mitgliedern der sächsischen Königsfamilie am engsten. Die Macht und das Ansehen OTTOS DES GROSSEN hatten nach seinem Sieg in der Lechfeldschlacht ihren Höhepunkt erreicht. Nach dem Tod König Ludwigs IV. und Herzog Hugos des Großen konnte zudem keiner von den beteiligten Parteien mehr versuchen, den einen gegen den anderen auszuspielen. Die Regierung des westfränkischen Reiches lag praktisch in den Händen eines ottonischen Familienrates, in den Händen von Gerberga, Hadwig und Brun, dem Erzbischof von Köln und Bruder OTTOS DES GROSSEN. Nun, nach dem Tod ihres Gemahls, Hugo der Große, tritt auch Hadwig aus dessen Schatten heraus und findet in der Geschichtsschreibung Erwähnung. Brun waltete im Auftrag König OTTOS "als eine Art Reichsverweser, an der Spitze eines ottonischen Familienrates,... in den Landen zwischen Rhein und Loire".
Die starke Anlehnung an die Mitglieder der liudolfingischen Familie garantierte Gerberga zwar auf der einen Seite den Erhalt des Status quo zwischen den führenden Familien Frankreichs und damit das Königtum ihres Sohnes Lothar, erforderte aber auf der anderen Seite ein starkes Entgegenkommen gegenüber ihrem Bruder Brun. So war sie 957 gezwungen, an einem Feldzug Bruns gegen die Familie der REGINARE, also gegen die Verwandten ihres ersten Gemahls, teilzunehmen. Ein Jahr zuvor hatte Brun dafür gesorgt, dass Gerberga ihr Witwengut zurückerhielt. 959 verbrachten Gerberga und ihr Sohn, König Lothar - Hadwig war wohl Anfang dieses Jahres verstorben - gemeinsam mit Brun das Osterfest in Köln; bei dieser Gelegenheit mußte Lothar in aller Form auf jegliche Ansprüche auf Lothringen verzichten. Möglicherweise wollte Brun hiermit mehr dem Einfluß seiner Schwester, der Königin-Mutter Gerberga, auf den jungen König Lothar vorbeugen, wenn er von Lothar "securitas" für Lothringen verlangte. Denn die Königin Gerberga wie auch ihre Schwester Hadwig dürften in erster Linie die Interessen ihrer Söhne Lothar und Hugo (Capet) im Auge gehabt haben und nicht diejenigen ihrer Brüder, also die Interessen von OTTO DEM GROSSEN und Brun; beide werden versucht haben, den Kindern für die Zukunft alle politischen Möglichkeiten offenzuhalten.
Über die Grundlinien der Politik vergaß Gerberga jedoch nicht die Erfordernisse des Augenblicks. Nach dem Tod Erzbischof Artolds von Reims (des Erzbischofs, der im Jahr 948 von der Synode zu Ingelheim bestätigt worden war) versuchte das Haus VERMANDOIS erneut, seinen Kandidaten Hugo durchzusetzen. Gerberga bat ihren Bruder Brun um Hilfe: ihr gemeinsamer Kandidat Odelrich wurde zum Erzbischof von Reims gewählt. Mit diesem Mann hat Brun zugleich einen seiner Schüler auf den Erzbischofsstuhl dieser wichtigen Diozöse gebracht.
Höhepunkt - und Abschluß - der "Familienregierung" im westfränkisch-französischen Reich war der Kölner Hoftag im Juni 965: als unumstrittener Hegemon sammelte Kaiser OTTO DER GROSSE seine Familienangehörigen um sich und zeigte sich in seiner neu gewonnenen Kaiserwürde. Auf diesem Hoftag wurde zudem ein neues Ehebündnis zwischen Ost- und Westreich geschlossen: der Kaiser verlobte seine Stieftochter Emma (die Tochter der Kaiserin Adelheid aus deren erster Ehe mit König Lothar von Italien) mit König Lothar von Frankreich.
Von einer formalen Abhängigkeit des W-Reiches von Kaiser OTTO DEM GROSSEN kann aber auch zu diesem Zeitpunkt keine Rede sein, wenn sie rein äußerlich auch bestanden haben mag. Gerberga hinterließ bei ihrem Tod, der sie vier Jahre nach dem Tode ihres Bruders Bruno von Köln und vier Jahre vor dem Tod ihres ältesten Bruders OTTO DER GROSSE erteilen sollte, ihrem Sohn Lothar eine stabilere Herrschaft als diese Gerbergas Gemahl und Lothars Vater, König Ludwig IV., bei seiner Rückkehr auf das Festland vorgefunden hatte. Das politische Erbe seiner Mutter gab König Lothar die Chance, noch einmal nach der Herrschaft über das alte karolingische Kernland greifen zu können.

6. Zusammenfassende Würdigung Gerbergas und Hadwigs


König OTTO I. hatte das Hauptziel seiner W-Politik von seinem Vater HEINRICH I. geerbt: die Herrschaft über Lothringen zu sichern. Nur die Herrschaft über dieses alte karolingische Kernland ermöglichte es dem jungen Reiche König OTTOS I., das Übergewicht über das westfränkische Reich zu gewinnen und schließlich auf diese Weise auch in das Erbe KARLS DES GROSSEN, die Kaiserwürde eintreten zu können. Um dieses Ziel seiner Politik zu verwirklichen, benutzte König OTTO geschickt die vorgefundenenen Spannungen im Westreich, die es ihm ermöglichten, Lothringen für sein Reich zu sichern. Der entscheidende Angelpunkt für ein solches Vorgehen war die Verbindung OTTOS DES GROSSEN mit den ROBERTINERN, und zwar mit dem mächtigen Herzog Hugo von Franzien, dem latenten Hauptgegner König Ludwigs IV. Transmarinus. Ein direkter Weg führt von der Hochzeit Hugos des Großen mit der Schwester König OTTOS, mit Hadwig, zum Bündnis von Attigny: diese Heirat erwies sich, auch wenn dies nicht von vornherein geplant gewesen sein sollte, als ein bewußt eingesetztes Mittel der ottonischen Politik, um Hugo von Franzien an den ostfränkischen König zu binden und so die Gefahr für Lothringen, die in der Herrschaft der KAROLINGER im W-Reich weiter am Schwelen war, abzuwenden.
Die Ehe der anderen der beiden Schwestern König OTTOS I., der Gerberga, mit König Ludwig IV. muß schon vom Ansatz her anders beurteilt werden. OTTO wurde von seiner Schwester überspielt, mit der er andere Pläne hatte: Gerberga handelte selbständig. König Ludwig IV. seinerseits dürfte hauptsächlich an die Untermauerung der karolingischen Ansprüche auf Lothringen gedacht haben. Die Bedeutung jedoch, die diese Ehe in den folgenden Jahren noch für das westfränkische Königtum gewinnen sollte, konnte von keiner Seite vorausgesehen werden. Die Verbindung mit Gerberga verschaffte dem westfränkischen König die Verwandtschaft mit König OTTO I. und damit einen Schwager, der Ludwig die Hilfe geben konnte, die er brauchte, um im Kampf gegen seine inneren Feinde das Königtum für sich und seinen Sohn behaupten zu können. Aber auch für OTTO DEN GROSSEN wirkte sich die Vermählung seiner Schwester Gerberga, obwohl sie gegen seinen Willen geschehen war, letztendlich zum Vorteil aus: die gleichartigen Verwandtschaftsverhältnisse zu den beiden führenden Häusern Frankreichs ermöglichte es dem ostfränkisch-deutschen König, ab 945, als die Bedrohung Lothringens durch die innenpolitischen Schwierigkeiten König Ludwigs in den Hintergrund getreten war, zwischen den beiden Parteien vermittelnd einzugreifen und somit de facto zum heimlichen Herrscher im W-Reich zu werden. Nach außen hin ließ sich diese faktische Herrschaft OTTOS DES GROSSEN in der Form familiärer Beziehungen und Kontakte ausüben. "Seine Verwandtschaft mit den beiden feindlichen Geschlechtern ließ seine westfränkische Politik als Familiensache erscheinen und warf auf die faktische deutsche Vorherrschaft einen versöhnenden Schimmer."
Die Zeitgenossen haben OTTOS Position offenbar nicht als hegemonial empfunden. Die französische Geschichtsschreibung kennt weder eine "nationale" Abneigung gegen eine "Fremdherrschaft" noch sieht sie in Ludwig IV. oder Lothar abhängige Monarchen. "OTTO war also für die W-Franken weniger der große fremde Herrscher als vielmehr der mächtige Verwandte des königlichen Hauses, der eine Art patriarchalische Stellung inmitten einer großen königlichen und fürstlichen Familie einnahm."
Die Bindungen zwischen dem ost- und dem westfränkischen Reich überdauerten deshalb auch nicht den Tod der Hauptakteure. Mit dem Tod Gerbergas und dem Beginn der selbständigen Regierung Lothars entwickelten sich die beiden Reiche wieder auseinander, ja sogar gegeneinander.
 
 
 
 

    928
  1. oo Giselbert Herzog von Lothringen
           880-2.10.939

    939
  2. oo Ludwig IV. König von Frankreich
          10.9.920/21-10.9.954
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Alberada
  930-10.5.967

 945
  oo Ragenold Graf von Roucy
              -10.5.967

  Heinrich
  935-   944

  Gerberga
  935-7.9.978

 954
  oo Adalbert Graf von Vermandois
               -8.9.987

  Liethard
       -   944

2. Ehe

  Lothar III. König von Frankreich
  Ende 941-2.3.986

  Gerberga (nach K.F.Werner Verwechslung mit Gerberga aus Gerbergas 1. Ehe mit Giselbert von Lothringen)
  940 oder 942-

  oo Albert Graf von Vermandois
              -

  Karl
  945-   953

  Mathilde
  Ende 943-26.11. nach 981

 964
  oo 2. Konrad König von Burgund
           um 923-19.10.993

  Ludwig
  948-10.11.954
         Laon

  Karl Herzog von Nieder-Lothringen
  Sommer 953- nach 991
  Laon

  Heinrich
  Sommer 953- 953
  Laon
 
 
 
 

Literatur:
-----------
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